Interview mit Sebastian von den Death/Doomern Décembre Noir zum neuen Album The Renaissance Of Hope, Corona und weiteres

Etwas Positives konnten wir der derzeitigen Situation wahrlich nicht abgewinnen…, stellen wir doch immer wieder fest, dass wir eine Live-Band sind

Artist: Décembre Noir

Herkunft: Erfurt, Deutschland

Genre: Death Doom Metal

Label: Lifeforce Records

Link: www.facebook.com/decembernoir

Bandmitglieder:

Gitarre – Sebastian
Gitarre – Martin
Schlagzeug – Kevin
Gesang – Lars
Bass – Stephan

Nachdem ich die letzten beiden Alben Autumn Kings und das gerade erst erschienene The Renaissance Of Hope rezensieren durfte, nutze ich die Chance, ein Interview mit Gitarrist Sebastian führen zu können. Die Erfurter Death/Doomer sind gerade auf der Überholspur, was bei dem Genre Doom in Anbetracht des Tempos im wahrsten Sinne des Wortes ja bereits schwer ist. Mit The Renaissance Of Hope haben sie nicht nur mich überzeugen können. Beim Release des neuen Albums wäre ich eigentlich in Erfurt dabei gewesen. Leider ist auch dieses Konzert Corona zum Opfer gefallen. Sobald es definitiv nachgeholt wird, werden wir hier in Time For Metal berichten. Das Interview haben Sebastian und ich dann per Mailer gemacht, weil wir nun nicht mehr solange warten wollten.

Time For Metal / Juergen S.
Hallo, schön mit euch ein Interview machen zu können. Das neue Album The Renaissance Of Hope ist seit Ende Oktober auf dem Markt. Seid ihr mit eurem Output und den (Presse)Reaktionen darauf zufrieden?

Décembre Noir / Sebastian
Hallo, mit etwas zufrieden sein klingt ein wenig nach vorangegangener Erwartungshaltung. Aber so war es eigentlich nicht. Wir sind schon ins Studio gegangen mit etwas Ungeduld und etwas Neugier, wie die neuen Songs sich entwickeln und zum Schluss klingen werden. Wir hatten schon von vornherein ein gutes Gefühl mit dem Album. Umso mehr freut es uns natürlich, dass der Output jetzt so gut geworden ist. Wir freuen uns sehr über die Reaktionen darauf und genießen natürlich auch alle guten Worte daran. Aber es gibt für uns keine Skala, auf der wir ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Das bewahrt uns auch davor, unzufrieden zu sein.

Time For Metal / Juergen S.
Zum Release sollten ja am 6. und 7. November im Schauspielhaus in eurer Heimatstadt Erfurt zwei Konzerte unter Coronabedingungen stattfinden. Ich hatte eigentlich vor, dabeiz u sein. Diese beiden Veranstaltungen mussten dann leider wegen des kurz zuvor erlassenen kompletten Veranstaltungsverbots gecancelt werden. Ich hatte bis zuletzt gehofft… Ihr doch bestimmt auch. Wie fühlt man sich, wenn es dann so kommt? Da hat man ja darauf hingearbeitet!

Décembre Noir / Sebastian
Uns trennten, glaube ich, nur vier Tage an einer Durchführung der Konzerte. Die ursprüngliche Idee war ja, das Schauspielhaus komplett zu nutzen und wenn möglich vor gut gefülltem Haus zu spielen. Alle Vorbereitungen liefen und wir hatten einige Sachen für den Abend geplant. Als wir merkten, dass die Bestimmungen keinen normalen Betrieb mehr zuließen, mussten wir es auf zwei Abende erweitern, um mit den Abstandsregeln und den damit geringeren Gästezahlen die Kosten noch halbwegs decken zu können. Auch das erforderte wieder einiges an Vorbereitung, welche letztendlich durch das Veranstaltungsverbot wieder umsonst waren. Man sackt natürlich erst einmal in ein Loch, aber die Verschiebung war für uns alle klare Sache und damit der Kampf noch nicht verloren. Wir haben 2020 einige Konzerte verloren und es sind einige auf unbestimmte Termine verschoben worden. Ich will nicht sagen, dass man sich daran gewöhnt, aber es zieht einen nicht mehr so runter wie am Anfang. Man steht auf, schüttelt sich kurz und weiter geht es.

Time For Metal / Juergen S.
Überhaupt dieses Coronajahr, ein Scheißjahr für die Bands und die Veranstaltungsbranche. Wie seht ihr das? Wie hat es euch beeinflusst? Was hat sich negativ für euch gezeigt, oder gibt es auch positive Sachen, die ihr darauf mitgenommen habt?

