Dream Theater – Distant Memories – Live In London

Die amerikanischen Prog-Ikonen liefern Gänsehautmomente ins Wohnzimmer

Artist: Dream Theater

Herkunft: New York, USA

Album: Distant Memories – Live In London

Spiellänge: CD1 54:17 Minuten, CD2 38:40 Minuten, CD3 56:51 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 27.11.2020

Label: InsideOut Music

Link: http://dreamtheater.net/

Bandmitglieder:

Gesang – James LaBrie
Gitarre und Backgroundgesang – John Petrucci
Bassgitarre – John Myung
Keyboard – Jordan Rudess
Schlagzeug – Mike Mangini

Tracklist:

1. Untethered Angel
2. A Nightmare To Remember
3. Fall Into The Light
4. Barstool Warrior
5. In The Presence Of Enemies – Part 1
6. Pale Blue Dot

1. Scenes Live Intro
2. Scene One: Regression
3. Scene Two: I. Overture 1928
4. Scene Two: II. Strange Déjà Vu
5. Scene Three: I. Through My Words
6. Scene Three: II. Fatal Tragedy
7. Scene Four: Beyond This Life
8. Scene Five: Through Her Eyes

1. Scene Six: Home
2. Scene Seven: I. The Dance Of Eternity
3. Scene Seven: II. One Last Time
4. Scene Eight: The Spirit Carries On
5. Scene Nine: Finally Free
6. At Wit’s End
7. Paralyzed (Bonus Track)

Am 27.11.2020 erscheint via InsideOut Music das mittlerweile neunte offizielle Livealbum der amerikanischen Prog Metal Institution Dream Theater. In ihrer 35-jährigen Bandkarriere kamen selbstverständlich auch unzählige Perlen zustande, die es wert sind, live aufgeführt zu werden. Auf diesem Werk konzentriert sich die Band allerdings auf Songs ihres letzten Studioalbums Distance Over Time. Zusätzlich gibt es das Meisterwerk Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory in seiner ganzen Pracht zu bestaunen. Das Album feierte im letzten Jahr sein 20-jähriges Jubiläum und wurde 2012 von den Fans des Rolling Stone zum besten Progressive Rock Album aller Zeiten gewählt. Distant Memories – Live In London wurde an zwei Abenden im Februar im legendären Eventim Apollo (früher Hammersmith Apollo) aufgezeichnet, kurz bevor die Welt im Chaos versank.

Erscheinen wird die Aufnahme in folgenden Versionen: Ltd. Deluxe 3CD+2Blu-ray+2DVD Artbook, Special Edition 3CD+2Blu-ray Digipack im Slipcase, 3CD+2DVD Multibox, Ltd. black 4LP+3CD Box Set, Ltd. silver 4LP+3CD Box Set, Ltd. red 4LP+3CD Box Set, Ltd. blue 4LP+3CD Box Set und Digital Album.

Bildmaterial zu diesem Livealbum liegt mir für die Rezension leider nicht vor, deshalb kann ich mich nur zum Audioinhalt äußern. Ich durfte Dream Theater schon das eine oder andere Mal live bestaunen und stelle mir einfach folgendes vor: James LaBrie animiert das Publikum; John Myung spielt halsbrecherische Bassläufe, ohne auch nur eine Miene zu verziehen; Jordan Rudess zieht Grimassen, während er Keyboard, Keytar oder iPad spielt; Mike Mangini kugelt sich die Schulter aus, weil sein Schlagzeug wieder unmöglich aufgebaut ist, während der optische Grizzlybär und Saitenhexer John Petrucci mich endgültig meine Gitarre an den Nagel hängen lässt. Bevor es an die Livemusik geht, überlasse ich Meister Petrucci das Wort: „Ob ihr die Gelegenheit hattet, diese Tournee persönlich zu erleben und das hoffentlich großartige Konzerterlebnis noch einmal zu erleben oder die Performance zum ersten Mal auf Video genießen könnt, Distant Memories – Live In London fängt die Energie und Aufregung, die wir alle im vergangenen Februar im Apollo gemeinsam empfunden haben, sehr genau und sehr schön ein.“

