Versengold und Mr. Irish Bastard am 30.10.2019 in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln

Bremer Stadtmusikanten zeigen sich gesellschaftskritisch

Event: Nordlicht Tour 2019

Headliner: Versengold

Support: Mr. Irish Bastard

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 30.10.2019

Kosten: 33,55 € VVK

Besucher: ca. 800

Genre: Folk Rock, Mittelalter Rock, Irish Folk, Folk Punk

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/658328461279588/

Setlisten:

Mr. Irish Bastard:
01. Forty Something Street
02. Black Eye Friday
03. Captain O Captin
04. Kingdom Of The Sun
05. I Only Like You When I`m Drunk
06. Soundtrack Of My Life
07. We Are The Drunks
08. Darlinka
09. I Hope They Sell Beer In Hell

Versengold:
01. Nordlicht (Intro)
02. Durch Den Sturm
03. Niemals Sang- Und Klanglos
04. De Rode Gerd
05. Verliebt In Eine Insel
06. Winterflut 1717
07. Teufelstanz
08. Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken
09. Solange Jemand Geige Spielt
10. Haut Mir Kein` Stein
11. Feuergeist
12. Samhain
13. Meer Aus Tränen
14. Wir Tanzen Nicht Nach Braunen Pfeifen
15. Hoch Die Krüge
16. Thekenmädchen
17. Wohin Wir Auch Gehen
18. Butter Bei Die Fische
19. Mach Noch `Ne Runde
20. Ich Und Ein Fass Voller Wein
21. Abgesang

Es ist Mittwochabend und ich mache mich mal wieder auf den Weg über die Grenze zu unseren Nachbarn, denn in der Konzertfabrik Z7 stehen heute die norddeutschen Folk Rocker Versengold auf der Bühne. Obwohl die Bremer Stadtmusikanten regelmäßig auf der Bühne im beschaulichen Pratteln stehen, zuletzt erst am 20.12.2018 bei der Eisheiligen Nacht zusammen mit Subway To Sally und Paddy And The Rats, und auch jedes Jahr auf dem Mittelalterlichen Phantasie Spektakulum in Weil am Rhein spielen, so sind sie doch immer wieder gern gesehene Gäste in der Schweiz, die das Z7 ordentlich zum Beben bringen.

Bereits um kurz nach 17:00 Uhr mache ich mich auf den Weg, denn den Feierabendverkehr auf der A5 möchte ich gerne vermeiden. Das klappt auch recht gut, jedoch habe ich kurzzeitig vergessen, dass mit Versengold ja eine norddeutsche Band von der Küste am Start ist und die haben natürlich auch ihr Schietwetter mitgebracht. Unterwegs schüttet es wie aus Kübeln und als dann auch noch Nebel aufkommt, dauert es nicht allzu lang, bis zum ersten amtlichen Stau. Letztendlich brauche ich gut doppelt so lange wie gewöhnlich und als ich gegen kurz nach 19:00 Uhr an der Location ankomme, hat der Einlass gerade begonnen und es bildet sich noch immer eine kleine Schlange vor den Toren, der ganz große Ansturm bleibt bis jetzt noch aus. Doch es ist Mittwoch und die Schweizer lassen es gerne mal gemächlich angehen. Auch werden um diese Zeit viele noch arbeiten und ich bin sicher, hier geht heute noch was.

Als Mr. Irish Bastard ziemlich pünktlich gegen 20:00 Uhr die Bühne betreten, haben sich schon etliche Musikbegeisterte eingefunden, doch voll ist der Laden noch längst nicht. Die Irish Folk Punk-Band aus dem Münsterland steigt mit Forty Something Street vom dritten Silberling A Fistful Of Dirt in ihr Set ein und so treffen traditionelle irische Melodien gleich zu Beginn auf punkigen Rock. Man kann beobachten, wie sich der Platz vor der Bühne im Schnelldurchgang füllt und der Folk/Punk-Sound bleibt nicht ohne Wirkung und geht schnell ins Bein. Das Publikum ist schon zu dieser recht frühen Zeit in Feierlaune und nicht wenige tanzen und grölen die Nummer mit. Das aktuelle und recht flotte Black Eye Friday vom letztjährigen Album The Desire For Revenge bietet dann typischen Folkrock mit lässigen Chören. Der Tag des blauen Auges, jener letzte Freitag vor Weihnachten, an dem statistisch gesehen, die meisten Prügeleien im Vereinten Königreich stattfinden, sorgt hier jedoch nur für gute Laune. Auf der Bühne herrscht ordentlich Bewegung und die irisch-deutsche Combo schafft es so mühelos, auch die letzten müden Knochen wachzurütteln. Der Spaß und die Spielfreude sind ständig spürbar und das überträgt sich prompt. Überwiegend akustisch gehalten werten Tin Whistle, Banjo und Geige den rockigen Sound auf, während dann das folgende Captain O Captain von der Mandoline über die Planken gejagt wird. Die deutschen Dropkick Murphys mit irischem Fronter hauen die beschwingten Melodien reihenweise ins Publikum und stecken mit ihrer guten Laune wirklich jeden an. Selbst ein nicht besonders spektakulärer Song wie Kingdom Of The Sun wird zum Selbstläufer und lässt die Leute schunkeln. Besonders das feine Gitarrensolo kann hier begeistern. Nach dem leicht balladesken I Only Like You When I`m Drunk mit Violinenbegleitung wird dann endlich der Live-Knaller Soundtrack Of My Life unters Volk geballert und gemeinsames ausrasten mit irischem Flair ist angesagt. Münster ist eben doch das bessere Dublin. Nun wird aus allen Rohren geschossen, der Kneipensong We Are The Drunks ist eher punkig als folkig und mit Darlinka, einer Ska-Polka-Nummer mit slawischer Note, lädt man zum Mitklatschen ein. Ein paar Ansagen von Fronter Mr. Irish Bastard und schon steigt das gesamte Publikum mit ein und macht ordentlich Dampf vor der Bühne. Mit dem The World, The Flesh & The Devil-Klassiker I Hope They Sell Beer In Hell, wird dann viel zu früh das Finale eingeläutet, doch die Münsteraner sind auf einer Stufe mit den Dropkick Murphys, The Pogues und anderen Gesellen angekommen.

