Arch Enemy – Will To Power European Tour 2018 – Support Jinjer, Tribulation und Wintersun – am 06.02.2018 im Schlachthof in Wiesbaden

„Arch Enemy – Will To Power European Tour 2018 – Support Jinjer, Tribulation und Wintersun – am 06.02.2018 im Schlachthof in Wiesbaden“

Headliner: Arch Enemy

Vorband(s): Jinjer, Tribulation, Wintersun

Ort: Schlachthof Wiesbaden (Halle), Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 06.02.2018

Kosten: 40 € VK, 45 € AK

Genre: Melodic Death Metal, Death Metal, Metalcore, Djent

Besucher: ca. 3000

Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden

Link: http://www.schlachthof-wiesbaden.de/programmdetails/items/arch-enemy.html


Setlisten:


1. Captain Clock
2. Sit Stay Roll Over
3. I Speak Astronomy
4. Just Another
5. Pisces
6. Who’s Gonna Be the One

1. Lady Death
2. Melancholia
3. The Motherhood Of God
4. Suspiria De Profundis
5. Nightbound
6. Strange Gateways Beckon
7. The Lament

1. Awaken From The Dark Slumber (Spring)
2. Winter Madness
3. Sons Of Winter And Stars
4. Loneliness (Winter)
5. Battle Against Time
6. Time

1. The World Is Yours
2. Ravenous
3. The Race
4. War Eternal
5. My Apocalypse
6. You Will Know My Name
7. Bloodstained Cross
8. Dead Eyes See No Future
9. The Eagle Flies Alone
10. As The Pages Burn
11. Intermezzo Liberté
12. Dead Bury Their Dead
13. We Will Rise
14. Avalanche
15. Snow Bound
16. Nemesis

Das Jahr ist ja noch sehr jung und ich habe schon ein paar geniale Konzerte erlebt. Heute Abend gibt es schon wieder ein starkes, ja sogar ein fast sensationelles Package! Die schwedischen Melodic Death Metal Götter Arch Enemy sind auf dem zweiten Teil ihrer Will To Power -Tour unterwegs und machen in Wiesbaden im Schlachthof für ein Massaker halt. Sie werden ihr im September 2017 erschienenes gleichnamiges Album vorstellen. Im ersten Teil der Tour wurden sie von Jinjer alleine begleitet. Diesmal haben sie zusätzlich zu Jinjer mit Wintersun und Tribulation noch zwei weitere tolle Acts dabei. Arch Enemy und Jinjer habe ich schon mehrmals gesehen. Wintersun und Tribulation noch nie.

Frühzeitig (16:00) ab nach Wiesbaden, denn Jinjer sollen bereits um 18:10 Uhr beginnen. Und Jinjer will ich mir nicht entgehen lassen. Verkehrslage sehr gut. Ohne Staus durch und kurz nach 17:00 Uhr angekommen. Vor dem Schlachthof hat sich am Eingang schon eine lange Schlange gebildet. Einlass ist 17:30 Uhr. Schnell sind wir durch die Security. Dort werde ich darauf hingewiesen, dass ich zur Hauptkasse muss, um meinen Fotopass zu bekommen. Jetzt fängt das Elend an. Dort sind einige Presseleute und schnell wird klar, dass viele auf den Listen der dortigen Mitarbeiter fehlen. Mich ereilt das gleiche Schicksal. Auch das Vorlegen des Mailverkehrs nutzt zunächst nichts. Es wird beim Tourmanager von Arch Enemy nachgefragt. Der weiß von nichts. Also geht auch nichts. Dann aber kurz nach 18:00 Uhr, nach einem halbstündigen Warten nimmt es einer der Mitarbeiter an der Hauptkasse auf seine Kappe, nachdem ich ihm meinen Mailverkehr nochmals gezeigt habe, und gibt mir einen Fotopass. Also schnell rein, denn ich will Jinger nicht verpassen. Als ich gerade in der Halle bin, beginnen Jinjer auch schon. Also schnell durch zum Graben. Ich bin auf der rechten Seite. Dort bekomme ich keinen Einlass, denn der ist auf der linken Seite. Also noch mal quer durch die Halle. Dann endlich rein in den Graben.

