Reise, Reise, Time For Metal Reise, das Chapter Nord tut‘s auf seine Weise

Eine Konzertreise ins Ausland

Tja, wie der Titel es sagt, haben drei der vier Kieler Time For Metal Member eine Reise unternommen. Nicht irgendeine, sondern schon eine Besondere. Der Grund liegt schon im Namen begraben. Wer kennt die Textzeile nicht. Im Original lautet sie Reise, Reise Seemannsreise, jeder tut’s auf seine Weise….und darum geht es in diesem kleinen Bericht auch.

Wie allgemein bekannt sein dürfte, waren die Rammstein Konzerte in Deutschland schneller ausverkauft, als man klicken konnte. Trotz Mehrfach-Login der Beteiligten haben wir keine der begehrten Karten für eines der Konzerte im Norden bekommen. Gefrustet wurde nach einer Stunde aufgegeben, da für fünf Leute nix mehr zu reißen war. Was tun? Väterchen Zufall half. Beim erneuten Login-Versuch sah ich, dass es auch im Ausland Karten zu kaufen gibt. Schnell Rückversicherung abgeholt und dann für Kopenhagen entschieden. Und was soll ich sagen, das hat auf Anhieb geklappt. Fix vier Karten bestellt, da unser fünfter Mann nicht erreichbar war. Kurz darauf meldet sich der Norbert von einem Seminar in einem abgelegenen Ort und signalisiert Zustimmung. Also erneut einloggen und noch eine Karte geordert. Leider ist da keine Auswahl in unseren Block mehr möglich, aber es ist zumindest in unserer Nähe.

Geschafft und schon kommt eine gewisse Vorfreude auf. Dann reift bereits ein Plan. Warum verbinden wir das Konzert nicht mit einer kleinen Städtetour? Gedacht, alle gefragt, Zustimmung eingeholt und dann geht es bereits in die Planung. Erst mal eine bezahlbare Unterkunft für fünf Personen in Kopenhagen finden und sie sollte schon in Kopenhagen direkt sein. Aber AirBnB liefert schnell Ergebnisse und so buche ich die Unterkunft. Die Lage scheint gut zu sein, die Verkehrsanbindung ist günstig und so tat ich es der Reisegruppe kund. Irgendwann im November kamen dann die Hardcopy Tickets und die Planung ging in die nächste Phase. Wie nun nach Kopenhagen? Das Auto scheint die beste Lösung zu sein. Ich werde fahren, denn mein Astra ist günstig im Verbrauch und Platz ist genug. Die Fünfte im Bunde, vor kurzem mit einem süßen Fratz gesegnet, will fliegen. Jessica kommt aus der Nähe von Hamburg und so ist der Flugplatz für sie schnell erreichbar. Sie will aber erst am Tag des Konzertes anreisen. Ich gehe also in die detailliertere Planung für uns Kieler. Welche Routen kommen in Frage, welche Kosten werden für jeden zu erwarten sein, was brauchen wir an Verpflegung?

Die Zeit rast. Inzwischen ist die neue Rammstein Platte erschienen. Die ersten Konzerte sind gelaufen und haben schon beeindruckende Bilder geliefert. Aber auch erste Kritikpunkte sind laut geworden. Das stört nicht und so bleibt die Freude groß. …und dann ist er da, der Tag der Abreise. Kurz vor acht Uhr morgens treffen wir uns und beladen mein Auto. Fressalien, Getränke, Klamotten – alles wird ordentlich verstaut und los geht es. Wir nehmen für die Hinfahrt die sogenannte Vogelfluglinie. Also auf die Insel Fehmarn und dann mit der Fähre nach Rødbyhavn. Durch mein Sicherheitsdenken sind wir allerdings eine Stunde vor der festgesetzten Abfahrtzeit da. Das Umbuchen geht problemlos vonstatten und so kommen wir eine halbe Stunde eher auf die Fähre. Nach dem Entern des Schiffes und Erreichen der endgültigen Parkposition geht es in den Duty Free Shop, der nicht wirklich Duty Free ist. Ne 0,33 Liter Dose Bier schlägt mit 1,60 Euro zu buche. Pfand spart man, aber günstig ist anders. Trotzdem darf ein mir unbekannter Gin mit, man weiß ja nie. Kurz noch mal an die frische Luft und dann ist die Fahrt auch schon fast vorbei. Die Fähre braucht knapp 45 Minuten und schon sind wir in Dänemark. Da gibt’s erst mal eine Zollkontrolle. Zu viert im Auto, mit Gepäck, das ist verdächtig. Der Beamte erkennt dann aber schnell unser Begehr und errät, dass es zu Rammstein geht.