Décembre Noir / Sebastian
Etwas Positives konnten wir der derzeitigen Situation wahrlich nicht abgewinnen. Selbst wenn wir uns hier und da durch die gewonnene Zeit etwas intensiver um andere Sachen kümmern konnten, stellen wir doch immer wieder fest, dass wir eine Live-Band sind. Es ist ein gewisser Kitt, der uns zusammenhält. Die gemeinsame Performance fehlt uns sehr und wir müssen schon ein wenig aufpassen, dass wir nicht auseinanderdriften. Auch bei allen finanziellen Unannehmlichkeiten, welche auch uns durch die fehlenden Konzerte erreicht haben, geht es uns im Gegensatz zu anderen noch ganz gut. Aber auch wir sind da noch nicht durch und wir müssen sehen, wie wir in naher Zukunft ohne Einnahmen alles aufrechterhalten.

Time For Metal / Juergen S.
Da gab es ja wohl eine Fehlpressung bei den Vinyls. Irgendwo habe ich auf eurer Seite gesehen, dass da 40 rote Vinyls aufgetaucht sind, die in dieser Farbe nicht geplant waren. Die habt ihr dann versteigert? Für die Veranstaltungsbranche, richtig??? Mal ehrlich, war das jetzt mit den roten Vinyls nur ein Marketinggag, oder war beim Hersteller ein farbenblinder Mitarbeiter am Werk? Wie kann so was ansonsten passieren? Schön ist es trotzdem für den Fan/Sammler in den Besitz eines solchen seltenen Teils zu kommen. Ich habe bei euch ja eine Vinyl in blau geordert. Die kam dann auch sehr zügig. Die war farblich dann aber so dunkel-blau, dass sie schwarz wirkte. Habe ich da vielleicht auch ein extrem seltenes Teil in meiner Sammlung!? Kleiner Gag am Rande, Spaß und alles gut! 😉 Ist mit den roten Vinyls dann was für die Veranstaltungsbranche zusammengekommen? Bei uns in Koblenz gab es auch eine Vinylaktion für ein paar Veranstalter. Hier waren mehrere Bands beteiligt. Das fand ich richtig gut.

Décembre Noir / Sebastian
Es waren tatsächlich insgesamt 26 LPs, welche in rot aus dem Presswerk gekommen sind, von denen wir 15 Stück letztendlich versteigern konnten. Es war wirklich so, dass in der Farbmischung Granulat im Trichter hängen geblieben ist und dadurch die Platten unterschiedlich eingefärbt wurden. Wir wollten die Platten erst ausschließlich auf unseren Releaseshows verkaufen. Aber dann kam der Gedanke, sie für einen guten Zweck zu versteigern. Wir hatten uns zwei Clubs aus Erfurt ausgesucht, die wie alle anderen auch erhalten werden müssen, aber die für uns oder die Kulturszene in Erfurt etwas Besonderes darstellen. Wir merken natürlich auch die finanziellen Auswirkungen der Veranstaltungsverbote, aber wir sind noch weit von dem Punkt entfernt, an dem sich andere befinden, die davon leben müssen. Wir wollten auch ein wenig ein Zeichen setzen und vielleicht hier und da den Anstoß zur Nachahmung geben. Immerhin sind bei der Aktion 1300 Euro zusammengekommen und ich habe mein persönliches Exemplar noch für 600 Euro an einen Fan der Szene veräußern können. Der Erlös ist dann nach seinem Wunsch dem From Hell in Erfurt zugutegekommen. Den restlichen Teil der Aktion bekam der Museumskeller. Es ist vielleicht nicht der renommierte Metal Club, aber über sehr viele Jahre ein festes Standbein der Erfurter Musikszene.

Time For Metal / Juergen S.
Kommen wir zu eurem Album The Renaissance Of Hope zurück. Wie und wann kamen die Stücke/Songs zustande. Hat Corona auf dieses Album noch einen Einfluss genommen, oder war das Ding vor Corona praktisch schon durch?

