The Michael Schenker Fest am 31.10.2018 im Z7 in Pratteln

„The Michael Schenker Fest am 31.10.2018 im Z7 in Pratteln“

Eventname: Ressurection World Tour 2018

Headliner: The Michael Schenker Fest

Vorband: Absolva

Ort: Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 31.10.2018

Kosten: 57,- CHF VVK

Genre: Rock, Hardrock, Heavy Metal, Melodic Metal, British Metal

Besucher: ca. 700

Veranstalter: Dragon Productions: https://www.facebook.com/DragonProductionsOfficial/?fref=pb&hc_location=profile_browser
Konzertfabrik Z7: https://www.facebook.com/z7pratteln/?fref=pb&hc_location=profile_browser

Links: https://www.facebook.com/events/187049885409422/ und https://www.michaelschenkerfest.com

Setlisten:


1. Hells Bells (Intro)
2. Life On The Edge
3. Rise Again
4. Never A Good Day To Die
5. Defiance
6. Only When It`s Over
7. Never Back Down
8. Live For The Fight
9. Code Red


1. Holiday
2. Doctor Doctor
3. Vigilante Man
4. Lord Of The Lost & Lonely
5. Take Me To The Church
6. Let The Devil Scream
7. Natural Thing
8. Captain Nemo
9. Dancer
10. Searching For Freedom
11. Desert Song
12. Night Moods
13. Assault Attack
14. Coast To Coast
15. Ready To Rock
16. Attack Of The Mad Axeman
17. Rock My Nights Away
18. Messin` Around
19. Armed And Ready
20. Warrior
21. Into The Arena
22. Bad Boys (Bad Girls In The Front Raw!!)
23. Shoot Shoot
24. Heart And Soul
25. Only You Can Rock Me
26. Too Hot To Handle
27. Rock Bottom
28. Lights Out

