Interview mit Michael Schenker anlässlich eines Medientages zur Veröffentlichung der neuen CD Revelation

Michael Schenker in Plauderlaune

Eventname: Interview mit Michael Schenker beim Medientag zur neuen Michael Schenker Fest CD, Revelation

Datum: 15.07.2019

Ort: Hardrock Café, Hamburg

Veranstalter: Nuclear Blast

Links: http://www.michaelschenkerhimself.com/home.php
https://www.nuclearblast.de/de

Heute haben wir von Time For Metal die Möglichkeit mit Michael Schenker ein Interview zu führen. Im Rahmen der Vorstellung der neuen Michael Schenker Fest CD, Revelation, macht der Tross im Hamburger Hardrock Café halt und stellt sich den Fragen der unterschiedlichsten Reporter. Am 20. September ist die neue Scheibe erhältlich und die Vorabversion gefällt mir überwiegend gut. Ich habe sie mehrfach gehört und dazu stelle ich dann auch einige Fragen. Die Gitarrenlegende begrüßt mich mit einem High Five Abschlag und dann geht es schon fast los.

Kay / Time For Metal

Hallo Michael, schön dass es heute geklappt hat. Vielen Dank für deine Zeit. Erst mal Glückwunsch zum neuen Album. Da kommt auch gleich meine erste Frage: Spiegelt das aktuelle Album dein Leben wider? Immerhin bist du seit 50 Jahren im Geschäft. Mein erstes Album mit dir war Lonesome Crow von ´73 mit den Scorpions.

Michael Schenker 

Ja genau, das war mein erstes Album. Ich habe da die meisten Stücke geschrieben und die Credits gingen an die Scorpions. Ich war da noch sehr unerfahren und alle anderen einige Jahre älter.

Kay / Time For Metal

Beim neuen Album, das mir insgesamt gut gefällt, sind für mich die beiden ersten Songs schwächer als der Rest. Gerade Rock Steady, eine Midtempo Nummer, ist gewöhnungsbedürftig.

Michael Schenker (unterbricht)

Das ist schon merkwürdig, gerade von anderer Seite sind mir diese beiden als besonders gut gelungen genannt worden. Aber so ist das mit dem Geschmack. Gerade Rock Steady ist eine großartige Nummer, die von allen vier Sängern (Gary Barden, Robin Mc Auley, Doogie White, Graham Bonnet) eingesungen wurde. Dabei geht es mehr um die Geschichte dahinter, als um die Musik. Deshalb wurde das Stück so wichtig und ist auf die Platte gekommen. Das kam auch erst recht spät dazu, und warum es als erster Song auf der Platte ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht wäre er später besser gewesen.

Kay / Time For Metal

Für mich wird es danach wesentlich besser, wobei ich den Ronnie Romero beim Song We Are The Voice grandios finde.

Michael Schenker

Das war mehr oder minder ein Zufall. Eigentlich wollten wir für die neue Platte viele weitere Gäste haben, wie Jagger und Richards für Rock Steady, aber durch das Unglück mit Ted McKenna mussten wir umdenken. Und dann kam Michael Voss mit Romero um die Ecke. Die kannten sich schon von anderen Projekten und das war ein Glück für uns. Der macht seine Sache total gut und den ersten Gedanke, alle Sänger bei dem Stück singen zu lassen, haben wir schnell aufgegeben. Das hat uns alles tief getroffen und so mussten wir zusätzlich zu vielen Stücken neue Schlagzeugspuren aufnehmen. Das haben dann Simon Phillips (Anm. MSG) und Bodo Schopf (Anm. McAuley Schenker Group) übernommen.

Kay / Time For Metal

Könnte man Revelation als Spiegelbild deines Lebens sehen?

Michael Schenker 

Unbewusst könnte man das vielleicht so sehen.

Kay / Time For Metal

So wäre der erste Song Rock Steady sozusagen der Beginn der Karriere und mit dem Song Old Man bis du dann in der jetzigen Zeit angelangt.

Michael Schenker 

Nee, so darf man das nicht sehen. Ich habe so viel erlebt in meinem Leben und das ist alles in meinem Kopf. Das kommt jetzt alles raus und die Stücke handeln davon. Sicherlich sind da Sequenzen bei, die das vermuten lassen könnten, aber das war nicht die Absicht.

Kay / Time For Metal

Lese ich mir das aktuelle Line-Up deiner Begleitband bei Fest durch, sind da viele Musiker bei, die dich schon früher begleitet haben. Gibt es eine Zeit, die du als „Beste“ empfindest?

Michael Schenker 

Meine wichtigste und beste Zeit war die in meinen mittleren Jahren. Nach dem Ausstieg bei UFO und den Scorpions durfte ich erfahren, was Ruhm ist. Ohne das blasphemisch zu bezeichnen, war Michael Schenker Gott. Ich konnte dann entscheiden, ob ich da oben bleibe oder ob ich mit meinem Können weiter experimentiere. Das hat mich schon als Kind getrieben. Ich bin damals nichts nachgelaufen, habe an keinen Wettbewerben teilgenommen, ich war wie in einer Sandbox (Anm. Test Umgebung zum Üben) und habe Spaß gehabt.

Kay / Time For Metal

Hast du dir das Gitarrespielen selbst beigebracht und wie komponierst du deine Stücke?

