Rohes Fest Metal Night am 07.12.2018 im Sommercasino in Basel

                                         „Holy Metal – So klingt der Advent“

Event: Rohes Fest Metal Night 2018

Headliner: Black Bomb A

Vorbands: Proke, Askara

Ort: Sommercasino, Münchensteinerstr.1, 4052 Basel, Schweiz

Datum: 07.12.2018

Kosten: 25,- CHF AK

Genre: Crossover, Progressive Gothic Metal, Black Forest Metal

Besucher: 20

Veranstalter: Sommercasino Basel http://www.sommercasino.ch

Link: https://www.facebook.com/rohesfest/?eid=ARC_-9a8O4tmCQqLelw35iI45bvuTvxrrQWKPqb_jzDr7zCnW70P8zPqNWeR8fpah2lXJz3y5BsSoUP1

Setlisten:


01. Intro
02. Friends Of Job
03. Lights Of Night
04. My Name
05. By God
06. Identity
07. Shatter The Glass Wall
08. Broken Wing
09. Beyond The Horizon Of Hope


01. Evil Designs
02. Liar
03. Bullet
04. Conquistador
05. Feldberg
06. Unbreak
07. Beyond Betrayal
08. Breathe
09. Broken Eyes
10. Rilke
11. SM
12. Ode To Death


