Schonungslos, offen und ehrlich gaben und die Jungs von ZenZenKlang ein Exklusivinterview zum Release Ihrer Debüt-CD „Z“ in Lübeck:

Time For Metal / Norbert

Wir haben uns vor 13 Monaten kennengelernt, nun ist die schon damals angekündigte Full-Lengh-CD draußen. Ihr habt es nicht geschafft bei einem Label unterzukommen und die CD wieder in Eigenregie heraus gebracht. Woran hat es gelegen?

ZenZenKlang / Kim

Wir haben 2015 die EP gemacht und gemeinsam darüber nachgedacht, damit bei Labels vorstellig zu werden. Dann haben wir uns dagegen entschieden. Wir sind Metal-Fans, die Musik machen und einfach Spaß daran haben. Wir sind keine Teenager mit Karriereambitionen mehr. Wenn Du einen Deal hast, spielst Du Dir den Arsch ab und bist heute vor dreißig Leuten in Nürnberg und morgen vor 25 in Erfurt. Das ist total ok und gehört dazu, aber wir stehen alle mitten im Leben. Familie, Kinder, Job – da ist einfach nicht mehr der Platz, die lange Leiter raufzuklettern. Wir haben uns entschieden, das zu machen, was wir wollen, und zwar dann, wenn wir Lust dazu haben. Herausgekommen ist ein sehr freies und entspanntes Musikmachen. Das heißt nicht, dass es keine Träume mehr gibt.

Time For Metal / Norbert

Ich persönlich finde die CD recht geil, nur die beiden Joke-Tracks schmecken mir gar nicht. Habt Ihr die Rezension meines Kollegen gelesen und was haltet Ihr von seiner Wertung?

ZenZenKlang / Martin

Wir haben die Rezension gelesen, die war fair und berechtigt. 7,8 Punkte von 10, das ist doch für Amateure wie uns gar nicht schlecht, oder? Bzgl. der Skits auf dem Album: Alle haben uns davon abgeraten, weil das nicht Metal ist und weil das nicht zu den Liedern passt. Weil das nicht auf ein Album gehört usw. Wir haben es trotzdem gemacht, weil wir nun mal einfach so sind. Bei uns ist nicht immer alles ernst und düster. Wir lachen viel und machen zusammen Quatsch. Das ist untrennbar mit der dunklen Seite der ZenZe verbunden.

Time For Metal / Norbert

Schon prominente Reaktionen auf die CD erhalten?

ZenZenKlang / Martin

Nein. Moment – ist meine Mutter eine Prominente? Für mich ja. Die hat sich unser Album tatsächlich komplett angehört. Sie war nicht begeistert, hat aber auch nicht vorher ausgemacht. Ich denke, mehr Props kann man kaum bekommen.

ZenZenKlang live 2017

Time For Metal / Norbert

Trotz aller Bemühungen, es stehen erst vier Liveauftritte für 2018 fest. Habt Ihr noch etwas in der Pipeline oder ist es tatsächlich so schwer, für eine Metal-Band aus dem Norden Auftrittsmöglichkeiten zu finden?

ZenZenKlang / Kim

Ein paar Sachen sind noch in der Pipeline, aber nicht spruchreif. Ich glaube, es ist gar nicht so schwer, Auftritte zu finden – wenn Du mit Pay2Play keine großen Probleme hast. Aber wir sind neben unseren Berufen Musiker, nicht Berufsmusiker. Nachdem wir Lübeck als unsere Heimat schon zur Genüge bespielt haben, wollen wir jetzt erst mal im Umland Fuß fassen. Hamburg und Wilhelmshaven sind da ein Anfang und mit Kiel ist noch was in der Röhre. Allerdings ist unser Netzwerk in anderen Städten und Regionen sehr grobmaschig – da dauert’s dann eben ein bisschen. Wir hauen andererseits aber auch viele Bewerbungen und Infopakete raus, wo wir überhaupt gar kein Feedback bekommen. Das finde ich ehrlich gesagt noch unschöner, als wenn einer sagt: Euch wollen wir nicht. Das ist dann wenigstens ´ne ehrliche Nummer.

