Das Interview mit Kai und Andy von Saxorior zum neuen Werk Saksen

Artist: Saxorior

Herkunft: Pirna, Deutschland

Genre: Pagan Metal, Black Metal

Label: Einheit Produktion

Link: https://www.facebook.com/saxorior/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Eschi
Gesang, Gitarre – Kai
Bassgitarre – Tom
Keyboard – Frank
Schlagzeug – Andy

Saxorior - Saksen Cover

Time For Metal / Rene W.:

Hallo Saxorior,

heute wollen wir über das aktuelles Album Saksen aus September 2015 und eure Formation sprechen.

Ihr seid eine Pagan Black Metal-Band der ersten Stunde und habt in den letzten 22 Jahren viel miterlebt. Wie habt ihr die letzten zwei Jahrzehnte erlebt und wie überrascht seid ihr über die starken Beliebtheitsschwankungen des Genres?

Saxorior / Kai:

Beliebtheitsschwankungen nehme ich nicht wahr, da es mich nicht interessiert. Dann fange ich am besten mal ganz vorn an… Saxorior wurde im Januar 1994 von Matthias Eschrich (Gesang, Gitarre), Kai–Uwe Schneider (Gesang, Gitarre), Dirk David (Schlagzeug) und Uwe Vogt (Bass) gegründet. Kai-Uwe und Matthias, die früher in der DDR-Band Titan spielten, produzierten im Juni das erste Demo-Tape The First Fight. Im selben Jahr wechselte Timo Pfeifer von Corpsess als neuer Drummer zur Band.

Im Frühjahr 1995 begann die Band mit den Studioaufnahmen zu ihrem 1.Album Return From The Dark Side. Die Veröffentlichung des Albums erfolgte aus technischen und finanziellen Gründen erst im November. Mit dem neuen Keyboarder Frank Nitzsche folgten Konzerte unter anderem mit Eminenz, Benediction und Iced Earth. Im August und September 1996 wurden die Songs zur MCD Beyond Conceptions als Eigenproduktion eingespielt.

Die Jahre 1997 und 1998 blieben Konzerten vorbehalten, unter anderem mit Eisregen, Dunkelgrafen und Enslaved. 1999 wurde in Kai’s neu eröffneten Studio die Scheibe Portent of Eternity aufgenommen und auf dem Undergroundlabel G.U.C. veröffentlicht. Man hört darauf das, was heute noch den typischen SAXORIOR-Stil ausmacht. Der Song Hagen von Tronje wurde auf einem Ablaze-Sampler präsentiert, was der Band viel Anerkennung einbrachte.

Aufgrund musikalischer Differenzen kam im Mai 2000 Michael Mann für Timo ans Schlagzeug. Seinen Liveeinstand gab er im Juli im Heavy Duty in Dresden. Bis Ende des Jahres wurde die Liveroutine des neuen Line-Ups bei diversen Clubgigs gefestigt. Die erste Hälfte des Jahres 2001 widmete Saxorior fast ausschließlich dem Songwriting, um im Juni im Polygamstudio in Pirna den dritten Longplayer Saxot aufzunehmen. Dieses Album enthält zum ersten Mal eine Coverversion, Tubular Bells von Mike Oldfield. Textlich dreht sich fast alles um die Zeitepoche, in der Sachsen christianisiert wurde. Eine bedeutende Rolle spielen Widukind und sein Gegenspieler Karl der Große. Zusätzlich wurde wieder ein Teil der Nibelungensage in dem Song Siegfried verarbeitet, wofür die Ouvertüre der gleichnamigen Oper von Richard Wagner umarrangiert wurde.

Das folgende Jahr war geprägt von Auftritten in ganz Deutschland. Das Highlight des Jahres 2002 fürSaxorior war das Under The Black Sun – Festival bei Berlin mit Roots, Lumbugre, Taake, u.a.. Im Januar 2003 wurde das Vinyl-Album Von Rache und Schmerz im Polygamstudio eingespielt und erschien im Mai in limitierter Auflage (500 Stück). Besonderheiten dieser Scheibe sind das AC/DC-Cover For Those About To Rock, gesungen von Gorgoroth, dem Sänger von Baltak (Australien), und Livemitschnitte auf der B-Seite. Die zweite Hälfte des Jahres galt neben Auftritten den Aufnahme des nächsten Albums Never Ending Battles im Polygamstudio. Im März 2004 erschien die neue CD Never Ending Battles bei Battlegod-Production (Australien), dem neuen Label der Band. Im Vordergrund stehen die Geschehnisse in Sachsen während des Dreißigjährigen Krieges. Ergänzt wird das Album durch den Song Dem Meister, der R. Wagner gewidmet ist und für den einige musikalische Themen seines Schaffens verwendet wurden. In den nächsten Monaten wurden auch Songs der neuen CD live präsentiert. In der Ausgabe Juni/Juli 04 der Legacy erhielten Saxorior 14 von 15 möglichen Punkten im CD-Review. Des Weiteren beinhaltet diese Ausgabe ein Interview mit der Band und einen Samplerbeitrag auf der beiliegenden CD. Zu diesem Song, Never Ending War, wurde auch ein Promo-Clip selbst produziert, der ebenfalls auf der ihrer Website zu finden ist.

