Iron Maiden: 20 Jahre Brave New World – „On Tour“ Today With Music From The Past

Ausgabe Mai 2020

Wir befinden uns seit 20 Jahren in einem neuen Jahrtausend. Das legendäre Jahr hat nicht nur kalendarisch eine große Einwirkung auf uns gehabt, sondern ist das Geburtsjahr so manches Metalklassikers. In den 12 Monaten dieses Jahres wollen wir euch daher jeden Monat ein Album in einer kleinen Kolumne zurück in eure Ohren bringen. Dabei wurde das Augenmerk nicht nur auf die Großen des Genres geworfen. Ein Kriterium unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe ist, dass die Formation in diesem Jahr auch live unterwegs ist. In dieser Ausgabe widmen wir uns den Engländern Iron Maiden. Das am 30.05.2000 veröffentlichte Album Brave New World vereinte die Briten wieder. Bruce Dickinson und Adrian Smith kehrten nach deren Soloprojekten zurück und Iron Maiden sorgten mit diesem Album für den von den Fans lang herbeigesehnten Neustart der NWOBHM Legende.

Zur Gründungsgeschichte von Iron Maiden ganz kurz vorab:
Weihnachten 1975, Iron Maiden wurden von Steve Harris gegründet, der die Gitarristen Dave Sullivan und Terry Rance, den Schlagzeuger Ron Matthews und den Sänger Paul Day rekrutierte. Hier weiter ins Detail fortzufahren würde die Kolumne komplett sprengen. Dennoch, Iron Maidens Siegeszug begann und sollte sich bis heute fortsetzen. Iron Maiden sind eine der wesentlichsten Begründer des New Wave Of British Heavy Metal und beinahe jedes Kind auf dieser Welt kennt diese Band, und wenn nicht die Band, dann sicher ihren legendären Schriftzug oder deren Maskottchen Eddie (Eddie The Head oder auch Edward The Head). Mir wird die große Ehre zuteil, als 1969 Geborener, Iron Maiden von Beginn an begleiten zu dürfen. Ich habe Iron Maiden bis über das Fear Of The Dark Album hinaus einige Male und beinahe auf jeder Tour und vielen Festivals live erleben dürfen, deren Alben aufgesogen und überwiegend abgefeiert und bin hierfür bis heute dankbar.

Ich gebe aber zu, dass die Alben The X Factor und Virtual XI unter Blaze Bayley meinen Nerv nicht mehr trafen und ich die Band, zumindest im Zeitraum 1993 bis 2000, aus meiner Wahrnehmung zunehmend verbannt hatte. Das lag unumwunden an der Nachbesetzung von Bruce, da bin ich ehrlich. Die Fußstapfen, die Bruce hinterließ, waren zu groß für Blaze Bayley. Ich erinnere mich allerdings noch gut, seinerzeit gingen auch die Gerüchte rum, dass Michael Kiske (bis 1993 Sänger von Helloween) im erweiterten Kreise der Nachfolger von Bruce gehandelt wurde. Das wäre mal was gewesen, aber es kam ja nicht dazu.

Noch ein Wort zu Blaze Bayley. Ein Sänger, der es für sich gesehen natürlich nie schaffte, Bruce zu verdrängen oder gar vergessen zu machen, dies wollte er sicher auch nicht. Dennoch, seine Gesangsqualitäten und Stärken wurden immer mit denen von Bruce verglichen. Letztlich kann man Birnen nicht mit Äpfeln vergleichen, selbst wenn beide gut schmecken. Am Ende hatten Iron Maiden als Band unter dieser Entwicklung aber auch irgendwie zu leiden. Die Alben und auch die Liveshows mit Blaze Bayley erlangten zu keiner Zeit die Aufmerksamkeit und Anerkennung, wie zu Zeiten mit Bruce Dickinson.

Blaze Bayley hingegen als Solokünstler weiß heute noch zu überzeugen und dies gönne ich ihm von Herzen.

Abgesehen davon bin ich sehr stolz, hierzu heute meinen bescheidenen Beitrag innerhalb dieser Kolumne leisten zu dürfen. Gänsehaut ist für mich in jedem Falle garantiert!

Iron Maiden schicken sich im Jahr 2020 an, ihre The Legacy Of The Beast Tour fortzusetzen, und kreuzen auch bei uns für einige Gigs auf. Zumindest hoffe ich das, denn die Corona-Krise, die uns alle, die Welt fest im Griff hat, könnte auch die Deutschland Termine verhindern. Die Shows in Australien und Neuseeland sind bereits abgesagt. Hoffen wir das Beste, vor allem für unser aller Gesundheit.

The Legacy Of The Beast Tour, so, wie sie vor dem 15.04.2020 und dem damit einhergehenden Verbot der Deutschen Bundesregierung für Großveranstaltungen geplant war.
Dies wären die Daten 2020 für Deutschland gewesen.

