Limp Bizkit: 20 Jahre Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past

Kiss My Starfish – My Chocolate Starfish

Wir befinden uns seit 20 Jahren in einem neuen Jahrtausend. Das legendäre Jahr hat nicht nur kalendarisch eine große Einwirkung auf uns gehabt, sondern ist das Geburtsjahr so manches Metalklassikers. In den 12 Monaten dieses Jahres wollen wir euch daher jeden Monat Alben in einer kleinen Kolumne zurück in eure Ohren bringen. Dabei wurde das Augenmerk nicht nur auf die Großen des Genres geworfen. Ein Kriterium unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe ist, dass die Formation in diesem Jahr auch live unterwegs ist. Nun gibt es aber leider Corona. Von den ganzen geplanten Festivals und Touren ist nichts mehr von da. Aber: Die Band bzw. die Musiker, welche für die damaligen Bands aktiv waren, könnten ja bald wieder auf Tour gehen. So gibt es eine kleine Änderung in unserer Kolumne. Statt „On Tour“ heißt es nun eben „Could Be On Tour“. Im folgenden Teil geht es um Nu Metal und Crossover aus Jacksonville, Florida (USA). Limp Bizkit veröffentlichten im Oktober 2000:

Limp Bizkit – Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water

„This it not a test, this is reality – worldwide. Who’s in the house? Limp Bizkit is in the house!“

Genau so beginnt für mich das wohl wichtigste Album der 1994 gegründeten Nu Metal, Rap Metal und Crossover Band um Frontman Fred Durst. Doch bevor ich auf das nun wirklich schon zwanzig Jahre alte Album Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water eingehe, gibt es natürlich ein wenig Hintergrundinformationen, damit ihr beim nächsten Metaltalk nicht unwissend daneben stehen müsst.

In Jacksonville, Florida (USA) fing alles an, denn der gerade mal 24 Jahre alte Fred Durst gründete gemeinsam mit dem Bassisten Sam Rivers und dem Schlagzeuger (und Cousin des Bassisten) John Otto eine Band, die ein ganzes Genre/Subgenre mit ebnen sollte – den Nu Metal/Rap Metal. So folgte man Vorreiterbands wie Rage Against The Machine, Clawfinger und Bodycount, die bereits ab 1992 mit dem Genremix aus Rap, Metal und Funk kommerziell erfolgreich waren.

Das mit dem Namen ist ja immer so eine Sache. Bei Limp Bizkit war es wohl angeblich ein Freund von Fred Durst, der sagte, dass sich sein Hirn wie ein „wabbeliger Keks“ („limp biscuit“) anfühlen würde. So änderte sich „biscuit“ zu „biscut“ um dann mit dem Einstieg von Wes Borland zu Bizkit zu werden. Es fehlten jedoch die Kontakte in die Szene, um wirklich groß zu werden. Doch wie es der Zufall wollte, tätowierte Fred Durst den Bassisten der Band Korn und freundete sich trotz angeblichem „Fehlstich“ (Horn statt Korn-Tattoo) mit Fieldy an, was dafür sorgte, dass das Limp Bizkit Netzwerk einen Fuß in der Türe hatte.

Durch eine Demoshow in Jacksonville dann final angefixt vom Sound der damals noch jungen Band, organisierten Korn Touren mit House Of Pain und den Deftones. Wer konnte schon ahnen, dass man hier ein neues Bandmitglied finden würde. Denn nachdem man sich auf den Touren mit DJ Lethal anfreundete, wurde er ein fester Teil der Kekse. Nach nur zwei Touren standen angeblich die Türen offen für einen Plattenvertrag und eigentlich hätten die Amerikaner überall unterschreiben können, so sagt man zumindest. Doch Fred Durst entschied sich für das Indielabel Flip Records.