Im Juli erfolgte eine personelle Umbesetzung. Das Gründungsmitglied Uwe Vogt verließ aus privaten Gründen nach 10 Jahren die Band und übergab am 24. des Monats bei einem Auftritt in Berlin offiziell den Bass an seinen Nachfolger Florian Tilke, der dort mit einem Song seinen Bühneneinstand gab. Durch den 18-jährigen Tille, der langjährige Musikschulerfahrung mitbringt, kam auch wieder frischer Wind in die Band. In den folgenden Monaten konnte Florian bei den nächsten Konzerten u.a. mit Eminenz und Belphegor seine „Livehaftigkeit“ unter Beweis stellen. Das Jahr 2005 war ausschließlich Liveauftritten gewidmet. Die Highlights des Jahres: das Bands Battle in Stavenhagen mit Thyrfing, Raise Hell u.a. die Devil Days in Österreich mit Benediction, Mystic Circle, God Dethroned u.a., das Chronical Moshers Open Air im Vogtland, sowie dem Benefizkonzert zugunsten krebskranker Kinder in Dresden. Beim Sim Evil-Bandcontest belegteSaxorior den 7. Platz von über 100 Bands, und somit erschien der Song Never Ending War auf dem entsprechenden Rock Hard Sampler.

Ende Sommer 2006 begannen die Aufnahmen für das neue Album „Völkerschlacht“, deswegen glänzte Saxorior jener Zeit mit Bühnenabstinenz, um neues Songmaterial zu schreiben und anschließend im Polygam-Studio zu produzieren. Nachdem Michael seine Schlagzeug-Aufnahmen beendete, verließ er im Oktober die Band in beiderseitigem Einvernehmen aus privaten Gründen. Dafür holte die Band Anfang 2007 für Live-Gigs den Session-Drummer György ins Boot. Überraschend verlies Florian Tilke im Oktober 2007 aus privaten Gründen die Band. So zogen sich die Aufnahmen von Völkerschlacht bis in den späten Herbst hin. Im Dezember 2007 erschien die neue CD Völkerschlacht und erhielt in der Presse so viele positive Kritiken, dass die Digipak-Version (mit einer KISS-Coverversion von Creatures of the Night) innerhalb kürzester Zeit vergriffen war.

Seit 2008 haben uns Andy von Noisemaster am Schlagzeug und Tom von Scrapy am Bass live unterstützt. Das erste Konzert in dieser Besetzung wurde beim Interregnum Festival sehr gut absolviert. Die nächsten Jahre verliefen etwas ruhiger. Zunächst wurde sich auf einige Live-Auftritte konzentriert, wobei das Metalfest ein Höhepunkt war. In dieser Zeit begannen auch die ersten Überlegungen und Recherchen für das neue Album Saksen, wobei der Album-Titel und das Konzept relativ früh feststanden. Um so aufwendiger gestaltete sich die „Zeitreise“ um das Thema der sächsischen Völkerwanderung, da alles authentisch und doch unterhaltsam sein sollte. Mit den ersten Demos wurden schon 2013 im heimischen Studio angefangen. Am 27.9.14 gaben Saxorior mit einem Openair in Dresden ihr 20-jähriges Jubiläumskonzert, welches von allen Beteiligten sehr euphorisch gefeiert wurde! Ende 2014 wurde dann mit „Einheit Produktionen“ auch ein neuer starker Vertragspartner gefunden, sodass die Motivation für die Album-Produktion und eine neue musikalische Zukunft wieder gestärkt wurde! Ein kleiner Rückschlag ereilte die Band durch die Verletzung von Andy (er zertrümmerte sich einen Teil seines linken Daumens), sodass 2 Konzerte für Januar abgesagt und die eigentlichen Aufnahmen erst Anfang Februar 2015 begonnen werden konnten.

Time For Metal / Rene W.:

Geschlagene sieben Jahre habt ihr zwischen dem letzten Album Völkerschlacht und dem neuesten Werk Saksen verstreichen lassen. Wie kam es zu dieser langen Pause und welche Erwartungen habt ihr selber nach dieser Schaffenspause an die neuen Stücke?