Dänemark ist bekannt für seine weitläufige Landschaft und so zieht die sich an der Autobahn längs. Grün, mal ein rotbraunes Haus, mal ein kleines Dorf. Ansonsten eher langweilig. Wir halten uns an die Geschwindigkeitsbeschränkungen und so tuckern wir über das Land. Etwas spannender wird es, als wir über eine der vielen Brücken fahren. Die großen Bauwerke verbinden die mehr oder minder großen Inseln hier in den Gewässern. So landen wir dann für eine kurze Pause auf Farø, einer der Inseln, und lassen uns von der Sonne wärmen. Dazu gibt es einen typischen dänischen Hot Dog, der hier in der variante Franz Hot Dog angeboten wird. Brötchen mit Loch, da kommt Mayo, Remoulade, Senf oder Ketchup rein und dann eben ein Würstchen. Nach der kurzen Pause geht’s weiter Richtung Norden. Da wir gut in der Zeit liegen und eigentlich erst gegen 13.00 Uhr in die Wohnung können, erlauben wir uns eine weitere Pause.

Knapp 30 km vor Kopenhagen liegt Køge und erfreut uns mit einer niedlichen kleinen Innenstadt, die mit einer gut strukturierten Einkaufsstraße beeindruckt. Alte Gemäuer, ordentlich erhalten mit Liebe zum Detail, zeugen von einer guten, gesunden Infrastruktur und so gibt es viele kleine Shops, die zum Erkunden einladen. Andrea, leider noch kein Mitglied des Chapters Nord, soll eine dänische Ausgabe von Harry Potters Stein der Weisen mitbringen. In einer der vielen Buchhandlungen bekommen wir dann Og De Vises Sten, so der dänische Titel. Auch mis zu verstehende Händler gibt es.

Im Hafen nehmen wir dann in einem kleinen Lokal ein Essen zu uns. Preislich ok. Nur das Getränk, die Cola, schlägt bei 0,4 Liter mit 6,40 Euro zu buche. Dänemark ist schon teuer und so erfahren wir von unserem Insider Norbert, dass es unterschiedliche Steuersätze gibt und zuckerhaltige Getränke wohl hoch besteuert werden. Fast wie die hohe Mehrwertsteuer auf Alkohol. Egal. Ist ja Urlaub. Der kurze Abstecher hat uns dann gut anderthalb Stunden gekostet. Es geht weiter in Richtung Kopenhagen über eine alternative Route an der Küste. Die dänische Hauptstadt erreichen wir ohne weitere Unterbrechung und sind dann auch schnell an der Unterkunft. Zum Glück habe ich den Vermieter im Vorfeld von unserem verspäteten Eintreffen unterrichtet. Der Verwalter des Vermieters taucht auf und es gibt eine schnelle Einweisung. Die Hütte, besser die Wohnung, sieht auf den ersten Blick ganz ok aus. Wir beziehen unsere Unterkunft, verteilen Räume und Betten, räumen ein und finden noch Lebensmittelreste der Vormieter. Dann fällt uns auf, dass es keine richtige Kaffeemaschine gibt, nur eine für Kapseln. Die haben wir natürlich nicht mit. Da gleich noch Jessica vom Flughafen abgeholt werden muss (sie hatte sich doch dazu entschieden schon heute anzureisen und nicht erst morgen), machen wir einen Plan für das weitere Vorgehen.

