Photo @ Carina Jirsch

Interview mit den Power Rockern Protz zum 40-jährigen Jubiläum

Wir haben den Onkelz keine weitere Beachtung geschenkt!

Artist: Protz

Herkunft: Wächtersbach, Deutschland

Genre: Power Rock, Hard Rock, Street Rock

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Ritchie Wilhelm
Bass, Gesang – Joe Trageser
Gitarre, Gesang – Robin Wilhelm
Schlagzeug – Michael Frischbier

Link: http://www.protz.net

Photo @ Carina Jirsch

Protz aus Wächtersbach, einem kleinen Städtchen zwischen Frankfurt am Main und Fulda, sind ein echtes Phänomen. Die Jungs feierten 2020 ihr 40-jähriges Bandbestehen und jeder, der auf Rock und Metal steht, ist über die Jahre wahrscheinlich schon einmal über die Power Rock Truppe gestolpert, denn immerhin standen sie mit vielen großen Bands auf der Bühne. Dennoch liegt ein großer Schleier über der Band, denn im Netz sind die Jungs kaum präsent. Klar, man hat eine Band-Website, es gibt ein paar Videos auf YouTube und man ist in den sozialen Medien wie Facebook aktiv, aber das war es dann auch schon irgendwie. Mit dem Interview haben wir mal versucht, ein wenig Licht ins große Dunkel zu bringen.

Time For Metal / Andreas F.:
Moin, schön, dass ihr euch Zeit für ein Interview mit unserem Magazin nehmt.

Obwohl ihr mitten im 40. Bandjubiläum steckt und erst im Februar letzten Jahres eure EP In Dog We Trust veröffentlicht habt, denke ich mal, dass nicht jeder unserer Leser schon einmal von euch gehört hat. Wer seid ihr und was macht ihr so?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Wir sind Protz und wir spielen Power Rock/Hard Rock mit Rock ’n‘ Roll und Metal-Einflüssen.

Protz / Robin Wilhelm:
Hallo, ja ich freue mich auch. Wie schon gesagt, wir sind Protz und machen Power Rock. Und vor allem live geben wir immer alles und wir freuen uns immer sehr, wenn wir nach dem Auftritt zusammen mit der Crew und den Fans eine geile Fete feiern können.

Time For Metal / Andreas F.:
Beschreibt eure Musik mal jemandem, der noch nie etwas mit Rockmusik am Hut hatte und überhaupt keine Ahnung von der Materie hat.

Protz / Ritchie Wilhelm:
Wir machen harte und laute, gitarrenbetonte Rockmusik.

Protz / Robin Wilhelm:
Oder, wir machen Musik zum headbangen, um gut drauf zu sein und vor allem, einfach frei zu sein.

Time For Metal / Andreas F.:
Habt ihr vorher schon (bei 40 Jahren Bandgeschichte muss man ja fast schon fragen) oder auch zwischendurch in anderen Bands gespielt, insbesondere da ihr ja nach all den Jahren nicht mehr in Originalbesetzung zusammen seid? Wenn ja, welche waren das, und was hat euch, oder dich Ritchie, dann im Jahr 1980 dazu bewogen, Protz zu gründen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ich war zuerst Fan und hatte das Verlangen entwickelt, in einer Rockband Gitarre zu spielen und eigene Musik zu machen. Nach erlernen des Instruments (man lernt übrigens nie aus) und den ersten Gehversuchen mit anderen Musikern waren wir schließlich 1980 soweit, Protz zu gründen. Natürlich habe ich und auch Joe und Frischi in anderen Bands gespielt. Doch dazu später mehr …

Protz / Joe Trageser:
Dr. Seltsam (Deutschrock, 1980)
Protz (Powerrock, 1985)
Basil Wolfrhine & The Claymore Highlander (Scottish Pop-Rock, 2007)
Shake Your Bones (Rock Cover, 2009)

Protz / Robin Wilhelm:
Also, ich bin erst seit ca. 2013 dabei. Seit Kurzen spiele ich noch in einer weiteren Band, aber diese steht noch relativ am Anfang.

Time For Metal / Andreas F.:
In eurer Bandgeschichte taucht zu Beginn Anfang der 1980er-Jahre der Bandname Seven X auf, gingen Protz einmal daraus hervor, oder was hat es damit auf sich?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Das war eigentlich Ende der 1980er-Jahre. Wir waren in einer Art Identitätskrise und haben für kurze Zeit probiert, unter Seven X zu agieren, was aber ziemlich schnell wieder verworfen wurde und wir wieder zu Protz zurückgekehrt sind.

Time For Metal / Andreas F.:
Ihr bezeichnet euren Sound selbst knackig kurz als Power Rock, jedoch seid ihr ja gar nicht so leicht in eine Schublade zu packen. In euren Sound fließen eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bands und Genres (Rock ’n‘ Roll, Hardrock, Street Rock, Blues, Biker Rock, Heavy Rock …) ein, welche Bands haben euch über die Jahre am meisten beeinflusst, und wie hat sich euer Sound über die Jahre entwickelt?

Photo @ Carina Jirsch

Protz / Ritchie Wilhelm:
Mich haben The Sweet, Slade und später dann auch The Who, Kiss, Black Sabbath, Jimi Hendrix, Motörhead, Iron Maiden, Rush, Styx, Deep Purple, Ritchie Blackmore und Ozzy Osbourne beeinflusst. Mein Gitarrensound hat sich dementsprechend entwickelt. Ich habe halt viele Variationen ausprobiert.

Protz / Joe Trageser:
Vor allem Black Sabbath, The Who und Motörhead natürlich und selbst Frank Zappa und dann kommt letztendlich so etwas dabei heraus.