Danach ist das Publikum bestens aufgewärmt für den Hauptact des Abends, doch während der Umbaupause wird die Bühne zunächst einmal mit einem großen Nordlicht Banner verhängt. Versengold entern die Bühne dann zum Nordlicht Intro und steigen mit Durch Den Sturm vom aktuellen Album gleich ganz ordentlich ein. Mittlerweile steht das Publikum vor der Bühne dicht gedrängt und ist auch vom ersten Moment voll dabei. Spätestens mit der Funkenflug Nummer Niemals Sang- Und Klanglos wird dann auch schon lautstark mitgesungen und geschunkelt und das Schweizer Publikum frisst den Nordlichtern förmlich aus der Hand. Die Stimmung bleibt auch euphorisch, selbst wenn De Rode Gerd noch längst nicht jeder mitsingen kann. Der Wechsel zwischen Nordlicht und Funkenflug Songs setzt sich fort und so wird mit Verliebt In Eine Insel auch ein erster früher Höhepunkt erreicht, denn die Liebeserklärung an Irland kann hier jeder mitgrölen. Slàinte! Neben Frontmann Malte Hoyer ist es vor allem Strahlemann Florian Janoske, der auf der Bühne für ordentlich Wirbel sorgt, sich einen abfiedelt und die Meute so immer mehr anheizt. Um den steten Wechsel fortzuführen, folgt mit Winterflut 1717 wieder ein aktueller Titel, der von Malte entsprechend angesagt wird. Überhaupt hat der sympathische Frontmann für jeden Song die passenden Hintergrundgeschichten parat. Der Song über das gierige Meer und den Bruder Tod, der auf der Wasserwand reitet, verbreitet eine ganz andere Atmosphäre im Z7, ist es doch nicht der typische Versengold Partytrack. Dennoch ist die Nummer ein echtes Highlight und es gelingt den Jungs problemlos, jeden der Anwesenden mitzunehmen an die Waterkant. Dann kommt man allerdings aus dem Gleichgewicht, denn mit Teufelstanz und Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken folgen gleich noch zwei aktuelle Nummern, bevor man mit Solange Jemand Geige Spielt, Haut Mir Kein` Stein, Feuergeist und Samhain wieder zu Funkenflug übergeht. Damit ist das Gleichgewicht dann fast wieder hergestellt, aktuell mit leichtem Funkenflug Vorteil. Wer heute Abend auf ein feucht-fröhliches Best Of-Programm gehofft hat, der wird sicherlich etwas enttäuscht sein, doch tatsächlich kann die Songauswahl der guten Stimmung nichts anhaben. Gesellschaftskritisch geht es dann auch in Meer Aus Tränen weiter, denn die Nordlicht Nummer beschäftigt sich mit der Flüchtlingskrise und davon, das viel zu viele wegschauen, während fast tagtäglich Menschen im Mittelmeer ertrinken. Versengold haben schon immer mal gerne etwas genauer hingeschaut und stecken auch gerne mal den Finger in die Wunde. Ebenso gesellschaftskritisch geht es dann auch in Wir Tanzen Nicht Nach Braunen Pfeifen weiter, denn der Rechtsruck in Deutschland und Europa darf nicht mehr weiter toleriert werden. Da ist sich offenbar auch das Schweizer Publikum einig, denn zumindest der Refrain wird wieder lauthals mitgegrölt. Getanzt wird zwar nicht nach braunen Pfeifen, aber das tanzen soll natürlich heute Abend nicht zu kurz kommen. Die Sauf- und Partysongs haben die Nordmänner natürlich nicht verlernt und so geht es mit Hoch Die Krüge erstmals heute zurück in die Zeitlos Ära. Die Stimmung steigt prompt wieder an und so reiht sich auch die Single Thekenmädchen in den Partyreigen ein. Zunächst macht Malte einen Probelauf mit dem Publikum, doch da eh jeder weiß, dass es der Job des Thekenmädchens ist, dich zu mögen, wird das Z7 nun regelrecht zusammengebrüllt. Es wird getanzt, geschunkelt und gesungen, als gäbe es kein Morgen mehr. Im Anschluss macht sich dann Violinist Florian als Crowdsurfer auf den Weg zur Technik, wo ein Becher Bier auf ihn wartet, denn er auf Ex runterkippt, bevor er mitten im Publikum erneut seine Geige gereicht bekommt. Ich für meinen Teil muss danach erst mal raus und eine rauchen. Aus einer werden zwei, man verquatscht sich und so verpasse ich dann auch das Finale aus Mach Noch `Ne Runde und Ich Und Ein Fass Voller Wein. Dennoch war es ein mehr als gelungener Konzertabend mit zwei coolen Folk-Rock-Bands.

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