In der Zwischenzeit wird schon mal ein Kaltgetränk inhaliert. Den Shuttle Service übernehmen die Frauen, während die Männer schon mal die Innenstadt erkunden wollen. Wir verabreden uns für später und düsen los. Wir nutzen den Bus und mit knapp 24 Kronen, also knapp 3,20 Euro kommen wir bequem in die City. Wir steigen fast direkt beim Hard Rock Cafe aus und wollen natürlich auch mal rein. Das ist aber proppevoll und so schenken wir uns das. Es folgt ein Stadtrundgang, bei dem ich durch die Erfahrungen meines Schwagers Norbert profitiere. Der war bereits viele Male berufsbedingt in dieser Metropole. Es geht durch eine der vielen Einkaufsstraßen. Noch tobt in der Strøget, so der Name dieser Straße, das Leben. Shop an Shop, dazwischen Kneipen und Cafés. In den Seitengassen kleine oder größere gastronomische Betriebe, die aber erst in den Abendstunden zu öffnen scheinen. Multikulti an jeder Ecke. Alle Sprachen vermischt, Menschen aller Rassen, und Glaubensrichtungen friedlich beieinander. So kann das gehen. Dazwischen immer wieder Elektroroller, die an jeder Ecke einfach per App ausgeliehen werden können. Auch viele Fahrräder sind in dieser Stadt das einzig wahre Fortbewegungsmittel und Kopenhagen ist hier ein interessanter Vorreiter, um den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verbannen.

Wir schauen uns die Altstadt an, gehen über die Plaza Amagertov, kommen am Café Europa vorbei und schlagen den Weg Richtung Wasser ein. Dabei passieren wir einen der großen und kleinen Kanäle, lassen die Schlosskirche und einige der Regierungsgebäude links liegen. Dann geht es weiter am imposanten Black Diamond vorbei, indem sich die königliche Bibliothek befindet. Überall gibt es Gastronomie, die gut besucht ist. Vorwiegend junge Leute lassen es sich in der Sonne gut gehen. Auf dem Wasser tummeln sich ausleihbare Elektroboote und Ausflugsschiffe, die Kopenhagen von der Wasserseite aus erkunden. An den Ufern stehen kostenfreie Liegen, in denen chillen angesagt ist. So langsam gehen wir wieder Richtung Rathaus, da wir uns ja noch mit den Mädels treffen wollen. Wandern macht durstig und so wird in einem Supermarkt ein Carlsberg geholt. Damit setzen wir uns auf den Rathausplatz. Gleich nebenan ist das Tivoli, ein Freizeitpark in den Stilen des Hansaparks, oder des Fantasia Parks bei Brühl. Das Tivoli bietet in zentraler Lage Spaß und Unterhaltung für Groß und Klein.

Etwas später kommen dann auch die drei Damen und wir suchen uns eine Location, um etwas zwischen die Kiemen zu bekommen. Letztendlich ist es eine gut besuchte Pizzeria, in der wir dann, den hohen Preisen geschuldet, die günstigste Pizza und die preiswertesten Nudeln bestellen. Die inzwischen angefangene Happy Hour nutzen wir, um noch einige Biere bzw. Cocktails zu trinken. Dann wird aber gegen 23.00 Uhr der Rückweg in Angriff genommen, denn der morgige Tag dürfte anstrengend werden. In der Unterkunft werden noch ein Absacker verhaftet und Pläne für den kommenden Tag geschmiedet.

Bedingt durch den Lärm von draußen sind wir zum Teil früh wach. Das Frühstück ist schnell bereitet und dank der gestern noch erworbenen Kapseln gibt es Kaffee. Brötchen, Eier, Aufschnitt, Käse, alles, was so morgens lecker ist, wird vertilgt. Als dann etwas später auch die Letzten beiden hoch sind, steht dem Sightseeing nichts mehr im Wege. Bereits gestern haben wir uns für einen 24 Stunden City Pass entschieden, der uns in zwei Zonen der großen Stadt freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln gewährt. Leider sind wir genau an der Grenze zur dritten Zone und die Station, die wir zum Start der Exkursion aufsuchen, liegt außerhalb und lässt das Kaufen der günstigsten Variante am Fahrkartenautomaten nicht zu. Ein lichter Moment und dann die Buchung über das Internet gemacht. Ich habe nun alle Tickets auf meinem Handy. Trotzdem fahren wir die erste Strecke schwarz. Im Großen und Ganzen lohnt so ein Ticket, denn für 80 Kronen, also ca. 13 Euro, den ÖPNV nutzen so oft man will, ist schon gut. Metro, Straßenbahn und Wasserbus, alles ist inklusiv. Das lohnt. Zunächst machen wir in typisch Tourist und so muss das Wahrzeichen von Kopenhagen, die Lille Havfrue angesehen werden.

