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Das Interview mit den Kult Black Thrashern Desaster anlässlich der Veröffentlichung des Albums „Churches Without Saints“

Auf so was wie Hitparadenplatzierungen scheißen wir natürlich!

Artist: Desaster

Herkunft: Koblenz, Deutschland

Label: Metal Blade Records

Link: http://www.total-desaster.com/

Bandmitglieder:

Gitarre – Infernal
Gesang – Sataniac
Bass – Odin
Schlagzeug – Hont

Heute ist endlich das fällige Interview mit Desaster angesagt. Nicht in den Proberäumen in Koblenz, sondern in Prüm in der Eifel in einem Bunker. Hier wird ab und an auch geprobt. Infernal zu Hause abgeholt, ihn inklusive zwei  Klampfen und einen Verstärker ins Auto gepackt. Anschließend noch Odin abgeholt. Wir haben bereits viel Spaß auf dem Weg nach Prüm, denn Kaltschalen haben die beiden als Wegeszehr natürlich mitgenommen. Pünktlich am Bunker angekommen, erwarten uns bereits Sataniac und Hont. Es wird noch was geplaudert und die Bandmitglieder signieren mir ein paar hochwertige Kunstdrucke meiner Fotosession mit ihnen anlässlich ihrer letzten Single. Diese (nun signierten) Kunstdrucke werden demnächst in einer Charityaktion von Desaster und Time For Metal verlost/versteigert. Näheres werdet ihr demnächst erfahren.

Dann entwickelt sich ein Interview, was mir und wohl auch der Band mächtig Spaß bereitet, denn es wird viel gelacht!

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Time For Metal / Jürgen S.
Grüße euch. Zunächst einmal zum neuen Album Churches Without Saints! Das ist in den Kritiken ja richtig gut angekommen. Mal ehrlich, habt ihr das in dieser Form so erwartet?

Desaster / Sataniac
Wir haben eigentlich immer nur gute Kritiken. Tatsächlich. Ich fand die jetzt nicht überragender als zu den letzten Alben. Ein bisschen breit gefächerter vielleicht.

Time For Metal / Jürgen S.
Aber dieses Mal doch überall in der Presse, oder‘? Ziemlich breit gefächert in den Medien.

Desaster / Sataniac
Das war aber schon immer so bei den Alben in der Vergangenheit.

Desaster / Infernal
Man muss auch sagen, dass die Promoarbeit vom Plattenlabel dieses Mal extrem gut war. Die haben sich so richtig ins Zeug gelegt vorab. Wir haben uns dieses Mal auch so richtig bemüht, mit ein paar dollen Videos aus dem Proberaum heraus (lacht). Die Reaktionen sind ja echt geil. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Wir sind sehr zufrieden!

Time For Metal / Jürgen S.
Wir haben uns eben im Auto, auf der Fahrt hierhin, unterhalten: Ihr seid sogar in den Hitparaden!!!

Desaster / Infernal
Ja, in den deutschen Albumcharts auf Nummer 22 für eine Woche. Das ist ja nicht verkehrt. Aber im Ernst, auf so was wie Hitparadenplatzierungen scheißen wir natürlich. Das interessiert uns echt nicht die Bohne. Das sind halt so Businesssachen, da freut sich die Plattenfirma drüber.

Time For Metal / Jürgen S.
Ich fasse kurz mal zusammen: Ihr scheißt auf Hitparadenplatzierungen, trotzdem war es schön, sich da zu sehen. (Zustimmung von allen Seiten)

Zum Titel Churches Without Saints! Ist das auch ein Frontalangriff auf die (katholische) Kirche? Von Heiligen kann man ja in einer Kirche der Kinderschänder und sonstigen Verbrecher ja nicht unbedingt sprechen! Gebt da mal bitte euren Kommentar zu! Wie seht ihr die Kirche(n). Ist der Albumtitel eine Botschaft?

