Ivory Tower – Stronger

Tatsächlich stärker denn je

Artist: Ivory Tower

Herkunft: Kiel, Deutschland

Album: Stronger

Spiellänge: 76:18 Minuten

Genre: Modern Progressive Metal

Release: 23.08.2019

Label: Massacre Records

Link: https://www.facebook.com/ivorytower.de/

Produktion: Mix im Ivory Tower Studio, Kiel von Sven Böge und Mastering im Fascination Street Studios, Schweden von Tony Lindgren

Bandmitglieder:

Gesang – Dirk Meyer
Gitarre – Sven Böge
Bassgitarre – Björn Bombach
Keyboard – Frank Fasold
Schlagzeug – Thorsten Thrunke

Tracklist:

  1. The Offer
  2. Loser
  3. End Transmission
  4. Money
  5. In Me
  6. Slave
  7. Strong
  8. Flight Of The Dragon
  9. Life Will Fade
  10. Passing
  11. The Wolves You’ve Let In
  12. One Day

 

Es war im April 2017, ich war mal wieder in meinem zweiten Wohnzimmer, dem Parkhaus Meiderich in Duisburg. Vier Bands unterhielten am Abend bestens, eine davon war Ivory Tower. Damals hielt noch Sven (nein, nicht der jetzige Gitarrist) das Mikro in der Hand, und die Jungs erzählten davon, dass sie auf der Suche nach einem Label seien. Einige Umbesetzungen in der Band und einige Label später erschien jetzt am 23.08. über Massacre Records der fünfte Longplayer – im wahrsten Sinne des Wortes – Stronger. Ein sehr ambitioniertes Werk, so viel kann ich schon mal sagen.

Himmelhilf, die Männer von Ivory Tower machen aber keine Gefangenen, mit Vollgas geht es mit The Offer direkt los. Die sehr geilen Riffs fräsen sich in Nullkommanix durch die Gehörgänge, dicht gefolgt vom Chorus, den ich spätestens beim dritten Mal schon lauthals mitgrölen möchte. Da hat Dirk aber definitiv die bessere Stimme, also halte ich mich zurück. Dass Sven nicht nur geile Riffs kann, zeigt er dann auch in dem ersten Solo des Albums, dem – Ihr ahnt es – noch viele weitere folgen werden. Als bekennender Schlagzeug-Fan wissen natürlich auch die geilen Doublebase-Attacken sehr wohl, wie sie zu mir ans Ohr gelangen. 😀

Wunderbar variabel zeigt sich dann Dirk gleich beim folgenden, ebenfalls mit durchgedrücktem Gaspedal losbrausenden Loser. Schön rau die Stimme, behält sie ihre Kraft in den unterschiedlichsten Tonlagen und erinnert mich streckenweise tatsächlich ein wenig an Mats Levén – und der ist meinen Top 5 der Metalsänger. Loser ist der erste Song, bei dem sich auch Frank mit seinem Keyboard mal ein wenig ins Scheinwerferlicht begeben darf. Und Ivory Tower wissen sehr genau, wo es sich auch noch empfiehlt, diesen schönen Tönen mal ein wenig mehr Raum zu geben, denn unter anderem auch Slave und Passing profitieren von Franks Fingerfertigkeit.

Nimmermüde scheinen die Männer von Ivory Tower zu sein, das Tempo wird eigentlich während der gesamten Spielzeit nicht wirklich gedrosselt. Fängt Money mal etwas verhaltener an, kündigen schon die ersten Doublebase-Töne nach ungefähr dreißig Sekunden an, dass jetzt wieder der Fuß aufs Gaspedal geht. Dass wir bei Genre auch das Wörtchen „Progressive“ stehen haben, soll nicht darauf hindeuten, dass es verfrickelt wird – außer vielleicht bei den überragenden Gitarrensoli – sondern, dass Ivory Tower gern mal mit verschiedenen Tempo- und Rhythmusvarianten spielen, diese aber nicht so extrem auseinanderdriften, dass man droht, den Faden zu verlieren.

Ausnahmen von den „Vollgas-Songs“ gibt es aber auch, anders wäre ja langweilig. In Me kommt unbeirrt vor sich hinstampfend im Downtempo aus den Boxen, die Bridge, die Ivory Tower für diesen Song komponiert haben, ist grandios! Mit seinem fast schon hymnischen Charakter empfiehlt sich dieser Song definitiv für die Setliste jeder Show.

Warum ausgerechnet das kurze, instrumentale Flight Of The Dragon so ruhig daherkommt, müssten mir die Jungs von Ivory Tower mal erklären, denn den Flug eines Drachens stelle ich mir alles andere als ruhig vor, aber gut 😀

Bei den vielen schnellen Songs ist die Tanknadel dann irgendwann bedrohlich gegen 0 gerutscht. Um zur Tankstelle zu kommen, sollten wir mal ein paar Gänge runterschalten. So rollen wir also langsam mit der von einem breiten Keyboard-Teppich passend unterlegten Powerballade The Wolves You’ve Let In zur rettenden Zapfsäule. Die Feuerzeugflammen, die hier während der Shows im Publikum leuchten dürften, sollten wir an der Tanke allerdings nicht entzünden 😀

Nach etwas mehr als einer Stunde geht es dann mit One Day zum letzten Song. Der steht tatsächlich mit 12:23 Minuten in der Trackliste, da muss ich dann gleich an Bands wie Dream Theater denken, für die das aber wohl eher ein kürzerer Song wäre. Wird es jetzt doch noch mal verfrickelt, vertrackt, verschachtelt, so richtig progressiv eben? Ich kann Euch beruhigen, wird es nicht, warum auch? Ivory Tower hauen noch einmal ordentlich auf den Putz, und der Song selbst ist auch nicht kürzer oder länger, als alle anderen auf dem Album auch. Die Männer haben aber noch eine nette Botschaft an die Hörer, wobei man die Pause davor vielleicht doch etwas kürzer hätte halten können.

Zu meinem Favoriten In Me gibt es leider keine offizielle Hörprobe, also hier das offizielle Video zu Slave, das gerade heute veröffentlicht wurde:

Fazit
Ich muss ja gestehen, dass mir das Album beim ersten Hören einfach nur sehr lang vorkam. Es klang für mich irgendwann eins wie's andere. Aber um die Klasse dieses Albums zu entdecken, sollte man dem Werk Zeit geben und es, zumindest die ersten paar Male, nicht nur nebenbei laufen lassen. Das wäre auch, wie Perlen vor die Säue zu werfen. Wenn man es dann für sich entdeckt hat, kristallisieren sich sowieso die favourites raus, auf die man sich dann ja beschränken kann. Das soll definitiv keinen der Songs abwerten, aber ich habe eigentlich kaum ein Album, dass ich immer noch mit Begeisterung vom ersten bis zum letzten Ton höre. Fans von Brainstorm oder der alten Sachen von Symphony X dürfen jedenfalls bedenkenlos zugreifen.

Anspieltipps: The Offer, In Me und Slave
Heike L.9
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9
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