Jinjer erfüllen meine Erwartungen voll und ganz. Eine großartige Performance ohne Schnickschnack und optische Beigabe der Band. Die einzige optische Beigabe auf der Bühne ist natürlich von Frontfrau Tatiana. Die Band um Tatiana braucht keine große Aufmachung und Show drum herum. Sie überzeugt mit ihrer musikalischen Performance! Die ukrainische Metalcore / Djent Band haut mit ihrer Darbietung gleich voll auf die Fresse. Ich habe Jinjer im letzten Jahr zweimal kurz hintereinander gesehen. Da haben sie mich schon sehr beeindruckt. Das waren zwei relativ kleine Clubkonzerte und man war recht nahe an ihnen dran. Aber auch hier vor großem Publikum können sie mächtig beeindrucken. Nach dem heutigen Gig sind bestimmt wieder einige neue Fans dazu gekommen. Tatiana mit ihrer Natürlichkeit, ohne große Aufmachung oder Styling, überzeugt. Der Sound ist sehr eigenständig und fernab vom Einheitsbrei verschiedener anderer Bands. Tatiana hat es voll drauf, zwischen Cleanvocals und Growls in Sekundenschnelle zu wechseln. So was habe ich bisher selten gesehen und da kommt auch kaum eine(r) dran. Zum Besten gegeben werden neben dem genialen Sit Stay Roll Over vier weitere Songs vom genialen Album King Of Everything. Leider nicht der Titelsong, der auf der CD in zwei Fassungen vorhanden ist. Hinzu kommt als letzter Song der genialen, aber viel zu kurzen 30-minütigen Darbietung Who’s Gonna Be The One vom vergriffenen ersten Album Cloud Factory. Dieses Album wird übrigens von Napalm Records in Kürze wieder veröffentlicht und von Jinjer mit einer kurzen Rerelease Tour, unter anderem auch in Köln und in Frankfurt, gefeiert. Leute, schaut euch Jinjer unbedingt an, sonst habt ihr was verpasst. Viel Applaus für diesen tollen Gig von Jinjer und es geht in die Umbauphase.

Nun erscheinen Tribulation auf der Bühne. Wieder was ganz anderes. Jetzt gibt es (Horror) Death Metal. Die großartige Show der vier Schweden beginnt mit der genialen Singleauskopplung Lady Death aus ihrem gerade erst erschienenen Album Down Below. Jetzt ist auf einmal alles anders als vorhin bei Jinjer. Die Band erhält ein passendes Bühnenbild. Irgendwie bekommt das Ganze einen Schuss morbides Flair. Aber das passt gut zur Musik. Oben auf der Bühne stehen keine Musiker. Nein oben stehen vier Vampire, die dem Publikum das Blut aussaugen. Wirklich klasse Show der Schweden. Und der Schuss Horror im Death Metal macht es wirklich aus. Insgesamt ergibt sich natürlich ein Tempowechsel zu den Vorgängern auf der Bühne. Das macht aber wirklich nichts. Das Publikum kann etwas runterkommen und sich auch visuell der düsteren Show hingeben. Der Sound ist – anders als im Death Metal schlechthin – richtig groovig. Dadurch wird die Show großartig. Die beiden Gitarristen sind permanent in Bewegung. Allen voran Jonathan Hultén, der sehr androgyn wirkt und auch passend dazu mit einem schwarzen bauchfreien Oberteil gekleidet ist. Dazu noch die langen blonden Haare zu einer Mähne gestylt. Ich musste wirklich ein paar Mal hinschauen, um zu erkennen, dass ein Mann an der Gitarre ist. Zumal sich Jonathan Hultén immer wieder elfengleich zur Musik bewegt. Die Growls von Sänger und Bassist Johannes Andersson sind absolut passend zu dieser doch recht düsteren Mucke. Insgesamt ziehen sich die einzelnen Songs recht lange, begeistern aber durch ihre Arrangements. Richtig genial neben dem Song Lady Death kommt auch der Song Nightbound rüber, der ebenso wie der Song Lament vom neuen Album stammt. Daneben gibt es noch zwei Songs vom Album Children Of The Night zu hören. Ja Children Of The Night ist auch der richtige Name für diese Band. An Kinder der Nacht erinnern sie mich. Ein weiterer Song stammt vom Album Formulas Of Death. Alleine bei den Titeln der Songs dürfte der Leser merken, dass es bei Tribulation recht düster zugeht! Dementsprechend ist das Licht auf der Bühne auch etwas zurückgefahren und Nebelschwaden bewegen sich da oben. In der gesamten Show von Tribulation herrscht wirklich große Theatralik, aber auch eine große Spielkunst der beiden Gitarristen. Supertolle Show, die nach 45 Minuten endet. Auch diese Band hätte ich gerne noch länger gesehen.

Wintersun starten nun wieder schneller durch. Nach dem Opener Awaken From The Dark Slumber (Spring) gibt es Winter Madness und Sons Of Winter And Stars. Jetzt kommt wieder richtig Wallung ins Publikum. Sänger Jari Mäenpää fegt über die Bühne und hält das Publikum bei Stimmung. Wir hören die Songs Awaken From The Dark Slumber (Spring) und Loneliness (Winter) von ihrem genialen aktuellen Album The Forest Seasons. Diesen Melodic Death Metal würde ich dann mal wirklich als melodisch oder episch beschreiben. Hinzu zum Death Metal kommen aber auch andere Elemente wie Black-, Power- oder Viking Metal. Manchmal ein wenig Ähnlichkeit sogar zu Jari Mäenpääs vorheriger Band Ensiferum. Dabei dann aber doch nicht zu viel Folk. Wintersun wirken ein wenig melodramatisch und mystisch. Der Sound ist voller Harmonien, fast auch opernhaft. Klasse Show auch von den Finnen, die das Publikum richtig mitreißt. Beim Schlachtruf Battle Against Time ist das Publikum richtig aus dem Häuschen. Jari Mäenpääs Gesang ist sowohl durch typisches Screaming als auch durch klaren hymnischen Gesang geprägt und ist irgendwie auch sehr eingängig. Auch bei diesem Gig kann man feststellen: klasse Show und sehr kurzweilig.