Wer nun eine imposante Statue erwartet, wird enttäuscht. Die berühmte Bronzeskulptur der kleinen Meerjungfrau, von Edvard Eriksen aus H. C. Andersens gleichnamigem Märchen, erfreut sich großer Beliebtheit. So ist es kein Wunder, dass jeder der in Scharen angekarrten Touristen damit ein Bild haben will. So auch wir. Das klappt nach einigen Anläufen. Dann reicht es uns und wir gehen in das nahe liegende Kastell. Die sternförmige Festung aus dem 17. Jahrhundert mit Museum, Wällen sowie regelmäßigen Gratisveranstaltungen & -Konzerten hat es uns angetan. Wir erklimmen den Wall und gehen zumindest drei der vier Arme ab. Das zieht sich und bedingt durch die Wärme beschließen wir, dass erst mal ein Getränk hermuss.

Unser Local Guide war so schlau und ist den geraden Weg durch das Kastell gegangen und wartet im Schatten. Nun aber schnell eine passende Location gesucht, um mal ein Getränk zu nehmen. Wir kommen an der St. Alban Kirche vorbei, die doch durch ihre Fassade an eine englische Kirche erinnert. Das ist aber ein Trugschluss, trotzdem schauen wir uns das Bauwerk von innen an. Diesen Plan haben viele andere auch, aber ein Plätzchen auf einer der Bänke ist zu finden. Überall sieht man Gleichgesinnte, die es uns gleichtun. Überall deuten Band- oder Festivalshirts darauf hin, dass hier der Besuch der Stadt mit einem bestimmten Ziel getätigt wird. Am Gefion Springbrunnen, der direkt neben der Kirche liegt, bitten wir ein paar Jungs, mal ein Bild von uns in touristischer Manier zu machen. Es sind, wie viele andere hier auch, Deutsche, die zum Konzert wollen. Dann gehen wir zu Kopenhagens Toldbod, einer am Wasser liegenden Bar, die mit kühlen Getränken und kleinen Snacks aufwartet. Wir holen nur einen Drink, der dann in Marmeladengläsern gereicht wird. Auffällig die Möwen, die genau wissen, wo die Speisereste abgelegt werden und sich Pommes oder Brotstücke stibitzen, wobei die Lachmöwen den meisten Erfolg aufweisen können.

Im Vorfeld hatte ich bereits gesagt, dass ich unbedingt die Freetown Christiania besuchen will. Den Weg dorthin (der Teil von Kopenhagen liegt auf der anderen Seite des Wassers) legen wir mit dem Wasserbus zurück. Das ist eine praktische Einrichtung und wenn mehr Zeit dagewesen wäre, hätte man damit einen Teil des Fjordes befahren können. So sind es nur zwei Stationen, wobei wir an einem Militärhafen und einem intakten Dreimaster vorbeikommen. Die Strecke führt an der Oper vorbei und leider müssen wir bereits aussteigen. Der Ortsteil in dem die „verbotenen Stadt“ liegt, heißt Christianshaven und beherbergt viele junge, aufstrebende Unternehmen und hat einen imposanten Jachthafen. Auch tolle Hausboote liegen hier und der Gedanke, sich hier niederzulassen, kommt einem dabei schon. Das hätte was.