Saxorior / Andy:

Wir haben die Zeit genutzt um als Band wieder zusammen zu wachsen. Während der Völkerschlacht Veröffentlichung gab es ja einige Umbesetzungen. Es macht keinen Sinn jedes Jahr ein Album raus zu bringen, an welches sich in zwei Jahren niemand mehr erinnert. Wir kreieren lieber etwas von bestand. Außerdem verspüren wir keinerlei Druck. Einer der wenigen Vorteile wenn man seine Brötchen eh anders verdient.

Time For Metal / Rene W.:

Nach der ersten Demo The First Fight ist viel Wasser die Elbe hinabgeflossen, wie man im Norden gerne sinnbildlich sagt. Wie konntet ihr eure Erfahrungen beim Songwriting umsetzen und wie muss man sich die Aufnahme-Session zur Produktion vorstellen?

Saxorior / Kai:

Man sammelt natürlich über die Jahre viele Erfahrungen und man sensibilisiert sich für bestimmte musikalische „Sachen“. Wir haben letztendlich ca. 2 Jahre an den Demos gearbeitet bis alles reif war. Nachdem wir die Schlagzeugaufnahmen begannen und ein Song im Kasten war, hat sich Andy (drums) erstmal den linken Daumen mit einem Hammer zertrümmert! Da kamen wir so 3 Monate nicht weiter (wie schon oben erwähnt). Die Aufnahmen und den Mix nahm ich wieder unter meine „Fittiche“.

Saxorior / Andy:

Kai betreibt zwar sein Studio nicht mehr, hat aber noch einiges an Equipment da. Wir haben also Saksen komplett alleine aufgenommen. Teils im Proberaum, teils bei ihm im

Time For Metal / Rene W.:

Könnt ihr bitte bei einem kleinen Track-By-Track die einzelnen Kompositionen von Saksen näher durchleuchten?

Saxorior / Andy:

Im Intro Hinreise geht es um die Gedanken einer Person welche an frühere Zeiten denkt. In Saksen geht es um die Eroberung Britanniens durch die Sachsen. Bei Litus Saxonicum handelt es sich um die Süd und Südostküste Britanniens, welche von den Römern befestigt wurde um sie vor sächsischen Plünderern zu schützen. Paradoxer weise waren an dieser Stelle auch sächsische Söldner im Dienst. Das Lied Irminsul handelt von einem sächischen Heiligtum, wohl einer Säule, welche im Jahr 772 auf Geheiß Karl des Großen zerstört wurde. Bei Blutbad von Verden erzählen wir die Geschichte von dem Klinch zwischen Karl dem Großen und Widukind, welche mit der Hinrichtung mehrerer tausend Sachsen und schließlich der Taufe Widukinds endete. Ob es sich tatsächlich um 4500 Opfer handelt, darüber streiten sich die Gelehrten. Wir haben es natürlich mit den größeren Zahlen. Auf jeden Fall muss es auch nach damaligen Maßstäben eine ziemliche Gräueltat gewesen sein. Sax handelt von einem Kurzschwert welchem die Sachsen ihren Namen zu verdanken haben. Bei Stellinga geht’s um den letzten Aufstand der Sachsen gegen die Franken welcher niedergeschlagen wurde. Mit dem Outro Rückkehr schließt sich der Kreis. Die Person aus dem Intro kommt wieder im hier und jetzt an. Alles in allem geht es bei dem Album um eine Art mentale Zeitreise.

Time For Metal / Rene W.:

Das Cover ist, wir wollen mal sagen, sehr „klischeebehaftet“ nordisch. Ein klares Statement zu eurer Musik und den Werten, die ihr vermitteln möchtet?

Saxorior / Andy:

Das Cover stellt Hengist und Horsa, bei der Ankunft in Britannien dar und stellt somit eine Szene aus unserem Album dar. Es passt natürlich gut zu unserer Musik, aber es ist kein Statement.

Time For Metal / Rene W.:

Mit acht Titeln und über 50 Minuten Spielzeit werden die einzelnen Stücke nicht gerade kurz gehalten – bloßer Zufall oder eine klare Handschrift, die sich bereits im Proberaum abgezeichnet hat?

Saxorior / Andy:

Eine klare Handschrift die sich bereits beim zweiten Album Portend of Eternity abgezeichnet hat. Wenn man mit einem Lied eine gewisse Dramaturgie aufbauen und nicht gleich Slayer-mäßig los ballern will, ist eine gewisse Länge der Lieder unumgänglich.

