Interview mit Daniel Winter-Bates (Bury Tomorrow)

“Über Brexit, Work-Life-Tour-Ballance und Veggieburger!“

Artist: Bury Tomorrow

Herkunft: Southampton, Großbritannien

Genre: Metalcore

Label: Music for Nations / Sony Music

Link: bury-tomorrow.com

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Jason Cameron
Gutturaler Gesang – Daniel Winter-Bates
Lead-Gitarre – Kristan Dawson
Bassgitarre – Davyd Winter-Bates
Schlagzeug – Adam Jackson

Time For Metal / Kai R.:
Hey Daniel,
echt schön, dass du dir die Zeit hier in Köln genommen hast, um die ein paar Fragen zu stellen.

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja gern, das ist kein Problem – schieß los.

Time For Metal / Kai R.:
Also dann mal ganz locker – wie geht es dir?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja so weit ganz gut, jedoch ein wenig müde. Das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man auf Tournee ist.

Time For Metal / Kai R.:
Das ist absolut nicht das erste Mal, dass ihr mit Bury Tomorrow in Deutschland auftretet, hat sich das Publikum verändert und ist das deutsche Publikum anders als das in eurer Heimat?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Es gleicht sich immer mehr an. Als wir das erste Mal in Deutschland aufgetreten sind, haben wir in UK noch vor 1000+ Gästen auftreten können und standen dann hier vor vierzig bis fünfzig Zuhörern – fünfzig „crazy-people“ – doch die aktuelle Tour ist wirklich eine Herausforderung. Wir kommen gerade aus Hamburg und sind auch wieder auf der Durchreise. Deutschland ist mein persönlich liebster Ort für eine Tour.

Time For Metal / Kai R.:
Gibt es bei dir noch so etwas wie Nervosität?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Also, als ich die Vorverkaufszahlen gesehen habe, war ich schon ein wenig nervös. Man macht sich zu dem Zeitpunkt noch kein Bild davon, wie es aussieht, vor so vielen Menschen zu stehen. Doch wir machen das ja schon seit zwölf Jahren – somit ist ein wenig Routine eingekehrt und das Kribbeln beschränkt sich auf die kurze Zeit vor der Show. Es wäre schon irgendwie komisch, wenn ich als Frontman wirklich nervös auf der Bühne wäre.

Time For Metal / Kai R.:
Gibt es bei euch aktuell eine „Work-Life-Tour“-Ballance, oder steht momentan nur noch Tour auf dem Programm?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja, Bury Tomorrow ist ein sehr großer Teil eines Lebens, doch ich versuche immer ein wenig die Orte zu besuchen, in denen wir gerade einen Zwischenstopp machen. Ich besuche die Fußgängerzonen oder relaxe einfach den Tag über. Das ist absolut wichtig, man verliert, wenn man immer in ähnlichen Hallen spielt, den Fokus. Es sieht halt alles sehr ähnlich aus. Also wenn man mal rauskommt und all die schönen Plätze und Städte betrachtet, hat man auch Zeit dafür zu sehen, warum man das alles eigentlich macht.

Time For Metal / Kai R.:
Gibt es einen Ort, den du besonders magst?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ich bin mir nicht sicher – also Köln ist eine meiner liebsten Städte in der Welt. Immer, wenn ich in den letzten Jahren hier gewesen bin, kam am Ende etwas Verrücktes dabei rum. Wenn ich überlege, dass wir hier so klein angefangen haben und jetzt in einer Headlinertour unterwegs sind.

