Thrashfest am 05.12.2011 in der Markthalle in Hamburg

“Thrashfest – Classics“

Bands: Sepultura, Exodus, Destruction, Heathen, Mortal Sin

Location: Markthalle, Hamburg

Homepage: http://www.markthalle-hamburg.de/

Datum: 05.12.2011

Kosten: VVK: 25 Euro, AK: 30 Euro

Besucher: ca.500 – 600

Meine Damen und Herren – Der Thrash Metal-Wahnsinn ist nach Hamburg zurückgekehrt. Mit einem hammer Billing präsentiert die Markthalle die Urgesteine des Old School Thrashs. Das Band-Aufgebot kann sich durchaus sehen lassen und es wurden bereits 600 Karten im Vorverkauf an den Mann gebracht. Alles in Allem verspricht also für einen gigantischen Abend. Der Einlass ist schon recht früh gewählt und um halb sechs sind die Türen der Location für die Besucher geöffnet, die zahlreich erscheinen. Der Merchandise Stand ist prall gefüllt und die Shirts sind doch recht günstig zu erwerben, sodass es nicht verwunderlich ist, dass eine große Schlange davor steht und sich mit ihrem Lieblingsstuff eindeckt. Der Konzertbeginn ist bereits 18:15 Uhr und nicht erst um halb sieben, wie es im Internet zu lesen war. Somit verpassen einige Fans die ersten Songs des Openers und ärgern sich zurecht darüber.

Denn mit Mortal Sin steht direkt ein Kracher auf der Bühne. Die Australier sind selten zu sehen und sind gerade in Deutschland weniger anzutreffen. Darum ist es eine große Ehre, sie an die diesem Abend begrüßen zu können. Die Truppe rockt auch gleich gehörig los und kann für ordentlich Stimmung sorgen. Dem Publikum gefällt die Darbietung und man grölt ordentlich mit. Die Fans kennen die Songs und so hört man viele Chöre aus den Reihen, die dem Sänger Mat Maurer die nötige Unterstützung geben. Gerade der Frontmann geht in seinen Songs auf und lebt sie auf der Bühne. Seine kraftvolle Stimme, die entfernt an James Hetfield (Metallica) erinnert, dröhnt durch die Boxen und wird durch die Backvocals im Chorus eindrucksvoll verstärkt. Das Schlagzeug liefert eine deftige Doublebass und Blastbeat-Figuren, in die die Gitarren gnadenlos einstimmen. Der gesamte Auftritt strotzt vor Energie und man spürt, dass die Jungs Bock haben zu spielen. Sie wirbeln auf der Bühne und binden die Audienz mit ein. Ihr abwechslungsreiches Repertoire enthält nicht nur ältere Songs, sondern mit Iam Immortal und Do You Divine zwei Titel vom aktuellen Album. Spielerisch ist alles zu finden, von Up-Tempo-Passagen bis hin zu Soli, die in vielen Songs Anwendung finden. Nach 45 Minuten ist ihre Show beendet und die Band sowie die Fans dürften äußerst zufrieden sein.

In der Umbaupause schaue ich mich mal ein wenig um und kann beobachten, dass der Besucherfluß nicht abreißt. Es kommen noch immer eine Vielzahl Menschen und langsam wird es doch etwas eng. Man tummelt sich in der Bar oder im abgetrennten Raucherraum und knüpft neue Kontakte. Die Stimmung ist ausgelassen und positiv. Langsam kehrt man zum Konzertsaal zurück, denn die nächste Band Heathen steht auf dem Programm.