Protz / Robin Wilhelm:
Meine Einflüsse waren sehr viele Bands. Einer davon sogar Protz selbst. Da wären dann noch so illustre Bands wie: Black Label Society, Arch Enemy, Van Halen, Nevermore, Immortal, Lordi, Rush, Triumph, Anthrax, Metallica, Megadeth, Marty Friedman, Dragonforce, Slayer … Es hört auch nicht auf. Ich versuche mich immer wieder inspirieren zu lassen. Es gibt so viel gute Musik da draußen.

Die Person, die die Musik der Band am meisten prägt, ist wohl mein Vater, weil er von Anfang an dabei ist. Die Musik von Protz ist eigentlich immer stark im Wandel. Wie schon erwähnt, ich stieß erst 2013 dazu und gebe seitdem meinen Senf dazu. Ich mag viel Abwechslung in der Musik und das versuche ich mit einfließen zu lassen. Das wird bei neuen Songs dann immer mehr zu hören sein. Ein großer Einfluss ist auf jeden Fall auch unser neuer Schlagzeuger Frischi, er hat immer tolle Ideen, spielt sehr gut und es macht einfach wahnsinnigen Spaß, mit ihm zusammenzuspielen. Mit neuen Mitgliedern kommen eben neue Ideen. Und deshalb kann ich mit Sicherheit sagen, dass wir noch nicht am Ende unserer Reise sind.

Time For Metal / Andreas F.:
Fasst für uns doch mal kurz zusammen, was ihr wann über die Jahre rausgehauen habt, denn man findet im Netz keine verlässlichen Angaben über eure Veröffentlichungen. Es soll 1986 ein Demo gegeben haben, dann 1988 einen Compilation-Beitrag bei Rockport Records. Dann kann man einmal nachlesen, ihr hättet bereits 1986 ein Album produziert, eine andere Quelle berichtet, ihr hättet nur 1998 ein Album veröffentlicht. Wirklich greifbar ist aber nur die In Dog We Trust-EP aus dem letzten Februar, alles andere ist nirgendwo gelistet und es scheint im Netz absolut nichts dazu zu geben, keine Fotos der Veröffentlichungen, keine Tracklist, keine Reviews …

Protz / Ritchie Wilhelm:
Wir waren 1986 im Cream Studio in Frankfurt und haben vier Songs aufgenommen. Nachdem wir bei einem Bandwettbewerb der Zeitschrift Break Out unter die ersten zehn gekommen waren, wurde ein Song auf der Break Out-Compilation-LP veröffentlicht. 1986 wurde kein Album produziert.

Time For Metal / Andreas F.:
Versteht ihr euch in allererster Linie als reine Liveband, oder warum gibt es trotz der langen Bandgeschichte kaum Veröffentlichungen? Was hat euch davon abgehalten, wie alle anderen Bands auch, regelmäßig mal ein neues Album zu veröffentlichen, obwohl ihr ja immer mal neue Songs geschrieben habt? Eigentlich heißt das Bandmotto doch, Protzen und nicht kleckern …

Protz / Ritchie Wilhelm:
Das Problem, wenn man mit mehreren Leuten zusammenarbeitet, ist die Chemie unter den Musikern und die Befindlichkeiten eines jeden. Protz sind durch jede Menge Wechselbäder der Gefühle gegangen. Es hat viele Musikerwechsel gegeben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Um einige zu nennen; nicht vereinbar mit der Arbeit, Neu-Orientierung auf einen anderen Bereich, Umzug, Probleme unter den Musikern … etc. Dieses ist nur ein kleiner Auszug. Ich hätte nie gedacht, was es alles für Probleme geben kann. Wenn du alles aufgebaut hast und eigentlich nur loslegen willst, schmeißt dir irgendwer einen Knüppel zwischen die Beine und du kannst von vorne anfangen. Das frisst natürlich Zeit und du musst dich und die Leute, die noch dabei sind, wieder motivieren. Das kann manchmal sehr zermürben.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie müssen wir uns den Songwriting-Prozess bei euch vorstellen? Schreibt ihr die Songs im Kollektiv, oder wie seid ihr da aufgestellt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Anfangs lief das auf Sessions heraus. Man hat zusammen gespielt und Songs zusammen gebastelt. Um effektiver zu arbeiten, entwickelt man die Ideen schon zu Hause und nimmt es auf, um es an die anderen weiterzugeben. Dabei ist es egal, ob man die Musik zum Text oder den Text zur Musik macht. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Das Highlight ist selbstverständlich, wenn alles zusammengefügt wird und das Ganze ein Gesicht bekommt.

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Protz / Robin Wilhelm:
Naja, früher wurden die Songs hauptsächlich von Ritchie geschrieben. Neuere Ideen arbeiten Ritchie und ich erst mal aus, bevor sie dann in der Band besprochen und bearbeitet und schließlich geprobt werden.

Protz / Michael Frischbier:
Nun ja, aber das Songwriting wird immer mehr zum Kollektiv. Es werden Ideen hin und hergeschickt und am Ende durch die Protz-Maschine gejagt und ausgearbeitet.