Time For Metal / Norbert

Ihr spielt Metal, gepaart mit neuer deutscher Härte. Texte in Deutsch, professionelles Auftreten, geiler Sound. Eigentlich alles richtig gemacht, aber so recht kommt da nix. Liegt es an der norddeutschen Randlage für diese Musik oder wie erklärt Ihr Euch die fehlende Aufmerksamkeit?

ZenZenKlang / Martin

Hm, schwer zu sagen. Vermutlich liegt es zunächst daran, dass wir nicht gut verdrahtet sind. Ich habe eine Band gesehen – da war keiner älter als 18 – die haben sich gegründet, grausam gespielt, hatten aber nach sechs Wochen fast 4000 Follower. Da hat jeder einen Account mit tausenden sog. Freunden und da kommt der Stein dann schnell ins Rollen. Likes sind einfach der neue Goldstandard, ob bei Bookern oder Managern. In diesem Bereich haben wir ein altersbedingtes Defizit, das kann man dann schwer ausgleichen. Wir haben in den letzten beiden Jahren aber auch einfach zu wenig live gespielt. Wo wir waren, hat’s dann allerdings auch gekracht – das macht Laune und Mut!

Time For Metal / Norbert

Ihr macht alles in Eigenregie. Liegt es daran, dass Ihr niemanden Eures Vertrauens findet, oder wollt Ihr bewusst keinen Agenten oder Manager in Eure Reihen lassen?

ZenZenKlang / Kim

Bisher haben wir eigentlich nie wirklich jemanden gebraucht, will sagen: Bei keinem Projekt bestand die Notwendigkeit für ein berufsmäßiges Management. Gute Frage. Was könnte ein professioneller Manager eigentlich für uns noch tun? Ich glaube, ein Vertrieb wäre schön, dann könnte man unsere Sachen bei Amazon oder Spotify etc. runterziehen. Aber generell gilt: Je mehr Menschen mit einer Band Interessen verfolgen, desto mehr wächst der Zwang. Das liegt in der Natur der Sache und ist völlig in Ordnung, wenn man sich darauf einlassen will und das große Abenteuer Rockstar haben möchte. Wir bleiben aber gern in unserer Peter-Pan-Welt.

Time For Metal / Norbert

Ihr kommt aus Lübeck, keine 80 Kilometer entfernt haben wir das größte Metal-Festival der Welt. Schon versucht Kontakt mit Jensen/Hübner vom Wacken Open Air, oder auch bei den kleineren Festivals wie dem Metal Hammer Paradise, dem Baltic Open Air oder den Hamburg Metal Dayz aufzunehmen?

ZenZenKlang / Kim

Wir können da im Moment leider nicht viel dazu sagen, aber vielleicht das als kleinen Hint: In dieser Richtung bewegt sich gerade etwas. Vielleicht gibt es da dieses Jahr noch eine Überraschung….

Time For Metal / Norbert

Noch einmal zurück zu Eurer CD. Die drei Titel Euer EP fanden auch Einzug auf die CD „Z“. Dafür spielt Ihr live Titel, die sich nicht wiederfinden. Hat das Gründe, ist ja für eine Debüt-CD sehr ungewöhnlich?

ZenZenKlang / Martin

Das Album “Z” beschließt auch einen bestimmten Schaffenszyklus. Wir haben ZenZenKlang 2013 neu gegründet und uns nach und nach ein Set aufgebaut. Wir mussten unseren Stil finden und viel ausprobieren. Vieles ging dabei über Bord, Neues kam hinzu – das war eine unheimlich energiegeladene Zeit. „Z“ fasst das zusammen. Jetzt beginnt eine neue Phase. Reifer und auch zielgerichteter. Das bedeutet natürlich auch neue Stücke, die wir schon live spielen, hat aber noch viele andere Facetten.