Auf den heutigen Abend freue ich mich schon eine gefühlte Ewigkeit, denn heute Abend steht das Michael Schenker Fest im Z7 auf dem Programm. Michael Schenker, eine der Rocklegenden, die mich durch meine gesamte Jugend begleitet hat und die wohl auch maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich beim harten Gitarren Rock hängen geblieben bin. Gegen 17:30 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Basel, doch schon bald bereue ich, dass ich nicht schon etwas früher losgefahren bin. Kaum bin ich auf dem Autobahnzubringer, ist die Fahrt vorerst auch schon wieder zu Ende. Unfall …, Stau …, ein Transporter ist frontal in einen entgegenkommenden Pkw gecrasht und liegt im Graben. Polizei und Rettungswagen sind noch nicht vor Ort und es geht keinen Meter vorwärts. In Gedanken habe ich mich schon davon verabschiedet, mir heute von Michael Schenker die Gehörgänge durchblasen zu lassen, als es dann nach einer guten Stunde doch endlich weitergeht. Ab auf die Autobahn und Vollgas in Richtung Basel, naja …, jedenfalls so weit der Feierabendverkehr das zulässt.
Tatsächlich schaffe ich es irgendwie, um 19:15 Uhr am Z7 anzukommen. Der Einlass ist natürlich schon gelaufen und so brauche ich an der Abendkasse wenigstens nicht anstehen. Meine Akkreditierung klappt wieder problemlos und auch die Security ist kein Hindernis mehr. Doch dann bin ich etwas verblüfft, denn der Besucheransturm lässt durchaus zu wünschen übrig, etwa 100 Leute stehen meist noch draußen im Raucherbereich und auch in der Location ist nicht mehr los. Ein Kollege erzählt, dass der Gitarrengott heute wohl nicht so besonders gut drauf ist. Er hat die Ankunft beobachtet, Mr. Schenker kam natürlich nicht mit dem Nightliner, sondern fuhr per Taxi vor. Das Taxi fuhr direkt vor die Z7 Tür, sodass der Axeman nur auszusteigen brauchte und schon im Inneren verschwunden war. Ein paar wenige Fans, die auf ein Autogramm oder Foto lauerten, blieben mit langen Gesichtern zurück. Klar, Fans können schon nervig sein, aber wenn schon nur ein paar People da stehen und warten, dann bricht man sich doch keinen Zacken aus der Krone. Doch das scheint in der Familie zu liegen, denn der Bericht des Kollegen erinnert mich an ein Ereignis, das schon gut zwanzig Jahre zurückliegt. Da traf ich Rudolf Schenker in der Bahnhofsunterführung in Hannover und fragte ihn wegen eines Autogramms für meine Kutte und er zeigte mir nur seinen Mittelfinger und ging weiter.
Schnell noch eine Zigarette, dann geht es auch schon mit dem Opener Absolva los. Die Band aus Manchester kommt zu AC/DCs Hells Bells auf die Bühne und legt dann mit Life On The Edge vom 2017er-Output Defiancè gleich richtig los. Der Refrain lädt zum Headbangen ein und reißt die ersten Metaller gleich mit. Die Briten spielen astreinen Heavy Metal, wie er wohl nur von der Insel kommen kann. Ich habe die Band vor einiger Zeit schon einmal live gesehen, als Begleitband von Ex Iron Maiden Shouter Blaze Bailey und auch da haben sie uns schon ordentlich das Hirn weggeblasen. Somit bin ich nun gespannt, was die Jungs mit ihrem eigenen Programm auf die Beine stellen. Dreh- und Angelpunkt der Show ist natürlich Sänger und Lead Gitarrist Chris Appleton, der breit grinsend und mit großen Augen auf der verkleinerten Z7 Bühne steht. Er hat offenbar mächtig Spaß daran, für den großen Michael Schenker zu eröffnen und den Schweizern zu zeigen, was man unter British Heavy Metal versteht. Mit Songs wie Rise Again, bei dem Chris sich an der Gitarre richtig austobt, oder Never A Good Day To Die hat das Quartett die Schweizer schnell auf Betriebstemperatur. Die Location ist zwar bei Weitem nicht voll, aber der Sound zieht immer mehr Headbanger vor die Bühne. Immer wieder liefert der sympathische Frontmann auch noch beeindruckende Gitarrensoli ab, was beim Schenker Publikum natürlich bestens ankommt. Aber wie einige Absolva Shirts in den ersten Reihen zeigen, sind ein paar auch gar nicht so sehr wegen des großen Schenkers gekommen. Mit Defiance wird es ein klein wenig ruhiger, aber auch hier bleibt der Refrain wieder im Ohr und saubere Solopassagen runden die Sache ab. Danach geht es aber gleich wieder in Heavy Manier ordentlich ab, Only When It`s Over, Never Back Down und Live For The Fight. Das Publikum frisst den Briten mittlerweile aus der Hand. Mit Code Red geht ein guter Auftritt nach gut 40 Minuten zu Ende. Die Band hat bleibenden Eindruck hinterlassen und so bleiben die Zugaberufe nicht aus. Die Zeit ist jedoch knapp, denn Schenker hat satte 150 Minuten Vollgas angesagt. Im Anschluss wird uns mitgeteilt, dass wir während des ganzen Schenker Auftrittes fotografieren dürfen, da das Set in mehrere Kapitel aufgeteilt ist, die alle von verschiedenen Sängern absolviert werden. Allerdings sollen wir uns nicht die ganze Zeit im Fotograben aufhalten und den Leuten in den ersten Reihen die Sicht versperren, sonst würde die Band richtig sauer. Okay, damit kann man doch leben.