Als sich dann 1997 ihr Debütalbum Three Dollar Bill, Yall$ satte sechs Millionen Mal, und der zweite Auswurf (1999) mit Significant Other satte 843.000 Mal alleine in der ersten Woche verkaufte, war klar, dass der internationale Markt auf Limp Bizkit wartet. Wahrscheinlich überzeugt vom Stil und der Erfolgschance der Band, gesellten sich Jonathan Davis, Method Man (Wu-Tang-Clan) und Sänger der Stone-Temple-Pilots Scott Weiland zu Durst und Co., um mit am zweiten Release zu schrauben. Ihr ahnt es, es sollte nicht mehr lange dauern, bis das hier besprochene Album erscheinen sollte. Doch vorher war man noch auf dem Woodstock III Festival gebucht, wo man gerade wegen negativer Schlagzeilen weiter für Bekanntheit sorgte. So soll es Ausschreitungen auf dem Festival gegeben haben, die als Zeichen für Frauenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft moderner Rockmusik gewertet wurde. Allen voran wurde der Nu Metal hierfür verantwortlich gemacht. Das Musikmagazin Spin machte Korn, Eminem und Limp Bizkit für die Gewalttaten verantwortlich – In der Januarausgabe 2020 hieß es:

Woodstock wurde deshalb zum entscheidenden Ereignis des Jahres, weil darin der überwältigende Wunsch zum Ausdruck kam, die Rockmusik der zornigen weißen Rapper als Stimme der aufsässigen Jugend zu etablieren. Das geschah tragischerweise auf Kosten aller, vor allem auf Kosten der Frauen, die dabei zufällig im Weg standen.“ Charles Aaron im Januar 2000, zitiert nach Harte Brocken

Somit war jetzt also das Bett gemacht, um Limpdepedence für den 04.07.2000 anzukündigen. Mit Verschiebung auf den 16.10.2000 musste auch ein neuer Titel daher, der mit Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water gefunden wurde. Auch hier blieb man bei Flip Records, die wahrscheinlich mit dem Release den größten Erfolg bis zum damaligen Zeitpunkt erleben durften. So verkaufte sich die Scheibe bereits in der ersten Woche mehr als sagenhafte 1.054.511 Mal.

Der skurrile Name des Albums basiert auf zwei Teilen. Teil eins, der Chocolate Starfish ist eine in englischer Sprache vulgäre Ausdrucksweise für den menschlichen Anus. Hingegen ist der zweite Teil durch Wes Borland entstanden, der auf einer Tour angeblich in ein Glas eingelegte Eier entdeckt habe. Den Gedanken weitergesponnen, könnte man auch Hotdogs so konservieren und das Wasser daraus in Flaschen abfüllen – so war das Hotdog Flavored Water (nach Hotdog schmeckende Wasser) geboren – was für eine Geschäftsidee. Der Titel soll dann auch auf der Platte mehrfach rezitiert werden. Sowohl im Lied Livin‘ It Up, als auch bei Hot Dog soll der Chocolate Starfish Erwähnung finden.

Der Erfolg der Platte schlug sich weltweit in den Charts nieder – so erreichte das Album alleine in Deutschland, Österreich, Großbritannien und den USA Platz eins der Charts, hingegen musste man sich mit Platz vier in der Schweiz begnügen. Doch das hat dem Starfish keinen Abriss erlaubt, denn mit mehr als fünfzig Wochen in den Charts (in jedem Land) erreichte man weltweit sagenhafte 9.573.000 verkaufte Platten und damit elf (11) Mal den Gold-Status und dreiunddreißig (33) Platinauszeichnungen.

Zu den fast zehn Millionen verkauften Alben reihten sich fünf Singles ein, die samt Musikvideos weltweit in den Musiksendern liefen. Alleine die erste Single Take A Look Around wurde mit sechsmal Gold ausgezeichnet. Inhaltlich bearbeitet Fred Durst mit dem Song das hasserfüllte Auftreten von Kritikern der Band. Der Sänger fragt sich, woher der ganze Hass komme, der ihm seit dem Erfolg entgegenschlage – mit dem Schluss, dass die Kritiker die Kunst hinter der Band nicht verstehen und die Welt solange vergiften, bis sie ganz hasserfüllt sei. Der Text stammt von Fred Durst selbst, wobei die Komposition von Lalo Schifrin geschrieben wurde, der für die TV-Serie Kobra, Übernehmen Sie (Originaltitel: Mission Impossible) den musikalischen Background erstellen durfte. Weiter ging es mit My Generation und Rollin‘ (Air Raid Vehicle) wobei zweites einfach nur ein Tanztrack sein sollte. Hier wird das Publikum direkt angesprochen und bringt mit den Parallelen zu einem fahrenden Auto genug Flair mit, dass die Fans erneut einmal Gold und einmal Platin an die aus Florida stammende Band aushändigten. Nicht so erfolgreich, jedoch für mich ein wichtiger Track vom Album, war dann die vierte Single My Way. Hiermit stößt sich Durst von einem nicht klar definierten Gegenüber ab und zeigt, dass er es auf seine Art macht. Genau hier erreichten Limp Bizkit die damaligen Kids und bewiesen, dass man ein Gefühl für den Zahn der Zeit hat. Boiler versuchte mit einem Schockvideo mehr als ein Jahr nach Release des Albums zu überzeugen, und blieb hinter den Erwartungen zurück.

