Garbage – No Gods No Masters

Viel Synthis lassen den Alternative Rock verblassen, inhaltlich wird es sozialpolitisch

Artist: Garbage

Herkunft: Madison, Amerika

Album: No Gods No Masters

Spiellänge: 46:07 Minuten

Genre: Alternative Rock, Hard Rock

Release: 11.06.2021

Label: BMG / Warner

Link: https://www.garbage.com/

Bandmitglieder:

Gesang, Tasteninstrumente – Shirley Manson
Gitarre, Tasteninstrumente, Background Gesang, Percussion – Duke Erikson
Gitarre, Bass, Background Gesang, Tasteninstrumente, Schlagzeug, Programmierung – Steve Marker
Tasteninstrumente, Gitarre, Schlagzeug Background Gesang – Butch VIG

Gastmusiker:

Bass – Daniel Shulman
Bass – Eric Avery
Bass – Justin Meldal Johnsen

Tracklist:

1. The Men Who Rule The World
2. The Creeps
3. Uncomfortably Me
4. Wolves
5. Waiting For God
6. Godhead
7. Anonymous XXX
8. A Woman Destroyed
9. Flipping The Bird
10. No Gods No Masters
11. This City Will Kill You

Tja, Garbage hatten ihre große Zeit wohl in den 90ern. Ihre Mischung aus Rock, Techno und leichtem Pop konnte da noch begeistern. Zu einer Zeit, als der Grunge mit Kurt Cobains Tod zu Grabe getragen wurde, veröffentlichten Garbage ihr selbst betiteltes Debüt, auf dem sich die Erfolgssingle Stupid Girl befand. Auch das zweite Album, Version 2.0 mit dem James Bond Song The World Is Not Enough konnte noch überzeugen, dann ließ der Erfolg aber stetig  nach. Mit No Gods No Masters erscheint Album Nummer sieben und kann auch nicht wirklich an die Erfolge der ersten Platten anknüpfen. Inhaltlich halten sich die elf Songs von Texterin Shirley Manson an die sieben Tugenden, die sieben Leiden Marias und an die sieben Todsünden.

Bereits der erste Song The Men Who Rules The World beginnt ungewöhnlich mit den Geräuschen eines Geldspielautomaten. Dazu gesellt sich die zunächst leicht verzerrte Stimme von Shirley dazu und das macht den Einstieg nicht leicht. Erst mit Einsatz der Gitarren wird es stimmiger. Trotzdem können mich die ersten vier Minuten nicht packen. Zu experimentell und es fehlt auch etwas richtig Eingängiges. Dafür greift Manson inhaltlich die illusorische Hoffnung auf das große Geld auf. Synthie Pop à la Depeche Mode eröffnet Track zwei. Schnell wird es durch treibende Gitarrenriffs in eine punkige Ecke gepresst. Das klingt nicht so schlecht und die Ausnahmestimme von Shirley kommt hier gut zur Geltung. Inhaltlich bewegen sich Garbage hier im sozialen Umfeld. Es werden Themen angesprochen wie die Black Lives Matter Bewegung in Waiting For God, dem für die Band wichtigsten Song auf dem Album, oder den Sinn darin zu finden, wie irre und verrückt die Welt geworden ist. Im folgenden Uncomfortably Me wird der Kampf gegen das „Ich“ selbst beschrieben. Das gelingt ihnen bei dem Song auch musikalisch gut. Hört man sich Wolves an, dann wird man etwas an die früheren Garbage Zeiten erinnert. Kreischende Gitarre und typisch dreckig geht es zu. Allerdings ist das eher die Ausnahme. Waiting For God ist mit seiner ruhigen Grundstimmung wie geschaffen für das oben angesprochene Thema und sollte zum Denken anregen. Fast zerbrechlich wirkt Shirleys Stimme, die mal wieder super zur Geltung kommen. Die Synthi Fraktion ist schön ausgeblendet und das tut dem Track gut. Ich glaube auch, dass ohne Shirley Manson das Album in der Versenkung verschwinden würde.

Godhead ist wieder stark durch die Tasteninstrumente von Butch Vig und Duke Erikson getragen, aber kommt trotzdem außerordentlich gefällig aus den Boxen. Auch Anonymus XXX setzt auf Synthesizerklänge und eine leichte Melodie. Hörbar ohne zu überzeugen. A Woman Denied schafft eine düstere, bedrohliche Atmosphäre, die den im Text beschriebenen Rachegelüsten den nötigen Rahmen verleiht. Ganz anders das folgende poppige, sommerliche Flipping The Bird. Auch hier sind wieder die Synthesizer vorherrschend, die allerdings diesmal die Melodie und den Song an den 80er-Jahre Brit Elektropop erinnern lassen. Der Titeltrack wartet dann noch mal mit einem schnellen rockigen Rhythmus auf und bringt die düsteren Gedanken von A Woman Denied gänzlich zum Schweigen. Als Abschluss wird auf das leicht jazzige This City Will Kill You inklusive Einsatz von Hörnern und Bläsern gesetzt. Gefällt mir auch gut, da mal wieder Shirley als Sängerin einen großen Moment hat. Leider liegt mir nur die einfache Version des Albums vor. Die Deluxe-Version enthält zusätzlich auf CD 2 einige coole Bonustracks, wie Bowies Starman oder Springsteens Because The Night bereit.

Garbage – No Gods No Masters
Fazit
In No Gods No Masters setzen Garbage auf sozialpolitische Kritik. Das verpacken sie in intelligente Texte, aber lassen es musikalisch nicht wirklich krachen. Allerdings befinden sich einige Perlen auf der Platte, die das gesamte Werk wieder wertvoll machen. Das Aushängeschild ist ohne Zweifel Shirley Manson, die allein schon als Kaufargument für die Scheibe gelten kann. Für Fans der älteren Garbage Sachen lohnt sich ein reinhören. Für reine Metalheads eher ungeeignet.

Anspieltipps: The Creeps, Waiting For God und No Gods No Masters
Kay L.
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