Queensrÿche – The Verdict

„Eine gute Scheibe, die nur leicht gegenüber früheren Glanztaten abfällt!“

Artist: Queensrÿche

Herkunft: USA

Album: The Verdict

Spiellänge: 44:26 Minuten

Genre: Progressive Metal, Melodic Metal

Release: 01.03.2019

Label: Century Media/ Sony

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Produktion: Chris „Zeuss“ Harri, Uberbeatz in Lynwood, Washington; Planet-Z in Wilbraham, Massachusetts und in den Watershed Studios in Seattle, Washington.

Bandmitglieder:

Gesang – Todd La Torre
Gitarre – Michael Wilton
Gitarre – Parker Lundgren
Bassgitarre – Eddie Jackson
Schlagzeug – Todd La Torre (nur vertretungsweise im Studio)

Tracklist:

1. Blood Of The Levant
2. Man The Machine
3. Light-years
4. Inside Out
5. Propaganda Fashion
6. Dark Reverie
7. Bent
8. Inner Unrest
9. Launder The Conscience
10. Portrait

Fans dürften gegensätzliche Meinungen darüber haben, dass es Queensrÿche überhaupt noch gibt, nach dem streitbedingten Abgang von Sänger Geoff Tate. Manch einer wird glücklich sein, auch weil es musikalisch mit Tate offenbar überhaupt nicht mehr klappte – nur so lässt sich das damalige miese Album Dedicated To Chaos erklären. Ersatzmann Todd LaTorre (ehemals Crimson Glory) am Mikro tat der Band hörbar gut: Die beiden Alben Queensrÿche und Condition Hüman sorgten für durchweg gute bis sehr gute Kritiken. Auch weil man wieder zurück zum Stil der früheren Alben gegangen war. Womit wir beim Konfliktherd für viele Fans der Band sind: Die verbliebenen Gründungsmitglieder Michael Wilton und Eddie Jackson – Drummer Scott Rockenfield ist aus nicht genannten Gründen derzeit nicht mit von der Partie – werden immer mit einem Vergleich zur grandiosen Schaffensphase von Anfang der 80er bis Anfang der 90er leben müssen. The Warning, Rage For Order und Operation: Mindcrime sind Meilensteine des Heavy Metals. Woran auch das glockenklare, kraftvolle Organ von Sänger Tate seinen großen Anteil hatte. Wie soll man als Musiker, wie sollen neue Songs dagegen bestehen?

Des Rätsels Lösung: Keine Vergleiche anstellen, weder mit dem früheren Sänger noch mit den früheren Alben und möglichst offen und meinungsfrei an die neuen Songs herangehen. Dieses Vorhaben fällt allerdings bereits nach kurzer Zeit schwer. Denn das neue Album von Queensrÿche hat sehr viele Zutaten, die bei den ehemaligen Großtaten verwendet wurden: Melodischer Metal, mit amerikanischem Einschlag und progressiver Note. In dieser Qualität spielen das heutzutage nicht mehr viele Bands, insofern dürfen sich Fans dieser Spielrichtung freuen: The Verdict ist ein gutes Album. Andererseits hat man das von der Band eben auch schon besser gehört. Und wenn die Gesangslinien wie bei Launder The Conscience so dermaßen an die großartigen Songs mit Tate erinnern, nur dass nun halt La Torre singt, kommt unaufhaltsam der Gedanke auf: Das hätte bei Tate noch kraftvoller, noch klarer geklungen – und auch besser. Nicht missverstehen bitte: La Torre singt zum Beispiel beim starken Inside Out (das beim Chorus bandtypisch das Tempo anzieht und wie in einer Story einen wunderbar herausgearbeiteten Klimax bildet) auf jeden Fall überzeugend. Auch versteht es die Band zusammen mit La Torre hier und da diese eigene Atmosphäre zu erzeugen wie man sie etwa von Operation: Mindcrime kennt. So etwa bei Launder The Conscience oder Inner Unrest, wo die Band stimmige Soundsamples eingebaut hat und La Torre es (wie auch bei anderen Songs) schafft, wie ein Geschichtenerzähler zu klingen.

Hinzu kommen tolle Melodien: Das dramatisch anmutende Dark Reverie baut sich ruhig auf, um dann als meterhohes Ohrwurm-Ungetüm über einen herabzuschwappen – ganz groß! Ein Teil des Songs erinnert an die epischen Nummern von Iced Earth und ist einer der Songs, die man sich immer wieder anhören will. Auch Light-years ist so ein Melodiemonster mit fetzigen Gitarren, der, wie das abschließende, dahinwabernde, entspannt schwebende Portrait mit tollem Bass-Spiel punkten kann. Was außerdem auffällt: In The Verdict stecken ein paar hammerstarke und in erster Linie songdienliche Soli (beispielsweise bei Light-years).

Fazit: The Verdict ist ein Album, das oft an die früheren Großtaten von Queensrÿche erinnert, dabei aber nicht wie eine billige Kopie klingt, sondern viele frische Ideen und vor allem kraftvolle Melodien hat – die zum Teil auch mehrere Durchläufe brauchen. Progressiven, melodiösen US-Metal kann man dieser Tage selten besser hören. Warum ausgerechnet der Opener und Man The Machine vorab veröffentlicht wurden, ist schleierhaft, da genau diese Songs die schwächsten Songs des Albums sind und ziemlich am Ohr vorbeirauschen. Der Rest ist stärker. Hätten sich nicht die tollen früheren Glanztaten in die kollektive Metal-Hirnrinde gebrannt, hätte man wohl noch mehr Freude an The Verdict. Denn im Vergleich fällt das neue Album und auch die Gesangsleistung von Todd La Torre ab, aber nur leicht. Und das ist bei der Messlatte ja eine Leistung.

Anspieltipps: Light-years, Dark Reverie, Inside Out
Tobias K.7.8
Leser Bewertung1 Bewertung0.7
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