Die Amerikaner haben sich dem schnellen Thrash Metal verschrieben, den sie heute dem Publikum nahe bringen möchten. Vorab fällt mir schon auf, dass die beiden Gitarristen Lee Altus und Kragen Lum identisch angezogen sind und auch dasselbe Saiteninstrument aufweisen. Gerade diese beiden glänzen durch ineinander übergehende Soli, die in allen Spielarten vorgetragen werden. Einzigartiges Riffing wird geboten, welches durch die heftigen Drumeinlagen komplettiert wird. Sänger David White lässt seine hohe Stimme erklingen, die entfernt an Iron Maiden erinnert und springt wie ein Flummi auf der Bühne herum. Die Präsenz von Heathen ist greifbar und eine positive Aura legt sich über die Fans. Die Metalheads gehen ordentlich ab und moshen und pogen um die Wette. Man hat sichtlich Spaß an der Show und singt die Songs mit. Die Tracks der Truppe bieten Abwechslung, denn sie sind mal rasant und gehen ab, können aber auch extrem melodisch ertönen und einen sphärischen Charakter aufweisen. Die Übergänge sind teilweise fließend und halten die Stimmung aufrecht. Nach der Hälfte ca. wird ein kurzes Zwischenspiel geschaltet, welches durch Soundeffekte eingeleitet wird und der Band eine kurze Verschnaufspause verschafft. Doch danach wird sofort Vollgas gegeben und das Schlagzeug hat einen federführenden Charakter. Nach einer Dreiviertelstunde ist auch dieser Auftritt vorbei und man geht ausgepowert von der Bühne.

In der Pause schlendern die Besucher zur Bar, um die ausgetrockneten Kehlen mit neuem Alkohol zu benetzen. Die Location ist voll geworden und man muss sich schon etwas stärker durch die Massen wühlen, um einen Platz im Raucherbereich zu bekommen. Der Merchandise Stand erhält ebenfalls eine Menge Aufmerksamkeit und es gehen einige Shirts über den Ladentisch.

Die nächste Band ist vielen Metalheads ein Begriff, denn es handelt sich um keine andere als die deutsche Thrash Metal-Kombo Destruction. Ihre Interpretation des harten Thrash ist etwas dunkler und düsterer gehalten und man merkt die Einflüsse von beispielsweise Venom. Es geht etwas mehr in die Black Metal-Richtung und weist zeitweise Elemente des Subgenres auf, zu denen zum Beispiel gleichbleibendes Tempo oder auch wiederholendes Riffing gehören. Auch die Monotonie hält in manchen Stücken Einzug. Frontmann Marcel Schirmer ist eine Erscheinung, die eine sehr starke Präsenz umgibt. Er strahlt eine ungeheure Stärke aus, die als Schreie in den Songs zum Tragen kommt. Das Trio zeigt virtuoses Riffing und eine Menge Bewegung und ruft zum Moshpit auf. Die Fans lassen sich nicht lange bitten und legen erstmal gehörig los. Die Spannung baut sich langsam auf und erhält den Höhepunkt in den instrumentalen Abschnitten. Das ganze Können und die jahrelange Erfahrung sind bemerkenswert und spiegeln sich in der Songauswahl wieder. Black Mess ist nur einer von vielen bekannten Titeln, die hier zum Besten gegeben werden. Das Publikum lässt Destruction–Rufe hören und man merkt die Beliebtheit der Band. 50 Minuten dauert ihre Show, die rasant und schnell ist und zudem aggressiv gestaltet ist.

Die nun folgende Umbauphase dauert etwas länger, da die Bühne aufgemacht wird und einiges angebaut werden muss, unter anderem Treppen, die zum Schlagzeug führen. Die nächste Band braucht nämlich eine Menge Platz, denn es werden mehr als drei Menschen auf der Bühne stehen. Viele Besucher sind genau wegen dieser Band nach Hamburg gekommen, denn Exodus genießen einen ausgezeichneten Ruf. Die Amerikaner rocken seit vielen Jahren die Bühnen der Welt und sind bekannt für ihren brutalen Thrash. Die Meinungen der Fans über den Sängerwechsel gehen auseinander und man streitet sich, ob das positiv oder negativ für die Band ist. Fakt ist, dass sie genauso rocken wie mit dem alten Frontmann und lediglich eine neue Komponente hinzugekommen ist und zudem muss Veränderung nicht immer schlecht sein.

