Anarkhon – Phantasmagorical Personification Of The Death Temple

Der Tod als Epizentrum

Artist: Anarkhon

Herkunft: Brasilien

Album: Phantasmagorical Personification Of The Death Temple

Spiellänge: 39:27 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 10.09.2020 / 26.03.2021

Label: Soul Erazor Production (CD) / Debemur Morti Productions ( Vinyl)

Link: https://anarkhonband.bandcamp.com/releases

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Aron Romero
Gitarre – Kleber
Bassgitarre – Jean Raimi
Schlagzeug – Wellington Backer

Tracklist:

  1. Dimensional Incantation
  2. Far Beyond Blood & Death
  3. Assuming The Grotesque Form Of The Nightmare
  4. Ancient Tomb
  5. Phantasmagorical Personification Of The Death Temple
  6. Asymmetrical Chaos Spitting Stellar Graves
  7. Poisoning The Air With Abysmal Presences

Brasilien war schon immer eine Quelle für gute Musik. Überwiegend sind dort die Landsleute ja thrashig unterwegs, aber er gibt auch die eine oder andere Perle im Death Metal Bereich. Anarkhon, die seit der Gründung 1999 irgendwie total oder mehr oder weniger an mir vorbeigegangen sind, zählen bis dato für mich nicht dazu. Das dritte Album Welcome To The Goreshow kannte ich und habe ich mir auch noch einmal angehört. Dort zelebrieren sie noch guten Death/Grind. Dieser hat sich aber jetzt nicht großartig von der Masse abgesetzt. Sieben Jahre musste man auf ein neues Full Length warten. Auf geht es.

Dimensional Incantation geht knappe sieben Minuten und da ahnte ich schon, dass diese Angelegenheit nicht wirklich etwas mit Death Metal oder Grindcore zu tun haben wird. Der Song beginnt mit einem Intro, eine Art Beschwörungsritual. Sehr geil gemacht, sehr bedrohlich. Nach knappen zwei Minuten setzen dann die Instrumente ein und der Song geht los. Okay, doch Death Metal. Schönes Uftata Drumming mit melodischem Riffing und tief aus dem Amazonas stammende Geräusche. Dieses sind die Vocals. Mit ein wenig Hall versehen, aber so etwas von fett. Man nimmt ein wenig Tempo raus und agiert mit einem Intro. Dabei geht man recht düster und technisch versiert zu Werke. Und dann ein absoluter Mitbangpart. Schön im Midtempo und voller Boshaftigkeit. Stumpf können andere. Man hört quasi kurz ganz auf und ein geiles Riffing wird aus dem Hut gezaubert. Geile Vorspieler. Die Geschwindigkeit ist sehr gering, aber die Drums und die Vocals betonen das Riff hervorragend und alles klingt stimmig und fett.

Auf dem ganzen Album passt das Zusammenspiel der Gründungsmitglieder Aron und Wellington. Ersterer liefert die fetten Riffs und die abgrundtiefen Vocals und Letzterer die Drumparts dazu. Eine doppelköpfige Armee der Finsternis.

Im Grunde hat der Opener alles gesagt. Die Band legt sich die Latte selber sehr hoch, aber sie können diese Qualität absolut halten. In knappen 40 Minuten verbindet man die dunkle Atmosphäre und die absolute Finsternis, die man sonst vom Black Metal her kennt, mit Riff-orientiertem Death Metal.

Phantasmagorical Personification Of The Death Temple erkundet die dunkelsten Pfade des Lovecraft’schen Horrors und bedient sich dabei der besten Elemente des Old School Death Metal. Frontmann und Gitarrist Aron empfiehlt, das Album in der Nacht zu hören, wenn man nicht vom Alltag abgelenkt und bereit ist, sich dem Abgrund zu stellen. Eine solche Atmosphäre des Grauens und der Angst heraufzubeschwören, war der schwierigste Teil bei der Erarbeitung von Anarkhons viertem Album.

Der Song und Namensgeber Phantasmagorical Personification Of The Death Temple ist ein atmosphärisches Meisterwerk. Ich habe den Song tatsächlich über Kopfhörer um 05:50 Uhr morgens auf dem Weg zu Fuß zur Arbeit gehört. Früher hätte man mit dem Walkman gesagt. Sehr bedrohlich. Sirenenhafte Gitarren klingen, dann ein dunkler Part. Man wechselt in ein schleppendes Death Metal Element, holt dann eine verträumte Melodie heraus und fängt an zu ballern. Erst einmal schnelles Uptempo und dann auch mit Blastbeats. Hervorragend. Und dann nimmt man das Tempo wieder raus und geht ins drückende Midtempo. Die Gitarre flirrt und die Doublebass drückt. Die tiefen Vocals begleiten das Geschehen und machen es noch intensiver. Geiles Brett!

Im Grunde hat jeder Song etwas. Sei es der schnelle und aggressive Song Far Beyond Blood & Death oder eher das atmosphärisch vorgetragene Stück Assuming The Grotesque Form Of The Nightmare. Lovecraft würde sich, glaube ich, freuen.

Phantasmagorical Personification Of The Death Temple wird am 26. März via Debemur Morti Productions auf Vinyl veröffentlicht, nachdem es am 10.09.2020 bereits via Soul Erazor Records auf CD erschienen ist. Eine phantasmagorische Personifikation ist ein Oxymoron, da eine Erscheinung entweder phantasmagorisch oder real ist. Der Tod ist das Epizentrum des Albums. Nur so am Rande.

Euch erwartet eine verrottete Atmosphäre und fast jeder knüppelnde Rhythmus bringt euch der Verzweiflung ein wenig näher. Die Stimme kommt ganz tief aus der Gruft und frisst sich in eure Gehirnzellen. Die sieben Kompositionen zwingen den Hörer in den Abgrund zu sehen. Dort wird Ammutseba warten und den geneigten Fan runterziehen. Für Fans von Blood Incantation oder Universally Enstranged.

Anarkhon – Phantasmagorical Personification Of The Death Temple
Fazit
Anarkhons Phantasmagorical Personification Of The Death Temple ist eine musikalische Beschwörung, die zerstörerisch und zermalmend vorgetragen wird, mithilfe von Death Metal Klängen. Die Band besitzt die Fähigkeit, eine Atmosphäre zu erschaffen, die Angst und Schrecken verbreitet.

Anspieltipps: Far Beyond Blood & Death und Phantasmagorical Personification Of The Death Temple
Michael E.
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