Time For Metal / Norbert

Ungewöhnlich, aber sehr kreativ und professionell finde ich die Gestaltung des Covers. Wer ist wie auf die Idee gekommen, Euch nackt zum „Z“ ablichten zu lassen?

ZenZenKlang / Martin

Tja, da muss man ehrlich sein: Wir machen zwar so gut wie alles im Kollektiv, aber das war allein Jenzers geniale Idee. Wir haben lange über die Gestaltung des Covers nachgedacht, viel aufgetan, viel verworfen. Von dieser Idee waren wir alle gleich begeistert. Es ist übrigens nicht zusammengefotoshopt, wie viele denken. Wir haben uns auf eine schwarze Leinwand exakt so hingelegt und dann die Aufnahmen von einem Profi mit der Drohne machen lassen.

Time For Metal / Norbert

In welcher Auflage habt Ihr damals die EP und nun die CD produzieren lassen?

ZenZenKlang / Kim

Beide erst mal 150 Stück. Die EP haben wir dann noch mal in derselben Auflage nachgeordert, von dem Album müssen wir es wohl bald tun. Viel ist nicht mehr da.

Time For Metal / Kay

Wo kommt der Name her? ZenZenKlang ist ja recht ungewöhnlich.

ZenZenKlang / Kim

Auch beim Namen haben wir lange getüftelt. Viel kam zunächst nicht dabei heraus. Man muss da auch vorsichtig sein, weil vieles vom Klang Dich schon in eine bestimmte Ecke stellt, mit der wir nichts zu tun haben wollen. „Kraftpaket“ zum Beispiel fanden wir gut, haben uns aber dann deswegen dagegen entschieden. „Ultraschall“ wäre geil gewesen, gab es aber schon. Eines unserer ersten Lieder enthielt dann die Zeile „Der Sensenmann ist da“. Als wir das einmal gespielt haben, hat Martin mitten im Stück – nach dieser Zeile – aufgehört zu spielen und meinte: Wie wäre das denn: Sensenklang? Da mussten wir nicht mehr lange diskutieren. Am nächsten Tag kam Steffo dann noch mit der Idee vom Z und Zen um die Ecke und fertig war der Name!

Time For Metal / Kay

Laut Vita habt Ihr vorher bereits Erfahrungen in anderen Bands gesammelt, ist da was Bekannteres bei?

ZenZenKlang / Martin, Kim

Bekannt, naja, eher nicht. Steffo und Jenzer haben bei Abgator gespielt. Größte Erfolge waren Auftritte mit Leeway oder bei einem Festival in der Markthalle. Jenzer hat mit seiner späteren Band Junket eine Tour mit Cement (Ex-Faith No More) durch Tschechien gemacht. Wir beide waren vorher bei Provivet. Große Erfolge? Hmm, ein Studioalbum (gibt’s sogar noch bei Amazon), eine EP, ein Demo, Main-Act auf einen Samstag bei der Kieler Woche in der Pumpe – das war es eigentlich. Der Erfolg – wenn man das so nennen will – war eigentlich eher, dass wir alle ununterbrochen Musik gemacht haben – und das in den letzten 25 Jahren. Dann waren wir endlich reif für die ZenZe!

Time For Metal / Kay

Wer schreibt bei Euch die Songs und die Texte?

ZenZenKlang / Martin

Wir sind da wirklich ein Kollektiv und werkeln alles gemeinsam durch, bis es passt. Vielleicht kann man hier noch am ehesten Kim hervorheben, weil eigentlich fast jedes Songwriting damit anfängt, dass Kimi in den Übungsraum kommt und sagt: „Moin Leute. Ich hab da so’n Riff….“

Time For Metal / Norbert

Vielen Dank, dass Ihr Euch für uns die Zeit genommen habt. Wir sehen uns spätestens am 23.12.2018 in der Kulturwerft Gollan wieder, wenn Ihr traditionsgemäß den Support für Feuerengel spielt!

Das Review von Time For Metal über das Debüt „Z“ könnt Ihr hier nachlesen.

 

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