Honeymoon Disease – Part Human, Mostly Beast

“Biker-Ladies und Posaunen“

Artist: Honeymoon Disease

Herkunft: Göteborg, Schweden

Album: Part Human, Mostly Beast

Spiellänge: 45:10 Minuten

Genre: Hard Rock, Rock ’n’ Roll, Blues Rock

Release: 27.10.2017

Label: The Sign Records/Napalm Records

Link: www.honeymoondisease.com

Produktion: Studio Ganymeden in Linköping, Schweden von Ola Ersfjord

Bandmitglieder:

Vocals & Gitarre – Jenna
Gitarre – Acid
Bass – Cedric
Drums – Jimi

Tracklist:

  1. Doin’ It Again
  2. Only Thing Alive
  3. Tail Twister
  4. Rymdvals
  5. Needle In Your Eye
  6. Fly Bird, Fly High
  7. Calling You
  8. Four Stroke Woman
  9. Night By Night
  10. It’s Alright
  11. Coal Burnin’
  12. Electric Eel


Das zweite Full-Length der schwedischen Blues-/Heavy-Rocker Honeymoon Disease hört auf der den Namen Part Human, Mostly Beast. Wie schon auf der Vorgängerplatte The Transcendence (2014) spielt das Quartett um Frontfrau Jenna klassischen Rock ’n’ Roll mit deutlichen Einschlägen aus Blues- und Hard Rock. Die Attitüde der Band und die Inhalte der Songs sind von zwei wesentlichen Dingen geprägt: Motoren und 70er – mit einer kleinen Portion Romantik.

Opener des Albums ist Doin’ It Again – welch passender Name für den ersten Tracks eines zweiten Albums. Ohne Umwege legt die Band los und zeigt neben den groovigen Riffs die zweite große Stärke der Band: die Harmonien in den Vocals der beiden Gitarristinnen sind nicht nur erfrischend komplex, sondern auch auf den Punkt getroffen. Das wiederholt sich auf vielen Songs des Albums und war schon auf dem letzten Release ein großer Pluspunkt der Band. Das setzt eine gute musikalische Ausbildung voraus, die ebenfalls zu späteren Zeitpunkten noch deutlich wird. Mit Only Thing Alive folgt so etwas wie der Titel-Track der Platte, wird hier doch der Albumtitel Part Human, Mostly Beast rezitiert. Musikalisch schlägt der Song in eine ähnliche Kerbe wie der Opening-Track: Mid-Tempo Rock in stabilem musikalischen Gewand, der von einer starken Gesangs-Performance getragen wird.

Mit Tail Twister folgt der erste kontroversere Song des Albums. Eine deutlich positivere Stimmung, ein sehr 70er Blues/Rock ’n’ Roll-lastiges Flair und vor Allem die Big Band-Instrumentalisierung lassen den Hörer stutzig werden. Die Band entfernt sich ein Stück zu weit von ihren Hard Rock-Wurzeln. Ohne die Streicher/Posaunen hätte der Song durchaus Potential, mit klingt er überproduziert und fehl am Platz. Im Anschluss nimmt die Band mit den Songs Rymdvals und Needle In Your Eye das Tempo etwas raus. Letzterer handelt vom Rebellen-Dasein und ist dank seines erfrischenden Songwritings, dem eingängigen Refrain und den charmanten Vocals einer der stärksten Songs des Albums. Fly Bird, Fly High leidet unter den gleichen Symptomen wie Tail Twister, bringt aber immerhin die Ride-Free-Thematik zurück. Danach besinnt sich die Band mit Calling You wieder auf die rockigen Songs ihres Repertoires, um dann Four Stroke Women – der zweiten Single-Auskopplung des Albums – endlich den Song abzuliefern, den man sich als Hard Rock-Fan von einer Band wie Honeymoon Disease wünscht. Das Tempo ist leicht angezogen und der Gesangs-Dialog in der Strophe bereitet einem beim Hören pure Freude.

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Night By Night und It’s Alright nehmen demgegenüber etwas Tempo raus, sind aber solide Songs, die vor Allem das starke Songwriting der Schweden untermalen. Höhepunkt und Abschluss des Albums sind Coal Burnin’ und die erste Single Electric Eel. Ersterer fährt noch leicht gedrosselt, hat aber einen genialen Refrain, der Mal wieder vom Zusammenspiel der beiden Sängerinnen lebt. Electric Eel geht zum Abschluss nochmal auf’s Ganze: ein grandioser Song, der allerdings schon weit vor Release des Albums veröffentlicht wurde und vielleicht auch ein Indiz dafür ist, dass die Band sich etwas vom simplen Rock ’n’ Roll des ersten Albums entfernen will.

Part Human, Mostly Beast ist ein gelungenes Album, das leider die hohen Erwartungen des Vorgängers nicht erfüllen kann. Die Songs sind, aus der härteren Musik-Szene betrachtet, zu weichgespült und die Experimente bei der Instrumentalisierung funktionieren nicht. Dennoch hat die Platte ihre Höhepunkte und die Vocals sind über die komplette Länge der Platte eine Ohrenweide. Es bleibt spannenden wie sich Honeymoon Disease in ihrer noch jungen Karriere (Gründung 2014) entwickeln, die Rohheit von The Transcendence würde auf der nächsten Platte sicher nicht schaden.

Anspieltipps: Only Thing Alive, Needle In Your Eye, Coal Burnin’, Electric Eel
Carsten B.
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