Décembre Noir / Sebastian
Die ersten Songs entstanden vor, beziehungsweise zum Release des Autumn Kings Albums. Nun mittlerweile vor zwei Jahren. The Renaissance Of Hope war genau geplant, die Songs standen und die Vorproduktion wurde zeitlich danach ausgerichtet. Zu dieser Zeit war an solche katastrophalen Zustände noch gar nicht zu denken. Und anfangs hatten wir ja auch das Gefühl, dass es gleich wieder vorbei ist. Einfluss hat es erst genommen, als die Frage auftauchte, ob es denn überhaupt Sinn mache in dieser Zeit, ohne anschließende Konzerte ein Album heraus zu bringen. Wir hatten trotzdem an dem Termin festgehalten und uns im Studio verkrochen. Das war zwischendurch auch gar nicht so einfach. Es standen mit einem Mal Fragen im Raum. Wie viele dürfen wir denn im Studio sein, wie kommen wir denn da hin, ohne mit Strafe angehalten zu werden? Unsere Zeit im Studio wurde dann nicht durch die geplanten Konzerte zerpflückt. Wir hätten allerdings die willkommene Abwechslung sehr genossen.

Time For Metal / Juergen S.
Corona hat ja dafür gesorgt, dass das Album nicht im gewöhnlichen Sinne durch Gigs promotet werden konnte, habt ihr anderweitig die Zeit genutzt, ggf. um neue Songs zu schreiben?

Décembre Noir / Sebastian
Tatsächlich sind schon erste Fragmente zu neuen Songs in Arbeit, aber die Zeit hat noch nicht wirklich viel zugelassen. Durch diese ganze Unsicherheit, das Planen und wieder Umplanen, Dreharbeiten und allem, was sonst noch so dazugehört, ist die Zeit nicht gerade langweilig geworden. Es ist schon gar nicht mal wenig, was so im Verborgenen abläuft, von dem man als Fan gar nicht so viel mitbekommt. Ich denke, wenn die Zeit der Veröffentlichung etwas hinter uns liegt, werden wir die Augen sehr wohl nach vorn richten und uns neuem Material widmen und weiter hoffen, dass bald ein wenig Normalität zurückkehrt, um auch wieder auf die Bühne zu können.

Time For Metal / Juergen S.
Wofür steht der Titel The Renaissance Of Hope? Bei dem Review zum Album habe ich bei meinen Recherchen vernommen, dass der Begriff Hoffnung eine recht subjektive Sache und individuelle Gegebenheit ist. Gab es (persönliche) Erlebnisse von einzelnen Bandmitgliedern, die hier mit eine Rolle spielten und in den Songs verarbeitet wurden? Was hat es mit dem Titel auf sich?

Décembre Noir / Sebastian
Wir haben eigentlich immer recht früh einen „Arbeitstitel“. Meist bevor die Texte fertig sind. Es geht dabei mehr um ein übergreifendes Thema, in welches sich die Texte integrieren lassen und das auch ein wenig einen Leitfaden bildet. Bei The Renaissance Of Hope hatte es tatsächlich einen recht positiven Ursprung und der Gedanke unseres Sängers Lars, eine positive Wende in seinem Leben als Anstoß zu nehmen, bildete den Grundstein. Doch während der Entstehung der Texte und in näherer Betrachtung des Wortes Hoffnung, breitete sich ein weitaus größeres Feld vor uns auf. Wir gehen mit dem Wort Hoffnung sehr positiv in unserem täglichen Umgang und in unserem Sprachgebrauch um. Die Hoffnung eines einzelnen Menschen kann das auch sehr gut widerspiegeln, doch kann diese Hoffnung für alle anderen auch sehr schmerzhaft sein und nur für die Person, die hofft, ein erlösendes Ziel haben. Die aktive Sterbehilfe, welche wir auf dem Cover darstellen, ist dann wohl eine der extremsten Erfahrungen, welche man sich zu dieser Thematik vorstellen kann. Die Hoffnung auf den Tod und aus Liebe zum Partner diesen Wunsch zu erfüllen, zeigt, wie erdrückend der Kosmos einer individuellen Hoffnung sein kann.

Time For Metal / Juergen S.
Seit 2014 schafft ihr es ja in schöner Regelmäßigkeit ein neues Album rauszubringen. Das ist doch bestimmt eine Menge Arbeit und dafür schon ein recht kurzer Zeitrahmen. Setzt ihr euch dabei nicht etwas unter Druck? Es könnte ja sein, dass die Fans das nun wirklich alle zwei Jahre erwarten. Können wir 2022 mit einem neuen Album rechnen? 😉

Décembre Noir / Sebastian
Wir hatten es bisher nicht als Druck empfunden und hatten uns auch keine Ziele gesetzt. Bei einem Interview zur Autumn Kings vor genau zwei Jahren hatte ich noch geantwortet, dass ich nicht mit einem Album 2020 rechne. Es wurde dann doch so und es wäre sicher auch Quatsch, ein fertiges Album künstlich zurückzuhalten. Sollten wir natürlich damit nicht zufrieden sein, wird es nicht veröffentlicht, um einen gewissen Standard zu halten. Und wenn es für uns unausgereift klingt oder wir lieber Songs ersetzen würden, dann haben wir auch die Freiheit seitens der Plattenfirma, das Album zu veröffentlichen, wenn wir es für fertig halten. Ich würde aus heutiger Sicht wieder sagen, dass ich nicht an ein Album 2022 glaube. Aber man weiß ja nie.

