Hammerfall: 20 Jahre Renegade – „On Tour“ Today With Music From The Past

Ausgabe Januar 2020

Wir befinden uns seit 20 Jahren in einem neuen Jahrtausend. Das legendäre Jahr hat nicht nur kalendarisch eine große Einwirkung auf uns gehabt, sondern ist das Geburtsjahr so manches Metalklassikers. In den nächsten 12 Monaten wollen wir euch daher jeden Monat ein Album in einer kleinen Kolumne zurück in eure Ohren bringen. Dabei wurde das Augenmerk nicht nur auf die Großen des Genres geworfen. Ein Kriterium unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe ist, dass die Formation in diesem Jahr auch live unterwegs ist. Gestartet wird mit Hammerfall, die vor zwei Jahrzehnten Renegade aus der Presse drückten.

Hammerfall wurden 1993 in Göteborg gegründet. Mit dabei war, was viele gar nicht mehr wissen, der Dark Tranquillity Frontmann Mikael Stanne, der jedoch schon im Debütalbum Glory To The Brave dem immer noch aktiven Sänger Joacim Cans die Bühne überlassen hat. Ebenfalls am Anfang dabei: Niklas Sundin und Johan Larsson, die ebenfalls beim ersten Silberling schon gar nicht mehr anwesend waren. Dafür jedoch Publikumsliebling und verrückter Axtschwinger Oscar Dronjak, über den man alleine schon ein Buch schreiben könnte. Hinter den Fellen saß Jesper Strömblad, der wiederun nach den ersten Stücken einen anderen Weg einschlug. Nach dem ersten Brecher folgte Legacy Of Kings und hievte die Schweden direkt in hohe Heavy Metal Gefilde. Man muss bedenken, dass in den späten Neunzigern das Genre einen kleinen Einbruch erlebt hatte – da war es nicht selbstverständlich, dass ein neugegründeter Haufen gleich dermaßen Staub aufwirbeln konnte. Nach den ersten beiden Werken galt es, den eingeschlagenen Weg zu untermauern, die gewonnene Euphorie zu nutzen und nicht als kleines Strohfeuer zu erlöschen. Da kommen wir direkt zum Auftritt von Renegade, der Zement anrühren sollte, um Hammerfall endgültig als Topact festzusetzen.

Renegade ist, wie schon erwähnt, das dritte Studioalbum der schwedischen Power Metal Gruppe, die zudem im klassischen Heavy Metal wildert. Am 09.10.2000 wurde es über Nuclear Blast veröffentlicht, kam auf etwas mehr als eine Dreiviertelstunde Spielzeit und beinhaltete zehn Werke. Das Dream-Team Oscar Dronjak und Joacim Cans suchte nach einem noch fetteren Sound und wollte die einzelnen Kompositionen noch härter ans Limit führen. Zum ersten Mal legte Michael Wagener als Produzent Hand an den Stücken an. Die Arbeitsweise wurde von ihm direkt umgestellt. Die Titel wurden nacheinander komplett aufgenommen, anstatt den Gesang am Ende aufzunehmen. Mit dem Instrumentaltitel Raise The Hammer hat Gitarrist Stefan Elmgren erstmals direkt an der Entwicklung einer Nummer mitgewirkt. Nach der Meinung von Joacim Cans war Always Will Be die erste richtige Ballade der Truppe. Die Erfolgstory ging jedenfalls weiter – in der Heimat erreichten sie erstmals Goldstatus und Platz 1. Über 40.000 verkaufte Auflagen brachten viele neue Anhänger.

Ich war 13 Jahre alt und vom Power/Heavy Metal gerade angefixt, da flog das lang ersehnte Werk Renegade in meine Hände und sollte mich sehr lange Zeit sehr intensiv begleiten. Jeder kennt es: Die Lieblingsband bringt was Neues heraus, die Erwartung ist hoch und wird man vielleicht enttäuscht? Bereits mit dem Opener Templars Of Steel nimmt das Schicksal seinen Lauf. Dramatisch, hochtrabend, fast episch, leiten die fünf Skandinavier das Langeisen ein. Der Kopf beginnt noch heute gleich im Takt zu wippen. Die Dynamik trifft direkt die Vocals von Joacim Cans. Laut aufgedreht erklingt:

Let your voice speak for the revolution
All join forces with all the powers that you feel
Let your heart beat for the revolution
Led by the Templars of Steel