Time For Metal / Kai R.:
Vor ein paar Monaten habt ihr euer aktuelles Album Black Flame (Review: hier) veröffentlicht. Würdet ihr sagen, dass es das professionellste Bury Tomorrow-Album ist, welches ihr bisher veröffentlicht habt?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja, ich denke, dass Black Flame ein großer Schritt nach vorn ist. Wir haben sehr hart am Songwriting und der Produktion selbst gearbeitet, Songs geschrieben, wieder auseinandergenommen und dann etwas Neues darauf kreiert. Wir haben sehr viel Zeit zusammen in der Pre-Produktion verbracht. Wir sehen uns sonst eigentlich nur auf Tourneen so viel. Somit wurde das Bestmögliche aus allem rausgeholt. Es sollte nicht nur ein hartes Album werden – gut, die gewisse Härte wollten wir, doch die entspannteren Parts sind uns auch wichtig. Es ist sehr schwer, da den gewissen Mittelwert zu halten. Black Flames gibt dir in meinen Augen das Beste aus beiden Welten. Wenn wir jetzt schauen, haben wir als UK-Band dafür gesorgt, dass wir eine fast ausverkaufte Tour durch Europa spielen, das ist schon echt was wert.

Time For Metal / Kai R.:
Einerseits verkauft ihr ja Härte und andererseits verarbeitet ihr griffige Melodien – was tut ihr, um eure Dynamik zu behalten? Habt ihr da einen eingebauten Filter oder so was, der euch sagt „oh dieser Song könnte zu hart werden…“

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Eigentlich ist es ganz einfach. Bury Tomorrow hat sowohl klaren, wie auch gutturalen Gesang. Dadurch, dass Jason zusätzlich zum Gesang auch noch Gitarre spielt, wird der Fokus immer ein wenig mehr auf dem gutturalen Gesang liegen, als auf dem klaren Gesang. Wir lassen das einfach sich selbst entwickeln. Ich meine, Jason und ich arbeiten ja schon seit elf Jahren zusammen und das zum Teil 24 Stunden am Tag – dann weiß man, wie wer tickt. Also er weiß, welche Parts ich singen mag und ich lese bereits heraus, welche Parts er singen wird. Ich würde sagen, wir als Band versuchen viele „Catchlines“ produzieren, die die Zuhörer fesseln und zum Mitmachen animieren, dabei ist es egal, ob diese gesungen oder geshoutet werden.

Time For Metal / Kai R.:
Ähnlich wie eure Genrekollegen von Parkway Drive, verarbeitet ihr in Black Flame sozialkritische Themen. War das euer persönliches Anliegen, worüber ihr sprechen wolltet, oder wie entstanden die Texte?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Als ich würde sagen, wir sind aufgewacht – klar würde ich niemals behaupten, dass wir eine politisch motivierte Band sind – doch wollen wir etwas tun, was einen Mehrwert hat. Für mich persönlich geht es eher darum, über etwas zu sprechen, was alle angeht. Etwas, was alle verarbeiten müssen. Wir haben alle etwas gemeinsam und das ist, dass wir Menschen sind – ich persönlich versuche Barrikaden zu überwinden, und wenn dies mit der Musik passiert, dann ist das ja vollkommen in Ordnung.

Time For Metal / Kai R.:
Spielt ihr auf eurer Tour einen Song anders, als dass er auf dem Album aufgenommen worden ist?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja, ich glaube, vor allem, da wir viele Fade-Outs in den Songs haben. Das wäre ein wenig komisch, wenn man auf der Bühne einfach leiser werden würde. Doch seitdem wir zu einem Klicker spielen, sind wir viel exakter und professioneller geworden. Man hält sich so viel mehr an Geschwindigkeiten und Abläufe als zuvor.

Time For Metal / Kai R.:
Bands wie Metallica lassen Fans dafür zahlen, sie als Band zu treffen. Wie steht ihr zu dem „Pay-To-Meet“-System?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Je größer wir werden, desto schwerer wird es, Zeit für alle Fans zu haben. Aber es gab in den letzten zehn Jahren kein Konzert, an dem ich nicht im Anschluss am Merchstand war, um mich mit unseren Fans zu connecten und wir haben auch vor 15.000 Menschen gespielt. Ich verstehe, dass das für einige viel bedeutet uns zu sehen, aber so verrückt zu sein, um dafür zu zahlen, geht mir persönlich ein wenig zu weit.

Time For Metal / Kai R.:
Unterstützt du NGOs wie Peta2?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja, ich denke, es ist wichtig Menschen zu unterstützten, die sich für unsere Umwelt einsetzen.

