Pretty Maids: 20 Jahre Carpe Diem – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past

Dänen, die zur NWoBHM gehören und mit den ganz Großen die Bühne teilten

Wir befinden uns seit 20 Jahren in einem neuen Jahrtausend. Das legendäre Jahr hat nicht nur kalendarisch eine große Einwirkung auf uns gehabt, sondern ist das Geburtsjahr so manches Metalklassikers. In den 12 Monaten dieses Jahres wollen wir euch daher jeden Monat Alben in einer kleinen Kolumne zurück in eure Ohren bringen. Dabei wurde das Augenmerk nicht nur auf die Großen des Genres geworfen. Ein Kriterium unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe ist, dass die Formation in diesem Jahr auch live unterwegs ist. Nun gibt es aber leider Corona. Von den ganzen geplanten Festivals und Touren ist nichts mehr von da. Aber: Die Band bzw. die Musiker, welche für die damaligen Bands aktiv waren, könnten ja bald wieder auf Tour gehen. So gibt es eine kleine Änderung in unserer Kolumne. Statt „On Tour“ heißt es nun eben „Could Be On Tour“. Im folgenden Teil geht es um eine Band der NWoBHM, welche jedoch keine Briten sind. Pretty Maids aus Horsens, Dänemark veröffentlichten ihr neuntes Studiowerk Carpe Diem im Dezember 2000.

Pretty Maids war die Idee der beiden Freunde Kenneth Hansen (alias Ken Hammer) und Paul Christensen (alias Ronnie Atkins) im Jahr 1981. Man startete zunächst als Coverband, entschloss sich jedoch auch zum Schreiben eigener Tracks. 1982 wurde ein Demotape kreiert, welches beim englischen Underground-Label Bullet Records Anklang fand und so wurde die erste Scheibe aufgenommen. Bullet Records veröffentlichte 1983 eine Mini-LP mit dem Titel Pretty Maids und man brach zur ersten Tour durch England auf. Black Sabbath mit dem damaligen Sänger Ian Gillan suchten noch ein Opener für die anstehende Skandinavientour und so konnten sich Pretty Maids einem größeren Publikum präsentieren. 1984 wechselte man zu CBS Records, ein Label, was in den 80ern als Major Label galt. Red, Hot And Heavy kam 1984 in die Regale der Plattenläden und verschaffte den Dänen weitere internationale Aufmerksamkeit. 1986 arbeitete man mit Produzenten in den USA und Future World erblickte das Licht der Welt im April 1987. Nur in Deutschland ging das Werk mehr als 100.000 Exemplare über den Ladentisch. Es folgte eine Welttournee u.a. im Vorprogramm von Deep Purple. Dazu Gigs auf den Monsters Of Rock Festivals und der endgültige internationale Durchbruch war den Dänen gelungen. Jump The Gun hieß der nächste Streich im April 1990 inkl. einer weiteren Welttournee. Zum Release von Sin-Decade im April 1992 gab es reichlich Bewegung im Line-Up. Drums, Bass und Keyboard wurden neu besetzt. Im Sommer desselben Jahres wurde das Balladenalbum Stripped aufgenommen und veröffentlicht, wo neben acht eigenen Nummern auch zwei Cover (Please Don’t Leave Me, Phil Lynott & John Sykes, 39 von Queen) zu hören sind. Mit Scream 1994 inkl. dem Livealbum Screamin’ Live, welches ein Konzert aus Kopenhagen festhalten konnte, ging es über Spooked (1997) zu Anything Worth Doing Is Worth Overdoing (1999). Ende des Jahres 2000 hatte man Cape Diem fertiggestellt.

Die Tracklist:

  1. Violent Tribe
  2. Carpe Diem
  3. Tortured Spirit
  4. Wouldn’t Miss You
  5. Clay
  6. Poisoned Pleasures
  7. Until It Dies
  8. The Unwritten Pages
  9. For Once In Your Life
  10. They’re All Alike
  11. Time Awaits For No One
  12. Invisible Chains

Der Opener Violent Tribe, der Titeltrack, Poisoned Pleasures und They’re All Alike liefern auch im Jahr 2000 genau das, was man von den klassischen NWoBHM Bands kennt. Treibende Arbeit an den Saiten und intensive Melodien mit dem unnachahmlichen Gesang von Ronnie Atkins machen auch 20 Jahre später beim Zuhören Spaß. Der Spirit der 80er- und frühen 90er-Jahre ist greifbar. Tortured Spirit ist der neuere Sound von Pretty Maids, Keyboard und elektronische Elemente, sehr rund und zugänglich kommen die Dänen rüber. Wouldn’t Miss You, Clay, For Once In Your Life und Time Awaits For No One bewegen sich zum Stadionrock, The Unwritten Pages liefert melodischen Hardrock. Balladeske Passagen gibt es bei Until It Dies, aber auch intensive Gitarrenarbeit und so kommt die Nummer durch die mehrfachen Richtungswechsel sehr abwechslungsreich aus den Boxen. Mit Invisible Chains zum guten Schluss gibt es nochmals melodische Klänge zwischen AOR und Hardrock. 20 Jahre nach seinem Erscheinen ist Carpe Diem in der Retrospektive sicher kein Klassiker von Pretty Maids. Vielmehr zeigt es die beständige Arbeit der Herren, die traditionellen Wurzeln zu behalten, aber sich auch an neuen Ufern und Richtungen zu orientieren. Die Truppe um Ken und Ronnie war ja bereits 19 Jahre im Geschäft. Der Titel der Scheibe hat 20 Jahre später bezüglich Pretty Maids und der Erkrankung von Ronnie Atkins eine ganz andere Bedeutung gewonnen.