Mit dem Blick aufs Artwork beginnt das Herz schneller zu schlagen. Hector reitet hammerschwingend auf einem schwarzen Ross aus der lichterloh brennenden Stadt. Neben dem Maingesang machen die Backvocals mächtig Boden gut. Die Jungs bilden eine Einheit, bringen ihre Musik authentisch rüber und können damit junge und alte Fans des Genres erreichen. Nicht weniger spannend geht es in der weiteren Reihenfolge weiter. Keep The Flame Burning lebt von hohen Einlagen, einem soliden Refrain, wo alle Anhänger gleich eingreifen wollen. Das Duo Stefan Elmgren und Oscar Dronjak harmoniert wie beim Vorgänger und kann noch mehr aus den einzelnen Kompositionen herausholen. Der Titeltrack kommt nicht zu kurz und wurde an passender Stelle ins Rennen geschickt. Living In Victory holt noch mal die Riffkeule heraus, lässt die Finger flink über die Saiten flitzen und kann noch heute eine jede Show der Schweden bereichern. Always Will Be, die erste richtige Ballade nach Angaben der Jungs, setzt einen beruhigenden Mittelpart, um dann mit The Way Of The Warrior einen Meilenstein herauszuhauen:

This is the way we want it to be
This is The Way Of The Warrior
This is the way we want it to be

Wie ein Krieger angestachelt, hält es keinen mehr in seinem Schreibtischstuhl, so ging es mir damals als 13 Jahre alter Jugendlicher jedenfalls. Mit dem Lebensgefühl von Freiheit, eigenem Willen und der Möglichkeit, Berge zu versetzen, hat dieser Song mein Leben bis heute geprägt.

Destined For Glory läutet langsam das Ende ein. Ganz so weit ist es jedoch noch nicht. Nachdem Hammerfall einen kleinen Gang zurückschalten, ist es Zeit für wahre Gewinner! The Champion greift noch mal alles auf, was die Göteborger Ende der Neunziger stark gemacht hat. Ein perfekt sitzender Refrain, ergreifende instrumentelle Passagen, den Zwang, im Takt seinen Körper zu malträtieren und einen Herrn Cans, der einen an der Hand genommen durchs gesamte dritte Album schleift. Auf die instrumentelle Reise nimmt uns Stefan Elmgren mit – das Ergebnis lautet Raise The Hammer und ist nicht bloß ein Filler. Last But Not Least A Legend Reborn, der den Status des Studioalbums auf den Punkt bringt.

Nach Renegade folgte Crimson Thunder, der das magische Quartett abschließen sollte. Die ersten vier Produktionen zählen zu den größten der Gruppe, mit denen sie weltweit für Aufsehen gesorgt haben. Nach ein paar kleinen schwächere Phasen, die Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken einläutete, schafften es die Power Metal Heros spätestens mit (r)Evolution und Built To Last, eine zweite Erfolgswelle loszutreten. Der Stellenwert in der Szene darf als groß bezeichnet werden. Der Wunsch, in eine Liga der ganz großen Legenden des Rocks aufzusteigen, wurde ihnen zwar verwehrt, den Heavy Metal haben sie und prägen sie nach wie vor trotzdem positiv – das liegt nicht zuletzt mit an den beiden Gesichtern von Oscar Dronjak und Joacim Cans.

In wenigen Tagen zieht es die aktuelle Besetzung mit dem zweiten Gitarristen Pontus Norgren, Schlagzeuger David Wallin und Fredrik Larsson auf der World Dominion Tour 2020 durch Europa. Mit im Gepäck: ganz klar die unsterblichen Klassiker von Renegade.

Alle Stationen findet ihr direkt hier:

31.01. D Hamburg – Sporthalle
01.02. D Osnabrück – Hyde Park
02.02. D Oberhausen – Turbinenhalle
03.02. NL Nijmegen – Doornroosje
05.02. B Antwerpen – Trix
06.02. D Saarbrücken – Garage
07.02. D München – TonHalle
08.02. D Kaufbeuren – All-Kart Halle
09.02. I Trezzo sull’Adda (MI) – Live Club
11.02. D Langen – Stadthalle
12.02. D Leipzig – Werk 2
13.02. CZ Prag – Forum Karlín
14.02. D Bamberg – brose Arena
15.02. D Ludwigsburg – MHPArena
16.02. CH Pratteln – Z7
18.02. PL Warschau – Progresja
19.02. PL Krakau – Klub Studio
20.02. H Budapest – Barba Negra
21.02. A Graz – Orpheum
22.02. A Wien – Gasometer
23.02. D Berlin – Huxleys Neue Welt

Lest hier auch die Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Destruction: 20 Jahre All Hell Breaks Loose

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