Angus McSix, Bloodbound, Brainstorm am 19.03.2026 in der Halle02 in Heidelberg

Bunte Power-Metal-Party in Heidelberg

Event: Tour Of The All-Seeing-Astral Eye

Bands: Angus McSix, Bloodbound, Brainstorm

Datum: 19.03.2026

Genres: Power Metal

Besucher: ca. 200-250

Ort: Halle02, Heidelberg

Veranstalter: Rockline Promotion

Kosten: VVK ab 43,35 EUR

Setlisten:  

  1. Worlds Are Coming Through
  2. Devil’s Eye
  3. Shiva’s Tears
  4. The Sheppard’s Girl
  5. Where Ravens Fly
  6. Boys Of Summer (Don-Henley-Cover)
  7. All Those Words
  8. Crawling
  9. Ravenous Minds

  1. Creatures Of The Dark
  2. Slayer Of Kings
  3. As Empires Fall
  4. When Fate Is Calling
  5. Battle In The Sky
  6. Defenders Of Jerusalem
  7. Moria
  8. Tales From The North
  9. Rise Of The Dragon Empire
  10. Nosferatu

  1. Master Of The Universe
  2. The Fire Of Yore
  3. I Am Adam McSix
  4. Let The Search Begin
  5. Dig Down
  6. Sixcalibur
  7. Ork Zero
  8. Just A Fool Will Play Tricks On Angus McSix
  9. Techno Man
  10. Starlord Of The Sixtus Stellar System
  11. Eternal Warrior
  12. Laser-Shooting Dinosaur
  13. 6666
  14. Amazons Of Caledonia
  15. Ride To Hell

Donnerstagabend in Heidelberg. Die Hero-Metaller von Angus McSix laden zum Tanz und haben sich mit Bloodbound und Brainstorm energiegeladene Unterstützung geholt. Die Halle02 wird das Schlachtfeld des heutigen Abends stellen. Direkt nach der Arbeit die Liebste einsammeln, ab auf die Autobahn, und nach geschmeidigen 45 Minuten stehen wir vor der ehemaligen Bahnhalle im Heidelberger Osten. Die Schlange vor dem Eingang ist noch recht übersichtlich, als pünktlich um 18 Uhr die Tore geöffnet werden.

Die Halle02 fasst eigentlich bei voller Auslastung bis zu 1.200 Leute. Heute ist aber ca. in der Mitte ein Teiler aufgebaut, um dem Bereich vor der Bühne etwas Struktur zu verleihen. Es werden grob geschätzt an die 200–250 Besucher anwesend sein. An einem Donnerstag mit Konzertbeginn um 18:30 Uhr aber auch nicht verwunderlich. Die Halle ist zu Beginn in blaues Licht getaucht, und was macht es? Es leuchtet blau und irritiert die Augen, zumindest bis diese sich akklimatisiert haben. Vor dem Merchstand sind ein paar Sitzmöbel aufgestellt, in guter Reichweite der bargeldlosen Bar. Aus den Boxen schallt ein bunter Mix von Manowar über Queensrÿche bis hin zu Beast In Black.

Brainstorm, Heidelberg 2026, Pic. by Alex. Wahl
Brainstorm, Heidelberg 2026, Pic. by Alex. Wahl

Den Reigen des heutigen Abends eröffnen die schwäbischen Recken von Brainstorm, traditionell mit ihrem Barry-White-Intro und fließendem Übergang zum Opener Words Are Coming Through, welcher direkt in Devil‘s Eye mündet. Bei Brainstorm dürfen natürlich auch die persönlichen Ansprachen von Fronter Andy B. Franck nicht fehlen. So erzählt er, dass er wohl das letzte Mal in Heidelberg war, als es den Schwimmbadclub noch gab, und es längst Zeit war, dass sie endlich mal wieder in die Unistadt kamen. Das wird gleich mal mit dem All-Time Favorit Shiva’s Tears ordentlich gefeiert. Die Bühne ist flankiert von hinterleuchteten Plague Of Rats Bannern, der aktuellen Platte der Schwaben. Die Halle hat sich mittlerweile merklich gefüllt, aber es ist noch genug Platz, dass man sich frei bewegen kann. Es ist das erste Mal, dass wir die Powermetaller in ihrer neuen Besetzung sehen. Sowohl Gründungsmitglied Dieter Bernet hinter den Drums als auch Bassist Jim Rames sind seit Ende 2025 nicht mehr dabei. Würdigen Ersatz gefunden haben Brainstorm in Danij Perl an den dicken Saiten und Kevin Lütolf hinter der Schießbude. Einen merklichen Unterschied stellen wir aber nicht fest, außer dass Dieters Schlagzeug früher imposanter hinter Fronter Andy thronte. Nach einer weiteren humorvollen Ansage hauen uns Brainstorm ihre Version des Don-Henley-Klassikers The Boys Of Summer um die Ohren, bei dem Andy leider nicht jeden hohen Ton 100 %ig trifft, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Beim folgenden All Those Words darf dann das Publikum mitsingen, was auch gemessen an der anwesenden Menge hervorragend funktioniert. Bei Crawling zeigt sich dann wieder, dass Brainstorm auch die kleinste Menge zum Mitfeiern animieren können, als nahezu alle Hände der nicht mal zur Hälfte gefüllten Halbhalle in Wellen gewirbelt werden. Mit der „Androhung“, wiederzukommen, verabschieden sich Brainstorm nach 50 Minuten mit Ravenous Minds vom Publikum.