09.06.2020 I Bremen – Bürgerweide – (abgesagt)
10.06.2020 I Köln – Rhein-Energie-Stadion – (abgesagt)
23.06.2020 I Berlin – Waldbühne – (abgesagt)
18.07.2020 I Stuttgart – Mercedes-Benz Arena – (abgesagt)

Zum Album selbst. Brave New World (Schöne neue Welt) war das zwölfte Studioalbum der Briten. Es wurde am 30. Mai 2000 via EMI veröffentlicht. Ironie des Schicksals, wenn man den Titel des Albums in die aktuelle Zeit adaptiert.

Für Iron Maiden selbst war es ebenfalls eine sehr wichtige Zeit. Am 10. Februar 1999 kehrten Bruce Dickinson und Adrian Smith wieder zur eisernen Jungfrau, zur alten Liebe zurück. Brave New World wurde im Vorfeld der Ed-Hunter Tour in Portugal komponiert und im Herbst 1999 unter der Regie von Produzent Kevin Shirley in den Guillaume Tell Studios in Paris aufgenommen. Kevin Shirley fungierte in dieser Rolle das erste Mal für Iron Maiden, als Co-Produzent stand ihm seinerzeit Mastermind Steve Harris zur Seite.

Dickinson, der 1993 seinen Splitt vollzog, ersetzte seinen einstmaligen Nachfolger Blaze Bayley, Gitarrist Janick Gers blieb der Band treu. Seit dieser Zeit spielen Iron Maiden mit nunmehr drei Gitarristen. Wie schon fast zu erwarten war, wurde die anschließende Tournee zum kommerziellen Triumphzug. Unterdessen waren die Erwartungen an das Album natürlich immens hoch, denn die Rückkehr von Bruce und Adrian ließen die Fans vor Freude schier ausrasten. Die Zusammenführung des sehr erfolgreichen Line-Ups zu Zeiten von Fear Of The Dark wurde in unserer Szene zum Ereignis des Jahrzehnts und des neuen Millenniums. Iron Maiden waren wieder da, so wie wir uns das damals alle gewünscht hatten. Voller Energie, gewohnt zielstrebig und bereit zu zeigen, dass eine musikalische Welt ohne Iron Maiden in dieser Besetzung unvorstellbar ist.

Gesteht mir die Gelegenheit an dieser Stelle bitte zu, Brave New World einer neuerlichen Rezension zu unterziehen.

Artist: Iron Maiden

Herkunft: London, England

Album: Brave New World

Spiellänge: 67:01 Minuten

Genre: New Wave Of British Heavy Metal

Release: 30.05.2000

Label: EMI

Links: https://www.facebook.com/ironmaiden
https://ironmaiden.com/
https://www.instagram.com/ironmaiden/
https://twitter.com/IronMaiden
https://www.youtube.com/ironmaiden

Produktion: erstmals Kevin Shirley, Steve Harris war Co-Produzent, Mastering Engineer war George Marino, das Album wurde im Zeitraum von Oktober 1999 bis April 2000 in den Guillaume Tell Studios in Paris aufgenommen

Bandmitglieder:

Gesang – Bruce Dickinson
Gitarre – Adrian Smith
Gitarre – Dave Murray
Gitarre – Janick Gers
Schlagzeug – Nicko McBrain
Bassgitarre – Steve Harris

Tracklist:

  1. The Wicker Man
  2. Ghost Of The Navigator
  3. Brave New World
  4. Blood Brothers
  5. The Mercenary
  6. Dream Of Mirrors
  7. The Fallen Angel
  8. The Nomad
  9. Out Of The Silent Planet
  10. The Thin Line Between Love And Hate

Nun, The Wicker Man führte die Fangemeinde endlich wieder versöhnlich zusammen. Der Opener überraschte in musikalischer Hinsicht eigentlich wenig. Aber allein die Stimme von Bruce wieder zu hören, verlieh mir ein sehr bekanntes und wohliges Gefühl, wie sehr hatte ich dies doch vermisst. Der stählerne und unverkennbare Bass von Steve Harris gibt zu jeder Zeit den Iron Maiden typischen Stil wieder. Gesanglich brilliert Bruce, wie, wenn er nie weg gewesen wäre. Die Chöre zum Ende des Songs hin, bringen auch heute noch jedes Stimmband in gleich welcher Venue dieser Welt in wahre Begeisterungsstürme.

Ebenfalls typisch für die Arrangements von Iron Maiden sind die Gitarrenmelodien, die der Gesangsmelodie sehr oft folgen, oder folgte Bruce der Gitarrenmelodie? Das konnte ich bis heute nicht einwandfrei recherchieren. Nicht nur The Ghost Of Navigator ist ein gutes Beispiel hierfür, achtet mal darauf. Auch die zweite Nummer des Albums hat einen unvergleichlichen Hymnencharakter.