Time For Metal / Andreas F.:
Ich bin ja nun auch nicht der jüngste und höre schon weit über vierzig Jahre Rock und Metal und ich hatte über die Jahre mit einer ganzen Reihe von Bands zu tun, aber mir ist noch nie eine Band untergekommen, die 40 Jahre lang mehr oder weniger aktiv ist und über die so wenig bekannt ist. Früher in Zeiten von Print-Medien war Recherche ja nicht unbedingt leicht, aber heutzutage finde ich im Netz ja selbst über Newcomerbands, die erst ein-zwei Jahre aktiv sind, fast alle gewünschten Informationen. Nur im Fall Protz funktioniert das so gar nicht, zwar habt ihr eine Website und seid in den sozialen Medien aktiv, aber viel berichtet und geschrieben wurde über euch in den letzten Jahren nicht, es gibt kaum Interviews, Konzertberichte, Reviews … etc. und wenn überhaupt, stammen diese von FFM-Rock. Dabei gibt es heutzutage ja unzählige Online-Magazine, die sich mit Rock und Metal beschäftigen und auf jedem noch so kleinen Konzert treiben sich heutzutage gefühlt 20-30 Fotografen und noch mehr Redakteure rum. Einer Band, die sich präsentieren will, bieten sich unzählige Möglichkeiten. Woran liegt es also, schottet ihr euch ab, habt ihr eine spezielle Knoblauch-Art über dem Bett zu hängen, die euch die Medien vom Hals hält, haben Fotografen und Journalisten bei euren Konzerten Hausverbot?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Auch hier spielen wieder verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen sind da die häufigen Musikerwechsel. Zum anderen, bzw. wie ich das sehe, wir waren mit unserer Art Musik in unserer Gegend eine Art Vorreiter, waren fast immer Underground-Band. In unserer Gegend waren Top 40-Bands und Discomusik angesagt. Damit konnte der Veranstalter Geld verdienen. Wir spielten hauptsächlich die kleineren Konzerte/Locations, auf die sich kaum ein Redakteur oder Fotograf, der damals spärlich gestreuten Printmedien verirrte. Außerdem hatten wir zwischendurch einige Pausen aus unterschiedlichen Gründen. Darauf komme ich später noch zurück. Prinzipiell sind bei uns aber Redakteure und Fotografen willkommen.

Protz / Joe Trageser:
Gerade weil wir nicht so ganz einzuordnen sind, hat sich da wahrscheinlich keiner so richtig herangetraut. Vor Jahren schrieb mal einer was von Partyrock. So ein Quatsch braucht natürlich niemand. Zudem leben wir im Raum Frankfurt, eine sehr schlechte Gegend für ordentlichen Rock, eher etwas für Jazzer und Gebläse.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie ich gelesen habe, haben Protz ihr erstes Konzert im Herbst 1980 im baden-württembergischen Michelbach gespielt. Ihr seid damals Co-Headliner neben den frisch gegründeten und noch recht unbekannten Böhsen Onkelz gewesen. Nun, vierzig Jahre später, gehören die Onkelz zu den größten deutschen Bands, platzieren seit Viva Los Tioz im Jahr 1998 jedes neue Album auf Anhieb auf Platz eins der Charts und spielen jetzt im Alter nur noch in den größten Arenen. Protz sind zwar auch in die Jahre gekommen, aber der große Erfolg blieb euch verwehrt. Was haben Stephan, Kevin, Gonzo und Pe richtig und ihr falsch gemacht?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Zunächst einmal muss ich dich korrigieren, das erste Konzert fand im bayerischen Michelbach, in der Nähe von Alzenau, statt. Die Onkelz hatten nicht die häufige Fluktuation wie wir und haben voll durchgezogen. Da hat irgendwie alles auf Anhieb gepasst, davor kann man nur den Hut ziehen. Das war bei uns leider nicht so.

Time For Metal / Andreas F.:
Haha, sorry, dass ich Michelbach nach Baden-Württemberg verlegt habe, aber den Freistaat habe ich irgendwie ausgeblendet, weil ich bin weder Fan des bayrischen Fußballs noch des Bieres bin, deshalb ist Bayern bei mir immer außen vor.

Protz / Joe Trageser:
Die Onkelz singen deutsch und standen am Anfang auf dem Index, das ist das Erfolgsgeheimnis, besser geht’s nicht.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie habt ihr das Konzert mit den Böhsen Onkelz, die damals ja noch deutlich rechtsorientiert waren, erlebt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Damals waren die Onkelz eher eine Punk-Band, sie wollten provozieren und haben sich auf der Bühne gegenseitig vollgerotzt. Die Songs hießen damals Bullenschweine, Ich Bin Ein Idiot oder Mösensaft. Das war ehrlich gesagt nicht unser Ding und wir haben der Sache deswegen keine weitere Beachtung geschenkt.

Time For Metal / Andreas F.:
Waren Protz wirklich über die 40 Jahre hinweg dauerhaft aktiv, oder gab es zwischendurch nennenswerte Pausen? 2014 hieß es „Protz lebt“, war das so was wie ein Neuanfang?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Es gab zwei größere Pausen, einmal zwischen 1995 – 1998 aus persönlichen Gründen und während meiner Zeit bei 9MM zwischen 2006 und 2013. Allerdings haben wir in 2007 einen Gig als Support bei der Deutschland-Tour von Girlschool gespielt.

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Protz / Joe Trageser:
Die Pause war ab 2007, da bin ich dann bei Basil Wolfrhine & The Claymore Highlander eingestiegen. Zwei Jahre später dann bei Shake Your Bones. Das waren zum Teil Leute aus der alten Deutschrockszene (Dr. Seltsam).

Time For Metal / Andreas F.:
Die Band besteht aktuell aus Ritchie (Vocals, Guitar), Joe (Bass, Vocals), Robin (Guitar, Vocals) und Frischi (Drums). Wie sah das Gründungs-Line-Up von 1980 aus und viele Bandmitglieder habt ihr in den 40 Jahren kommen und gehen sehen? Seit wann spielt ihr in der jetzigen Besetzung zusammen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Im Gründungs-Line-Up standen außer mir Michael Henkel (Bass), Wolfgang Schmidt (Guitar, Vocals) und Werner Kailing (Drums). Die meisten Besetzungswechsel hatten wir an den Drums. Ich krieg die jetzt auf Anhieb nicht alle zusammen, es werden aber so um die 20 sein. Am Bass hatten wir dagegen nur einen Wechsel und an der Gitarre hatten wir zwei Wechsel. 1985 hatten wir auch mal einen Keyboarder, den wir aber feuern mussten, da er einfach nicht zum Auftritt kam. Zwischen 1999 und 2006 haben wir sogar mal als Trio gespielt.