Wie ging es im neuen Jahrtausend mit den Dänen weiter? Planet Panic aus dem Jahre 2002 beschäftigt sich unter anderem auch mit dem aktuellen Zeitgeschehen. So ist das Thema von Virtual Brutality die Attentate rund um 9/11 in den USA. Die Managementfirma ging bankrott und die Band gönnte sich eine längere Auszeit. Ken Hammer erkrankte schwer im Jahre 2003, erholte sich glücklicherweise und 2006 erschien Wake Up To The Real World. Die Band veränderte sich erneut, an den Drums tauschten Michael Fast und Alan Tschicaya die Plätze, die Keyboards übernahm Morten Sandager. 2010 gab es neben einem neuen Werk Namens Pandemonium auch ein neues Gesicht am Bass, Kenn Jackson (Kenn Lund Jacobsen) ging und Hal Patino kam. Pandemonium erhielt übrigens hervorragende Kritiken von der internationalen Fachpresse und wurde in einem Atemzug mit den frühen Werken Ende der 80er/Beginn der 90er genannt. Hal Patinos Aktivitäten waren kurz, bereits 2011 übernahm Rene Shades den Bass. Im März 2013 wurde das 13. Studioalbum Motherland, 2016 Kingmaker, auf den Markt geworfen. Im November 2019 erschien das letzte Langeisen Undress Your Madness. Einen Monat vorher gab Sänger Ronnie Atkins bekannt, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei und sich in Behandlung befinde. Positive News gab es im Februar 2020, Ronnie teilte mit, dass er krebsfrei sei. Im Oktober 2020 jedoch die traurige Nachricht, dass bei Atkins der Krebs zurückgekehrt ist und sich im 4. Stadium befindet, was als unheilbar gilt. Die Diagnose erhielt Ronnie bereits Ostern. Er schreibt weiter, dass er dennoch an neuer Musik arbeitet und er natürlich gute und schlechte Tage hat. Er kann es nun nicht ändern und wird so lange das tun, was er sein ganzes Leben getan hat, und wird versuchen, das Beste aus seinem Leben herauszuholen.

Lieber Ronnie, für das, was Du machst und für das, wie Du die Sache annimmst, wünschen wir Dir alle ganz viel Kraft und noch mehr Glück – Wunder gibt es immer wieder, das wusste auch schon der deutsche Schlager – Carpe Diem, Ronnie!

Für Menschen, die evtl. Pretty Maids noch mal live sehen und hören möchten, wäre Maid In Japan – Future World Live 30 Anniversary (Review hier) eine Empfehlung. Das ist eine Aufnahme aus dem Jahr 2018, wo man den 30. Geburtstag von Future World feiert und das gesamte Werk plus eine kleine Best-of Auswahl performt.

Die weiteren Ausgaben der kleinen Serie:

Lest hier auch die Januar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Hammerfall: 20 Jahre Renegade

Hier kommt ihr zur Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Destruction: 20 Jahre All Hell Breaks Loose

Klick hier für die März-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Papa Roach: 20 Jahre Infest

In der April-Ausgabe gab es in der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: The Offspring: 20 Jahre Conspiracy Of One

Schaut euch auch die Mai-Ausgabe der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe an: Iron Maiden: 20 Jahre Brave New World

In der zweiten Mai-Ausgabe wurden Stratovarius mit „Could Be On Tour Today With Music From The Past” und Infinite vorgestellt

Für die Juni-Ausgabe, hatten wir uns Virgin Steele mit „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past und The House Of Atreus Act II  vorgenommen.

Hier kommt ihr zur ersten Juli-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Limp Bizkit: 20 Jahre Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water

Die zweite Juli-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past beschäftigt sich mit Linkin Park und Hybrid Theory

In der August-Ausgabe gab es eine Doppelpack in einer Story von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past, es geht um zwei Bands aus Göteborg, Haven von Dark Tranquillity und Clayman von In Flames

In der Oktober-Ausgabe von „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past geht es um die Mitbegründer des Progressive Metal, Fates Warning und ihr Werk Disconnected

Hier kommt ihr zur zweiten November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Rhapsody: 20 Jahre Dawn Of Victory

Im dritten Teil unserer November-Ausgabe unserer „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past Reihe wird das Album Verlierer Sehen Anders Aus der Düsseldorfer Punkrocker Broilers beleuchtet.

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