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Desaster / Sataniac
Ganz wichtig ist natürlich, dass der Albumtitel auf alle Religionen gemünzt ist. Deshalb auch nicht Church, sondern Churches. Der Titel kam halt vom Odin und vom Kuschke (Anmerkung der Redaktion: Infernal). Ich fand den Titel gut und der Song hat sich daraus entwickelt. Aber ich muss echt betonen, der Titel geht gegen alle: die Scheinheiligkeit, den Homo Sapiens an sich. Da kann man nicht nur die katholische Kirche verdammen, sondern alle, die gläubig sind und daraus irgendwelche Manipulationen oder so Sachen machen. Das hat halt in meinen Augen dann keinen Wert, weil die Menschen nicht spirituell geführt, sondern nur manipuliert werden.

Time For Metal / Jürgen S.
Wie ist es eigentlich dazu gekommen, mit Churches Without Saints ein neues Album nach sage und schreibe fünf Jahren herauszubringen. War Corona daran „schuld“?

Desaster / Sataniac
Auf jeden Fall, Corona ist an allem schuld (lacht). Nee, aber wirklich: Fünf Jahre sind keine lange Zeit für eine Band wie uns. Wir gehen alle arbeiten, spielen am Wochenende, wir haben andere Prioritäten, andere Verpflichtungen. Deshalb sind fünf Jahre echt nicht viel. Wir haben in der Zeit ja auch noch den Schlagzeuger gewechselt. Aber wahrscheinlich hätte es auch sonst so lange gedauert. Wäre die Pandemie nicht gekommen, vielleicht noch ein wenig länger, dann hätten wir nämlich noch gespielt/Konzerte gehabt und damit weniger Zeit.

Time For Metal / Jürgen S.
Deshalb auch meine Frage. War Corona daran schuld?

Desaster / Sataniac
Ach so, ja ok, dann war Corona daran schuld. Wahrscheinlich sind wir echt schneller fertig geworden, als wenn es keine Pandemie gegeben hätte. Dann wären wir mehr unterwegs gewesen und hätten weniger an der Platte gearbeitet.

Time For Metal / Jürgen S.
Wovon handeln die Songs auf dem Album? Religionskritik?

Desaster /Sataniac
Das ist nur ein Religionskritikpunkt, oder alles. Das kann man sehen, wie man will. Wir prangern den menschlichen Verstand an. Gerade da, wo es um weiterführende Dinge geht, wo man sich Gedanken um die eigene Existenz macht. Was schon fast metaphysisch für Desaster ist, also auch weit gegriffen bei manchen Dingen. Bei Armed Architects Of Annihilation zum Beispiel. Das Oberthema würde ich lieber etwas auf das Thema Tod bringen, aber dann auch von der anderen Seite. Dass man sich vielleicht auch ein bisschen auf den Tod freuen sollte, im Sinne von Erlösung und dass alles auch einmal endet. In dem Sinne, dass es überhaupt keinen Grund gibt für ein Afterlife/Nachleben, denn das Leben in einem kargen Universum ist vermutlich so vielfältig. Es ergibt keinen Sinn darin, wieso muss jedes kleine Licht gerettet werden, da das Leben sowieso immer weitergeht? Auch wenn der Homo Sapiens nicht mehr auf diesem Planeten wandelt, wird es hier wohl immer noch Leben geben.

Desaster / Infernal
Seht euch mal die Totenschädel an. Die grinsen ja, also muss der Tod wohl geil sein. (Allgemeines Lachen)

Desaster / Sataniac
Die zeigen alle Zähne.

Time For Metal / Jürgen S.
Ja, ich glaube, die Totenschädel auf dem Cover grinsen auch!

Wie war der Aufnahmeprozess? Ich glaube, ich habe gelesen, im Proberaum und dann die fertigen Tracks zum Mix und Mastering?

Desaster / Odin
Alles ist im Proberaum entstanden, auch aufgenommen. Gemixt hat dann der Janosch (Anmerkung der Redaktion: der Mann an den Tonreglern bei Desaster).