Time For Metal / Andreas F.:
Robin, du spielst seit 2013/2014 gemeinsam mit deinem Papa bei Protz und die Band, die dein Vater vor langer Zeit gegründet hat, ist ein wenig zu einem Familienunternehmen geworden. War das schon von langer Hand geplant, dass du irgendwann in die Band einsteigen sollst, oder wie kam es dazu?

Protz / Robin Wilhelm:
Also geplant war das ganz sicher nicht. Ich war begeistert vom Gitarrespielen und besonders fasziniert war ich vom Melodic Death Metal und den teils abgefahrenen Gitarrensoli. So was wollte ich eigentlich machen. Ich wollte zwar in einer entsprechenden Band spielen, es hat sich aber irgendwie nichts ergeben. Mein Gitarrenlehrer meinte auch, es wäre eine gute Idee, in einer Band zu spielen, weil man dabei eben am einfachsten Erfahrungen sammeln kann, die man anders nicht bekommen kann. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und so habe ich beschlossen, bei Protz mitzuspielen. In der Zeit habe ich vieles gelernt, viele schöne Momente erlebt und ich habe meine Faszination für Rockmusik wiederentdeckt.

Time For Metal / Andreas F.:
Offenbar bist du aber bei Protz nicht ausgelastet, denn du hast im letzten Jahr dein erstes Soloalbum Sweet Drift veröffentlicht? Was hat es damit auf sich, erzähl uns mal ein bisschen was darüber.

Protz / Robin Wilhelm:
Das hatte nichts mit Auslastung zu tun, ich liebe Musik in ganz verschiedenen Varianten und ich habe sehr viele Ideen. Jede dieser Ideen ist ein Teil von mir und muss/soll von mir auch wertgeschätzt werden. Ich liebe, was ich tue, egal ob für Protz, bei meinen Solosachen oder seit Kurzen auch in einer weiteren Band. Das Soloalbum ist wie eine Reise durch meine Gedanken und meine Gefühle. Es ist auch nicht genreorientiert. Es ist einfach Musik, die Situationen, Stimmungen, Träume, Vorstellungen und Übernatürliches ausdrücken soll. Manche Songs handeln von extremen Momenten in meinem Leben und wenn ich diese Songs höre, dann ist das für mich wie eine Art Gefühlszeitreise. Es ist, als könnte ich meine damaligen Gefühle hören und spüren. Andere Songs, wie z.B. Dreamer Guitar sind Songs, die anhand von Songstruktur-Ideen entstanden. Bei Dreamer Guitar hört man auch 16 Gitarren gleichzeitig, die zusammen eine ganz einzigartige Stimmung erzeugen. Jede Gitarre spielt etwas anderes, aber zusammen klingen sie, als gehören sie einfach zusammen. An sich soll das Album für eine Reise stehen. Das kann man merken, wenn man die Songs in der richtigen Reihenfolge hört und seiner Fantasie freien Lauf lässt. Das Album steht für mich für das Leben an sich mit all seinen Höhen und Tiefen. Für die Freiheit der Gedanken. Für die Willensstärke und die Kraft, die immer wieder notwendig ist, um wieder aufzustehen. Für die Mystik von allem und für die Träume. Jeder hat Träume und wir können sie verwirklichen. Jeder hat einen Weg, den er geht, es ist nur die Frage, ob es auch wirklich dein Weg ist.

Time For Metal / Andreas F.:
Ritchie, wie stolz macht dich das, wenn du all das hörst und wenn dein Sohn in deine Fußstapfen tritt und nun auch etwas frischen Wind in deine Band bringt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ich bin verdammt stolz auf Robin! Er ist nicht nur ein super Gitarrist und begnadeter Musiker, sondern er ist ein guter Mensch mit einem starken und einwandfreien Charakter und ich bin sehr dankbar, dass ich sein Vater bin. Bedanken muss ich mich vor allem bei meinem langjährigen Weggefährten und Freund Thorsten „Maubi“ Baus. Er hat Robin an der Gitarre ausgebildet und ihm die Grundlagen vermittelt, auf denen er jetzt weiter aufbaut.

Time For Metal / Andreas F.:
Michael, seit 2013 bist du der Schlagzeuger von Maerzfeld und zudem bist du Schlagzeuglehrer an der MG-Musikschule. Seit dem Frühjahr 2019 sitzt du nun auch noch bei Protz hinter dem Drum-Kit und hast den langjährigen Schlagwerker Bommel abgelöst. Wie kam es dazu und was macht für dich den Reiz aus, nun auch noch bei Protz auf die Felle zu dreschen?

Protz / Michael Frischbier:
Ritchie und ich haben 2010 zusammen bei 9MM gespielt, so ist eine Freundschaft entstanden und der Kontakt ist nie wirklich abgerissen. Nach dem Ausstieg von Bommel hat mich Ritchie angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könne, bei Protz zu trommeln …. 😉 , Naja, und jetzt haben wir den Salat … !!!

Time For Metal / Andreas F.:
Joe, du gehörst neben Ritchie ja auch langsam zum alten Eisen in der Band. Hast du in all den Jahren schon mal drüber nachgedacht, dich irgendwie anders zu orientieren, oder was macht Protz für dich zu etwas ganz Besonderem, sodass du über so viele Jahre immer treu bei der Stange geblieben bist?

Protz / Joe Trageser:
Es gibt da ja noch andere Projekte, wie z.B. eben die schon genannten Shake Your Bones. Das ist schon etwas Herausforderndes, sich in einer Coverband an Songs von Deep Purple, ZZ Top, Tito & Tarantula … usw. zu versuchen.

Time For Metal / Andreas F.:
40 Jahre Protz, blickt mal zurück auf die Bandgeschichte, wie zufrieden seid ihr mit dem, was ihr erreicht habt und was würdet ihr, könntet ihr heute noch einmal bei null starten, anders machen?