Time For Metal / Juergen S.
Ich hatte bereits 2018 ein Review zu Autumn Kings gemacht. Damals wart ihr mir noch recht unbekannt und ich war sehr angetan. Dieses Mal habe ich natürlich sofort zugegriffen, als ich das neue Werk in unserem Reviewpool fand. Die Erwartungen waren nach dem Vorgänger bei mir schon sehr groß. Und was soll ich sagen, die wurden bei Weitem übertroffen und das Album erhielt eine Spitzenbewertung. Ich stehe zu meiner Aussage: „Im Bereich Death Doom mit sehr viel Melodik geht kein Weg an den Thüringern vorbei.“ Wie schätzt ihr das selbst ein, habt ihr Bands, mit denen ihr euch vergleicht, die euch selbst sehr gut gefallen?

Décembre Noir / Sebastian
Erst einmal vielen Dank für diese Worte! Auch wenn es immer ratsam ist, Zurückhaltung zu üben, berühren einen solche Sätze natürlich sehr und man streift mal für kurze Zeit seinen selbst erschaffenen Olymp. Wir sind da aber eher auf dem Boden der Tatsachen und betrachten uns da nicht von den Sonnenstrahlen beleuchtet, die uns in manchen Reviews eine kleine Krone auf das Haupt setzen. Wir betrachten uns selbst sehr wenig und haben es lieber, vor anderen kleinen wie großen Bands den Kniefall zu üben. Insofern fallen Vergleiche, wenn man sie denn machen möchte, eher nicht so positiv aus. Wir stehen uns selbst eher kritisch gegenüber. Manchmal vielleicht auch zu sehr. Aber es hält für uns natürlich auch einen gewissen Ansporn bereit. Vielleicht ist das gar keine schlechte Mischung, um die Lust und die Neugier auf das nächste Album zu behalten.

Time For Metal / Juergen S.
Ihr habt im Line-Up bisher eine große Beständigkeit gezeigt. Ich glaube, das ist nicht unbedingt leicht für eine Band, über einen langen Zeitraum zusammenzubleiben. Da gibt es ja manchmal konträre persönliche oder auch musikalische Interessen/Einstellungen. Dieses Mal gab es am Bass einen Wechsel. Stephan ersetzt mittlerweile Mike. Was sind die Gründe für den Wechsel? Seid ihr ansonsten eine fest verschworene Gemeinschaft? Wie habt ihr eigentlich zusammengefunden?

Décembre Noir / Sebastian
Alles hatte als Nebenprojekt begonnen und es war gar nicht angedacht, daraus eine Band zu machen. Es war ein „Zweimann-Projekt“ aus Gitarre und Schlagzeug. Wir wollten uns nur mal etwas in dieser Musikrichtung ausprobieren, die wir mochten, aber in unseren eigentlichen Bands nicht spielten. Erst zwei Jahre später wurde es zu einer vollständigen Band geformt. Wobei wir uns zum größten Teil aus anderen Bands schon kannten. Damals gab es allerdings auch schon Besetzungswechsel, welche aus persönlichen Gründen der Musiker recht leicht fielen, da wir zu der Zeit Décembre Noir nicht sehr viel Bedeutung beimaßen und eher stiefmütterlich behandelten. Das Verlassen der Band von Mike ist so einfach nicht mehr zu behandeln und gleicht eher dem Ende einer langjährigen Beziehung. Das soll auch gar nicht im Detail und bunten Farben ausgeschmückt werden. Wenn wir uns jetzt besuchen, fällt es uns einfacher, über so manche Dinge zu sprechen.