Nach relativ kurzer Umbaupause kommt zuerst der Meister himself zu pompöser Musik auf die Bühne und richtet sich an das Publikum, das nun doch mächtig angewachsen ist. Ein paar Hundert Leute haben sich mittlerweile vor der Bühne versammelt, die nun Zeuge von den Egoproblemen des großen Michael Schenker werden. Auf englisch heißt er alle herzlich willkommen beim Michael Schenker Fest, dessen Gitarrist Michael Schenker den Scorpions mit dem 1979er-Album Lovedrive die Tür nach Amerika geöffnet hat. Nach dieser ersten Ansage legt er dann auch mit einem kurzen Auszug aus dem Scorpions Songs Holiday als Intro los, und da er den Hannoveranern so sehr geholfen hat, singt er die Lead Vocals auch gleich selbst. Unterstützt wird er dabei nur von Ted McKenna (Michael Schenker Group, Alex Harvey Band, Rory Gallagher, Band Of Friends) an den Drums.
Richtig los geht es danach aber erst mit dem UFO Klassiker Doctor Doctor, bei dem sich dann auch nach und nach die Bühne füllt. Erste Unterstützung erhält Schenker vom zweiten Gitarristen und Keyboarder Steve Mann (Liar, Lionheart, Michael Schenker Group, The Sweet) und Bassist Chris Glenn (Alex Harvey Band, Michael Schenker Group). Danach entern der Reihe nach Graham Bonnet (Michael Schenker Group, Alcatrazz, Rainbow), Gary Barden (Michael Schenker Group, Gary Moore, Statetrooper, Praying Mantis, Silver) und Robin McAuley (Grand Prix, Far Corporation, McAuley Schenker Group) die Bühne, um je eine Strofe von Doctor Doctor zu singen. Das Publikum ist von Beginn an voll dabei und grölt lauthals jede Zeile mit. Nach diesem ersten Highlight verschwinden alle drei Sänger wieder von der Bühne und der Axeman kündigt Doogie White (u.a. TryxterRainbowRising ForceMichael Schenker) an, der unter großem Applaus die Bühne betritt. Mit Doogie am Mikro bekommen wir die nächsten fünf Songs, Vigilante Man, Lord Of The Lost & Lonely, Take Me To The Church, Let The Devil Scream und Natural Thing um die Ohren gehauen. Über die gesangliche Leistung lässt sich natürlich nicht streiten, der alte Mann singt immer noch wie damals mit Mitte zwanzig, einfach nur stark. Aber auch die Bühnenpräsenz ist sehr professionell, mal turnt Doogie vor den Fans und holt das Allerletzte aus ihnen heraus, dann post er wieder mit Michael über die Bühne, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Auch wenn die ganz großen Hits noch auf sich warten lassen, so macht das Michael Schenker Fest seinem Namen schon jetzt alle Ehre. Nach den genannten fünf Songs wird White vorerst von der Bühne verabschiedet und der Meister trumpft mit dem Instrumental Captain Nemo richtig auf. Während dieses psychedelischen Songs ist die Bühne komplett in dunkles, blaues Licht getaucht, nur durchbrochen von grünen Laserstrahlen, ausgehend von Chris Glenns Brille. Schenker scheint heute richtig gut drauf zu sein, er präsentiert seine Songs mit viel Spaß und sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum. Das habe ich bei ihm schon ganz anders erlebt, z.B. bei seinem Auftritt im Jahr 2017 auf der Weinmesse im französischen Colmar, wo er stets in gebückter Haltung auf der Bühne stand und nahezu jeden Blickkontakt mit den Fans vermied, oder sich gar hinter seinen Marshall Türmen versteckte. Auch bekam er während des ganzen Auftritts kein Wort heraus, heute dagegen hat er allein mit seiner ersten Ansage viel geredet.
Im zweiten Teil der Show wird die Band von Graham Bonnet unterstützt, der mit seinem Schlips um den Hals etwas aus dem Rahmen fällt. Auch er, der durch seine Arbeit mit Ritchie Blackmores Rainbow bekannt wurde, darf nun mit Dancer, Searching For Freedom, Desert Song, Night Moods und dem saustarken Assault Attack fünf Songs zum Besten geben. Völlig typisch für den Briten Bonnet, wird natürlich jeder Song gestenreich unterstrichen. Nach dem anfänglichen Doctor Doctor ist Assault Attack der definitiv bisher stärkste Song des Abends, der auch nach mittlerweile 36 Jahren immer noch völlig staubfrei rüberkommt und von den Fans frenetisch gefeiert wird. Alles in allem hinkt Bonnet rein stimmlich gesehen aber etwas hinter dem starken White her. Er gibt alles, doch die hohen Töne kommen ihm nicht ganz sauber über die Lippen. Den Übergang zwischen zweitem und drittem Teil des Sets bestreitet Schenker wieder alleine und füllt diesen mit Coast To Coast, das er Ende der 70er-Jahre mit den Scorpions einspielte. Was soll ich groß sagen, jeder kennt natürlich das folgende Gitarrengewitter, das nach und nach immer mehr aufbaut. Definitiv auch ein Highlight des Abends, das vom Publikum entsprechend honoriert wird.