Nun aber erst mal Christiania. Die Kommune wird hier geduldet und ist touristisch stark frequentiert. Geld stinkt bekanntlich nicht und auch die Freigeister profitieren davon. Trotzdem gibt es Einsätze von Ordnungshütern, die in voller Montur einen Bereich weiträumig abgesperrt haben. Ob sie nach bewusstseinserweiternden Substanzen suchen? Man weiß es nicht. So gibt es auf dem Marktplatz hauptsächlich Dinge zu kaufen, die den Genuss dieser Substanzen fördern. Auch bunte Tücher und farbenfrohe Klamotten dieser Szene sind zu finden. Interessant ist ein Plattenstand, der mit raren Bootlegs aller Art ausgestattet ist. Ansonsten ist es nicht wirklich spektakulär und die Rebellen von einst haben wohl erkannt, dass mit diesem Image Geld zu verdienen ist. Es wird Zeit, die Getränke wieder loszuwerden, nur leider ist das „öffentliche“ WC nicht wirklich vertrauenserweckend. Da wir aber auch der Speisenaufnahme nicht abgeneigt sind, suchen wir auf dem Gelände ein Restaurant auf, das eine gute, preiswerte Karte vorweist. Leider öffnet dies erst später, aber das WC ist sauber. Die Mädels sind begeistert. Hier in dem Gebäude, befindet sich auch ein Live Club, das Loppen, in dem oftmals Bands auftreten. Das aushängende Programm verheißt aber nichts Bekanntes. Da wir vor dem Rammstein Konzert noch was Essen wollen, verlassen wir Christiania und machen uns auf den Weg Richtung Innenstadt.

Auf der Suche nach bezahlbarem und leckerem Essen sehen wir eine Kirchturmspitze, an der sich eine außen liegende Wendeltreppe in die Höhe schraubt. Das ist die Vor Frelsers Kirche, eine Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert mit Glockenspiel und einer Spiraltreppe rund um die Kirchturmspitze. Das lassen sich einige von uns nicht entgehen und so zahlen wir die 50 Kronen PP Eintritt und erklimmen den Kirchturm. Maren und Andrea bleiben derweil in einem Eiscafé sitzen und lassen sich ein Eis schmecken. Wir anderen besteigen, zunächst noch innen liegend, den Turm. Es geht vorbei an eingelagerten Skulpturen und dem Glockenspiel. Da die Idee viele haben, wird es an einigen Stellen recht eng. Alle, die runter wollen, müssen an besonders engen Stellen mit dem Gegenverkehr zurechtkommen. Aber man einigt sich. Dann geht es raus an die Luft. Die Wendeltreppe ist dran. Bereits hier hat man einen grandiosen Ausblick über Kopenhagen. Wer hier nicht schwindelfrei und ohne Angst ist, hat ein Problem. Du gehst wirklich außen an der Kirchturmspitze in engen Kurven längs und nur ein Eisengitter schützt einen vor dem Abgrund. Der leichte Wind vermittelt ein Gefühl, als wenn der Turm schwanken würde. Je höher man kommt, desto mehr verjüngt sich die Treppe. Wer bis an die Spitze will zu einen Globus, den es zu berühren gilt, muss Geduld aufbringen. Da kann immer nur einer hin und so staut es sich. Der Blick nach unten kann bei empfindlichen Menschen zu Problemen führen. Wer aber diese insgesamt 400 Stufen und 90 Meter hochgestiegen ist, der weiß, was er getan hat, wird aber mit einem tollen Panorama belohnt.

Nach dem Abstieg gehen wir weiter, denn in der Nähe soll es einen guten Italiener geben. Da ist aber keiner mehr, sondern ein Selbstbedienungsladen, der mit kleiner Auswahl nicht unseren Vorstellungen entspricht. Also geht’s weiter und wir entdecken in einem der Kanäle ein Gastronomieschiff. Die Karte sieht einladend aus und so entern wir. Leider hat die Küche zu und so bleibt für uns nur das Einnehmen eines Getränkes. Nun wird es auch langsam Zeit für den Rückweg, denn für das Konzert muss noch das richtige Outfit angelegt werden. Beim Warten auf die richtige Buslinie fällt uns ein Hinweis an einen anderen Bus auf.

Da steht Copenhell 666 dran. Zunächst denken wir an eine witzige Idee. Dann werden wir aber eines Besseren belehrt. Die Recherche ergibt, dass es hier fast zeitgleich ein Festival gibt, eben das Copenhell. Dann sehen wir auch einige mit entsprechenden Shirts. Die Namen auf dem Shirt lesen sich schon interessant. Black Sabbath, Ozzy, Scorpions, Tool und andere Bands waren hier schon zu Gast. Das ist an uns irgendwie vorbeigegangen. Noch nie was von gehört. Immerhin besuchen dieses Festival an die 50.000 Menschen. Das wäre was für´s kommende Jahr. Sollte man mal nachdenken. Nun aber sind erst mal Rammstein dran.

