Stereokeys im Interview: die vier Sauerländer, die am Waldrand hoffnungsvoll Richtung Autobahn schauen

Warum man fliegen können müsste und wie tolerant die Metalszene ist

Artist: Stereokeys

Herkunft: Sauerland, Deutschland

Genre: Alternative Indie Rock

Label: Homebound Records

Link: https://stereokeys.com/

Bandmitglieder:

Benjamin – Gesang, Gitarre
Stefan – Gitarre
Christoph – Bassgitarre
Tim – Schlagzeug

Time For Metal / Katharina R.:
Hallo Stereokeys, erst einmal eine lockere Frage vorneweg:
Wenn ihr eine dieser Superkräfte haben könnten, welche würdet ihr wählen und warum?

  • Unsichtbar sein, wann immer ihr wollt
  • Übermenschliche Kraft
  • Mit Tieren sprechen
  • Gedanken lesen
  • Fliegen können

Stereokeys:
Definitiv fliegen können. Nie wieder im Stau stehen, zu spät zum Soundcheck erscheinen und vor allem nie wieder Catering verpassen.

Time For Metal / Katharina R.:
Jetzt seid ihr hier im Radiosektor von 1 Live (WDR) ja schon dem einen oder anderen bekannt. Wer euch aber noch nicht kennt oder nicht aus der Gegend ist, wie würdet ihr euch vorstellen?

Stereokeys:
Alternative Rock auf Landflucht. Vier Sauerländer, die am Waldrand hoffnungsvoll Richtung Autobahn schauen.

Time For Metal / Katharina R.:
Und zum Thema Sektorbekanntheit: Hat sich euer Leben nach der Aufmerksamkeit durch 1 Live Plan B 2018 verändert? Wenn ja, wie?

Stereokeys:
Außer, dass uns jetzt solche Fragen gestellt werden – eher weniger 😀 Ne, im Ernst – das war für uns als noch junge Band eine super Erfahrung und hat uns auch schon die eine oder andere Tür geöffnet. Das hat uns in gewisser Hinsicht schon gezeigt, dass „da vielleicht doch mehr geht“. War und ist immer noch ein riesen Motivationsschub.

Time For Metal / Katharina R.:
Nach zwei Jahren im Musikbusiness – wie haben sich eure Musik, die Texte und deren Bedeutung über die Zeit entwickelt?

Stereokeys:
Für uns hat das Projekt als Experiment gestartet und das ist es auch immer noch. Jeder von uns hatte schon vorher Bands. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. So ziemlich alle von uns waren vorher oder sind auch jetzt parallel eher im Punk Rock unterwegs. Die Entscheidung, mal was Neues zu wagen und das auch mal ganz anders anzugehen, war schon bewusst. Momentan denken wir von Single zu Single und dabei entwickelt sich irgendwie ganz natürlich ein Sound, den wir alle feiern. Auch textlich kommt es ganz auf die Stimmung der Songs an. Wir lassen uns da einfach sehr viele Freiheiten und verfolgen aktuell noch gar nicht so DEN Masterplan.

Time For Metal / Katharina R.:
Ihr hab ja schon drei EPs veröffentlicht. Was steht bei euch für die musikalische Zukunft auf dem Plan?

Stereokeys:
Auch wenn es keinen Masterplan gibt, haben wir natürlich schon Ideen und eine Art roten Faden für die kommende Zeit. Klar, in der aktuellen Corona-Situation ist an eine große Tour, Festivals etc. nicht wirklich zu denken. Die Zeit investieren wir daher in Songwriting, Videodrehs und Proben.
Bisher haben wir uns auch ganz bewusst auf EP oder Single-Veröffentlichungen konzentriert. Einfach, um uns nicht durch ein Albumkonzept einzuschränken. ABER sooo weit weg ist das Debütalbum auch nicht 🙂

Time For Metal / Katharina R.:
Lohnt es sich für eine junge Band, wie ihr es seid, heute noch CDs in physischer Form zu produzieren? Oder wie verdient ihr eure Brötchen? 😉