Photo @ Carina Jirsch

Protz / Ritchie Wilhelm:
Auf das Erreichte können wir durchaus stolz sein. Allerdings wollen wir noch mehr erreichen und versuchen, uns dementsprechend zu positionieren. Wenn ich heute noch mal von null beginnen müsste, würde ich auf jeden Fall bei der Auswahl der Musiker andere Kriterien anlegen. Einige ehemalige Musiker haben das Projekt eher ausgebremst als vorangetrieben. Das hat viel Zeit und Energie gekostet.

Protz / Joe Trageser:
Bei fast allen Produktionen hat immer ein Stück Zufriedenheit gefehlt. Heute würde ich mir die Produzenten bzw. Tontechniker besser aussuchen. Das beste Beispiel für gute Qualität ist zur Zeit die EP In Dog We Trust. Ich glaube, das ist eine gute Basis für weitere gute Songs, die es wert sind, auf die Rille gebracht zu werden.

Protz / Robin Wilhelm:
Also, unter dem Aspekt, dass ich noch nicht so lange dabei bin, ist alles, was ich dazu sagen kann, dass es Spaß macht. Ich bin sehr froh, bei Protz zu spielen, egal, ob wir nun bekannt sind oder nicht.

Time For Metal / Andreas F.:
Ritchie, du hast zwischendurch von 2006 bis 2013 einige Jahre bei Rock Rotten’s 9MM Assi Rock’n’Roll Gitarre gespielt. Wie kam es dazu und wie hast du die Zeit erlebt?

Photo @ Carina Jirsch

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ich hatte einfach mal Lust, was anderes zu machen und wurde zufälligerweise von dem Bandleader angesprochen. Wir haben uns dann erst mal getroffen und ein paar Songs zu zweit eingeprobt. Dann kam schon die erste Bandprobe. Plötzlich hieß es, wir sollen mit Protz den Support spielen für die Girlschool Deutschland-Tour 2007. Es ging alles wahnsinnig schnell und es war auch sehr harte Arbeit, aber wir haben das gut hinbekommen und der Erfolg stellte sich sehr schnell ein. Das schönste waren der Zusammenhalt und die Freundschaft zu meinen Mitmusikern. Allerdings gab es dann gegen Ende meiner Zeit unüberwindbare Differenzen mit dem Bandleader, als Konsequenz habe ich dann die Band verlassen.

Time For Metal / Andreas F.:
Du warst in den sieben Jahren bei 9MM an insgesamt acht Alben beteiligt, eine Arbeitsweise, die ihr im Anschluss ja durchaus auch bei Protz hättet anwenden können. Die Fans hätten sich sicherlich gefreut, dennoch passierte lange Jahre nichts und letztendlich hat es letztes Jahr auch „nur“ zu der EP In Dog We Trust mit fünf bereits bekannten Songs gereicht. Warum zum großen Jubiläum kein Album und für die Fans gleich ein paar neue Songs?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Das hätte ich mir auch gewünscht, aber wie bereits erwähnt, gab es diverse Rückschläge in Form von Musikerwechseln sowie gesundheitliche und private Probleme, um nur einige zu nennen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht so weit.

Protz / Robin Wilhelm:
Die fünf Songs auf der EP sind ja neue Versionen der alten Songs, sie enthalten zum Teil komplett neue Parts. Wir arbeiten derzeit an neuen Songs und wir haben noch einige Ideen in petto. Wir wollen ein paar einzigartige Songs schaffen, Songs, die zu Protz passen. Ihr könnt euch schon darauf freuen.

Time For Metal / Andreas F.:
Die EP ist nun zwar auch schon ein Jahr alt, aber da es noch kein neues Material von euch gibt, bleiben wir mal einfach dabei. In einem Review zu In Dog We Trust war im letzten Februar zu lesen, dass ihr wohl ein Album geplant hattet, eine Menge neuer Songs aufgenommen hattet, dann aber das falsche Studio gewählt habt, sodass die Aufnahmen letztendlich nicht zu gebrauchen waren. Erzählt mal, ist das tatsächlich so blöd gelaufen und woran lag es?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ja, das Ganze stimmt soweit, nur das Studio war eigentlich okay. Es kommt halt auf den Producer und Toningenieur an und da begann das Dilemma. Wir konnten mit dieser Konfiguration nicht das gewünschte Ergebnis erzielen. Hinzu kamen noch einige technische Aufnahmefehler, welche sich leider erst im Nachgang offenbart haben. Nach eingehender Diskussion haben wir uns dann entschieden, die Produktion abzubrechen.

Protz / Joe Trageser:
Da wurde wirklich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Angefangen von den Referenzen der Aufnahmetechnik bis hin zum Abmischen. Auch wir hatten einen großen Anteil daran. Wie gesagt, danach wurde aber mit der EP alles gut.

Protz / Robin Wilhelm:
Die genannten Probleme und das falsche Studio führten letztlich zu Aufnahmen, die nicht brauchbar waren. Punkt!

Time For Metal / Andreas F.:
Demnach war die EP dann nur eine Notlösung, um den Fans zum Jubiläum doch noch etwas zu bieten? Nach welchen Kriterien habt ihr die fünf Songs ausgewählt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Als Notlösung würde ich das nun nicht bezeichnen. Wir haben uns entschieden, Geld in die Hand zu nehmen und eine Produktion mit meinem Freund Warthy in Angriff zu nehmen. Nach einem Testlauf mit nur einem Song haben wir dann noch vier weitere produziert. Die Auswahl der Songs erfolgte dann in Zusammenarbeit mit Warthy. Wir sind einfach nur von der Professionalität und dem Ergebnis begeistert.

Protz / Joe Trageser:
Die EP war ein Muss! Den Fans endlich einmal eine brauchbare Silberscheibe anbieten, das war uns wichtig und das wurde auch positiv honoriert. Das Pulver ist aber noch lange nicht verschossen, wie Robin ja schon anklingen ließ, da ist noch einiges in der Pipeline.