01. Double
02. Born To Die
03. My Mind Is A Pussy
04. My Last Resort
05. Kill Yourself
06. Greed
07. Bulletproof
08. The Point Of No Return
09. Wake Up
10. U Can`t Save Me
11. Mary
12. Police Stopped Da Way
Wieder einmal mache ich mich auf den Weg über die Schweizer Grenze, doch wie sonst üblich ist heute nicht das Z7 mein Ziel, sondern das Sommercasino in Basel, wo die Rohes Fest Metal Night auf dem Programm steht. Sommercasino, das klingt zunächst mal so gar nicht nach Metal und ich weiß nicht, was mich dort erwartet. Bei der Ankunft bin ich dann jedoch etwas überrascht, denn bei dem sogenannten Sommercasino handelt es sich um ein ehemaliges Gesellschaftshaus aus dem 19. Jahrhundert (1822), welches heute das Zentrum für Junge Kultur in Basel beheimatet. Das sehr beeindruckende Gesellschaftshaus, das über und über mit Graffiti bedeckt ist, ist ein Jugendzentrum. Typisch Schweiz, klotzen statt kleckern, denn das ist mal ein Jugendzentrum, wie man es in Deutschland gewiss lange suchen muss.
Die Abendkasse befindet sich außerhalb in einem alten, abgewrackten Wohnwagen, der ebenfalls mit Graffiti bedeckt ist. Ich stehe auf der Gästeliste und alles geht völlig unproblematisch vonstatten. Im Inneren bin ich dann gleich wieder mächtig beeindruckt, denn das Ganze hat irgendwie so gar nicht den Charme eines Jugendzentrums. Ein großer, hoher Raum mit großzügig angelegtem Thekenbereich, einer gewaltigen Bühne mit ordentlicher Lichtanlage und gesondertem Backstagebereich im Obergeschoss. Im schummrigen Licht wirkt das Ganze fast wie ein alter, ausrangierter Nachtclub. Im Z7, was ja fast schon mein zweites Zuhause ist, wurde ich bisher noch nie mit einem Bier empfangen, heute jedoch bekomme ich von Proke gleich die erste Gerstenkaltschale in die Hand gedrückt. Danke Tilman!
Der Beginn verzögert sich ein klein wenig, da man offenbar noch auf weitere Gäste warten will. Es ist 20:30 Uhr und im Sommercasino ist tote Hose, was ich zunächst einmal dem mit 25,- CHF recht hohen Eintritt zurechne. In der Schweiz ist das sicherlich völlig normal, doch im Vergleich mit den Jugendzentren in Deutschland kommt es mir recht heftig vor. Doch hier soll sonst immer gut was los sein und niemand kann es so ganz nachvollziehen, warum die zahlenden Gäste ausbleiben.
Gegen 20:45 Uhr geht es dann aber doch los und Askara aus Basel betreten als erste Band des Abends die Bühne. Die 2012 gegründete Band um Frontfrau Myriam Schmidt ließ im Mai 2013 das erste Mal von sich hören, indem ein Song auf dem Heavy Metal Nation IX – Sampler bei Quam Libet Records veröffentlicht wurde. Nach einem kurzen Intro beginnen die Schweizer mit Friends Of Job und entführen die wenigen Zuschauer in ihre Welt des Progressive Gothic Metal. Die Bühne ist sehr dunkel gehalten und im Vordergrund der Bühne dienen nur zwei Kerzen als kleiner Eyecatcher. Abgesehen von einigen Szenegrößen, die aus den 90er-Jahren noch übrig geblieben sind, ist der Gothic Metal in den letzten Jahren ja ziemlich ausgeblutet. Jedoch, wie auch Askara nun zeigen, gibt es auch noch einige junge Bands, die sich dieser Spielart verschrieben haben und für Aufmerksamkeit sorgen. In den folgenden Songs treffen klagende Leadgitarren und schwermütige Riffs auf die sphärischen Keyboardklänge von Sängerin und Frontfrau Schmidt. Der zumeist im Alt dargebotene Frauengesang ergänzt sich perfekt mit den eingeworfenen Growls von Bassist Elia Schmidt und dem Klargesang von Gitarrist Benjamin Wiesli. Beim balladesken und melodisch sehr verspielten My Name vom Debüt Horizon Of Hope, gehört das gesangliche Rampenlicht, welches hier aber nur sehr spärlich strahlt, ganz der nett anzusehenden Sängerin, die sich hier in höhere Lagen vorwagt. Fans von Theatre Of Tragedy und Evanescence dürften hier voll und ganz zufriedengestellt werden. Mich persönlich stört das Keyboard, welches mitten auf der Bühne steht, da es ja ebenfalls von der Sängerin gespielt wird. Gerade für die Livegigs würde ich der Band einen zusätzlichen Keyboarder empfehlen, damit Sängerin Myriam sich einzig auf ihre Gesangsparts und vielleicht auch etwas um Show und Fans kümmern kann. So aber findet auf der Bühne wenig Ablauf statt und auch die Saitenfraktion ist in ihrem Bewegungsradius arg eingeschränkt. Identity besticht vor allem durch aufflackernde Bombast Prog Metal Parts, die immer wieder entfernt an die unvergessenen Savatage erinnern. Die Band zeigt sich technisch sehr versiert und bietet musikalisch mehr als nur solides Handwerk. Nach gut 35 Minuten geht der Auftritt dann mit Beyond The Horizon Of Hope, dem Opener der Eigenpressung, zu Ende. Gerade die ruhigen Parts können hier durchaus überzeugen. Die Schweizer erfinden das Genre sicherlich nicht neu, können sich aber mit zarter Melodieführung und einigen spannenden Elementen von den großen Vorbildern absetzen.
