Unzucht, Widerstand Tour am 22.12 2017 in der Pumpe, Kiel

“Unzüchtiger Abend!“

Eventname: Unzucht, Widerstand Tour 2017

Headliner: Unzucht

Vorband: Hell Boulevard

Ort: Roter Salon, Pumpe, Kiel

Datum: 22.12.2017

Kosten: 19,90 € VVK, 23 € AK

Genre: Alternative/Indie, Dark Rock, Goth‘nRoll

Besucher: ca. 150

Veranstalter: Die Pumpe, Kiel

Link: http://www.diepumpe.de/

https://de-de.facebook.com/Unzucht/

http://www.hellboulevard.com/

Setlisten:

  1. Love Is Dead
  2. A Beautiful Ending
  3. A Lesson In Pain
  4. Zero Fucks Given
  5. Love Me
  6. Right Here In My Arms, Him Cover
  7. Bad Boys Like Me
  8. Freak Parade
  9. Living Dead Lover
  10. All I’ve Lost
  11. Hangover From Hell 2016

  1. Widerstand
  2. Ein Wort Fliegt Wie Ein Stein
  3. Lava
  4. Der Letzte Tanz
  5. Unendlich
  6. Kind Von Traurigkeit
  7. Hinter Glas
  8. Schweigen
  9. Kettenhund
  10. Unzucht
  11. Nur Die Ewigkeit
  12. Deine Zeit Läuft Ab

Zugabe

  1. Neuntöter
  2. Kleine Geile Nonne
  3. Engel Der Vernichtung
  4. Schlaf

Ca. 150 Gäste haben den Weg in den Roten Salon der Pumpe gefunden, um der Widerstand Tour 2017 von Unzucht beizuwohnen. Sie treten das erste Mal in Kiel als Headliner auf, waren sie doch vor einiger Zeit als Vorband von Eisbrecher hier. Zeitgleich spielen in Kiel die Broilers und haben bestimmt einen Anteil daran, dass es nicht ausverkauft ist. Natürlich wird dies auch während des Konzertes kurz angemerkt. Im Gepäck haben sie Hell Boulevard aus der Schweiz. Die fangen dann auch pünktlich um 20.00 Uhr an und sind erfrischend gut. Der illustre Vierer mit Paradiesvogel Mateo VDiva Fabbiani als Sänger legt sich ordentlich ins Zeug und eröffnet mit Love Is Dead.

Bis dato waren mir die Schweizer gänzlich unbekannt, bereisen sie wohl auch mehr den Süden der Republik und die Schweiz. Drummer A.Ve hat sein Ride Becken schon dermaßen beackert, dass ein Teil davon runter hängt. Das macht dem Spiel keinen Abbruch, es gibt eher einen besonderen Klang. Gitarrist Von Marengo, ganz stylish in Jeans mit einer schwarzen und einer karierten Hälfte, liefert gute Riffs und hat auch ab und an einige gute Soloeinlagen zu bieten.

Ersatzbassist Raul Sanchez von Eyes Shit Tight unterstütz tatkräftig, und da ich keinen Vergleich habe, denke ich, es war richtig und gut. Mit A Beautiful Ending und Lesson In Pain kommt ihre Musik gut an. Der Stil der Vier ist im Indie Bereich anzusiedeln. Ab und an fragen wir uns, an was uns der Gesangstil erinnert. Und dann die Erkenntnis – klar, Chris Harms von Lord Of The Lost lässt grüßen. An einigen Stellen passt es genau. Das ist nicht wirklich imitiert, aber der Einfluss ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Zero Fucks Given und Love Me geht es weiter. Der gute alte Ville Valo kommt in Right Here In My Arms zu ehren. Dann geht es mit eigenem Material weiter. Bad Boys Like Me und Freak Parade vom Inferno Album reihen sich an. Das macht Spaß und so werden sie ihrer Rolle als Anheizer voll gerecht. Das Publikum dankt es und feiert die Jungs ab. Mit Hangover From Hell beenden sie ihr Set. Das war mal wieder eine angenehme Überraschung und zeigt, dass es superviele tolle, uns noch unbekannte Acts gibt, und lässt uns positiv gestimmt auf Unzucht warten.

