“Unterschiedliche Genres und Einflüsse in einen Topf geworfen“
Artist: LO!
Herkunft: Sydney, Australien
Album: Vestigial
Spiellänge: 42:12 Minuten
Genre: Post Metal, Grudge, Post-Hardcore
Release: 06.10.2017
Label: Pelagic / Cargo
Link: http://www.lookandbehold.net/
Bandmitglieder:
Gesang – Sam Dillon
Gitarre – Carl Whitbread
Bass, Backing Vocals – Adrian Shapiro
Drums – Adrian Griffin
Tracklist:
1. Hall Of Extinct Mammals
2. As Fools Ripen
3. Glutton
4. Locust Christ
5. Butcher Birds
6. Bombardier
7. A Tiger Moth’s Shadow
8. Judas Steer
9. Bestial Beginnings
10. The Worms Lament
11. Gods Of Ruin
Eigentlich sollte es ja eher ein Zufall sein, doch es gibt so manche Länder, die einfach die besten Bands in gewissen Genres aufweisen können. In meinem Fall zumindest, was den Core Bereich angeht. Denkt man z.B. an UK, fallen einem da sofort Architects, Bullet For My Valentine, While She Sleeps oder auch Bring Me The Horizon ein. Denkt man an Australien, so denkt man an Parkway Drive, Northlane oder auch Thy Art Is Murder. Die Band LO! aus Sydney wird da wohl eher weniger Menschen einfallen, was wohl unter anderem am Bekanntheitsgrad der Gruppe liegt, sowie an der Tatsache, dass diese eine bisher nicht wirklich starke Präsenz in Deutschland zeigte. Zumindest schafften sie es aber mit ihrem Video zum Song Orca, auf sich aufmerksam zu machen. Und dann muss man sich das aktuelle Album Vestigial, welches Anfang Oktober erschien, einmal genauer anschauen. Kann die Platte halten, was Orca verspricht?
Das Intro Hall Of Extinct Mammals leitet das Album recht dunkel und finster ein. Mit Regenschauern und den Screams sehr im Hintergrund angelagert, womit recht effektiv eine spannende Atmosphäre erzeugt wird. Der Übergang zum ersten, richtigen Song As Fools Rippen zeigt sich dabei recht fließend, sodass der Wechsel eigentlich kaum auffällt. Dennoch nehmen LO! hier sofort jegliche Zurückhaltung weg, was sich vor allem auf instrumentaler Ebene zeigt. Die Riffs werden dem Zuhörer fast zu schnell entgegen gespielt und erst zur Mitte erlaubt sich die Gruppierung eine kleine, ruhigere Phase. So ganz kann man As Fools Rippen nicht einordnen, musikalisch ist der Song zwar gut, allerdings auch schnell wieder vergessen.
Dies wird etwas besser mit dem dritten Track Glutton, der nicht sofort losstürmt und alles nieder zu wälzen scheint. Viel mehr nehmen sich LO! hier die Tiefe ihrer Musik, welche sie im Intro bereits etwas eingeleitet hatten, und nutzen diese weiter aus, um ein eher langsames Tempo mit stärkerem Fokus auf gesanglicher Ebene zu präsentieren. Ein Richtungswechsel, der es für Neulinge der Band einfacher macht, diese ein wenig im Kopf zu behalten. Insbesondere der instrumentale, sehr ruhige Zwischenteil, welcher in sich eine Steigerung beinhaltet, sorgt für charakteristische Stärken, die zu gefallen wissen und definitiv eine elektrisierende Spannung erzeugen. Zum Ende wird diese dann auch etwas aufgelockert, der Song geht in sich selbst quasi wie eine Explosion auf und man kann sich die Liveaction bildlich vorstellen.
