Hostage – Memento Mori

Ein fettes Brett zum Einstand

Artist: Hostage

Herkunft: Aachen, Deutschland

Album: Memento Mori

Genre: Metalcore, Modern Metalcore

Spiellänge: 56:00 Minuten

Release: 28.10.2022

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.facebook.com/hostagebandofficial

Bandmitglieder:

Gesang – Noah Müller
Gitarre, Gesang – David Fuß
Gitarre – Nico Ruddies
Schlagzeug – Marvin Ruddies

Tracklist:

1. The Swarm
2. Cancer
3. Vanitas
4. Ark
5. Don’t Let Me Down
6. Fantasy
7. Relapse
8. Curtain Fall
9. Rebellion (feat. Henning Wehland & Dace Gappa von H-Blockx)
10. Break The Cycle
11. Execution
12. Hollow Earth
13. M.U.T.O. (feat. Marius Wedler von Alleviate)
14. Game Over (feat. Christoph Wieczorek von Annisokay)
15. Afterall

Die Modern-Metalcore-Combo Hostage aus Aachen landete vor zwei Jahren mit ihrem Chainsmokers-Cover Don’t Let Me Down (2020) den ersten Hit, nachdem Noah Müller (Gesang), David Fuß (Gitarre, Gesang), Nico (Gitarre) und Marvin Ruddies (Schlagzeug) bereits einige Jahre gemeinsame Bühnenerfahrung vorzuweisen hatten. Es wäre der perfekte Zeitpunkt zum Durchstarten gewesen … Tja, wenn da nur nicht diese weltweite Pandemie ausgebrochen wäre, die die komplette Musikszene bis 2022 fast völlig außer Gefecht gesetzt hat. Wie alle Musiker haben Hostage diese Zeit für sich genutzt, um an weiteren Songs zu feilen und fleißig immer mal wieder einen Track auf den bekannten Streaming-Plattformen zu veröffentlichen. Als in diesem Jahr wieder Leben in die Szene kam und die vier Aachener den Impericon Contest (Kategorie Band) gewannen, war der Weg zum Durchbruch endlich frei. Auf dem Vainstream Rockfest 2022 (Weekend TWO) spielten Hostage neben Bands wie Broilers, Bullet For My Valentine etc. und konnten dies als weiteren Erfolg für sich verbuchen. Am 28. Oktober erschien jetzt das lang erwartete Debütalbum Memento Mori, was die Band gebührlich mit einem Livestream-Event auf ihrem YouTube-Kanal feierte. Das Recording, Mixing and Mastering für das rund 15 Songs umfassende Erstlingswerk wurde von Timo Bonner (Blaster Recordings) übernommen.

Stilistisch machen Hostage ihr eigenes Ding. Die vier jungen Aachener hören weder auf das, was andere sagen, noch kümmern sie sich darum, was gerade Trend ist. Sie spielen Modern Metalcore mit Einflüssen von Industrial Pop und Post Hardcore, ohne sich dabei in ein festes Schema pressen zu lassen, frei nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht!“. Ihre Lyrics drehen sich um Themen wie Widerstand, Kampf sowie innere Konflikte und Chaos. Für drei Songs konnten Hostage Musikerkollegen unterschiedlicher Genres aus der Metal-Szene ins Boot holen. Auf Game Over ist Christoph Wieczorek (Annisokay) mit an Bord und auf M.U.T.O. Marius Wedler (Alleviate). Für die Neuauflage von Rebellion konnten sie Dave Gappa und Henning Wehland (H-Blockx) gewinnen. Auf diese Zusammenarbeit ist die Band besonders stolz.

