“Der Nachwuchs ist gestartet“

Artist: Don’t Try This

Herkunft: Dessau, Deutschland

Album: Wireless Slaves (Deluxe Edition)

Spiellänge: 52:49 Minuten (inkl. Bonustracks)

Genre: Modern Metal, Post Hardcore, Metalcore

Release: 27.03.2017

Label: Boersma Records

Link: https://www.facebook.com/DONTTRYTHISmusic/

Bandmitglieder:

Gesang – Carlo
Gitarre – Phil
Gitarre – Stephan
Bassgitarre – Koppy
Schlagzeug – René

Tracklist:

  1. Suffocation
  2. When They Rise
  3. Nothing Is Like Before
  4. My Burden
  5. Falling Deeper
  6. The End Of Everything
  7. I Will Never Forget
  8. Living A Lie
  9. I.w.n.f. Vs. Polytox
  10. Falling Deeper (Demo 2013)
  11. The Requiem (Demo 2013)
  12. I Will Never Forget (Piano Version)

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass in der Musik der Begriff „Modern Metal“ so was ähnlich ist, wie in der von mir so gehassten Ablage – ja, ich rede von Büroarbeit – der Punkt „Diverses“. Da kommt halt alles rein, was sich erst einmal gar nicht zuordnen lässt. Jetzt am Jahresende steht ja leider auch wieder die lange vernachlässigte Ablage an, aber auch der Time for Metal-Reviewpool muss noch aufgeräumt werden. Die Bands, die da jetzt noch hoffnungsvoll auf ein Review warten, kenne ich größtenteils nicht, auch der Name Don’t Try This sagt mir gar nichts. Welch‘ Versäumnis! Die Band aus Dessau gibt es seit dem Jahr 2012, und ihre Beharrlichkeit und wohl auch ihre sehr starke Bühnenpräsenz haben sich gelohnt. Mit Boersma Records konnte ein Vertrag unterschrieben werden, und am 27.03.2017 erschien das Debütalbum Wireless Slaves. Die Wireless Slaves-Tour ist zwar leider fast schon wieder vorbei, wer allerdings Zeit und Lust hat, kann am 29.12. nach Düsseldorf fahren, wo Don’t Try This im Exit ihre vorletzte Show für dieses Jahr spielen werden.

Mit Modern Metal liegt man natürlich nicht ganz falsch, was Don’t Try This betrifft, ich würde sie allerdings eher mit Post Hardcore taggen. Einheitsbrei gibt es hier nicht, Don’t Try This haben entweder Einflüsse von unzähligen Bands wie ein Schwamm aufgesogen und in ihre Songs einfließen lassen oder sich tatsächlich einen Kopf gemacht, um damit ihre eigene Geschichte zu erzählen. Und wenn es denn tatsächlich so sein sollte, dass Carlo für den kompletten Gesang, also Shouts, Growls und Clean Vocals zuständig ist, kann ich nur den Hut ziehen. Den Hut ziehen kann ich auch vor den technischen Fertigkeiten der Instrumentalfraktion, bei manchen Uptempo-Parts sind mächtig flinke Finger und Füße gefragt.

Manche der Tracks sind fast viel zu schade für den Pit, das ist ganz großes Kino, das Don’t Try This da aufmachen. So sitze ich bei My Burden nur andächtig da und lausche insbesondere den grandiosen Clean Parts. Und sogar mit einer Ballade können mich die Jungs kriegen. Die kommt gleich als nächstes und heißt Falling Deeper. Der teilweise zweistimmige Klargesang, die akustische Gitarre, ein wenig Keyboard im Hintergrund, das wunderbare Spiel der elektrischen Gitarre zum Ende hin…fertig ist die Gänsepelle! Genau dieses Lied kommt dann auch noch einmal in einer Demoversion aus 2013, und auch damit können Don’t Try This bei mir punkten. Von I Will Never Forget gibt es sogar drei Versionen, zur dritten später mehr. Die reguläre Version startet als Powerballade – grandios der Wechsel von Clean und Shouts zwischen Strophen und Chorus – bevor der Song dann noch ein wenig Fahrt aufnimmt. Hier gibt es mit Rudi Schwarzer einen Gastsänger. Bei einer derartigen Powerballade drängt sich die Version, mit der die Deluxe Version des Albums abschließt, geradezu auf, es gibt I Will Never Forget nämlich noch in einer Piano Version auf die Ohren.

Überwiegend sind die Songs um die vier Minuten lang, eine Ausnahme gibt es mit Living A Lie, der auf fast sechseinhalb Minuten kommt, und dabei nicht eine Sekunde langweilig wird. Dieser krasse Wechsel im Gesang genauso wie im Tempo – geiler Break! – das ist tolles Songwriting. Ein ganz dickes Grinsen tackert mir dann tatsächlich noch Track Nummer Neun ins Gesicht. Ich liebe es ja, wenn Core-Bands so einen komplett aus dem Rahmen fallenden Song aufs Album packen. Hier heißt er I.w.n.f. Vs. Polytox, und damit kommt I Will Never Forget dann in der dritten Version, nämlich als Electronic/House/Dance/Trip Hop um die Ecke. Da passen die Shouts meiner Meinung nach nicht so gut rein, aber das kann man verschmerzen.

Zu einem meiner Anspieltipps, nämlich My Burden, gibt es hier das Video:

Don't Try This - Wireless Slaves (Deluxe Edition)
Fazit: Wenn ich mir überlege, dass Don't Try This im Jahr 2012 gegründet wurden, und die Jungs ja anscheinend schon im Jahr 2013 dermaßen grandiose Songs geschrieben hatten, bin ich sehr gespannt, was da noch kommen mag. Mögen sie die Beharrlichkeit, die sie bis zur Unterzeichnung des Plattenvertrages an den Tag gelegt haben, auch weiterhin aufbringen, denn das ragt definitiv endlich mal aus dem ganzen Einheitsbrei "Modern Metal" raus. Sehr intelligentes Songwriting, toller Gesang, klasse besetzte Instrumentalfraktion – um den Nachwuchs wird mir immer weniger bange.

Anspieltipps: Suffocation, My Burden, Falling Deeper (beide Versionen), Living A Lie und I.w.n.f. Vs. Polytox
Heike L.9.5
9.5Gesamtwertung
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