Desaster / Infernal
Ja genau, hier ist das entstanden. Die Sachen habe ich dann mitgenommen, der Janosch wohnt nicht weit von mir entfernt. Bei ihm haben wir den Mix gemacht. Das ist halt sehr gut gelaufen bis zum Schluss.

Desaster / Hont
Es war halt wichtig, dass wir das Wohlfühlempfinden behalten. Nicht in einen Raum/tristes Tonstudio fahren. Im Proberaum ist man irgendwie zu Hause, halt völlig anders als im Tonstudio. Das kann so einen Vibe beim Einspielen beeinflussen. Wir sind ja auch alle keine Profimusiker, wir leben von Emotionen. Da ist es schon viel wahrscheinlicher, dass du im Proberaum eher die richtigen Emotionen entwickelst, als im professionellen Studio.

Desaster  /Infernal
Wir haben es zwar nicht live eingespielt, uns war es aber schon wichtig, dass wir eine Gitarre und Schlagzeug zum Beispiel zusammen aufnehmen. Das war schon so, wie Hont gesagt hat, da ging es darum, diesen Vibe/Spirit einzufangen. Das ist quasi wie bei den normalen Proben gewesen. Das Ergebnis war dann echt gut.

Desaster / Hont
Ich finde, das hört man auch. Das Album ist irgendwie lebendig. Das hat unglaublich viel gebracht.

Desaster / Infernal
Wir haben das auch ganz ohne Klick eingespielt, das machen viele Bands heutzutage. Das ist aber auch der Grund, warum viele Bands heutzutage so klinisch klingen. Dieses „Baukastensystem“ ist nichts für uns. Das fängt schon beim Proben an. Wir proben immer noch klassisch bei einem Bier im Proberaum (lacht) mit allen vier Leuten. Wir schicken uns im Internet keine Files hin und her. Das ist nicht unsere Welt.

Time For Metal / Jürgen S.
Ist 2021 ein besonderes Jahr für Desaster? Vor zwei Jahren kam zum Dreißigjährigen „nur“ die Single Black Celebration heraus. Da hatten ja schon die Desaster Jünger nach einem neuen Album gehechelt. Nun, zwei Jahre später, kommt ihr dem Wunsch der Fans nach. Die Fans haben es euch gedankt mit einem rasanten Absatz zumindest der Vinyls. Die waren im Vorverkauf ja schon alle weg!

Nochmals zurück zu dem Religiösen. Nächstes Jahr steht das offizielle 33. Jahr der Band Desaster an. Also endlich Zeit, Desaster ans Kreuz zu schlagen? (Lachen) Wird es eine Auferstehungsfete zu Ostern geben? Nach dem Motto 33 years Saints – The Resurrection Of Desaster?

Desaster / Sataniac
Gute Idee!

Desaster / Infernal
Gute Promotionidee! Wir hauen den Wissmann (Anmerkung der Redaktion: Sataniac) an die Latte.

Desaster / Sataniac
Ja, nagelt den Messias. Können danach noch eine gute Tour machen. Nagelt den Messias mit Seven Spikes!

Desaster / Infernal
Bei jeder Show bekommst du neue Nägel irgendwo reingehauen.

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Time For Metal / Jürgen S.
Wird nächstes Jahr was stattfinden? 33 ist doch wirklich so eine magische Zahl, oder?

Desaster / Sataniac
Da haben wir uns noch keine Gedanken zu gemacht. Das kann aber schnell passieren. Du hast uns jetzt inspiriert! (Lachen)

Time For Metal / Jürgen S.
Jetzt heißt es natürlich auch, das Album zu promoten. Die Konzerthallen öffnen ja langsam wieder (wenn auch nur in einem kleineren Rahmen). Steht was an? Gibt es eine offizielle Release-Show?

(Langes Schweigen)

Desaster / Sataniac
Das ist natürlich wieder eine Sache der Inspiration. Du hast uns gerade ja inspiriert! Wir haben nichts geplant, es ist ja nichts. Die Platte ist raus. Wir haben die Platte ja schon im Januar fertig gehabt. Jetzt kam sie raus, sie ist also schon verfügbar.  Jetzt noch eine Release-Show zu machen, hört sich für mich dann irgendwie komisch an.