Bloodbound, Heidelberg 2026, Pic. by Alex. Wahl
Bloodbound, Heidelberg 2026, Pic. by Alex. Wahl

Einmal Getränke auffüllen, bevor es mit Bloodbound in die zweite Runde geht. Vorher noch ein bisschen zu Gammarays Rebellion In Dreamland feiern und los geht’s. Blaues Licht, Chorgesang, wirbelnde Drumsticks von Drummer Daniel Sjögren und ein klatschendes Publikum empfangen die Schweden. Ihr Set startet mit Creatures Of The Dark welches in das epische Slayer Of Kings überblendet, bei dem Sänger Patrick Johannson ein kleines Missgeschick geschieht, als er versehentlich sein Mikro ausschaltet, aber das Malheur sofort behebt. Bloodbound haben im November ihr aktuelles Album Field Of Swords veröffentlicht, von dem sie auch gleich den nächsten Song As Empires Fall anspielen. Die Technik ist heute nicht der Freund von Fronter Patrick, der sich offensichtlich nicht oder schlecht auf seinen In-Ears hört. Daher sitzt nicht jeder Ton. Während des Auftritts verschwindet er mehrfach hinter der Bühne und spricht mit den Technikern. Das ist halt live. Die Halle ist leider immer noch nicht voller. Wenn alle dicht vor der Bühne stünden, wären ca. zehn Reihen gefüllt. Die Metalheads, die den Weg in die Halle02 gefunden haben, haben aber großen Spaß mit den Schweden und feiern die Songs. Mir persönlich fehlt bei Bloodbound leider ein wenig die Varianz in den Liedern, aber der Großteil der Besucher feiert und singt die eingängigen Songs munter mit. Beim vorerst abschließenden Rise Of The Dragon Empire fordert der gehörnte Sänger die Leute auf, noch mal ordentlich mitzuspringen. Für mich tatsächlich eines der besten Lieder des Sextetts, bei dem auch wirklich 90 % der Anwesenden wild umherspringen. Seit Fronter Patrick seine In-Ears herausgenommen hat, funktioniert es auch wieder besser mit dem Töne-treffen. Nachdem alle gemeinsam das Imperium der Drachen besungen haben, gibt es dann doch noch den ultimativen Bloodbound-Song Song Nosferatu – durch dessen mit Cutscenes aus dem MMORPG The Elder Scrolls Online gespicktes Video ich damals das erste Mal auf die Schweden aufmerksam wurde. Nach gut 60 Minuten verabschieden sich die Power-Metaller von der kleinen, aber feinen Menge.

Angus McSix, Heidelber 2026, Pic. by Alex. Wahl
Angus McSix, Heidelber 2026, Pic. by Alex. Wahl

Mit dem Intro der 80er-He-Man-Zeichentrickserie geht es pünktlich um 21:00 Uhr los und mein betagtes Herz hüpft in Nostalgie. Der trommelnde Ork Zero (Gerrit Lamm) betritt die Bühne als Erster und stachelt die Menge an, worauf der neueste Zuwachs der McSix-Familie, die Zwergin (Jasmin Pabst), energiegeladen das Schlachtfeld stürmt, dicht gefolgt vom Antagonisten der Sixer, Archdemon Seebulon (Rafael Dobbs Roa). Unser Held Adam McSix (Samuel Nyman) betritt als Letzter die Szene und schmettert uns sofort den Opener Master Of The Universe entgegen. Ein wenig irritierend finde ich, dass es hier mal wieder keinen Bassisten gibt. Der Headliner hat mit vier Musikern die geringste personelle Schlagkraft. Das Konzept der bunten Truppe, bei dem die Protagonisten auf der Suche nach dem verschollenen Namensgeber Angus McSix sind, zieht sich als Leitfaden durch den gesamten Auftritt. Die Ansagen sind stets humorvoll, ein bisschen durchgeknallt und machen durchweg Spaß, genau wie die Musik. Ein Beispiel gefällig? Adam hat das komische Gefühl, dass die Zwergin romantische Gefühle für den Ork hat, also schreibt er ein Lied darüber. Der dadurch entstandene Love-Song Dig Down, kommt ganz anders daher als das übliche Geschmachte solcher Lieder. Halt typisch McSix mit viel Elektronik, Gitarrenriffs, schlagenden Drums, viel Selbstironie und hier zusätzlich eingespielten Gesang-Parts von Van Canto.

