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Glacier – No Light Ever
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Alben / EPsReviewsVinyl
·11. Juli 2019·3 Minuten Lesedauer

Glacier – No Light Ever

Die Jungs bleiben sich treu

Artist: Glacier

Herkunft: Boston MA, Vereinigte Staaten von Amerika

Album: No Light Ever

Spiellänge: 42:07 Minuten

Genre: Post Metal

Release: 18.07.2019

Label: Wolves And Vibrancy Records (Vinyl) und POST.Recordings (CD)

Link: https://www.facebook.com/GlacierBandMA/

Produktion: Aufnahmen und Mastering in den Mad Oak Studios, Allston MA von Benny Grotto und Sam Stallings, Mix von Jesse Vengrove

Bandmitglieder:

Gitarre – Ryan Traynor
Gitarre – Ryan Dooley
Gitarre – Matthew Vincenty
Bassgitarre – Derek Dooley
Schlagzeug – Jesse Vengrove

Tracklist:

  1. Oh World! I Remain No Longer Here.
  2. The Bugles Blow, Funned By Hysteria.
  3. We Glut Our Souls On The Accursed.
  4. And We Are Damned Amid Noble Sound.

 

 

Schon zur letzten Veröffentlichung der Bostoner Band Glacier, dem zwei Monstertracks umfassenden Album Though Your Sins Be As Scarlet, They Shall Be White As Snow; Though They Be Red Like Crimson, They Shall Be As Wool. aus dem Jahr 2017 durfte ich das Review schreiben. So habe ich mich natürlich sehr gefreut, als ich vor etwa einem Monat eine Mail von den Jungs erhielt, mit dem sie mich fragten, ob ich auch zum neuen Album wieder etwas schreiben würde. Das trägt den etwas kürzeren Titel No Light Ever und wird es sowohl als CD als auch in einer Vinyl-Ausgabe geben. Vorbestellen kann man ab dem 18.07., ab diesem Datum kann man sich das Album auch im Stream anhören.

Kam das vorherige Album mit zwei Tracks noch auf eine Spielzeit von knapp dreißig Minuten, sind die etwas über vierzig Minuten Spielzeit von No Light Ever ziemlich gleichmäßig auf die vier Tracks verteilt. Während der Albumtitel noch kurz und relativ selbsterklärend daherkommt, kann man beim ersten Song Oh World! I Remain No Longer Here. schon anfangen zu überlegen, was damit wohl gemeint sein könnte. Sehr wuchtig steigen Glacier in das Album ein, mir kommt sofort ein Vergleich zur britischen Band Telepathy ins Hirn. Nach ungefähr zwei Minuten ist es mit der Wucht dann aber auch schon vorbei, der Vulkan ist ausgebrochen, die Lava fließt langsam ins Tal, es brodelt und zischt. So repetitiv, wie die Saitenfraktion agiert, drischt auch Jesse immer wieder auf die Becken ein. Und dann denkt man ab ungefähr der achten Minute, dass dieser Spannungsbogen, den die Jungs da unbarmherzig immer straffer ziehen, sich doch irgendwann mal mit einem leisen „Zisch“ lösen müsste. Jesse nimmt an den Drums immer mehr Fahrt auf, das Spiel der Saitenfraktion wird mächtiger. Und dann ist die Lava am Ozean angekommen, in den sie mit einem lauten Zisch eintaucht. Das Wasser brodelt, und inmitten dieses Chaos ragt dann doch immer mal wieder die eine oder andere Gitarre heraus, bevor sie vom Meer der drei anderen Saiteninstrumente verschlungen wird.

Auch mit The Bugles Blow, Funned By Hysteria. füllen Glacier ihr Motto „No Happy Music“ mit Leben. Sehr doomig, fast schon ein wenig in den Jazz eintauchend, kommt dieser Track daher. Phasenweise gibt es nur Bass und Drums zu hören, ganz in Hintergrund wabern die Gitarren vor sich hin, manchmal klingt es wie das Quietschen von Kreide auf einer Schiefertafel, auch die von mir im vorherigen Review erwähnten sägenden Gitarren finden hier wieder ihren Platz. Von der plötzlich einsetzenden Stille nach ungefähr sechs Minuten sollte man sich nicht einlullen lassen, die ist nämlich nur der Vorbote des unvermittelt einsetzenden Orkans. Nachdem der vorübergezogen ist, können die Jungs wieder mit so wunderbaren Riffs und Gitarrenläufen – ob nur mit einer Gitarre oder gedoppelt, oft noch begleitet vom Bass – aufwarten, dass es mir einen Gänsehautschauer nach dem anderen über den Balg jagt. Eher nicht mein Song, aber das ist ganz große Kunst!

Musikalisch fällt We Glut Our Souls On The Accursed. nicht aus dem großen Rahmen, er kommt allerdings mit knapp über sechs Minuten Spielzeit für Glacier’sche Verhältnisse ziemlich kurz daher. Wie sich die so wehmütig und traurig klingende Leadgitarre gegen die mächtige Soundwand der anderen Instrumente dennoch behaupten kann, ist sicherlich auch den kunstfertigen Fingern der Männer an den Reglern zu verdanken.

Der letzte Track And We Are Damned Amid Noble Sound. ist schon beim ersten Hören sofort zu meinem Favoriten geworden. Wie ein wütender Hornissenschwarm klingt das Gitarrenspiel, und das Tempo, das Jesse scheinbar mit den Drums vorgibt, steht komplett konträr zu dem, was die Saitenfraktion da veranstaltet, hält den Spannungsbogen aber straff. Das halten die Jungs dann tatsächlich auch die Hälfte der Spielzeit durch, bevor sie sich mit sägenden Gitarren durch die nächste Sumpflandschaft mühen. Aber auch die wird bezwungen, mit festem Boden unter den Füßen wird dann nochmal Tempo aufgenommen und die Saiteninstrumente auf jede erdenkliche Art bearbeitet. Teils klingt es sogar so, als ob ein Geigenbogen zum Einsatz kommt.

Zu meinem Anspieltipp gibt es leider nichts, aber auf der Bandcamp-Seite von Glacier kann man sich den ersten Song Oh World! I Remain No Longer Here. anhören:

https://glacierma.bandcamp.com/

Glacier – No Light Ever
Fazit
Normalerweise ist so ziemlich alles, was in Richtung Doom, oder um es mal allgemeiner zu formulieren, Richtung langsamere Songs geht, nicht so ganz meins. Wenn die Tracks aber mit solch' einer Wucht und Eindringlichkeit daherkommen, wie es Glacier immer wieder schaffen, dann kann ich Post Metal-Fans wieder nur empfehlen, sich auch dieses Album zu gönnen. Ich werde nie ganz verstehen, was die Saitenfraktion da alles veranstaltet, ganz zu schweigen davon, dass ich die Fachbegriffe dafür nicht kenne, aber allein die Kunst, diese Songs überhaupt zu schreiben, verdient schon mal ein "Daumen hoch". Zum Nebenbei Hören definitiv viel zu schade, also nehmt Euch die Zeit!

Anspieltipp: And We Are Damned Amid Noble Sound.
Heike L.
9
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2019GlacierNo Light EverPost MetalPOST.RecordingsVereinigte Staaten von AmerikaWolves And Vibrancy Records

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