Time For Metal / Jürgen S.
Ist zu spät also?

Desaster / Sataniac
Ja, finde ich echt komisch jetzt. Man weiß ja auch noch nicht, was kommt. Ende Juli haben wir den Gig in Weil am Rhein (Baden In Blut). Das ist die erste Coronashow für uns, da wollen wir einfach mal sehen, was passiert denn da überhaupt. Wir sollten zwischendurch auch mal im JUZ in Andernach spielen. Da hieß es aber: Jede Band hat ihren eigenen Backstage Raum, man darf sich untereinander nicht sehen. Nix zu essen, nix zu trinken, man kann auf keinen gucken, machen, tun…Aber das ist halt so eine Geschichte. Ein Konzert lebt davon, dass ich mit den Leuten kommuniziere und dass vor der Bühne was passiert.

Time For Metal / Jürgen S.
Das wollt ihr nicht? Ihr wollt normale Konzerte haben! Also keine „Strandkorbkonzerte“ oder „Autokinokonzerte!“

Desaster / Sataniac
Ja natürlich. Das andere passt nicht und ist nichts für Desaster. Die Kommunikation muss da sein!

Time For Metal / Jürgen S.
Wie wäre es denn mal, das komplette Album in einer (Kultur) Kirche zu präsentieren? Also mal zu einer Unholy Mess of Desaster einzuladen.

Desaster / Infernal (lachend)
Er (Jürgen) hört nicht auf, lässt einfach nicht locker. Du kannst uns die ganzen Inspirationen nachher mal aufschreiben. Ach ja, das können wir ja dann auch im Internet nachlesen.

Also, in einer Kirche zu spielen, wäre schon geil. Aber komplette Alben werden wir nie aufführen.

Desaster / Sataniac
So ein komplettes Album zu spielen ist für manche Bands so ein Anlass, irgendwas mal wieder zu machen oder zu haben. Aber ich weiß nicht. So ein komplettes Album am Stück zu spielen, ja ich hätte nichts dagegen. Aber irgendwie ist das nichts für uns. Da hätten wir keinen Spaß dran. Wir haben ja auch so ein paar Songs, die etwas schwieriger zu spielen sind…

Desaster / Infernal
Bei denen keiner weiß, wie die gehen (lacht)

Desaster / Sataniac
Nee, du weißt halt, welche Songs live gehen und welche nicht. Tatsächlich hat man bei den Songs so ein Gefühl, oder auch eine Lust darauf, die live zu spielen. Bei anderen Songs ist das eher nicht so und die kommen dann auch nicht. Bei der neuen Platte ist das so ähnlich.

Time For Metal / Jürgen S.
Wie viele Songs von Churches Without Saints werden zukünftig live auf der Setliste stehen?

Desaster / Infernal
Vom neuen Album haben wir drei Songs geplant. Das ist eigentlich immer so, dass wir zwei bis drei Songs vom neuen Album nehmen.

Time For Metal / Jürgen S.
Wie hat Corona auf euch gewirkt? Ihr wart vor Corona sehr oft an den Wochenenden in europäischen Clubs unterwegs. Da seid ja schon so was wie die Black Thrash Jetsetter aus Koblenz. Das ist ja so die letzten anderthalb Jahre alles weggefallen. Werdet ihr da weitermachen, wo ihr vor Corona standet?

Desaster / Sataniac
Ja, auf jeden Fall, wir haben uns vor Jahren darauf geeinigt, dass wir eine Show im Monat spielen wollen. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, wenn mal eine coole Tour kam, dann haben wir das auch schon mal gemacht. Aber einmal im Monat zu spielen und zu zelebrieren, das ist halt unser Ding. Da habe ich auch immer Lust, auf die Bühne zu gehen. Wenn ich aber jeden Tag auf die Bühne müsste, wüsste ich nicht, wie meine Gemütslage nach sieben Tagen wäre. Wir feiern ja auch immer heftig dabei, inklusive trinken. Touren ist einfach nichts für uns, haben wir zwar auch ein paar Mal in der Vergangenheit gemacht, aber das ist dann einfach so ein Arbeitstrott.