Das Licht wird ausgemacht, den Saal umhüllt völlige Dunkelheit und die Metalheads stehen voller Erwartung vor der Bühne. Das Intro wird eingespielt und dann geht es Schlag auf Schlag. Das Schlagzeug gibt den Takt vor und die Gitarren zeigen ein komplexes Zusammenspiel. Ein alter Bekannter steht zudem auf der Stage, denn Lee Altus spielt in beiden Bands und muss also zweimal ran an diesem Abend. Der Sänger Rob Dukes ist eine Erscheinung und wirkt mit seinen vielen Tattoos und der Glatze äußerst aggressiv. Doch sobald die ersten Töne erklingen, blüht er auf und glüht vor Energie. Seine brachiale Stimme findet den Weg in die Ohren der Zuschauer. Wie von der Tarantel gestochen, entsteht ein großer Moshpit und es wird gepogt bis zum Umfallen. Der Band gefällt die Bewegung und sie animieren die Fans zusätzlich. Aber auch auf der Bühne herrscht eine Menge Lebendigkeit und gerade Gitarrist Gary Holt läuft von einer Ecke zur anderen und bindet das Publikum völlig mit ein. Er bringt seine pure Spielfreude zum Ausdruck, die sich im präzisen Riffing widerspiegelt. Es ist unglaublich, wie sehr die Amerikaner die Besucher begeistern können und die lockere Atmosphäre jeden ergreift. Der ganze Auftritt ist wie ein Rausch und man wird völlig in den Bann gezogen. Ein besonderes Highlight ist der Auftritt des Sepultura-Gitarristen Andreas Kisser, der im Einklang mit den restlichen Musikern spielt und ein perfektes Solo hinlegt. Die Fans rasten komplett aus und es wird eine Menge Beifall geklatscht. Exodus präsentieren einen bunten Mix aus ihren Alben und sorgen mit neuen sowie alten Songs für Abwechslung. Eine ganze Stunde darf man den Tönen der Band lauschen und sich fesseln lassen von der extremen Präsenz der Thrash Metaller. Ein gelungener Auftritt ist das allemal, der glückliche Gesichter zurücklässt.

Nach dem spektakulären Auftritt von Exodus wird eine letzte Umbaupause eingelegt, denn der Headliner soll genügend Platz erhalten, um sich zu entfalten. Der Soundcheck wird absolviert und dann wird es erneut dunkel. Das Publikum steht gebannt vor der Bühne, um seine Idole gebührend zu bejubeln. Sepultura lassen sich auch nicht lange bitten und bei jedem Musiker, der die Stage betritt, wird lautstark gejubelt. Es geht direkt mit viel Geschwindigkeit los und der Sänger Derrick Green hat sichtlich Spaß und freut sich über die große Fanbase. Von Stück zu Stück blüht die Truppe auf und knallt den Fans die heftigen Blastbeats und Doublebass um die Ohren. Aber auch melodische Stücke wie Amen laden zum Headbangen ein und zeigen die sanftere Seite der Brasilianer. Zeitweise trommelt der Frontmann sogar mit und wird durch die Lichteffekte exakt in Szene gesetzt. Viel Bewegung ist auf der Bühne gar nicht nötig, denn das Quartett überzeugt durch virtuoses Spiel und atemberaubende Soli. Refuse / Resist ist ein älterer Song, den die Fans alle mitgrölen können und die Band tatkräftig unterstützen. Es herrscht reges Treiben in der Menge, die pogt und im Moshpit ihre Runden dreht. Die Band animiert die Zuschauer immer wieder und bedankt sich herzlich für den Support. Sepultura glänzen durch Härte, Schnelligkeit und ein komplexes Zusammenspiel, welches gerade in den instrumentalen Abschnitten zur Geltung kommt. Die Soli durchziehen jeden Song und der neue Schlagzeuger Eloy Casagrande wird den Zuschauern als neuer Drummer vorgestellt. Der junge Brasilianer erhält einen Solopart, indem er sein Können unter Beweis stellt und seinen Einsatz als richtige Entscheidung unterstreicht. Eine volle Stunde mit Zugabe spielt die Truppe in die Herzen der Norddeutschen und liefert ein gigantisches Konzert ab.

Fazit: Das Thrashfest war wirklich ein gelungenes Spektakel, das jeden zufrieden stellen sollte. Das Billing war perfekt gewählt und es war großartig eine rare Band wie Mortal Sin live erleben zu dürfen. Kein Act hat versagt oder kam lustlos auf die Bühne. Allerdings gab es kleinere Soundprobleme, die aber im Rahmen waren und keinen Abbruch hervorriefen. Die Besucher waren zahlreich und man hat keine enttäuschten Mienen feststellen können. Ich persönlich empfand das gesamte Konzert als sehr angenehm und wirklich gut. Man hat sich alle Mühe gegeben, den Fans das zu bieten, weshalb sie da waren – ein runder Konzertabend, der nach Wiederholung schreit.

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