Time For Metal / Kai R.:
Die Digitalisierung ist etwas, an dem aktuell niemand vorbeikommt. So ist es echt einfach, heute das falsche Wort zu sagen, um in einen Shitstorm zu gelangen und schwer etwas Tolles zu sagen, was am Ende Bestand hat. Glaubst du, dass das Filmen von Konzerten aus der Menge heraus eher gut oder schlecht ist?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Da haben wir gerade innerhalb der Band drüber gesprochen. Für mich ist das ein „Generationen“-Phänomen, dass alles immer aufgenommen werden muss. Doch am Ende leben wir in einer digitalen Welt, es kommen auch Fotografen zu uns auf die Tour, um unsere Show zu fotografieren und diese dann mit der Welt zu teilen. Irgendwie ist das aktuell einfach normal. Natürlich verstehe ich, was es heißt, „Paparazi“-Probleme zu haben. Doch solange das alles nicht invasiv das Privatleben betrifft, finde ich das vollkommen in Ordnung. Die Show zu filmen ist für mich okay, denn sie haben viel Geld bezahlt, um heute hier zu sein und das ist deren gutes Recht. Wenn ich überlege, dass ein verwackeltes Video auf Youtube von 1.000 Leuten gesehen werden könnte, welche dann vielleicht auch zu einem Konzert kommen, um ein Video zu drehen. Was könnte ich gegen kostenfreie Publicity haben?

Doch zurück zur Frage davor – strikte Guidelines für das Filmen auf Konzerten zu veröffentlichen, dann würde man sich selbst zu ernst nehmen. Wenn du etwas Falsches machst, was nicht aufgenommen werden sollte, dann ist irgendwas anderes falsch.

Time For Metal / Kai R.:
Besuchst du selbst noch Konzerte?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Ja, ich bin selbst leider nicht so oft auf Konzerten, wie ich es gerne wollen würde. Das letzte Festival, was ich besucht habe, ist, meine ich, das Reading And Leeds Festival 2018. Letztlich ist es heute aber ganz anders. Ich treffe da Freunde, die ich unterwegs in den letzten zwölf Jahren kennenlernen durfte. Also ist es nicht mehr so, dass man hinfährt, in der Menge verschwindet und Party macht. Für mich ist es eher wie ein Wiedersehen.

Time For Metal / Kai R.:
Welche deutsche Metalbands kennst und magst du?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Heaven Shall Burn
, Callejon, Eskimo Callboy, Any Given Day, Caliban,… ich kenne viele gute deutsche Bands.

Time For Metal / Kai R.:
Abschließend würde ich gern ein Pro/Contra-Spiel mit dir spielen. Ich sage ein Wort oder eine Aussage und du sagst „Pro“ oder „Contra“. Oder ich stelle zwei Wörter gegenüber und du entscheidest, welches du nimmst – Los geht’s mit.

BREXIT!

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Absolut sinnlos!

Time For Metal / Kai R.:
Social Network?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Pro – yeah love!

Time For Metal / Kai R.:
Online Streaming (Musik und Filme)?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Absolut Pro.

Time For Metal / Kai R.:
Barbeque Bacon oder Veggieburger?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Veggieburger

Time For Metal / Kai R.:
Konzert oder Festival?

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Oh, die Frage ist bisher die schwerste – selbst spielen oder als Gast – egal, ist auch schwer zu beantworten. Das Feeling bei einem Festival ist einfach unbeschreiblich und man bekommt eine Masse an guten Musikern an einen Ort. Alles ist in Eile und es wird extrem, wenn man dann auf der Bühne steht und spielt. Doch Klubkonzerte sind auch absolute Oberklasse – das Gefühl, dabei vor einem ausverkauften Haus zu spielen ist auch richtig genial – besonders, wenn du als Headliner unterwegs bist – „das da ist dein Publikum!“ – und da ist egal, ob man vor 100 oder vor 10.000 Leuten steht, es ist dein Publikum. Also sage ich kurz:

Beides!

Time For Metal / Kai R.:
Dann sage ich vielen lieben Dank für die Zeit und viel Spaß gleich auf der Bühne!

Bury Tomorrow / Daniel Winter-Bates:
Danke – hat Spaß gemacht!

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