Photo @ Carina Jirsch

Time For Metal / Andreas F.:
Und auf dem Cover, wie sollte es anders sein, Gustav. Sitzt der English Bulldog noch immer im Tierheim Gelnhausen und habt ihr euer Maskottchen seit eurem Foto-Shooting mit ihm in 2017 mal wieder besucht?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Wir konnten Gustav leider nicht mehr besuchen, da er kurz nach unserem Fotoshooting vermittelt wurde.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie plant ihr nun weiter, ihr habt anklingen lassen, dass neue Songs in der Mache sind, können sich die Fans in absehbarer Zeit vielleicht doch noch auf ein Album freuen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ja, geplant ist ein Album mit neuen Songs. Wir renovieren aber im Augenblick unseren Proberaum, um hier auch mal etwas frischen Wind für unser Songwriting reinzubekommen.

Protz / Robin Wilhelm:
Es sind neue Songs in Arbeit, aber mehr verrate ich nicht. Ich habe eh schon zu viel gesagt.

Photo @ Holger Fichtner und Jana Breternitz

Protz / Michael Frischbier:
So beschissen wie die momentane Zeit auch ist, ermöglicht es uns genau das, was nötig ist, um ganz in Ruhe Ideen für neue Songs zusammenzutragen. Ziel ist natürlich, ein neues Album …, wird ja auch höchste Zeit.

Time For Metal / Andreas F.:
Ritchie, du hast vorhin Warthy ins Spiel gebracht. Gemeint war natürlich Jörg „Warthy“ Wartmann, mit dem ihr euch für die EP eine echte Koryphäe ins Boot geholt hattet, der selbst viele Jahre mit verschiedenen Bands (u.a. Evidence One, Down Below, Justice) auf der Bühne stand und seitdem ein begehrter Studiomusiker und Produzent ist (u.a. Unheilig, Eisbrecher, Hämatom, Maerzfeld, Frei.Wild). Wie kam es dazu und wie ist die Produktion verlaufen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Warthy ist ein alter Freund von mir und es ist ja hinlänglich bekannt, was er für Produktionen abliefert. Deshalb war das für mich die erste Adresse. Es war wirklich sehr erfrischend, nach dem vorangegangenen Fiasko mit einem Profi zusammenzuarbeiten, der weiß, wie es geht. Es war ein sehr entspanntes und produktives Arbeiten und wir werden mit Sicherheit wieder zusammenarbeiten.

Protz / Joe Trageser:
Wirklich, es war ein sehr entspanntes und professionelles Arbeiten. Wir waren endlich da angekommen, wo wir hinwollten und in dieser Richtung geht es auch weiter.

Time For Metal / Andreas F.:
Euer Jubiläumsjahr hattet ihr euch ja bestimmt etwas anders vorgestellt, direkt passend zur Veröffentlichung von In Dog We Trust kam der Corona-Lockdown. Was hattet ihr eigentlich für letztes Jahr alles geplant und wie stark hat euch die Krise letztendlich getroffen? Wie viele bestätige Gigs musstest ihr absagen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Geplant waren mehrere Konzerte, die leider dem Lockdown zum Opfer gefallen sind. Es waren ca. 17 Shows, die weggebrochen sind. Zu unserer großen Überraschung durften wir aber dann im September letzten Jahres auf dem Wächtersbach Against Corona-Konzert spielen. Dafür noch mal ein großes Dankeschön an die Stadt Wächtersbach.

Time For Metal / Andreas F.:
Je nach Region waren ja im Sommer/Herbst zwischenzeitlich wieder kleine Social-Distancing-Konzerte mit allen möglichen Auflagen oder auch Gigs im Autokino oder vor Strandkörben mit einer Handvoll Leuten möglich. So habt ihr ja auch auf dem Wächtersbach Against Corona vor nur 150 Leuten gespielt. Wie war das für euch, denn eigentlich gehört zu eurem Sound doch zwangsläufig ein schwitzender, tobender Mob vor der Bühne, der ausrastet und die Location zerlegt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Du hast vollkommen Recht, aber die 150 Leute, die da waren, und auch wir als Band waren so happy, dass endlich mal wieder die Möglichkeit gegeben war, live zu spielen. Trotz Social-Distancing haben die Fans und auch wir alles gegeben. Es war wie ein Befreiungsschlag und wir hatten alle sehr viel Spaß.

Protz / Joe Trageser:
Ja natürlich, ein schwitzender Mob ist eigentlich Pflicht, aber in diesen verrückten Zeiten mussten sich eben alle an die Auflagen halten (fast, bis zum Schluss, da hat es dann einige nicht mehr auf ihren Plätzen gehalten). Alle Beteiligten, ob Besucher, Techniker oder Musiker, waren nach langer Dürre froh, dass das Konzert überhaupt stattfinden konnte.

Protz / Robin Wilhelm:
Es war anders, aber das muss ja nicht schlecht sein. Einzigartig trifft es besser, eine ganz neue Erfahrung. Und dennoch, die Musik kam gut an und so gab es doch viel Bewegung unter den Leuten. Mir hat es sehr gefallen.

Time For Metal / Andreas F.:
Das ganz neue Ding in 2020 waren ja Online-Streamingkonzerte, die man zwar schon kannte, aber eben nicht in diesen Dimensionen. Die Bands haben ja quasi so versucht, trotz der Konzertverbote doch noch den einen oder anderen Euro in die leeren Bandkassen zu spülen. Habt ihr mit Protz in der Richtung auch schon was gemacht, oder auch geplant, falls sich die ganze Scheiße noch länger hinzieht?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Daran gedacht hatten wir auch, aber letztendlich haben wir uns entschieden, unseren Proberaum zu renovieren, um frischen Wind und gute Vibrations für unser Songwriting zu schaffen. Man muss Prioritäten setzen.