So jetzt kommt natürlich mit Arch Enemy der Topact des heutigen Abends, auf den alle warten. Ich selbst muss schon sagen, dass eigentlich alle bisherigen Bands des heutigen Abends für mich persönlich Topacts waren. Aber gut, wenn noch einer wie Arch Enemy kommt, dann nehme ich den gerne auch noch mit.
Das Bühnenbild ist aufgebaut, der Einmarsch kommt und dann kommen Arch Enemy. Ja das ist irgendwie Bombast Melodic Death Metal. Da passen das visuelle und auch das auditive Erleben total zusammen. Das Ganze unterliegt wohl einer Choreografie, anders kann ich es nicht beschreiben. Zum tollen Bühnenbild gibt es natürlich auch tolle Musik. Alissa und ihre Mannen elektrisieren die Massen im Publikum. Ventilatoren sorgen dafür, dass die Mähnen von Alissa und den Bandkollegen schön in Wallung geraten. Das Publikum gerät sowieso in Wallung.
Neues Material des aktuellen Albums Will To Power wird natürlich auch dargeboten und kommt auch gut an. Will To Power ist ja auch eine total geile Scheibe. Ich durfte selbst für Time For Metal ein Review zu Will To Power machen. Zudem hatte ich zwischenzeitlich während der Signing Sessions für das neue Album ein kurzes Interview mit Alissa. Dabei ging es auch um das Thema für Meet and Greet Geld zu nehmen. Arch Enemy nehmen bei dieser Tour ja bekanntlich 100 Euro für ein Meet and Greet. Übrigens bekam man vor, nach oder während des Konzertes keine der Bands am Merchstand zu sehen. Ich will mich jetzt aber nicht weiter zu dieser Thematik hier auslassen. Also zurück zum Konzerterlebnis. Das ist wirklich klasse und im wahrsten Sinne ein Erlebnis. Ich habe Arch Enemy schon vor wesentlich kleinerem Publikum gesehen. Sie schaffen es mittlerweile vor solch einer großen Kulisse ihre Fans zu faszinieren und elektrisieren. Da steckt eine Menge Kraft drin, welche Arch Enemy mit ihrer Sängerin Alissa hier freisetzen. Alissa ist für die Show total durchgestylt. Die Aufmachung erinnert mich manchmal schon was an eine Mangafigur. Das meine ich jetzt nicht negativ. Es passt halt zur gesamten Show, irgendwie auch ein Stück surreal. Das Publikum bekommt, was es will und das ist auch gut so. Es gibt einen total fetten Sound und auch einen Melodic Death Metal, der in der obersten Klasse spielt. Bei female fronted gibt es immer ein paar extra Punkte dazu. Gerade wenn man so growlen kann wie Alissa. Nicht zu vergessen die exquisiten Soloparts von Jeff Loomis, der mittlerweile fester Bestandteil von Arch Enemy ist, nachdem er vorher nur als Livemember mitgezählt wurde. Da hat Mastermind Michael Amott alles richtig gemacht und eine wirklich schlagkräftige Melodic Death Metal Band zusammengestellt. Jetzt stehen mit Michael Amott und Jeff Loomis wirklich zwei Ausnahmegitarristen bei Arch Enemy auf der Bühne. Heute Abend wird hier ein Brecher nach dem anderen dargeboten. Das Publikum ist begeistert und regelrecht aus dem Häuschen. Die Live-Präsenz von Alissa und der Band ist enorm. Die Performance geht durch mehrere Alben. Beim Intermezzo Liberté wird in Anleihe zur Französischen Revolution von Alissa eine Fahne geschwenkt (mit Arch Enemy Logo). Nicht besonders originell. Das hatte ich bereits im Dezember beim Konzert von den Apokalyptischen Reitern. Wenn das nun jede Band macht, wirkt es dann doch ein wenig ausgelutscht, wobei ich denke, dass es keine große Schnittmenge dieser beiden Bands gibt. Obwohl sich das Ganze Will To Power European Tour 2018 nennt, schaffen es von dem aktuellen gleichnamigen Album dann mit This World Is Yours, The Race und The Eagle Flies Alone doch nur drei Songs auf die heutige Setlist. Das ist mir wirklich ein Rätsel, weil die Songs vom neuen Album ja wirklich gut sind. So bleibt die Setlist dann irgendwie ein Best Of von Arch Enemy. Alles perfekt dargeboten und für mich auch die perfekteste Arch Enemy Show, die ich bisher gesehen habe. Das tolle Liveevent ist dann nach fast 90 Minuten wirklich zu Ende. Die Fans sind absolut begeistert und vom tollen Abend angetan.

Fazit: Vier sehr starke Metal Bands in einem denkwürdigen Konzert. Hat ja fast so was wie Festivalcharakter. Für mich hätte eigentlich jede Band heute den Topact machen können, weil alle vier Bands sehr sehr stark aufgespielt haben. Bereits früh im neuen Jahr ein großartiges Event hier in Wiesbaden. Bin gespannt, was da noch kommen wird.

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