Crusher – Unleashed

Crusher steigern sich auf ihrem zweiten Longplayer

Artist: Crusher

Herkunft: Mainz, Deutschland

Album: Unleashed

Spiellänge: 45:53 Minuten

Genre: Metal, Thrash Metal

Release: 17.04.2020

Label: Moburec Records

Link:  http://www.crusher-metal.com

Bandmitglieder:

Gesang – Robin
Gitarre – Michi
Gitarre – Dominik
Bassgitarre – Alex
Schlagzeug – Dennis

Tracklist:

  1. Violence Stays Violent
  2. The Others
  3. The Time Leap Pit
  4. Downfall
  5. Empty Space
  6. The Great Escape
  7. One For You
  8. Bier
  9. Radikal Bleibt Brutal (Bonus)

Heute liegt mir die zweite Full Length CD der süddeutschen Thrash Metal Band Crusher vor. Für das Album haben sie sich vier Jahre Zeit genommen und, wie bereits auf der letzten Scheibe Redemption, auf den Produzenten David Buballa (u. a. Powerwolf und Crematory) gesetzt. Das Resultat heißt Unleashed und beinhaltet acht neue Stücke, die in etwas über 40 Minuten die Ohren zum Glühen bringen. Als Bonus und der inhaltlichen Brisanz geschuldet, wird der erste Song am Ende als leicht veränderte deutsche Version als Bonus mit draufgepackt.

Wie bereits auf dem 2016er Album begonnen, haben Crusher ihren Stil aus Thrash und melodischen Metal beibehalten, besser noch, sie haben ihn konsequent weiterentwickelt. So profitieren sie von den Erfahrungen der letzten Jahre und konnten dadurch beim Songwriting und auch beim Einsatz der Instrumente deutliche Steigerungen verbuchen. Allerdings verwundert mich der Opener doch sehr. Das hört sich eher nach einem Trinkgelagesong an. Ständig fällt das Wort Bier, ok, ist immerhin eines der Hauptnahrungsmittel des Metaljüngers, erinnert mich aber auch schon an One More Bier und Sabaton. Eine Hommage vielleicht? Das klärt sich aber schnell auf, mein Player hat einfach mit dem Shuffle Modus hinten angefangen.

Also schnell nach vorne gezappt und mit Violence Stays Violent angefangen. Das geht richtig gut los und zeigt hoffentlich die kommende Marschrichtung auf. Das gute Riffing wird auf eine stabile Rhythmusbasis (geliefert von Bassist Alex und Drummer Dennis) geschraubt und lässt Sänger Robin einen guten Job machen. Bleibt das so, dann dürfte hier ein ernst zu nehmendes deutsches Thrash/Metal Brett am Start sein. Ein geiles Solo von Dominik oder Michi setzt zum Ende hin nochmals einen weiteren Akzent. Weiter geht es mit The Others. In ähnlicher Manier wird zur Sache gegangen. Schnell, thrashig und brachial kommt es aus dem Player. Die beiden Gitarren verleihen dem Sound etwas Komplexes und Zusammenhängendes. Dabei dürfen sich beide Axe-Man auch mal eindrucksvoll in den Vordergrund spielen. Robin singt sich souverän durch den Track und zeigt eine gereifte Stimme.

Geradezu entfesselt geht es in The Time Lap Pit weiter. Der mit über sechs Minuten längste Song der Platte lässt keine Längen erkennen und geht einfach klar voran. Die gute Melodie, von der Gitarre immer wieder aufgegriffen, zieht sich wie eine rote Linie durch den Track und bietet ganz leichte Anleihen an 80er Jahre Heavy Metal. Ohne nennenswerten Einbruch macht Downfall da weiter, auch wenn die zwingende Melodie fehlt. Etwas rauer und noch thrashiger setzen sich Crusher erneut gut in Szene und können bisher überzeugen. Ich ärgere mich noch heute, dass ich sie im Januar beim Kiel Em All in der Kieler Pumpe nicht sehen konnte. Da haben sich die Mainzer im Rahmen des kleinen Festivals an die Förde gewagt und einen souveränen Auftritt inklusive einer Metal-Polonaise hingelegt (Bericht hier).

Empty Space beginnt komplett untypisch mit Klavier, Streichern und ist zunächst eher getragen. Soll das so bleiben? Eine Ballade? Nicht ganz. Nach gut anderthalb Minuten wird es dann schneller ohne zunächst an die rasanten Riffs der Vorgängersongs heranzukommen. Aber auch das ist schnell über Bord geworfen und der Thrash Keule ist nicht mehr auszuweichen. Dann kommt überraschend ein Break, und die folgenden Sequenzen müssen einen Vergleich mit Manowar zulassen, ohne da aber direkt abzukupfern. Nicht übel. Bei The Great Escape hat wieder Robins Buchreihe Tarlot als Vorlage gedient. Musikalisch etwas sperriger als die Vorgänger, fällt er leicht aus dem straighten Rahmen. Bevor Bier ertönt, kommt mit One For You nochmals eine schnelle Nummer, die der Band wieder gut zu Gesicht steht. Ganz tief in die Thrash Kiste gegriffen ist der Song für den headbangenden Fan, also für uns alle, geschrieben. Bier, ein schnelles, mit einem Augenzwinkern vorgetragenes Stück, dürfte sich hervorragend als Mitgrölnummer im Liveset machen. Damit ist dann eigentlich Schluss, wäre da nicht noch der Bonustrack Radikal Bleibt Brachial. Dabei zeigen Crusher, dass auch deutsche Texte mit ihrer Musik funktionieren, wobei mir Robin auf Englisch besser gefällt.

Robin Geiss hat es sich nicht nehmen lassen und stellt euch hier jeden Song „In His Own Words“ vor.

Crusher – Unleashed
Fazit
Die Weiterentwicklung der Jungs aus Süddeutschland ist deutlich erkennbar, auch wenn der Weg bereits auf dem Erstlingswerk bereitet wurde. Die vier Jahre wurden sorgsam genutzt, um mit Unleashed eine Scheibe hinzulegen, bei der es sich lohnt, genauer hinzuhören. Sollte sich da nichts Eklatantes ändern, z. B. eine Änderung des Stiles, dann dürfte hier eine ernst zu nehmende Thrash Kapelle den Markt erobern. Musikalisch gereift, stimmlich deutlich auf einem hohen Niveau und songtechnisch gut aufgestellt, dürfte der weiteren erfolgversprechenden Karriere nichts mehr im Wege stehen. Bis auf das eher etwas sperrig wirkende The Great Escape sind kaum Schwächen erkennbar. Gute Songs + gutes handwerkliches Können + gute Produktion + ein anständiges Artwork = gute Punkte und nur knapp an der Höchstpunktzahl vorbei.

Anspieltipps: Violent Stays Violence, The Time Leap Pit und The Others
Kay L.
9.5
Leser Bewertung1 Bewertung
9.9
9.5
Punkte
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