In der Unterkunft angekommen, nehmen wir noch einen Imbiss zu uns – Vorräte sind genügend da. Dazu gibt es zur Einstimmung Kaltgetränke. Die Jungs Pils, die Mädels Cola-Korn. Nun die Karten eingepackt und los. In weiser Voraussicht noch eine Jacke mitgenommen. Diesmal wollen wir eine Haltestelle vorher einsteigen, aber durch mein falsches Lesen der Karte, machen wir einen kleinen Umweg. Dann geht’s aber zügig zu der in Stadionnähe liegenden S-Bahn-Station. Die restlichen Meter gehen wir. Das zieht sich, aber es strömen viele ähnlich gekleidete Menschen in die richtige Richtung. Und dann liegt da, mitten in der Stadt, das Stadion Parken. Anwohner möchte ich da nicht sein, denn Bierdosen, Lärm und auch Musik sind nicht die besten Nachbarn. Vor der Halle steht der Merchtruck und eine lange Schlange davor. Wir beschließen, den Tourshirtkauf für nach dem Konzert aufzuheben. So suchen wir den Weg zu unserem Block. Unsere Wege trennen sich, da wir ja keine fünf zusammenhängenden Plätze haben. Nur die ersten vier gekauften Tickets liegen nebeneinander und unser Zugang ins Stadion ist frei. Keine Ausweiskontrolle, nur der Strichcode auf dem Ticket reicht aus. Wir fragen eine freundliche Ordnerin nach den richtigen Plätzen. Die führt uns weit nach vorne in Richtung Bühne, was wir ganz begeistert wahrnehmen. Leider zu früh gefreut. Eine Verantwortliche nimmt uns in Empfang und lagert uns zunächst in einem anderen Bereich zwischen, da mit unseren Plätzen scheinbar irgendetwas nicht stimmt.

In der Reihe sitzen noch einige andere und warten. So nutzen wir die Gelegenheit und lauschen der Vorband, dem französischen Duo Jatekok. Die sind von Rammstein für alle Shows gebucht und präsentieren die Pianoversionen von Rammsteins Klavier-Album. Kann man machen, ist aber nicht so der richtige Anheizer. Eher eine ruhige Einstimmung auf das, was da kommt. Die freundliche Dame kommt wieder und erläutert uns das Problem. Die von mir gebuchten Karten befinden sich in Reihe drei des Stadions, nur leider gibt es die Reihen 1-3 nicht. Durch den Aufbau von Bierständen sind diese Reihen nicht nutzbar. Die angebotene Alternative wäre nur genau gegenüber von der Bühne. Dadurch sind wir deutlich weiter weg und das ist für uns nicht akzeptabel. Nur leider scheint nichts anderes zu gehen. Mit Nachdruck bitten wir sie, eine andere Lösung zu finden, denn das ist für uns keine Option. Durch diese Maßnahme ist die Stimmung doch schon arg gedrückt. Sie verspricht uns aber nach etwas anderem zu schauen.

Wir bleiben auf den Plätzen erst mal sitzen und erleben so den Beginn der Rammstein Show mit. Eigentlich ein guter Platz, genügend Beinfreiheit zur Vorderreihe. Ausgänge und Getränkestände sind dicht bei. So erleben wir die ersten Songs und es gibt auch schon mal ein Bier. Im Laufe des Konzertes läuft besagte Dame immer wieder an uns vorbei und irgendwann suche ich den Kontakt. Sie lächelt nur und signalisiert einfach sitzen zu bleiben. Somit haben wir in einem offensichtlichem Vip Block einen Platz und die Sitze werden nicht anderweitig gebraucht. Uns ist es recht und so genießen wir das typische Rammstein Spektakel. Alte und neue Kracher lassen die 45.000 toben. Gerade bei den älteren Sachen wie Mein Teil, Du Hast oder Ohne Dich rasten die Dänen und wahrscheinlich Tausende Deutsche aus. Immer wieder gibt es Flammen, Rauch und Böllerschüsse. Es ist schon imposant, was hier abgeliefert wird. Textsicher, auch von den nicht deutsch Sprechenden, geht es durch den Abend. Leider endet das alles viel zu schnell. Mit dem Song Rammstein und Ich Will, ist dann mit dem üblichen kurzen Dank von Till Lindemann Schluss. Ein paar neue Akzente werden gesetzt. So wird zu Puppe ein überdimensionaler Kinderwagen mit Flammen traktiert und Deutschland wird mit ungewohnten Elektroklängen eingeläutet. Ansonsten gibt es Schlauchboote, den Kessel mit Flake drin, der dann mit Flammenwerfern gegrillt werden soll und die riesige Kanone bei Pussy kommt ebenfalls zum Einsatz. Eine kleine Zwischensession auf einem Podest in der Mitte des Stadions bringt einigen wenigen die Band sehr nahe. Und wie immer gibt es das gesamte Konzert keinerlei verbale Interaktion seitens der Band.