Dass man in der Szene angekommen war, wird klar, wenn man sich die Liste der Gastmusiker anschaut, die auf Chocolate Starfish And The Hotdog Flavored Water vertreten sind. So bringt Rapper Xzibit bei Getcha Groove On einen Hip Hop Auftritt auf die Platte, während Fred den melodischeren Part singt. Scott Weiland (Stone Temple Pilots) supportet bei Hold On und gibt dem Song den Tiefgang, der in keinem anderen Track so vertreten ist. Wer bei einem Remix DMX, Method Man und Redman vereint, der muss einen Namen haben. Zusätzlich witzeln im Outro Schauspieler und Commedian Ben Stiller, Schauspieler Mark Wahlberg, Skateboardfahrer und TV Moderator Roy Dyrdek und Stephan Jenkins um die Wette. Während Ben Stillers Lachen nach dem 4 Minuten und 50 Sekunden langen Outro zu hören ist, schließt ein „Hidden Track“ ab Minute 7:40 bündig an.

Trotz des Erfolgs gab es nach Release eigentlich nur Schwarz und Weiß. Wo die Presse einerseits die Band feierte, verrissen einige namhafte Magazine das Album mit der Begründung, dass die Songtexte und die Stimmdynamik von Sänger Fred Durst absolut nicht gut wären. Hierbei gehen einige soweit und vergleichen die Reime in den Texten mit „Vorschulniveau“. Gut, auch wenn ich lyrisch schon was Besseres gehört/gelesen habe, war mir das damals total egal. Mit meinem Schulenglisch war das Rebellische, was Limp Bizkit für mich repräsentierten, genau das, was ich als Bestätigung gebraucht hatte.

Abschließend muss ich sagen, dass es heute kein zweites Album mehr geschafft hat, mich alleine von der Produktionsqualität so zu überzeugen. Es sitzt wirklich 101 % jeder Ton und auch der Bass ist so derbe gut gemischt worden, dass ich finde, dass die Westlake Studios (Los Angeles) und Producer Terry Date eine eigene „Goldene Schallplatte“ für ihre grandiose Arbeit verdient haben. Weder Slipknot, Deftones, Funeral For A Friend, Soulfly, Bring Me The Horizon, Miss May I, Unearth oder das Slayer Album Repentless (2015) – allesamt von Terry Date produziert – haben diesen einmaligen Klang, wie es Limp Bizkits Chocolate Starfish And A Hotdog Flavored Water hat. Auf meiner Sicht noch immer ein Meisterwerk aller Gewerke!

Die weiteren Ausgaben der kleinen Serie:

Lest hier auch die Januar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Hammerfall: 20 Jahre Renegade

Hier kommt ihr zur Februar-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Destruction: 20 Jahre All Hell Breaks Loose

Klick hier für die März-Ausgabe unserer „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: Papa Roach: 20 Jahre Infest

In der April-Ausgabe gab es in der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe: The Offspring: 20 Jahre Conspiracy Of One

Schaut euch auch die Mai-Ausgabe der „On Tour“ Today With Music From The Past Reihe an: Iron Maiden: 20 Jahre Brave New World

In der zweiten Mai-Ausgabe wurden Stratovarius mit „Could Be On Tour Today With Music From The Past” und Infinite vorgestellt

Für die Juni-Ausgabe, hatten wir uns Virgin Steele mit „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past und The House Of Atreus Act II  vorgenommen

Weitere Beiträge
In Flames: 20 Jahre Clayman & Dark Tranqillity: 20 Jahre Haven – „Could Be On Tour“ Today With Music From The Past