Nach kurzer und zügiger Umbaupause ist es dann Zeit für die Freiburger von Proke und es gibt mit Evil Designs vom Longplayer As You Sow, So You Shall Reap gleich ordentlich auf die Glocke. Leider sind immer noch nicht mehr Zuschauer aufgetaucht, doch die Wenigen sind, nach den weitgehend ruhigeren Tönen von Askara, sofort wach gerüttelt. Die Freiburger bezeichnen ihren Stil als Black Forest Metal, der sich aus Elementen aus Death, modernem Thrash und Groove Metal mit einer progressiven Note zusammensetzt. Jedoch dominiert hier nicht der übliche Frickel-Prog à la Dream TheaterQueensryche oder Savatage, sondern harte, schwere Gitarrenrhythmik gepaart mit vocalistischen Ausflügen in den kehligen Extrembereich, die ein wenig an King Fowley erinnern. Am ehesten trifft es vielleicht, das Ganze als eine Mischung aus MeshuggahUnleashedTool und Voivod mit angezogener Handbremse zu beschreiben. Die 2007 gegründete Band um Sänger und Bassist Roman Viehöver konnte damit ihren eigenen, einzigartigen Stil finden und sich von vielen anderen Combos der Regio absetzen. Die Band ist sichtlich motiviert und gibt auch bei den folgenden Songs Liar und Bullet Vollgas und lässt sich auch durch mangelnde Besucher nicht aufhalten. Vor voller Hütte kann nahezu jede Band den Abriss zelebrieren, doch eine Handvoll Besucher wach rütteln und mitreißen, das gelingt nun doch nicht jeder Truppe. Zwar herrscht vor der Bühne immer noch gähnende Leere, doch etwas im Hintergrund zeigt sich doch Begeisterung beim vereinzelten Publikum und lässt die Leute nicht stillstehen. Auch auf der Bühne herrscht nun richtig Bewegung, vor allem Gitarrist Markus Pralle rennt über die Bühne, als wäre der Gehörnte höchstpersönlich hinter ihm her. Der Lichtmensch meint es nicht gut mit mir, denn Proke haben teilweise noch schlechteres Licht als zuvor die Schweizer. Die Musiker sind oft nur schemenhaft zu sehen und so sorgt der Gehörnte Pralle mit seinem Laufpensum alleine dafür, dass nachher bestimmt neun von zehn Fotos in den Papierkorb wandern. Auch Conquistador stammt noch vom Longplayer, bevor dann ein paar alte Songs ausgegraben werden. Wie nennt man seine erste 5-Track-Demo-CD, wenn man aus dem Schwarzwald kommt und Black Forest Metal spielt? Natürlich Feldberg, nach dem höchsten Berg Baden Württembergs, und von eben dieser Demo-CD aus dem Jahr 2009 stammen nun auch die Songs Feldberg und Unbreak. Die Songs sind vor allem eines, BÖSE! Der Titelsong Feldberg kommt eindringlich, kraftvoll und bedrohlich rüber und fordert vor allem dem Mann hinter der Schießbude, Tilman Collmer, der u.a. auch bei der Groove / Thrash Metal Band Code Red Organisation und bei der Instrumental Rock Band Exil46 hinter den Drums sitzt, alles ab. Hier wird nichts Eingängiges zelebriert, keine Songs gespielt, die anschließend lange im Ohr bleiben, fernab von Säuselmelodien, sondern Songs mit Charakter und zähen Riffs, die als Gesamtkunstwerk zu sehen sind und in das sich auch Beyond BetrayalBreatheBroken Eyes und Rilke nahtlos einfügen. An den vertrackteren Parts erkennt man gut, das zwei studierte Musiker bei Proke spielen. Mit druckvollem Sound in Szene gesetzt, kann man sich dem anspruchsvollen Spektakel nicht entziehen. So, wie es einst begann, nämlich mit SM, dem Opener von Feldberg, und Ode To Death, dem Opener von As You Sow, So You Shall Reap, geht es auch heute nach gut 50 Minuten zu Ende. Schade, dass die Bude nicht voll war, denn dann hätten die Freiburger mit dem Publikum die Hütte abgerissen.
Die nächste Band sagt mir persönlich gar nichts, obwohl die Pariser im nahe gelegenen Frankreich fast schon so etwas wie Superstars sind. Nun geht die Umbaupause etwas länger, doch dann ist es an der Zeit für die Crossover Truppe Black Bomb A. Ein paar Leute mehr haben sich jetzt doch noch eingefunden, doch mehr wie zwanzig zahlende Gäste dürften es nicht sein. Die fünfköpfige Band kommt zu einem Song namens Double auf die Bühne und was dann passiert, kann man wohl nur als wütende Experimentierfreude bezeichnen. Auch nach den weiteren zwei Songs Born To Die und My Mind Is A Pussy lässt sich der Sound nur schwer in Worte packen, ein bisschen Metalcore, etwas Punk, eine Prise Hardcore …, ein bisschen was von BiohazardSick Of At AllThe ExploitedWhitechapelLoudblast und Cancer Bats und vielleicht noch Limp Bizkit. Die Songs sind einfach und punklastig gestrickt und fallen in die Kategorie langweilig. Dazu eine groovige Rhythmustruppe und zwei Sänger, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen ist da Sänger Poun, der bei seinen Growlversuchen schnell an seine Belastungsgrenze angekommen ist und zum anderen Sänger Arno, der mit seinem hysterischen Düstergesang eher an eine alte Luftschutzsirene aus dem Zweiten Weltkrieg denken lässt. Die Weltkriegssirene übernimmt dann auch die cleanen Parts. Beide Sänger finde ich nicht wirklich prickelnd und behaupte, meine Oma mit gerissenen Stimmbändern kann das auch. Wider Erwarten kommt nun Bewegung in das Sommercasino Publikum, dem das Metal meets Core Geprügel ganz offenbar gefällt. Es ist für mich völlig unbegreifbar, warum die Pariser hier plötzlich gefeiert werden. Die Band sticht zwar aus dem großen Metalcore / Hardcore Einerlei hervor, doch etliche amerikanische Bands machen all das besser. Warum die Franzosen in ihrer Heimat dennoch gefeiert werden und die Alben sich wochenlang in den Verkaufscharts halten können, ist für mich nur mit dem übergroßen Lokalpatriotismus der Franzosen zu erklären. Nach etwa dreißig Minuten suche ich fluchtartig das Weite.

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