Weitaus energischer und wilder macht dann der vierte Track Locust Christ weiter, der zumindest zu Beginn fortzuführen scheint, was As Fools Rippen bereits beinhaltet hat. Wilde und schnelle Instrumente, der Gesang fällt dabei deutlich in den Hintergrund und man fühlt sich ein wenig an Doom Metal erinnert. Hier kommt es dann wahrlich auf den eigenen Geschmack an, so gibt es sicherlich Zuhörer, die diese leicht chaotische Musik zu Glutton bevorzugen, mir persönlich gefällt letzterer Ansatz jedoch deutlich besser, da so LO! als Band mehr Charakter annimmt. Locust Christ ist dabei aber auch von kurzer Dauer geprägt und geht recht schnell in Butcher Birds über, welcher jedoch nicht das vorgelegte Tempo etwas zügelt, sondern aufrechterhält, dabei allerdings interessante Variationen einführt, die wieder etwas mehr Struktur in den Song selber mit einbringen. Insbesondere die zweite Hälfte weiß hier wieder etwas mehr zu gefallen. Lo! finden eine gute Mitte, welche sowohl dem Tempo als auch der Tiefe der Musik dient. Butcher Birds ist von der Struktur her mit solchen Wechseln versehen, dass er einer der interessantesten Songs der Platte präsentiert, weil er mit Vielseitigkeit und Einblick in die Band brillieren kann.
Bombardier kreiert dann als Interlude, welches nicht ruhiger im Vergleich zu Butcher Birds ausfallen könnte, mehr als genug Raum und Zeit für sich, sodass man als Zuhörer wieder bemerkt, dass dieses Album eigentlich recht gut konstruiert ist und man nicht nur Song für Song einfach alles runterspielt. Es sind solche kleinen Elemente, die LO! hörenswert machen und Vestigial zu einem Album machen, an welches man sich erinnert, anstatt einer einfachen weiteren Platte. Hier könnten die Australier also ruhig mehr in die Trickkiste greifen. A Tiger Moth’s Shadow geht dabei zu fließend weiter, dass die instrumentale Ebene noch aufrechterhalten wird, bevor sich der Song dann in ein wahres Hardcore/Doom Metal Paradies entfaltet. Die Ruhepause ist damit nun auch schon wieder vorbei. Dennoch verstehen es LO! auch hier wieder etwas mehr auf Gesang zu setzen, was atmosphärisch aufwertet und stärker im Kopf bleibt.
Judas Steer präsentiert sich ähnlich stark wie A Tiger Moth’s Shadow, auch wenn bzw. vielleicht genau wie hier in die Post Black Kiste gegriffen wird und LO! es dabei irgendwie gelingt, sich dennoch nicht komplett im Chaos zu verirren. Judas Steer wirkt weiterhin fließend, aber nicht zusammenhangslos. Den Australiern tut es gut, wenn sie mehr Struktur und verschiedene Elemente in ihre Songs fließen lassen, da sonst der Sound zu 08/15 wird und Vestigial somit komplett in Vergessenheit geraten würde. Judas Steer schafft es zusätzlich noch atmosphärische Ebenen nachzulegen.
Bestial Beginning beginnt so leise, dass man es fast nicht mitbekommt, bevor die ersten Gitarren erklingen, die durchaus einen leicht anschleichenden Charakter erzeugen. Und fast könnte man meinen, LO! beschränken sich komplett auf eine recht simple, fast schon ruhige Melodie, doch zur Mitte setzt dann doch noch Gesang ein, welcher hier ein wenig gequälter wirkt als noch in den Songs zuvor, wodurch der Song eine emotionale Ebene erhält, zudem noch zusätzlich neue Seiten von Sam zeigt, dessen Gesang bisher etwas kontrolliert gewirkt hat.
Gods Of Ruin holt als letzter Titel der Platte noch einmal Tempo aber auch Vielfalt zurück, wenn er sich auch nicht ganz zum stärksten Song der Platte entwickelt, sondern sich eher wunderbar im Mittelfeld einspielt. Es scheint fast, als wären LO! hier ein wenig zögerlich gewesen, einen Paukenschlag zum Schluss rauszuhauen, sie wollten diese Platte aber offensichtlich auch nicht ruhig beenden. Gods of Ruin hält kleine, leider etwas wenige Überraschungen parat und ganz schafft es der Song nicht, sich im Kopf klarer festzusetzen.