Der nächste Block startet mit Ready To Rock vom zweiten MSG Longplayer, zudem passend natürlich Gary Barden, der MSG Sänger der Anfangszeit, der die Bühne betritt. Dass das Z7 bereit zum Rocken ist, daran besteht schon lange kein Zweifel mehr, doch jetzt legt das Publikum noch eine Schaufel drauf. Obwohl die Band den Song damals eigentlich gar nicht aufnehmen wollte, entwickelte er sich dann schnell zum Liveklassiker, der auf keiner Setlist fehlen darf. Auch der mittlerweile 63 jährige Barden hinkt wieder hinter dem starken White hinterher und kann stimmlich nicht wirklich überzeugen. Ready To Rock zündet dennoch und wird bejubelt. Ob nun wegen der Stimmprobleme Bardens deshalb beim nächsten Song als Unterstützung Robin McAuley die Bühne betritt, oder ob es von Anfang an so geplant war, darüber kann wohl nur spekuliert werden. Zusammen intonieren sie jedenfalls Attack Of The Mad Axeman, bei dem vor allem wieder Michael Schenker an seiner Axt brilliert. Da McAuley anschließend die Bühne wieder verlässt, kann wohl davon ausgegangen werden, es war genau so geplant. Barden gibt mit Rock My Nights Away, Messin` Around und last but not least Armed And Ready noch drei Songs zum Besten, kann mich aber auch mit dem großen Klassiker von 1980 nicht voll überzeugen. Die Stimme klingt blass und auch seine Bühnenpräsenz wirkt eher unbeholfen als professionell. Der Stimmung kann das aber heute nichts anhaben, jeder Song und jeder Sänger wird bejubelt und gefeiert und tatsächlich ist jeder Besucher vor der Bühne. Als ich zwischendurch kurz draußen eine rauchen gehe, steht außer mir nur eine einzige Person draußen, was ich hier so auch noch nicht erlebt habe.
Im Übergang zum nächsten Block erwarte ich eigentlich wieder eine Instrumentalnummer, doch weit gefehlt. Das starke Warriors vom aktuellen Ressurection Album präsentieren alle vier Sänger abwechselnd und teilweise auch mehrstimmig. Kein Wunder also, das beim zwanzigsten Song wieder alle Fotografen im Graben versammelt sind und auch Schenker durchweg am Bühnenrand post, obwohl er sich bisher etwas im Hintergrund gehalten und den Bühnenrand den verschiedenen Shoutern überlassen hat.
Im vierten Teil der Show darf sich dann endlich auch Robin McAuley richtig einbringen und er beginnt mit dem starken Bad Boys und legt mit dem UFO Knaller Shoot Shoot gleichermaßen rockig nach. Die coole Rampensau tritt natürlich stilecht in seiner schwarzen Lederjacke an. Es ist nahezu unglaublich, was bei dem 65 Jährigen stimmlich noch rüberkommt. Bei dem folgenden Heart And Soul bekommt auch McAuley noch einmal Unterstützung und es geht vierstimmig zur Sache, bevor er Only You Can Rock Me und Too Hot To Handle wieder alleine unters Volk knallen darf. Die rockigen Songs stehen ihm heute richtig gut zu Gesicht und mit seinem ganz speziellen Charme überzeugt er zu 100%. Selbst den starken Doogie White stellt er hier problemlos in den Schatten, für mich ist dieser Block das Highlight des ganzen Abends. Der Großteil des Publikums sieht es ganz offenbar genauso, denn der Applaus nimmt im Anschluss kein Ende.
Doch wie immer heißt es auch hier, das Beste folgt zum Schluss. Für das 10-minütige Rock Bottom kommen erwartungsgemäß wieder alle vier Sänger auf die Bühne und geben noch einmal alles. Doch letztendlich ist es immer noch eine Michael Schenker Show, bei der der Gitarrist seine Songs feiert und so serviert der Festgeber ein grandioses XXL-Gitarrensolo, bei dem sich viele Kollegen noch einiges abgucken können. Danach scheint das Fest aber zu Ende zu gehen, denn es folgt die obligatorische Verbeugung. Die Zugaberufe erschallen augenblicklich und die Truppe lässt sich auch nicht lange bitten. Als passenden Rausschmeißer hat man noch Lights Out in der Hinterhand. Ein gewaltiges Lichtgewitter tobt über der Bühne, doch mit dem letzten Anschlag Schenkers wird es schlagartig dunkel und ein ganz besonderes Fest ist zu Ende. Ganze zweieinhalb Stunden hat man uns satte 28 Songs um die Ohren gehauen, die das musikalische Schaffen Schenkers gut abgedeckt haben. Unzufrieden wird heute wohl niemand nach Hause gehen.
Ein besonderer Dank geht an das Z7 für die problemlose Akkreditierung und das gesamte Z7-Team, das natürlich Anteil an dem gelungenen Konzertabend hat.

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