Die Energie der Zwergin ist ein klarer Zugewinn für die Spaßtruppe. Ich bin gespannt, wie die Band in Vollbesetzung funktioniert. Die Königin der Amazonen Thalestris (Thalìa Bellazecca) ist auf dieser Tour terminlich leider verhindert. Auch die Performance von Adam finde ich persönlich sympathischer als die des ursprünglichen Angus. Das Publikum hat sichtlich Spaß mit den durch humorvolle Ansagen ergänzten Spaßsongs. Es singt munter mit und feiert zusammen mit der Heldentruppe eine große Metal-Party. Auch der Signaturesong Sixcalibur wird wieder durch einen kleinen Sketch eingeleitet, bei dem ein das mächtige Schwert stehlender Goblin erfolgreich von Adam verscheucht wird. Adam bedankt sich bei allen, die an einem Donnerstagabend wahrscheinlich direkt von der Arbeit hergekommen sind, höllenmüde, aber immer noch da. Das folgende Techno Man erinnert musikalisch ein wenig an Electric Callboy, aber natürlich mit Klargesang. Die Bühne ist in Regenbogenlichter getaucht. Die bunten Lichter reflektieren sich auf Adams mit Spiegelscherben gespicktem Outfit, als der Prinz dann doch noch ein paar tiefe Growls raushaut, nicht schlecht!

Angus McSix, Heidelber 2026, Pic. by Alex. Wahl
Angus McSix, Heidelber 2026, Pic. by Alex. Wahl

Neben den vielen Songs des aktuellen Albums Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye sind natürlich auch Klassiker wie Starlord Of The Sixtus Stellar System mit an Bord, dessen Gitarrenarbeit mich, vielleicht auch aufgrund des Namens, an AC/DC erinnert. Die Verrücktheit des heutigen Abends steigert sich ab jetzt unaufhörlich. Ein alter weißer Zauberer, der mit verspiegelter Sonnenbrille spanische Rapparts von sich gibt, darf natürlich genauso wenig fehlen wie ein tanzender Dinosaurier auf der Bühne zum bezeichnenden Laser-Shooting Dinosaur. Die Abkürzung LSD des letztgenannten Liedes beschreibt ein Angus-Konzert eigentlich perfekt: bunte Regenbogenlichter, halluzinierende Erscheinungen wie tanzende Dinos oder rappende Zauberer, Funkenfontänen, Nebelschwaden und wilde Musik. Ich bin mir aber sicher, ein McSix-Konzert hat die bedeutend positiveren Nachwirkungen. Auf die Frage, wie viel positive Beklopptheit sie in ihren Auftritt packen wollten, haben unsere Helden vermutlich einfach mit „Jaaaaaaaa!“ geantwortet. Trotz der fehlenden Thalestris wird mit Amazons Of Caledonia an sie gedacht und noch mal ordentlich gefeiert, natürlich mit Lamettakanonen, frei nach dem Motto: „Was soll der Geiz?“ Dann schnappt sich Seebulon das Mikro und beschwert sich, dass er endlich nach Hause will – zurück in die Hölle. Natürlich hat der Zugang zur Hölle hier nur eine kleine Tür, die nur durch das folgende Ride To Hell und den Chor des Publikums beschworen werden kann: Döppdöppdödöpp! Schon schnappt sich die Zwergin ein paar Fans und startet eine Polonaise durch die Halle. Mit den abschließenden Funkenfontänen geht der bunte Trip dann aber tatsächlich zu Ende.

Was ein Abend. Ein Angus McSix-Konzert ist sicher nichts für Metal-Puristen, der bunte Mix quer durch den metallischen Garten macht uns persönlich aber überraschend viel Spaß. Ich war vorher tatsächlich etwas skeptisch, da ich die bisherigen Auftritte der Truppe eher als „ok“ bewertet hätte, aber heute bekomme ich mein fettes Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht und das ist doch genau das, worum es geht.

Beteiligter Redakteur: Oliver W.