Du musst halt auch bedenken, dass wir alle arbeiten, einem normalen Beruf nachgehen. Als ich 2001 eingestiegen bin, haben wir unheimlich viele Livekonzerte gemacht. Also, was ich damals gemacht habe, schaffe ich nun auf keinen Fall mehr.

Desaster / Infernal
Das haben wir aber auch schon relativ früh festgestellt für uns, dass wir keine Touringband sind. 1997/1998 haben wir mal mit Behemoth eine Tour gemacht.  Die war jetzt nicht unbedingt mega lang. Aber da haben wir schon festgestellt, dass wir immer platt danach sind. Das geht so nicht auf Dauer gut.

Desaster / Hont
Vielen tourenden Bands fehlt halt an manchen Abenden das gewisse Etwas, das ist halt so. Das verfällt dann zu so einer Routine, das muss nicht gewollt sein. Das ist dann genau das, was nicht passieren sollte. Man sollte bei jeder Show mit maximaler Leidenschaft dabei sein. Und das kannst du nicht jeden Abend abrufen, das ist unmöglich.

Desaster / Infernal
Das auch, wenn du nicht dauernd Vollgas säufst (lacht). Es gibt dann halt mal schlechte Tage. So wie wir es machen, da freust du dich wochenlang schon wieder auf die Show, wieder gemeinsam unterwegs zu sein. Mit den Fans dann zusammen zu sein. Das ist immer wieder was ganz Besonderes. Das soll auch so bleiben.

Desaster / Sataniac.
Wir müssen auch mal schauen, was jetzt überhaupt passiert. Zum Beispiel das Thema Flüge. Werden die Flüge jetzt wesentlich teurer? Können wir uns das dann noch erlauben, oder wird der Booker uns unter den Bedingungen noch irgendwo hin holen!?

Desaster / Infernal
Ich fahre auch gerne Zug (lacht)

Desaster / Sataniac
Oder mit dem Boot (lacht). Das sind halt so Fragen, die stellt man sich mal. Aber es ist müßig, sich darüber einen Kopf zu machen. Wir werden irgendwann sehen, was wird und kommt. Welche kleinen Clubs haben überlebt? Wo kannst du noch spielen? Wie sieht es aus mit einem Flugticket, kannst du gerade mal so übers Wochenende irgendwo hin jetten? Rentiert sich das? Das sind eben die Punkte, das wird sich dann zeigen.

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Time For Metal / Jürgen S.
Da fällt mir geradezu ein, weil du eben gesagt hast „oder Boot“! Wären 70000 Tons Of Metal oder Full Metal Cruise was für euch?

Desaster / Sataniac
(Raunen bei allen). Eigentlich haben wir ja diese ganze Geschichte erfunden, weißt du nicht?

Desaster / Odin
Nee, so was aber nun wirklich nicht!

Time For Metal / Jürgen S.
Odin, du bist wasserscheu, oder wieso nicht?

Desaster / Odin
Nein, ich denke, das hat irgendwie so einen elitären Touch. Das stört mich schon irgendwie.

Desaster / Sataniac
Ganz ehrlich, ich hätte als Gast auch keinen Bock darauf.

Desaster / Infernal
Das wäre nichts für uns. Mittags bei vierzig Grad im Schatten auf der Bühne, wo die Leute im Pool sind und Arschbomben machen. Und du hängst dir einen ab auf der Bühne, also wirklich, das wäre nichts für uns!