Michael Schenker 

Ich habe mir alles selbst beigebracht. Es gab keinen Lehrer oder so etwas in der Art. Meine Musik entsteht sozusagen aus „Play and Discover“, also ich spiele einfach und entwickele dann ein Riff oder einen Song. Es ist wie eine Schatzsuche. Als wenn ich als Kind in der Sandbox (Sandkiste) gespielt habe. Und wenn ich dann etwas gefunden habe, dann speichere ich das in einem Safe im Kopf und irgendwann spiele ich mir diese Schätze von vorne ab und was mich dann daraus inspiriert, das entwickle ich weiter. So mache ich alle meine Platten. Das erste Stück, welches ich geschrieben habe, war mit 15 in der Küche meiner Mutter. Das war In Search Of Piece Of Mind, das ich den Scorpions gegeben hatte. Das ist auch das einzige Lied, bei dem das Solo für mich „richtig“ ist. Da ist nichts verfälscht. Bei den anderen Stücken auf der Lonesome Crow hörst du eine Entwicklung. Ich bewege mich heute wieder in die Richtung, dass meine Songs sich „richtig“ anfühlen und anhören.

Kay / Time For Metal

Zurück zur neuen Platte. Auf der Revelations sind ja unter anderem wieder der Gary Barden und der Doogie White als Sänger dabei. Bei einigen Stücken hört sich das an, als wenn Glen Hughes singt. Besonders aufgefallen ist mir das bei Song vier, Sleeping With The Light On und dem folgenden The Beast In The Shadows, übrigens zwei Stücke, die ausgesprochen super sind.

Michael Schenker (recht erstaunt)

Echt, das ist mir noch nicht so aufgefallen. Das lässt sich ja schnell rausfinden. Jeder Sänger hatte seine eigenen Stücke. Nur bei einigen sind alle zu hören.

Kay / Time For Metal

Ist ja auch nicht so wichtig. Fand ich nur recht witzig. Immerhin ist der, wie auch Doogie, heute bei Demons‘ Eye, einer Deep Purple Coverband, oder Graham Bonnet bei Rainbow gewesen.

Michael Schenker 

Das bleibt nicht aus. Viele der Musiker kommen aus der ersten oder zweiten Generation von Rockmusikern. Zunächst waren da Black Sabbath, Deep Purple und dann später aus den Zeiten von Judas Priest, AC/DC oder UFO. So sind die heute noch gut im Geschäft und passen zu mir. Ich habe da auch so meine Verbindungen. Immerhin haben mich Deep Purple 1993 gefragt, ob ich als Gitarrist einsteigen möchte.

Kay / Time For Metal

Ich habe erst kürzlich Rainbow in München gesehen. Da ist ja, für mich zumindest, einer der größten Gitarristen Ritchie Blackmore tätig. Gibt es Gitarristen, die für dich Vorbilder waren?

Michael Schenker 

Ich habe mit 17 aufgehört, mich davon beeinflussen zu lassen. Bis dahin waren es Jeff Beck, Jimmy Page und all die, die in den späten 60ern groß waren wie Rory Gallagher und Johnny Winter.

Kay / Time For Metal

Große Name und alles Virtuosen auf dem Instrument, zu denen du ja auch gehörst. Dabei fällt mir auch das letzte Stück auf der neuen CD Ascension wieder ein, das ist ja ein reines Instrumental. Das spricht mich auch an und gefällt ausgesprochen gut.

Michael Schenker  

Das sollte eigentlich auch mit Gesang aufgenommen werden. Ich bin ja sozusagen der Architekt der Stücke und überlasse es meinem Co. Produzenten Michael Voss die Gesangslinien zu schreiben. Bei einigen Stücken habe ich den Sängern aber auch freien Lauf gegeben, und dadurch haben sie sich super mit eigenen Ideen eingebracht. Beim letzten Stück war keiner dabei, der das singen wollte, weil das Stück einfach auch so wirkt. Außerdem sollten zunächst nur zwölf Tracks auf das Album. Da ich aber schon so weit fortgeschritten war mit dem Song, haben wir ihn mit auf die CD gepackt.

Kay / Time For Metal

Was mich noch interessieren würde, ist: Kann man das, was auf dem Album ist, mit all den Sängern live spielen?? Ist das logistisch machbar?

Michael Schenker 

Ja klar, das geht. Wir spielen seit 2016 live zusammen. Zunächst waren wir mit drei Sängern beim Schweden Rock und dann ging das Schritt für Schritt. Wir haben eine DVD gemacht, und dann kam die Plattenfirma mit dem Deal für eine neue Platte an. Zunächst sollte das eine weitere Temple Of Rock oder MSG oder so werden, aber Doogie und ich haben gesagt, das wird Michael Schenker Fest. So kam dann Ressurection. Dann waren wir in 2018 und 2019 für zwei Touren in Amerika. In Deutschland waren wir nicht so oft, nur zwei- bzw. dreimal. In Bonn und in Oberhausen und Headliner beim Bang Your Head in Balingen. Wie du siehst, das geht.

Kay / Time For Metal

Super, vielen Dank. Alle meine Fragen sind beantwortet.

Damit endet das Interview mit einem gut aufgelegtem Michael Schenker, der hier so aussieht, wie auf der Bühne. Kein Verstellen, keine Scheu und ein klein wenig eitel. Nachdem seine Begleitung ihm noch kurz einen Spiegel vorhält, um zu schauen, ob alles sitzt, gibt es noch ein paar Bilder und der nächste Reporter ist dran.

Vielen Dank auch an Nuclear Blast, in diesem Fall vertreten durch Markus Müller, die dies ermöglicht haben.

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