“Wenn die Post nicht Gelb sondern Dunkelgrau ist!“
Artist: Impure Wilhelmina
Herkunft: Genf, Schweiz
Album: Radiation
Spiellänge: 56:31 Minuten
Genre: Doom Metal, Post Rock, Hardcore
Release: 07.07.2017
Label: Season Of Mist
Link: https://www.facebook.com/pg/impurewilhelmina/about/?ref=page_internal
Bandmitglieder:
Gesang, Gitarre – Michael Schindl
Gitarre – Diogo Almeida
Bassgitarre – Sebastien Dutruel
Schlagzeug – Mario Togni
Tracklist:
- Great Falls Beyond Death
- Sacred Fire
- Child
- Torn
- We Need A New Sun
- Meaningless Memories
- Bones And Heart
- By Ravens And Flies
- Murderers
- Race With You
Als Impure Wilhelmina Quereinsteiger steht einem das aktuelle Langeisen Radiation gut zu Gesicht, wenn man auf dunklen Post Rock steht, der gerne den Schritt zum Doom Metal machen darf. In einer guten Stunde greifen die Männer von Season Of Mist zehn Stücke auf, die auf dem Silberling veredelt wurden.
Seit Juli steht nun das Werk zur Verfügung und viele eingefleischten Fans werden merken, dass Hardcore bzw. Grind Parts nicht mehr vorhanden sind. Für mich als Impure Wilhelmina Neukunde ein Detail, welches gerne als Randnotiz aufgenommen wird. Geballte Härte findet man bei den Schweizern tatsächlich keine mehr. Sänger Michael Schindl bleibt ausschließlich beim Clean Gesang, der wohlklingend ins Ohr geht. Emotional verstrickt, kommen die Musiker aus Genf gerade wegen ihres Sängers und Gitarristen voll zur Geltung. Klar, ist die Post Rock bzw. Metal Schiene eine Modeerscheinung, auf die viele Bands springen, um was vom Kuchen abzubekommen. Da muss man jedoch gleich zwischen anspruchsvoll atmosphärisch mit klasse Songwriting, bis hin zu gewollt und nicht gekonnt differenzieren. Das Quartett aus Genf darf man getrost in erste Schublade stecken. Emotional vielseitig sprengen sie Grenzen zwischen Rock, Metal und allem, was die unendliche Dunkelheit parat hält. Dabei kommt es auf Radiation gar nicht mal an bösartig zu agieren, einen Strudel der Verzweiflung zu erzeugen – viel mehr stehen Impure Wilhelmina mit breit geschwellter Brust auf dem Podest, um den Hörer an die Hand zu nehmen, einfach zu zeigen was geht und was eben nicht, ohne den salzigen Finger in die tiefste Wunde zu bohren. Musikalisch klasse kann ich mich an unsere Nachbarn gewöhnen, die einen sehr geraden Sound herausbringen, der ohne Umwege das inszeniert was angedacht wurde. Um einmal Höhepunkte zu nennen, darf man direkt mit dem Opener Great Falls Beyond Death anfangen. Nicht weniger stimmig Child oder Bones And Heart. Das Album steht zudem auf ausgewogenen Säulen, die in zehnfacher Ausführung das Konzept stützen. Große Abweichungen, egal in welche Richtung, bleiben ganz schwer aufzuzeigen. Teilweise könnte man etwas frecher agieren, mal mehr Power reinbringen oder in noch tiefere gesanglose Parts fallen. Das darf als reine Randbemerkung aufgenommen werden.