Ein Livealbum der Amerikaner steht und fällt für mich immer mit der Gesangsleistung von James LaBrie. Während die instrumentale Fraktion stets für virtuose und fehlerfreie Performance steht, schwankt der Sänger seit seiner chronischen Stimmbandentzündung in den Neunzigern immer mal wieder in seiner Leistung. Im Opener Untethered Angel liegen dann auch gleich ein paar Töne daneben. Spoileralarm: Im Laufe des Konzerts präsentiert sich LaBrie dann allerdings äußerst solide. Erfreulich ist auch der Drumsound von Mike Mangini. Auf den letzten Studioalben gab es aus dem Fanlager vermehrt Kritik am Mix des Schlagzeugs. Hier holt die Produktion alles aus Manginis Drumkit-Monster heraus. Technisch ist der Drummer, der vor zehn Jahren Gründungsmitglied Mike Portnoy ersetzte, ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Weiter geht es mit A Nightmare To Remember vom Black Clouds & Silver Linings Album. Der Song erscheint zum ersten Mal auf einem Livealbum. Düsteres Intro, abgefahrene Soli, verzerrte Gesangspassagen und das alles in über 16 Minuten – alles, was der Progfan braucht! Die nächsten beiden Songs stammen wieder vom großartigen Distance Over Time. Fette Riffs und butterweiche Soli stehen im Mittelpunkt. Zum Ende von Fall Into The Light singt das Publikum sogar das Gitarrensolo mit. Apropos Gitarrensolo: In Barstool Warrior soliert Petrucci so wunderschön, dass ich am Schreibtisch die Luftgitarre auspacke und im Augenblick versinke. Nicht weniger traumhaft ist der Refrain. Die Kamera vor meinem geistigen Auge schwenkt 13 Jahre zurück zu Systematic Chaos und In The Presence Of Enemies – Part 1 betritt die Bühne. Hier kann LaBrie seine Stimmbänder über fünf Minuten schonen, der Rest der Band steht im Rampenlicht. Das Highlight von der ersten CD haben sich Dream Theater für den Schluss aufgehoben. Pale Blue Dot gewährt mir als vorab veröffentlichtes Video (siehe unten) einen ersten Einblick zur DVD/Blu-ray. Was ich weiter oben schon aus meinen Konzerterinnerungen geschrieben habe, wird hier in die Tat umgesetzt. Das Intro präsentiert Jordan Rudess via GeoShred-App auf dem iPad, die Gesangsleistung wird stärker, die Drums ballern und überhaupt ist der instrumentale Part gegen Ende nicht von dieser Welt.

Der Vorhang zum zweiten Teil geht auf. Was soll ich zum Konzeptalbum von 1999 noch sagen? Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory ist nicht nur ein Meilenstein der Band, sondern ein Referenzwerk des Progressive Metal. Für mich persönlich ist es sogar das beste Album aller Zeiten! Ich möchte an dieser Stelle nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, weil ich der Meinung bin, dass man ein Konzeptalbum besser am Stück hört. Einige besondere Momente werde ich mir dennoch rauspicken. Vor dem eigentlichen Intro Scene One: Regression gibt es noch ein lustiges Keyboard-Intermezzo im Stil alter schwarz-weiß Filme, welches dann in einem epischen Soundtrack ausklingt. Im Vergleich zum Live Scenes From New York Album gibt es keinen eigenen Sprecher, die gesprochene Passage läuft vom Band. Um noch mal auf James LaBrie zurückzukommen: Gerade in den ruhigeren Passagen kann er sein Potenzial voll entfalten. Nachzuhören bei Through Her Eyes. Man hat den Eindruck, dass er sich allgemein mit den Songs dieses Albums sehr wohl fühlt. Auch wenn er seinen Seelenschmerz manchmal sehr theatralisch ins Mikro haucht. Schön ist auch, dass die Songs nicht eins-zu-eins klingen wie auf den alten Veröffentlichungen. So können auch Fans der Band zugreifen, die schon alle Livealben ihr Eigen nennen.

Mit einem lang gezogenen „Hoooomeee“ leitet LaBrie den dritten Teil ein. Hier gibt es zunächst die zweite Hälfte von Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory zu hören. The Dance Of Eternity, das Instrumental zum Beenden von Bandkarrieren und Songs zum Niederknien wie The Spirit Carries On und Finally Free sorgen für Freudentränen. Den Abschluss dieses wunderbaren Werks bilden wieder zwei Songs vom letzten Album. At Wit’s End und Paralyzed bieten noch einmal das gesamte Können der Band auf: Messerscharfe Riffs, geniale Gitarrensoli, verträumte Pianoklänge und fette Drums lassen keine Zweifel aufkommen, dass wir es mit einer der größten Progressive Metal Bands aller Zeiten zu tun haben.

Dream Theater – Distant Memories – Live In London
Fazit
Dream Theater ist eine dieser Bands, die mir jedes Mal bis in die Haarspitzen Gänsehaut beschert. Fans der Band und solche, die es werden wollen, können bedenkenlos zugreifen. Am liebsten als DVD oder Blu-ray, denn ich finde, den Jungs beim Spielen zuzusehen, hat was Beruhigendes. Die Höchstnote bleibt nur aus, weil es mit Live At Budokan und Breaking The Fourth Wall zwei noch bessere Livealben der Band gibt.

Anspieltipps: Barstool Warrior, Pale Blue Dot, Beyond This Life und Finally Free
Florian W.
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