Häxkapell – Eldhymner

Chaotischer Black Metal auf Erkundung

Artist: Häxkapell

Herkunft: Haparanda, Schweden

Album: Eldhymner

Spiellänge: 40:26 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 29.10.2021

Label: Nordvis / Rough Trade

Link: http://www.facebook.com/haxkapell

Bandmitglieder:

Jedes Instrument – Oraklet

Tracklist:

  1. Kallet
  2. Tomhetens Lagor
  3. Eldskapt
  4. Askans Drottning
  5. Ur Malströmmens Famn
  6. Solraviner
  7. Häxkapellet
  8. Sanningen

Oraklet veröffentlicht nun Ende Oktober sein Werk Eldhymner, welches von Nordvis vertrieben wird! Das ganze Projekt läuft unter dem Namen Häxkapell, seine Ein-Mann-Band veröffentlichte im Jahr 2016 die Demo Omsanningen, welche schon sehr gut von der Masse aufgenommen wurde und jetzt wird mit dem Album nachgelegt.

Mich fasziniert der Fakt, dass die Platte von einer einzigen Person kommt, wobei das so natürlich nicht ganz richtig ist. Die Ideen und die Struktur kommen alle von Oraklet, bloß kommt nicht alles, was man hört, direkt von ihm. Für die Geigen und für das Schlagzeug wurden Sessionmusiker eingeladen, welche die Ideen schlussendlich verwirklichen konnten. Davon bin ich auch am meisten begeistert, denn ich sehe es als große Herausforderung an, wenn man seine Ideen und Gedanken, tiefgründige Emotionen auf andere übertragen beziehungsweise denen alles erklären muss. Aber es hat einwandfrei funktioniert und es konnte ein Werk – sicherlich im Sinne Oraklets – produziert werden. Das 40-minütige Werk ist voller versteckten Ecken und voller Überraschungen.

Eldhymner wird angepriesen als reines, klassisches Black Metal Werk, dennoch finden sich immer wieder atmosphärische Elemente, welche nicht von den Vorbildern wie Marduk adaptiert wurden. Die immer wieder auftretenden Stilmittel verleihen der Scheibe das gewisse Etwas und sorgen dafür, dass die Platte einzigartig ist und sich nicht stur dem Black Metal Pfad anschließt.

Ur Malströmmens Famn ist dagegen ein reiner Black Metal Song schlechthin, aber auch hier sind kleine Abweichungen erkennbar, die mich für aber nur eine Einzigartigkeit beschreiben. Prinzipiell kann man daher sagen, dass die Musikrichtung schon klar ist – man bekommt stures, glitzerndes Feuerinferno. Das meine ich auch wirklich so. Neben den harten und brutalen Rhythmen, Melodien und Chorden hat man immer so einen Hauch von „alles wird gut“. Leider wird die Aggression nicht komplett ausgenutzt, es fühlt sich beim Hören an, als würde sich noch etwas schützend vor einen stellen und aufpassen, dass man nicht erschlagen wird. Da ist leider etwas Potenzial verloren gegangen, aber das ist auch Geschmackssache. Blackmetalheads, welche die schonungslosen Songs von Gorgoroth nicht verkraften, werden hier unglaublich glücklich. Dennoch ist Häxkapell auch für Metalheads, für die es nicht dunkler geht, da einen hier neben den brutalen, schnellen Liedern die Melodieführung begeistern kann. Solraviner überzeugt selbst mich als eingefleischten Black Metal-Hörer, weil hier endlich mal das Schlagzeug absolute Dominanz ausspielen kann und die etwas beschönigten Frequenzen in den Hintergrund gedrängt werden! Ich denke, es war so vielleicht nicht primär gewollt, aber mir gefällt der kleine Fehler, der sich eventuell eingeschlichen hat. Ein Fehler muss nicht direkt negativ belastet sein und so ist es hier.

Der siebte Song Häxkapellet ist, man kann es ja schon etwas erahnen, der Hauptsong des Albums – erfüllt er aber auch seine Erwartungen? So viel sei vorab schon mal gesagt: „Wer Emperor liebt, liebt den Song Häxkapellet“! Daher finde ich es etwas schade, dass das der beste Song der Scheibe ist. Er ist super, einwandfrei, nicht langweilig, aber ich mag auch Emperor. Es gibt viel zu viele Parallelen zu der norwegischen Band, und das darf nicht passieren. Für mein Empfinden gibt es keine schlimmere Situation, als festzustellen, dass der Song mehr als nur eine Idee von einer anderen Band enthält. Natürlich ist es nicht vermeidbar, sich irgendwo Ideen oder Inspirationen zu nehmen, aber es sollte nicht so offensichtlich sein und Häxkapellet hätte genau so, wie es hier ist, auf einem Emperor Album vorkommen können.

Ich schreibe es viel zu oft, aber es ist de facto einfach so: Oraklet hat super Ideen, die Umsetzung ist einwandfrei, aber eine Band in ihrem eigenen Stil zu kopieren, ist ein No-Go. Vor allem finde ich hier das verschenkte Talent traurig, denn bei vorherigen Liedern ist ein mir noch nicht bekannter Stil vorgekommen: der Stil von Häxkapell. Ich frage mich, wieso dieser Stil nicht weiterverfolgt wurde. Verschenktes Talent, vergeudetes Potenzial, dafür steigt meine Freude auf das nächste Album, bei welchem so etwas dann nicht mehr vorkommt.

Häxkapell – Eldhymner
Fazit
Im Großen und Ganzen war das Album ok, mehr aber auch leider nicht. Viele Passagen waren sehr gut, andere wiederum langweilig, manche wurden in Eigenregie erarbeitet, eine andere wurde wieder gestohlen. Es ist ein etwas chaotisches Album, in welchem aber auch Potenzial und Talent steckt – ich bin und bleibe hin- und hergerissen!

Anspieltipps: Ur Malströmmens Famn und Häxkapellet
Paul M.
5.5
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