Time For Metal / Jürgen S.
Die aktuelle Scheibe ist das erste Album mit eurem neuen Drummer Hont. Bei der Single Black Celebration hat er bereits mitgewirkt. Das Ausscheiden von Tormentor/Husky kam für viele Fans überraschend und war für einige vielleicht nur schwer zu verdauen, da er ja ein Koblenzer Szene-Schwergewicht war/ist (Lachen). Hont wurde sofort als neuer Drummer bei den Fans akzeptiert und wahrgenommen. Das ist sicherlich auch seiner sehr sympathischen Art zu verdanken. Er sitzt immer grinsend hinter seiner Schlagzeugbude. Hont kommt von Jupiter Jones, die ja kein Metal spielten. Jetzt sage ich es mal mit einem Albumtitel von Jupiter Jones: er (Hont) ist Das Gegenteil Von Allem! Was unterscheidet ihn von seinem Vorgänger, was hat er vielleicht an neuen Ideen mitgebracht?

Desaster / Hont
Also was unterscheidet uns? Das ist total schwer zu sagen. Die Frage kann ich so direkt gar nicht beantworten. Ich habe vielleicht einfach mal versucht, was Frisches auszuprobieren, aber auch alles in einem Rahmen zu lassen. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, wie ich jetzt spielen will. Mir war klar, dass ich die alten Sachen möglichst 1:1 übernehme. Das war mir einfach wichtig. Manchmal gibt es da Schlagzeuger, die die alten Songs auf Teufel komm raus aufpäppeln wollen. Bei den neuen Sachen war das halt ungeplant. Da ergibt sich einfach die richtige Chemie.

Time For Metal / Jürgen S.
Also Desaster ist jetzt durch dich keine Melodic Metal Band geworden (lacht).

Desaster / Hont
Gott sei Dank (alle lachen). Es muss halt alles roh und hart sein. Das ist schon wichtig. Aber das ergibt sich einfach so. Wenn der Kuschke mit seinen Riffs ankommt, da ist eigentlich ziemlich klar, was dann zu tun ist. Wir haben zwar auch etwas rumexperimentiert dann und wann mal, aber es war immer schnell klar, wo es hinging.

Desaster / Infernal
Wir mussten ihn auch nicht wirklich bremsen. Er kam jetzt nicht mit irgendwelchen Jazz Parts an. Er hat schon den Stil, wie wir schon immer gespielt haben. So richtig draufhauen halt. Das ist jetzt auch nicht sooo schwer (lacht). Aber er hat die Songs dann wirklich aufgepeppt mit ein paar eigenen Ideen.

Desaster / Sataniac
Das ist ja jetzt so (wie wir es eben schon mal gesagt haben), dass wir keine Berufsmusiker sind, sondern Metalfans. Der Hont halt eben auch. Er weiß halt, was im Metal gespielt wird. Es geht nicht darum zu zeigen, was man kann oder auch nicht kann. Keiner von uns hat ein Ego, um irgendwas zeigen zu wollen, was er kann…was wahrscheinlich auch gar nicht so viel ist (lacht). Man muss halt authentische Musik machen. Wichtig dabei ist auch, und das merkt man, wenn man das schon eine Zeit lang macht: Man kann nicht mit jedem Musik machen. Das muss sich finden, man muss sich gut verstehen. Das ist der entscheidende Aspekt und ganz wichtig. Ich bin ja schon zwanzig Jahre mittlerweile bei Desaster dabei, Infernal und Odin noch länger. Wir wollten Husky ja auch nicht rausschmeißen. Er hatte halt durch seine vielen Projekte keine Zeit mehr. Und dann ist einfach die Frage: Geht die Band daran zugrunde oder macht man irgendwie anders weiter und du triffst die Entscheidung!

Time For Metal / Jürgen S.
War Hont eigentlich direkt da, die erste Wahl?

Desaster / Infernal
Das war sogar Huskys Vorschlag, dass wir für live, wenn er nicht spielen kann, einen Sessiondrummer holen. Da kamen wir direkt auf Hont. Und dann haben wir schnell gemerkt, gerade wenn es um neue Songs ging, dass du mit einem Sessiondrummer keine neuen Songs anfangen kannst, die der eigentliche Drummer einspielt. Das wäre ja totaler Quatsch gewesen.