Protz / Michael Frischbier:
Protz ist und bleibt eine Liveband!!!! Die Streaming-Optionen wurden bei uns zwar kurz diskutiert, aber es macht für eine Band wie Protz eben wenig bis gar keinen Sinn zu rocken, ohne mit dem Publikum zu interagieren und um so den nötigen Druck erzeugen zu können. In irgendeinem leeren Raum rumzueiern ……., da bleibt vom Rock ’n‘ Roll einfach nicht mehr viel übrig.

Time For Metal / Andreas F.:
Offenbar haben wir längst noch nicht alles überstanden, aktuell rollt die nächste Welle über uns hinweg und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Die Zahl an Infizierten stieg in den letzten Monaten wieder mächtig an, auch wenn die Zahlen gerade wieder runtergehen. Zwar wird mittlerweile geimpft, aber sie kommen ja gar nicht hinterher und bis wir dran sind, ist das Jahr wahrscheinlich eh bald rum. Wie schätzt ihr die ganze Situation ein, werden wir im Sommer 2021 das Gröbste überstanden haben und wieder wie gewohnt auf den geliebten Sommerfestivals abrocken können, oder wird die Veranstaltungsbranche bis dahin weitestgehend vor die Hunde gehen und auch 2021 leise bleiben?

Photo @ Carina Jirsch

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ich persönlich denke, dass 2021 komplett genauso laufen wird, wie auch 2020. Solange nicht alle Leute geimpft sind, wird die Regierung es nicht zulassen, dass wieder Normalität einzieht. Wir können uns alle warm anziehen und hoffen, dass dieser Albtraum bald ein Ende hat. Die Veranstaltungsbranche kriecht schon jetzt auf dem Zahnfleisch. Mit Glück können im Sommer vielleicht wieder 150 Leute-Konzerte stattfinden, aber auch das ist alles noch ungewiss.

Protz / Joe Trageser:
Ist alles schwer einzuschätzen, ich denke, die Veranstaltungen werden in Zukunft einen ganz anderen Charakter bekommen. Wie das im Einzelnen dann aussieht, kann heute noch niemand sagen. Es sei denn, er besitzt eine Glaskugel.

Time For Metal / Andreas F.:
Nun finden aktuell zwar keine Konzerte statt, aber in den letzten Jahren war immer mehr zu beobachten, wie sich das Konzertverhalten der Menschen maßgeblich verändert hat. Die Leute waren bereit, für Tickets der ganz großen Acts wie Metallica, Rammstein, Iron Maiden, Böhse Onkelz, Kiss … etc. teils utopische Summen zu zahlen, waren aber kaum noch bereit, 20 € für ein kleines Clubkonzert mit drei lokalen Undergroundbands auf den Tisch zu legen. Und während des Konzertes waren viele damit beschäftigt, durch das Display ihres Handys zu glotzen, um ein verwackeltes Video mit miesem Sound für YouTube aufzunehmen, anstatt das Konzert zu genießen und der Band so etwas zurückzugeben. Wie bewertet ihr solches Verhalten?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Das hat meiner Meinung nach auch damit zu tun, wie viel Geld die Fans am Monatsende noch zur Verfügung haben. Der Staat dreht an allen Stellen die Steuerschrauben an und schmeißt das Geld an vielen Stellen sinnlos aus dem Fenster. In den 80er-Jahren habe ich Metallica und Iron Maiden für 20,- DM gesehen. Heute musst du über 100,- € bezahlen. Warum muss der Staat den Bürgern über die Hälfte ihres schwer erarbeiteten Monatslohns wegversteuern? Wenn mehr Geld zur Verfügung steht, wird auch mehr ausgegeben. So sparen die Fans Geld, um ihre Lieblingsband zu sehen und die kleinen Bands und Clubs bleiben auf der Strecke.

Protz / Joe Trageser:
Bei unseren Konzerten hält sich der Handygebrauch, sprich schlechte Videos von den Leuten in Grenzen. Die haben auch keine Hand frei bei Jacky und Bier.

Protz / Robin Wilhelm:
Die großen Bands müssen nicht zwangsläufig viel Geld wert sein. Musik ist eben Geschmackssache, man sollte offen für Neues sein und Freude daran haben, seinen Horizont zu erweitern.

Time For Metal / Andreas F.:
Wie würde eure Wunschtour/euer Festivalauftritt nach Corona aussehen und mit welchen Bands würdet ihr dort gerne einmal spielen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Am wichtigsten ist erst einmal, dass wir alle gesund bleiben. Wir sind für jede Art von Gig/Tour/Festival offen und würden gerne so viel wie möglich spielen. Egal, welche Band dabei ist, wir sind alle Gleichgesinnte.

Protz / Robin Wilhelm:
Ich wär ja mega gerne mit Reason For Jack, The Haunted, Marty Friedman, Halphas und Tenacious D unterwegs. Das wär schon was. Ort wär mir eigentlich egal, Hauptsache genug Platz und coole Leute.

Time For Metal / Andreas F.:
Manche Bands träumen ja davon, einmal im Leben auf dem Heiligen Acker in Wacken zu spielen. Wovon träumt ihr bzw. welche Hürden würdet ihr gerne in nächster Zukunft nehmen?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Ich hatte das Glück, dass ich schon viermal in Wacken auftreten konnte. Natürlich wäre es fantastisch, dort auch mit Protz zu spielen. Die Frage ist nur, ob solche Großveranstaltungen in Zukunft auch noch in dieser Form stattfinden können. Solange das Coronavirus nicht besiegt ist, glaube ich noch nicht daran. Ansonsten wollen wir, wie bereits gesagt, neue Songs aufnehmen und spielen, was möglich ist.

Protz / Robin Wilhelm:
Wacken wäre schon super, ich kam ja bisher noch nicht in den Genuss. Andere Ziele wären für mich eben Touren durch Deutschland und andere Länder. Protz bekannter machen und viele Menschen für unsere Musik zu begeistern.