Time For Metal / Rene W.:

Nach der Abstinenz sehnt ihr euch nach Auftrittsmöglichkeiten oder möchtet ihr lieber langsam an den nächsten Hymnen arbeiten?

Saxorior / Andy:

Wir wollen das Material definitiv erst mal auf die Bühne bringen, bevor wir uns an Neues setzen. So eine Aufnahme kann ziemlich Zeitintensiv und Nervenaufreibend sein. Wenn man dann endlich die fertige CD in der Hand hält, fühlt man sich glücklich aber auch ein wenig ausgelaugt. Darum heißt es jetzt erst mal Batterien auftanken und spielen.

Time For Metal / Rene W.:

Die sozialen Netzwerke sind heutzutage bedeutender denn je. Nutzt ihr Twitter und Co. als Band und wie steht ihr zum Trend, immer moderner und gläserner zu werden?

Saxorior / Andy:

Wir als Band nutzen nur Facebook. In dem Fall ist das mit dem „gläsern sein“ auch nicht schlimm, weil gewollt. Für Bands wie uns ist das eine tolle Möglichkeit Werbung zu machen und für unsere Fans wiederum „up to date“ zu sein. Als Privatperson steh ich dem ganzen allerdings eher skeptisch gegenüber. Ich meine, es muss jeder selber wissen, was er von sich veröffentlichen will. Ich jedenfalls habe weder gesteigertes Interesse daran, andauernd informiert zu werden was meine „Freunde“ so machen, noch so viel Geltungsbedürfnis selbst ständig etwas zu posten. Unsere Facebook Seite kann man übrigens auch besuchen ohne bei Facebook registriert zu sein.

Time For Metal / Rene W.:

Bitte gebt uns doch einmal ein kurzes Statement zu den folgenden Aussagen:

Saxorior sind Bandkollegen und Freunde zugleich.

Saxorior / Andy:

Darauf kann ich nicht antworten sonst bekomme ich ärger mit meinen Freunden.

Time For Metal / Rene W.:

Sie trinken nur Bier, Wein und Met.

Saxorior / Andy:

Mein Arzt hat mir befohlen weniger zu trinken, deswegen trink ich jetzt nur noch Bier.

Saxorior / Kai:

…und was ist mit Whiskey???

Time For Metal / Rene W.:

Der Proberaum ist das zweite Zuhause.

Saxorior / Andy:

Der Proberaum ist zur zeit eher die zweite Antarktis. Im Sommer gleicht er eher einem Regenwald. Nur ohne Bäume und Regen, dafür aber mit gefährlichen Tieren.

Saxorior / Kai:

Ich bin ja auch der einzige, der ab und zu lüftet!!!

Time For Metal / Rene W.:

Beim Jammen erwischt man sich häufiger bei klassischen Rocksongs.

Saxorior / Andy:

Ja das kann passieren. Im besten Fall! Im schlechtesten Fall sind es komische Geräusche ohne Sinn und Verstand und jedes mal wenn Ruhe eingekehrt ist und jemand zur Abwechslung mal was konstruktives sagen will, geht’s wieder los.

Saxorior / Kai:

Ich finde, beim warmspielen kommen immer ganz coole Riffs zustande…

Time For Metal / Rene W.:

Dieses Festival würdet ihr gerne mal in Schutt und Asche legen:

Saxorior / Andy:

Als Gesetzes treuer Bürger will ich natürlich überhaupt nichts in Schutt und Asche legen.

Saxorior / Kai:

…aber hab’n wir auch schon erlebt…doch im kleineren Rahmen…;)

Time For Metal / Rene W.:

Mit folgenden Bands wäre eine Tour ein Traum:

Saxorior / Andy:

Ist mir ehrlich gesagt egal, Hauptsache die Bands passen zu uns und die Tour würde kein Alptraum werden.

Saxorior / Kai:

Am wichtigsten ist die Organisation und dass alle Beteilgten menschlich zusammenpassen.

Time For Metal / Rene W.:
Musik hat den höchsten Stellenwert im Leben.

Saxorior / Andy:

Tut mir leid, drei von uns haben Familie mit Kindern und da kann man diese Frage nicht mehr mit ja beantworten.

Time For Metal / Rene W.:

Ich bedanke mich für das Interview. Das letzte Wort gehört ganz traditionell euch und ihr könnt es ganz frei an eure Fans und unsere Leser richten.

Saxorior / Andy:

Wir bedanken uns! Auch bei unseren langjährigen Fans für die Treue. Den die es noch werden wollen, empfehle ich wärmstens unsere neue Scheibe zu kaufen, denn ihr habt ja schon die anderen nicht gekauft ;)!!!

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