Die beginnen kurz nach neun mit dem Song Widerstand ihrer gleichnamigen aktuellen CD. Frontmann Daniel „Der Schulz“ in sympathischem schwarz mit Mütze, lässt nichts anbrennen und legt sich gleich ins Zeug. Auch Ein Wort Fliegt Wie Ein Stein kann überzeugen. Deutlich ist der hohe Anteil an weiblichen Gästen zu sehen und zu hören. Ob es an den strahlenden hellen Augen von Daniel liegt? Wie dem auch sei, den Zuschauern gefällt die Performance und die Textsicherheit ist bemerkenswert. Auch der recht hohe Anteil an Fotografen fällt auf, nicht nur Norbert ist professionell unterwegs, nein auch gleich vier weibliche Fotokünstlerinnen sind anwesend. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nicht allzu viele Songs bekannt sind. Deshalb ist meine Textsicherheit gen null anzusiedeln. Da es sich aber um deutsche Texte handelt, ist das nicht so schlimm. Die Vier aus Hannover kommenden Musiker danken den Anwesenden aber immer wieder für den lautstarken Support und fordern ihn auch heraus. Sie sind immerhin das erste Mal als Headliner in Kiel.

Zu Unzucht gehört noch Gitarrist Daniel De Qluerk, der mich persönlich gesanglich sehr anspricht. Seine tiefe Stimme passt gut zu den Songs und gibt ihnen etwas Böses. Ab dem dritten Lied überkommt mich eine gewisse Langeweile, denn die Songs gefallen mir nicht mehr so gut. Es mag an den Songs selbst liegen oder auch am Sänger. Ich kann mit einigen Sachen einfach nicht so viel anfangen. Dabei beginnen die meisten Tracks schon sehr vielversprechend. Fetter Bass von Alex Blaschke und kräftiger Drumsound von Toby Fuhrmann lassen die kleine Location beben. Daniel De Qluerk feuert geile Riffs in die Menge. Sobald der Gesang beginnt, flacht es meiner Meinung nach ab. Das macht aber nichts, denn die Gäste mögen es und sind deshalb ja hier hergekommen. Lautstark werden die Texte zu Der Letzte Tanz, Unendlich oder Schweigen mitgesungen. Der Schulz tanzt auf der kleinen Bühne um sein Mikrofonständer oder steht auf einem erhöhten Podest und stampft mit dem Fuß zum Rhythmus, angefeuert von den begeisterten Zuschauern. Mit dem Track Unzucht kriegen sich mich wieder, das geht geil ab.

Da passt alles. Musik, Gesang, Refrain. Richtig gut. Auch die folgenden Lieder Nur Die Ewigkeit und Deine Zeit Läuft Ab, gefallen mir besser. Gerade wird’s gut, nun ist aber leider schon Schluss. Der reguläre Teil ist vorbei. Sie lassen sich aber nicht lange bitten und kommen für vier weitere Titel auf die Bühne. Dabei lässt Daniel Schulz es sich auch nicht nehmen und springt auf die erhobenen Hände und lässt sich tragen. Da die Decke sehr niedrig ist, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Wohlbehalten zurück wird noch mal das Publikum lautstark gefordert. Hände von links nach rechts schwenken und auch der Refrain bei Kleine Geile Nonne sitzt. Das gefällt mir auch ausgesprochen gut. Mit Schlaf, dem letzten Titel, wird das Konzert nach etwas über anderthalb Stunden beendet. Als Überraschung wird noch bekannt gegeben, dass es im kommenden Jahr einige exklusive CD Release Shows geben wird, für die bereits jetzt Karten zu bekommen sind. Leider ist das nördlichste in Bremen.

Im Anschluss kommen alle Protagonisten noch an den Merch Stand. Gerade die Hannoveraner haben scheinbar einen großen Tross an Fans. Unzucht geben sich Fan nah und haben auch hier einen hohen Beliebtheitsgrad. Gerade bei Daniel Schulz ist das besonders zu merken, er wird stark umlagert und es ist schwierig, an ihn ranzukommen. Die Vier von Hell Boulevard sind ebenfalls noch anwesend und geben bereitwillig Auskunft und Autogramme. Wir haben die Gelegenheit mit A.Ve etwas länger zu plaudern. Er stellt sich als angenehmer Gesprächspartner heraus und erzählt auch ein wenig. Es gibt auf dieser Tour noch ein Konzert und dann geht’s zu Weihnachten nach Haus.
Nach dem Totenkopfringvergleich – das ist wie, mein Auto, mein Haus, meine Pferde – gab es eine sehr herzliche Verabschiedung. Sehr sympathisch, der junge Mann.

Mein Fazit: Licht und Schatten bei Unzucht. Gesanglich nicht immer überzeugend und auch einige Songs zu einfallslos. Musikalisch starke Darbietung – gerade die Beiden an Bass und Gitarre überzeugen mich. Das anwesende Publikum huldigt den Unzüchtigen aber und das ist auch gut so. Ich bin nicht so ganz überzeugt, aber das muss ja auch nicht sein. Bemerkenswert der Support Hell Boulevard, da werde ich mich noch mal mit beschäftigen.

Die Bilder sind von Norbert Czybulka.

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