Ich glaube auch gar nicht, dass der Wechsel für die Die-Hard-Fans so überraschend kam. Die haben mich schon immer gefragt: Wie macht das denn der Husky, wie soll das weitergehen? Deswegen war das für viele schon klar, dass das so nicht weitergehen kann.

Time For Metal / Jürgen S.
Du hattest mir ja damals die Meldung des Drummerwechsels exklusiv für Time For Metal freigegeben. Auf den Artikel war innerhalb von 24 Stunden ein wahnsinniger Zugriff. Das war schon rasant.

Desaster / Infernal
Ja, die Fans wissen ja auch, dass Desaster nicht nur eine Zusammenstellung von irgendwelchen Musikern ist, sondern dass die Band immer eine Einheit war und wir auch Freunde sind. So war das für viele nicht unbedingt eine Überraschung, sondern eher ein bewegendes Ereignis. Für uns natürlich auch.

Desaster / Sataniac
Ja, vor allem, als wir das Husky dann auch mitgeteilt haben, auf so einem kleinen Festival in Bayern. Da sind wir tatsächlich mit dem Zug hingefahren. Husky kam separat angereist. Und als wir ihm das dann mitgeteilt haben. Das ist schon ein bewegendes Ereignis gewesen, so, als wenn du mit deiner Freundin Schluss machst. Das sind halt keine schönen Sachen. Aber es ging halt bei uns nicht weiter, wir waren frustriert, konnten keine neuen Songs machen.

Als der Husky dann kam, da hat der schon immer auf die Uhr geschaut, so nach dem Motto „jetzt muss ich das Set mal durchprügeln“. Dann sitzt er wieder im Auto und ist weg. Das war halt nicht mehr das Ding, wie wir es machen wollten.

Desaster / Sataniac
Er musste ja auch arbeitsbedingt umziehen. Das war dann auch zu weit für ihn zum Proben zu kommen. Er war ja noch bei anderen Bands aktiv und hatte eine Menge zu tun.

Desaster / Hont
Die Leute haben mich dann wirklich sehr, sehr schnell akzeptiert. Ich hatte mir da schon irgendwie Gedanken gemacht, so jetzt kommt da jemand aus der Pop-Schiene! Ich glaube, die Leute hatten auch ein gewisses Vertrauen in die Band, dass die keine Entscheidung treffen, die irgendwie fragwürdig ist. Das spricht natürlich total für eine Band wie Desaster. Da hätten andere Bands bestimmt aus genau dem Grund gesagt, nee das können wir nicht machen. Desaster ist halt eine Band, die genau das macht, was sie will. Wir haben gemerkt, dass das bei uns menschlich extrem gut passt. Musikalisch auch. Die Aufnahme durch die Fans war sehr geil!

Time For Metal / Jürgen S.
So, wir sind auch schon am Schluss. Wenn ihr mögt, dürft ihr an dieser Stelle noch Oma, Opa, Die-Hard-Fans oder wen auch immer grüßen. Wer würde sich zum Beispiel sehr freuen, wenn er seinen Namen hier im Text lesen würde! Wen willst du grüßen?

Desaster / Infernal
Ach du Scheiße, wen soll ich nennen?

Desaster  /Sataniac
Deine Töchter würden sich doch bestimmt freuen!

Desaster / Infernal
Ja, genau. Johanna und Marlen: Hallo (lacht)

Desaster / Sataniac
Ja meine Omas und meine Opas sind tot. Ich grüße meine liebe Mama und meinen lieben Papa.

Desaster / Odin
Bei mir wird sich eh keiner freuen. Ich bin eher das schwarze Schaf! (Mitleid von allen, bei viel Gelächter.)

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Time For Metal / Jürgen S.
Ok, Odin wen willst du denn ärgern? Wer würde sich denn nicht freuen?

Desaster / Odin
Wen ich alles ärgern will? Dafür reicht der Platz hier nicht!

Desaster / Hont
Mein Hund. Der freut sich.

Time For Metal / Jürgen S.
Ok, lieben Dank euch allen. Das hat mal wieder richtig Spaß gemacht!

 

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