Um 22.45 Uhr machen wir uns langsam auf den Weg raus. Noch einmal die Pipi Box aufgesucht und während des Wartens auf die Mädels bemerke ich ein mir nicht ganz unbekanntes Gesicht. Nur woher kenn ich ihn? Das beschäftigt mich, bis mir später einfällt, dass es Sören Anderson von der Jesper Binzer Band ist. Zu spät. Hätte ihn sonst mal angesprochen. Ärgerlich. Nun soll es zum Abschluss noch das Tourshirt geben. Dafür wollen wir auch das Warten in kauf nehmen. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben, ist der einsetzende Regen. Am frühen Abend deutete nichts darauf hin und nun schüttet es wie aus Kübeln. Ich habe zum Glück ein Hoodie mit Kapuze dabei. Das schützt zum Glück etwas. Das Glück haben nicht alle und es scheint immer mehr Nass von oben zu kommen. Die Lust auf das Anstehen an einer vierzig Meter langen Schlange schwindet zunehmend und so beschließen wir, das zu knicken. Auch ist das diesjährige Shirt nicht wirklich hübsch und so fällt uns der Verzicht nicht allzu schwer. Wir begeben uns in Richtung S-Bahn-Station, um uns mit gefühlten Zig-Tausenden in die Bahnen zu drängen. Trotz allem kommen wir unbeschadet zum Bahnhof und mit dem Umstieg in den Bus sparen wir uns einen längeren Fußmarsch. Auch so hat uns der Tag mit 14 Kilometern viel Bewegung beschwert. In der Unterkunft gibt’s noch nen Absacker und das Verarbeiten des Konzertes.

Abreisetag. Wir sind alle recht zeitig hoch und packen nach dem Frühstück zusammen. Dann wird Jessica zum Flieger gebracht und wir Jungs warten auf die Rückkehr des Autos. Schnell Einladen und dann soll es zurückgehen. Diesmal soll uns die Route über Land führen, so der Plan. Leider passiert mir beim Einsteigen ein kleines Unglück. Ich verbiege den Autoschlüssel im Schloss. Beim Versuch, ihn wieder gerade zu drücken, bricht der ab. Na toll. Wie soll das denn nur gehen? Der Bart passt noch ins Zündschloss und ich versuche mit dem Plastikteil den Bart im Schloss zu drehen. Das klappt bis zu dem Moment, wo der Anlasser aktiviert werden soll. Die Zündung ist zwar an, nur der Schlüssel lässt sich nicht weiterdrehen. Ne Zange muss her. Zum Glück ist ein nahe liegender Imbiss bereits offen und der Besitzer hat eine Wasserpumpenzange. Damit klappt das Starten. Gott sei Dank. Nur nicht abwürgen. Wir beschließen, vorsichtshalber noch eine Zange zu kaufen.