Protz / Michael Frischbier:
Naja, mittlerweile ist man froh, wenn’s überhaupt mal wieder losgeht.

Time For Metal / Andreas F.:
Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Hoffentlich noch auf der Bühne 😉

Time For Metal / Andreas F.:
Ihr seid ja alle nun schon einige Jahre, oder auch Jahrzehnte, aktiv. Was würdet ihr ändern, wenn ihr im Musikbusiness was zu sagen hättet?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Vermehrt auch kleinen Bands und Newcomern eine Chance bzw. Plattform bieten, sodass sie sich auf jeden Fall bekannt machen können.

Photo @ Carina Jirsch

Protz / Robin Wilhelm:
Ich würde dafür sorgen, dass Individualität und Kreativität über Massentauglichkeit gestellt wird. Musiker sollten mehr gefördert werden, das ist auch ein Job, ob man es wahrhaben will oder nicht. Musik ist vielseitig, warum sollte man dann befürworten, dass jeder jeden Tag auf der Arbeit im Auto oder sonst wo von einheitlicher Musik erschlagen wird. Und dann noch immer dieselben Songs im Radio. Es gibt wahnsinnig viele Songs, warum kann man dann nicht für Abwechslung sorgen?

Time For Metal / Andreas F.:
Welche Highlights aus eurer Bandgeschichte, an der ihr ja alle unterschiedlich lange beteiligt seid, sind euch besonders im Gedächtnis geblieben und woran denkt ihr nicht so gerne zurück?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Highlights aus meiner Sicht sind auf jedem Fall der Gewinn des Rock und Pop Preises 2003. Der Support von Girlschool sowieso und die Shows mit Pro Pain, Edguy, Helloween und Gotthard sowie die Erlebnisse mit 9MM in Wacken mit Motörhead, Slayer, Volbeat … etc. Nicht so gerne denke ich an die Sachen zurück, die schief gelaufen sind und an die schwarzen Schafe in der Musikbranche, die uns übervorteilt haben, oder dieses wollten.

Protz / Joe Trageser:
Da muss ich Ritchie recht geben, der deutsche Rock und Pop Preis in Hamburg 2003 war schon eine abgefahrene Sache. Wie sagte einer der Juroren „Das ist mal Mucke!“. Alpen Flair 2015 war auch sehr eindrucksvoll.

Protz / Robin Wilhelm:
Das Alpen Flair 2015 war so geil. Die Fahrt, die Menschen, der Auftritt und die Party an sich. Hinter der Absperrung, direkt vor der Bühne stehen und Helloween spielen sehen, das vergisst man nicht so schnell. Das Konzert bei den Limited Booze Boys war für mich ein echtes Highlight, nicht nur weil viel getrunken wurde. Da hatte ich meinen eigenen Live-Solo-Part in der Show und hab etwas überzogen. Super lustiger Abend.

Negative Erinnerungen hab ich bisher überhaupt nicht.

Time For Metal / Andreas F.:
Geht ihr privat auch noch regelmäßig auf Konzerte? Wenn ja, welche Bands und Genres bevorzugt ihr da?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Selbstverständlich gehen wir auch privat auf Konzerte, leider ist das ja momentan nicht möglich. Mein letztes größeres Konzert war Rob Zombie. Das Genre ist hierbei egal, alles, was gefällt und Spaß macht. Oftmals hat man bei kleineren Konzerten mehr Spaß.

Protz / Joe Trageser:
Vor Corona, also 2019, das letzte Konzert war in Frankfurt Lamb Of God.

Protz / Robin Wilhelm:
Ja, klar. Ich höre ja alles Mögliche, Klassik, Rock, Metal, Rap, Techno … wie gesagt alles Mögliche. Favoriten sind dabei unter anderem: Marty Friedman, Black Label Society, Blue Swede, Mac Miller, Lady Gaga, Black Dahlia Murder, Johann Strauss und auch der alte Vivaldi.

Time For Metal / Andreas F.:
Auch wenn die Frage fast nicht zu beantworten ist, welche fünf Alben haltet ihr jeweils für die besten aller Zeiten?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Meine Favoriten sind:

MetallicaMaster Of Puppets
AnthraxVol.8: The Thread Is Real
Suicidal TendenciesThe Art Of Rebellion
MotörheadAce Of Spades
Def LeppardPyromania

Protz / Joe Trageser:
Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll, ohne ein Album zu vergessen. Zu viele!!!

Protz / Robin Wilhelm:
Schwierige Frage, aber jetzt auf die Schnelle fallen mir ein …

MetallicaMaster Of Puppets
Marty FriedmanWall Of Sound
AnthraxVolume 8: The Threat Is Real
System Of A DownHypnotize
OpethBlackwater Park

Time For Metal / Andreas F.:
Ich bin soweit durch mit meinen Fragen. Gibt es etwas, was ihr den Time For Metal-Lesern und/oder euren Fans zum Schluss noch sagen wollt?

Protz / Ritchie Wilhelm:
Zunächst einmal möchten wir uns bei Time For Metal und bei dir Andreas für den Support bedanken. Ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben und uns, sobald das wieder möglich ist, mal live bei einem Konzert sehen. Wir hoffen, dass euch unsere Musik gefällt. Immer laut spielen, damit auch die Leute was davon haben, die sich die CD nicht kaufen konnten. Lest weiter fleißig Time For Metal und supportet auch die kleinen Bands. Stay Metal!!! Stay Rock ’n‘ Roll!!! Stay Protz!!!

Protz / Joe Trageser:
Egal, wo wir uns begegnen, lasst uns Party machen!

Protz / Robin Wilhelm:
Bekannte Bands müssen keine guten Bands sein, nicht zwangsläufig. Seid offen für Neues, sonst verpasst ihr noch was. Und ganz wichtig: Bereut nichts! Alles, was passiert ist, ist ein Teil von euch. Lernt aus der Vergangenheit und macht es besser.

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