Der Titeltrack Brave New World erinnert in der Herangehensweise sehr an Fear Of The Dark. Solche Songs, die für die Ewigkeit gedacht waren, muss man schreiben können. Die Refrain-Melodie setzt sich in den Gehörgängen wie eine Zecke fest. Noch mehr Pathos, noch mehr Hymne, noch mehr Maiden. Was soll ich denn hierzu noch sagen oder schreiben? Einfach nur genial!

Iron Maiden hatten spätestens mit The X Factor in musikalischer Hinsicht ein wenig ihren bisherigen Stil verlassen. Die Klänge zu Beginn von Blood Brothers zeigen dies deutlich auf. Aber auch hier sind wieder Melodien und Harmonien im Spiel, die eigentlich nur aus der Feder dieser begnadeten Musiker entstammen können. Hinzu kommt eine dezent progressivere Grundidee, die mir seinerzeit schon sehr gut gefiel. Das neue Klangbild formte Iron Maiden meinem Empfinden nach hin zu einer vielseitigeren Band, sehr zum Positiven versteht sich. Auch die über sieben Minuten Spielzeit fallen nicht ins Gewicht, da die Geschichte dieses Songs erlebt werden will.

The Mercenary war zu Beginn etwas schwerer zu verdauen, da dieser Song nicht ganz so kompromisslos den Weg in die Gehörgänge fand. Zudem wurde die sicher gefällige Refrain-Melodie meines Erachtens ein bisschen zu oft vorgetragen. Jammern auf hohem Niveau. Anmerkung an dieser Stelle: The Mercenary, Dream Of Mirrors, The Nomad und in Teilen auch Blood Brothers wurden bereits 1998 fertig komponiert und waren demnach noch auf Blaze Bayley zugeschnitten.

Ebenfalls etwas getragener, mit mehr Emotionalität ausgestattet, ist Dreams Of Mirrors bis heute ein Song, der auch 20 Jahre danach noch sofort zugeordnet werden kann. Die synchronen Gitarren erinnern zudem an die Gründertage der Band. Der rohe Gesamteindruck weiß zu gefallen. Hier reiht sich The Fallen Angel nahtlos ein, man könnte beinahe meinen, das Killers Album wurde wiederbelebt. Das Songwriting ist komplexer und dadurch erfrischend interessant.

Bereits erwähnt, The Nomad wurde ohne Mitwirken von Bruce komponiert und hat zweifelsohne seine eigene Note. Die etwas verspielte und zerfahrene Struktur jedoch sagt mir nicht gänzlich zu. Der rote Faden fehlt meiner Meinung nach. Der Refrain reißt den Karren sozusagen aus dem Dreck.

Out Of The Silent Planet führt mich zurück in die Zeiten von Seventh Son Of A Seventh Son. Ein moderner und kommerziellerer Track, der meiner Meinung nach auch diese Ausrichtung hätte erfahren sollen. Songs wie Wasted Years zum Beispiel gingen in dieselbe Richtung, wenngleich Out Of The Silent Planet schon allein wegen seiner erhöhten Spielzeit diesen Sprung nie schaffte. Zudem war und ist er auf den Setlisten der Liveshows kaum bis nie aufgetaucht.

Track zehn und letztes Stück des Albums hatte in vielerlei Hinsicht für Verwunderung gesorgt. The Thin Line Between Love And Hate riss den geneigten Maiden Hörer erstmals aus seiner Komfortzone heraus. Die Strophen waren so gar nicht gewohnt. Bruce ging vollkommen anders als bisher angewandt an die Modulation heran. Mit über acht Minuten Spielzeit hatten Maiden bekanntlich nie Schwierigkeiten. Man erinnere sich an Songs wie Rime Of The Ancient Mariner (Album: Powerslave), Alexander The Great (Album: Somewhere In Time), Seventh Son Of A Seventh Son (Album: Seventh Son Of A Seventh Son) oder zuletzt Empire Of The Clouds (Album: The Book Of Souls)

Brave New World erreichte seinerzeit in Deutschland Platz 3 der Charts und konnte sich drei Wochen lang in den Top 10 halten. Als Singleauskopplungen wurden The Wicker Man und Out Of The Silent Planet veröffentlicht.

Fazit:
Brave New World markierte für die vielen Millionen Fans von Iron Maiden rund um den Globus den lang ersehnten Neustart, quasi die Reunion. Und sie werden bis heute nicht enttäuscht. Müsste ich Brave New World heute mit einer Note bewerten, so würde ich zwar nicht die Höchstnote, aber eine verdiente 9,5 vergeben. Danke Iron Maiden, diese geilen Zeiten mit euch gemeinsam erlebt haben zu dürfen.

Lest hier auch die vorigen Ausgaben:

Januar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe:
Hammerfall20 Jahre Renegade

Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe:
Destruction20 Jahre All Hell Breaks Loose

März-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe:
Papa Roach20 Jahre Infest

April-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe:
The Offspring – 20 Jahre Conspiracy Of One

Weitere Beiträge
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