Time For Metal / Juergen S.
Wie geht es weiter? Momentan kann man ja zeitlich, so denke ich mal, überhaupt nichts sagen bzw. einschätzen. Geht es auf Tour, sobald Corona es zulässt? Habt ihr die Möglichkeit, euch das zeitlich so einzurichten, oder ist das in der Planung schwierig von den Jobs her und es bedarf einer Vorlaufzeit, usw… Ich würde euch auf jeden Fall nächstes Jahr irgendwo in meiner Nähe live sehen und ein Bier mit euch trinken. Das Beiwohnen bei einem Gig im Schauspielhaus in Erfurt für Time For Metal könnte ich mir aber auch sehr gut vorstellen und ich würde dann einen Wochenendtrip nach Erfurt machen. Da würde ich mich über eine Einladung von euch sehr freuen. Da stelle ich mir vor (heimischen) Fans eine ganz besondere Atmosphäre vor. Oder sehe ich das falsch?

Décembre Noir / Sebastian
Die Konzerte im Schauspielhaus Erfurt wären tatsächlich unsere erste Releaseshow in der Heimatstadt geworden. Die Karten sind allerdings durch die zahlenmäßige Begrenzung auch in Hunderte Kilometer entfernte Briefkästen gewandert. Die Konzerte in dem alten Theater werden sich aber schon von den „normalen Shows“, welche wir sonst als Metalband in den dafür bekannten Clubs spielen, unterscheiden. Wir sind selbst sehr gespannt. Wir hatten nicht zuletzt durch die Abstandsauflagen die Bestuhlung eines Theaters vorgezogen, um eine größere Chance zur Durchführung zu bekommen. Du bist natürlich gerne zu den Ersatzterminen am 16. und 17. April 2021 eingeladen. Wie es weitergeht, ist natürlich eine große Frage. Wir wollen schnellstens wieder auf die Bühne und selbstverständlich auch so oft wie möglich. Das Line-Up der Festivals ist ja so ziemlich 1 zu 1 verschoben worden, sodass für uns wenig Chance besteht, noch mit draufzurutschen. Es waren einige Konzerte in der Vorbereitung, bevor das Aus kam. Darauf liegt im Moment erst einmal unser Augenmerk. Für längere Touren bedarf es etwas mehr Vorbereitungszeit. Wir hoffen einfach, so schnell wie möglich relativ normale Verhältnisse zu bekommen, um auch unser neues Album live präsentieren zu können.

Time For Metal / Juergen S.
Wie bewirbt man einen Release, den man heutzutage ja eigentlich mit Gigs bewirbt und promotet? Wie habt ihr die Sachen an den Mann/die Frau gebracht. Wie wichtig sind eures Erachtens dafür (positive) Reviews? Ist da Bandcamp auch eine prima Sache dafür, um die physischen Tonträger und die anderen Merchartikel an die Fans zu bringen?

Décembre Noir / Sebastian
Es stellt sich gar nicht so leicht dar. Gerade für uns als Band ist neben der Gage die Möglichkeit für Merchverkauf eine der wichtigsten Einnahmequellen, um die Produktionskosten halbwegs wieder zu refinanzieren. Wir haben hierzu einen Shop eröffnet, welcher über unsere Homepage zu finden ist. Wir hoffen, darüber ein wenig die fehlenden Konzerte zu kompensieren. Die Promotion der Plattenfirma läuft auch ohne Konzerte seinen gewohnten Gang. Wobei natürlich die Presse eine wichtige und zentrale Rolle spielt. Bei der Fülle an guten Veröffentlichungen ist es schon schwer, etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Da sind Reviews, Interviews und Storys in Magazinen sehr begehrt und es bewegt ja dann doch hin und wieder mal reinzuhören. Wobei das nun nicht mehr über die mitgelieferten Sampler passiert wie früher, sondern die Links zu Videos oder Streaming-Plattformen eine zentrale Rolle eingenommen haben. Wohlwollende Reviews sind natürlich wichtig, um eine hohe Qualität herauszustreichen, für die Platzierung in den Verkaufscharts aber leider nicht zwingend der Schlüssel zum Erfolg, wie wir ja wissen. Bandcamp ist vor der Veröffentlichung stark im Fokus, da hier rüber der Vorverkauf des Albums läuft. Um alles Weitere kümmern sich dann die Vertriebe. Die alles umfassende Streamingwelt mit all ihren Portalen wird immer mehr zum Mittelpunkt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass gerade wir deutschen Bands da etwas den Anschluss verpasst haben.

Time For Metal / Juergen S.
Sebastian, vielen lieben Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast! Wir hier bei Time For Metal verfolgen das Geschehen um Décembre Noir natürlich interessiert weiter. Und Danke für die Einladung im April nach Erfurt. Der Einladung werde ich natürlich sehr gerne nachkommen!

 

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