Also ein Bauhaus gesucht. Zunächst ist an der angegebenen Adresse nichts zu finden. Das Bauhaus ist dann aber nur etwas weiter in einen schicken Neubau umgezogen. Ich stoppe den Motor durch Abwürgen und so kann ich dann mit der schnell erworbenen Zange problemlos starten. Bis hierher alles gut und wir fahren los. Es geht in Richtung Odense und bei Korsør geht’s dann über die Storebælt Brücke. Die verbindet West- und Ostdänemark und ist kostenpflichtig. Zunächst gibt’s aber noch einen kleinen Stau, denn auch in Dänemark gibt es Unfälle. Die mehr schlecht als recht funktionierende Rettungsgasse wird auch hier ad absurdum geführt. Die Rettungswagen fahren fast alle über den Standstreifen. Der Unfall entpuppt sich als kleinerer Blechschaden auf dem Standstreifen, der aber trotzdem den Verkehr fast zum Erliegen bringt. Dann erreichen wir die Brücke und beschließen, auf der anderen Seite eine Pause einzulegen. Es soll einen schönen Blick auf das imposante Bauwerk geben und auch mal kurz ausruhen ist ok. Also auf den Parkplatz, Motor aus. Ich hab ja die Zange zum Starten dabei. Schlüsselrest abziehen und dann mal in den Schankraum. Der ist gut besucht aber wir wollen dann doch eher in Harrislee unsere letzten Kronen ausgeben.

Also zurück ins Auto, abgebrochenen Bart ins Zündschloss und mit der Zange drehen. Nix. Noch mal. Nix tut sich. Der Motor lässt sich nicht mehr starten und im Display steht „Diebstahlschutz aktiviert“. Ratlosigkeit, es ging doch vorher, warum jetzt nicht mehr? Bedienungsanleitung lesen. Hmmm, also so richtig schlau werde ich daraus nicht. Das Internet sagt, Wagen verriegeln und dann noch mal probieren. Gelesen, getan. Nix. Da muss was im Fehlerspeicher sein. Glücklicherweise bin ich vor ein paar Wochen einem Automobilklub beigetreten. Zunächst rufe ich aber meine Tochter an, denn ich hab ja ’nen Ersatzschlüssel. Die würde sich auch auf den Weg machen und uns aus der Patsche helfen. Als ich das Missgeschick erläutere, ernte ich doch schon eine gewisse Erheiterung. Die Fahrt hierher würde gut drei Stunden dauern, also erst mal sehen, was der Automobilklub sagt. Eine freundliche Servicemitarbeiterin ruft dann auch zurück und lässt sich das noch mal erklären. Dann informiert sie einen örtlichen Abschleppdienst und uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Nach ca. einer Dreiviertelstunde kommt ein Abschlepper. Der junge Mann fragt, was passiert ist. In Englisch erkläre ich ihm das Dilemma. Er denkt kurz nach. Dann verriegelt er das Auto. Entriegeln, abgebrochenen Schlüssel in das Zündschloss, Zange angesetzt und auch nix. Zweiter Versuch und diesmal hält er aber den Rest des Schlüssels, also den Plastikteil, in die Nähe des Zündschlosses. Das Auto springt sofort an. Erleichterung pur bei allen. So einfach. Wenn das nicht geklappt hätte, dann wäre Abschleppen in eine bereits geschlossene Werkstatt die einzige Möglichkeit gewesen, außer der Alternative mit meiner Tochter. Wir hatten zunächst also schon die richtige Idee gehabt, aber nicht daran gedacht, dass der inliegende Sensor in der Nähe des Zündschlosses sein muss. Aber egal jetzt. Keine weiteren Experimente mehr. Der Wagen läuft und dann geht es den Rest durch Dänemark weiter in Richtung Deutschland. Die restliche Fahrt ist dann, bis auf einen weiteren Stau, der vom dänischen Zoll verursacht wird, fast störungsfrei. Wir werden glücklicherweise nicht kontrolliert und überqueren problemlos die Grenze. Dann gibt’s vor der Rader Hochbrücke nochmals einen Stau, da ein LKW auf dem Standstreifen steht und die Polizei die rechte Spur gesperrt hat. Das alles kostet uns viel Zeit. Hätte ich das alles geahnt, dann wären wir wieder mit der Fähre gefahren, das hätte allerdings das Schlüsselproblem nicht verhindert. Gegen Abend endet das Abenteuer Rammstein in Dänemark wieder bei mir zu Hause.

So ist es eben Reise, Reise, Metallerreise, jeder tut’s auf seine Weise. Das war unsere erlebnisreiche Reise. Wir würden das immer wieder machen.

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