Traveller – Hourglass

“Diese EP wird in meinen Jahrescharts sehr weit oben stehen“

Artist: Traveller

Herkunft: Castrop-Rauxel, Deutschland

Album: Hourglass (EP)

Spiellänge: 23:05 Minuten

Genre: Post Hardcore, Metalcore

Release: 08.04.2017

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/traveller.band/

Bandmitglieder:

Gesang – Jens Böthin
Gitarre – Steffen Hirz
Gitarre – Jens Cedric Pieper
Bassgitarre – Pete Buchholz
Schlagzeug – Christopher Hempel

Tracklist:

  1. Hourglass
  2. The Idea
  3. Machinery
  4. Catching Rats
  5. Vultures
  6. Denial
  7. Footprints

 

Tatsächlich erst im vergangenen Jahr wurde die Band Traveller gegründet, und die Jungs sind anscheinend sehr gute Beobachter, die das, was sie um sich herum sehen, nicht unkommentiert stehen lassen können und wollen. So ist denn auch die Debüt-EP Hourglass, die am 08.04. komplett in Eigenregie unters Volk gebracht wurde, ein einziger Aufschrei gegen das, was wir mit der Welt und mit uns selbst machen (lassen). Genauso drastisch hat es Leonardo di Caprio anlässlich seiner Rede während der Oscar-Verleihung im Jahr 2016 als Abschlusssatz formuliert: „It’s a question of our own survival“, und eben dieser Satz ziert dann auch das Cover von Hourglass.

Mit einem sehr verhaltenen Gitarrenspiel startet der Titeltrack Hourglass, aber lange aufhalten lassen sich Traveller nicht, denn es geht ziemlich zügig in die Vollen. Und das wird sich auch in den folgenden knapp vierundzwanzig Minuten nicht ändern. Sehr variabel im Tempo, um nicht zu sagen, mit teilweise krassesten Tempowechseln und wie mit spielerischer Hand eingestreuten Breakdowns, ist die Instrumentalfraktion technisch auf allerhöchstem Niveau und Traveller mit einem formidablen Jens am Mikrofon gesegnet, der sich die Seele aus dem Leib schreit und growlt. So prasseln die Songs auf den Hörer nieder und prügeln die Botschaften, die sie mitbringen, in die Gehörgänge. Die immer mal wieder schön stimmig eingesetzten, sehr melodischen Clean-Passagen mit schönem Gitarrenspiel, oft auch untermalt von fließenden Synthesizer-Klängen, betonen umso mehr die Härte und Intensität, mit der die Songs durchgängig aufwarten. Dass hier Bands wie Northlane oder Architects als Inspirationsquelle gedient haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Traveller sind allerdings klug und gut genug, gar nicht erst zu versuchen, diese Bands zu kopieren, sondern sie ziehen ihr eigenes Ding durch, und das wirklich in grandioser Art und Weise.

Im Interlude Denial gibt es dann auch einen längeren Auszug der bereits oben erwähnten Rede von Leonardo di Caprio zu hören. Er hatte ja damals endlich seinen ersten Oscar erhalten, und zwar für den Film The Revenant. Nach den üblichen Danksagungen lag es ihm augenscheinlich sehr am Herzen, eindrücklich und mit drastischen Worten auf den bereits eingesetzten Klimawandel hinzuweisen. Wenn wir jetzt nichts dagegen unternehmen und unsere Lebensweise ändern, werden wir das nicht überleben, es ist definitiv „a question of our own survival“.

Zum Track The Idea gibt es hier das Video:

Fazit: Ich hatte ja das Glück, bei der Releaseparty am 08.04. dabeisein zu können und neben Traveller einige andere Bands zu erleben, denen ich einfach nur das Attribut "sträflichst unterbewertet" geben kann. Und das Traveller dieses tolle Album auch live richtig gut rüberkriegen, haben sie mir da auf jeden Fall bewiesen. Nicht unverdient sind sie deswegen auch als Jurysieger ins Stadtfinale des SPH Bandcontest gekommen, und ich kann nur jedem Fan von exzellentem Post Hardcore empfehlen, sich sowohl diese EP zu gönnen als auch, sich die Jungs mal live zu geben. Aber Achtung: Der Suchtfaktor ist sehr hoch! Punktabzug müsste es höchstens dafür geben, dass Hourglass viel zu kurz ist, aber ich hoffe mal, dass die Jungs schon fleißig an neuen Songs arbeiten… 😉

Anspieltipps: alles
Heike L.
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