Der Opener The Swarm legt nach einem wuchtigen Intro gleich volles Brett los. Es geht von Beginn an nach vorne. Wütendes Gebrüll wechselt sich mit gefühlvollen Cleanparts ab, hierzu hagelt es reichlich Blastbeats. Nachfolger Cancer presst danach noch mehr Druck durch die Boxen. Noah Müller brüllt sich nahezu die Lunge aus dem Leib. Auf den letzten Metern drischt Marvin Ruddies derart rasant in die Felle, dass man meinen könnte, jeden Moment aus der Kurve zu fliegen. Vanitas lädt anschließend zum Hirn abschalten und einfach Headbangen ein. Ark startet als dritter Track im Bunde mit Donnergrollen und einem Gewitterregenschauer, untermalt von einem Akustikgitarren-Intro, bevor der flehende Gesang einsetzt. Stimmungsvolle Leadpassagen und krachende Breakdowns runden diesen Song zum Ende hin ab. Jetzt lassen Hostage ihr Chainsmokers-Cover Don’t Let Me Down von der Leine. Diese Nummer lädt schon im Original zum Mitwippen ein. In dieser Metalversion heißt es stattdessen einfach Haare fliegen lassen und entspannt Bangen. So wird ein locker leichter Radiosong selbst für Metalheads hörbar. Fantasy ledert direkt danach in deftiger Parkway Drive-Manier los. Spätestens jetzt wird jeder wach! Dieser Starkstrombrecher ballert wuchtig durch die Gehörgänge, verfeinert durch eine eingängige Melodie. Im letzten Drittel legen die Herren noch eine weitere Schippe obendrauf. Der Titel mag lieblich klingen, doch der Schein trügt … Es gibt stattdessen ordentlich Krach auf die Ohren! Ohne Luft zu holen, setzt Relapse unvermindert nach und lässt rotzfrech die Sau raus.

Jetzt ist erst mal Zeit für etwas Entspannung angesagt. Curtain Fall lässt es etwas ruhiger angehen … zumindest am Anfang, denn später geht es wieder härter zur Sache. Rebellion tanzt dann komplett aus der Reihe. Dieser Song beginnt mit einem ansteigenden Intro, untermalt von einem Hintergrundchor, danach legen Henning Wehland & Dace Gappa (H-Blockx) mit ihrem Wechselgesang los. Hier kann man einfach nur mitgehen. Zum Ende hin wird es düster und heftig. Weiter geht die Fahrt – Break The Cycle bringt die Nackenmuskeln wieder ordentlich zum Arbeiten. Bei Execution heißt es dann einfach loslassen, Augen schließen und den hymnenartigen Track genießen. Geistig wähnt man sich in einer Konzerthalle und sieht vor dem inneren Auge die Arme der Besucher sich zur Melodie hin und her neigen. Hollow Earth ist der zweite „Ausbrecher“. Bei diesem kurzen Instrumental entsteht der Eindruck, inmitten einer apokalyptischen Szenerie eines Horrorfilms zu stehen. Es sind weibliche und männliche Nachrichtensprecher durcheinander zu hören sowie eine eindringliche Ami-Sirene. Ohne wahrnehmbaren Übergang knüpft M.U.T.O. nahtlos an. Marius Wedler (Alleviate) ist hier mit von der Partie. Dieser Song bietet zum einen verspielte Synthie-Elemente und zum anderen eine eingängige Melodie bis hin zu deftigen Blastbeat- und Breakdown-Attacken. Beim nächsten Track, Game Over, ist Christoph Wieczorek von Annisokay als Unterstützung an Bord und sorgt zusätzlich dafür, dass es noch einmal ordentlich zur Sache geht. Zum Abschluss lassen die Aachener durch die Hymne Afterall Feuerzeugstimmung aufkommen, bei der jedes Konzert einen gelungenen Ausklang finden würde, wenn dieser Song als Outro auf der Setliste stünde.

Beim Durchhören der 15 Tracks von Hostage kommt absolut keine Langeweile auf. Das Debütalbum Memento Mori hinterlässt einen starken Eindruck!

Formate: MP3-Album, Stream, CD

Hostage – Memento Mori
Fazit
Das Debütalbum von Hostage ist zweifelsfrei ein gelungener Einstieg. Bei einer fast einstündigen Spieldauer wird innerhalb der 15 Tracks von Memento Mori reichlich Abwechslung geboten. Die Zeit vergeht beim Durchhören wie im Flug, ohne es zu merken. Zu keinem Zeitpunkt verspürte ich das Bedürfnis zu skippen. Damit die ganzen Facetten komplett erfasst werden, sollte man sich mehrere Durchläufe dieses Langeisens gönnen. Memento Mori gehört ab sofort in meine Playlist-Sammlung. Die Aachener Metalcore-Combo hat definitiv Zukunft. Ich werde sie in jedem Fall auf dem Schirm behalten.

Anspieltipps: Ark, Fantasy, Rebellion, Execution, M.U.T.O. und Game Over
Sandra R.
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