Stereokeys:
„Lohnen“ ist im Band-Kontext vermutlich schon der falsche Ausdruck 😀 Die Mittel im digitalen Musikvertrieb machen es natürlich extrem einfach, seine Musik überall sofort verfügbar zu machen. Auf der anderen Seite gibt es dadurch natürlich auch eine Flut an Musik, in der man schnell untergeht. Physische Tonträger sind da doch romantischer. Und wir werden tatsächlich so ziemlich bei jedem Konzert gefragt, ob wir CDs oder Vinyl dabei haben. Wird in Zukunft definitiv kommen! Zu den Brötchen: Zum Glück – mehr oder weniger – arbeiten wir ja alle auch noch ganz normal. Das reicht in guten Monaten dann auch noch für die Butter auf dem Brötchen.

Time For Metal / Katharina R.:
Und welche Musik habt ihr für unterwegs in eurer Playlist?

Stereokeys:
Von Phil Collins bis Drake würd‘ ich mal sagen. Wir haben auf Spotify auch unsere eigene Roadtrip-Playlist. Schaut einfach mal in unserm Profil vorbei oder sucht „Indie Ferne“ 😉

Time For Metal / Katharina R.:
Eure neue Single Hindsight erschien am 11.09.2020 inklusive eines Videos. Wie muss man sich zu Coronazeiten so einen Videodreh vorstellen?

Stereokeys:
Das Video zu Hindsight ist das Erste, das wir komplett in Eigenregie geplant, gedreht und geschnitten haben. Daher war es kein Problem, den Kreis sehr klein zu halten. Alle waren fit und in zwei Tagen war das Ding im Kasten.

Time For Metal / Katharina R.:
Zu guter Letzt gebe ich euch gerne die Plattform, um uns etwas zu fragen, was ihr schon immer von einem Online-Magazin wie Time For Metal wissen wolltet.

Stereokeys:
Wir zum Beispiel sind ja jetzt nicht wirklich „Metal“ – und leider gibts ja dieses Klischee, dass die Metalszene eher etwas verschlossen gegenüber anderen Genres ist – was ich aber so eigentlich nicht bestätigen kann. Auch außerhalb der Musik empfinde ich die Szene als sehr tolerant und offen. Was muss also ein Song oder eine Band für euch mitbringen, um euch abzuholen?

Time For Metal / Katharina R.:
Ich glaube, wir Metaller lieben und leben solche Klischees 😉 vielleicht leben wir auch davon 😀 Ich weiß es nicht so genau…
Es stimmt aber schon, dass wir allgemein eine sehr tolerante Szene sind und oft das Motto „leben und leben lassen“ gilt. Es gibt natürlich auch den absoluten Extremfan, der abseits seiner Überzeugung nichts existieren lässt. Ich glaube, das Exemplar gibt es aber auch in jedem Lebensbereich und gilt eher als Ausnahme. Somit kann ich nur für mich und aus meiner Erfahrung sprechen. Seit meiner frühen Jugend empfinde ich die Metalszene als sehr tolerant, hart, aber herzlich und ich fühle mich auf Konzerten und Festivals immer sicher und gut aufgehoben. Musikalisch denke ich: fette Gitarre und derbes Schlagzeug 😀 plus Melodie (zumindest für meinen Geschmack). Auch hier gehen die Meinungen natürlich auseinander – für einige muss dann beispielsweise noch ein schrömmeliger, unerkennbarer „Gesang“ dazu.
Aber auch in der Metalszene gibt es so viele Musikprojekte, die Einflüsse aus anderen Genres mit einbeziehen oder bei denen ganze Genres gemischt werden. Berühmte Beispiele für diese Genremixturen oder für Metalcover sind dann: Linkin Park mit Jay-ZCollision Course, CallejonHartgeld Im Club, Skindred – Big Tings oder Eskimo CallboyMMXX. Es findet sich für jeden etwas im bunten Potpourri der Musik. Vielleicht macht ihr ja auch mal einen Metalsong 😉

Danke für den netten Austausch und die Beantwortung der Fragen – bleibt gesund!

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