Knockdown Festival 2018 am 16.12.2018 in Karlsruhe

“Knockdown Festival 2018 am 16.12.2018 in Karlsruhe!“

Eventname: Knockdown Festival 2018

Bands: Stick To Your Guns, Caliban, Emil Bulls, Lionheart, Any Given Day, Counterparts, Bad Omens, Silent Planet, Grizzly, Employed To Serve, Acres, Comrades

Ort: Schwarzwaldhalle, Karlsruhe

Datum: 16.12.2018

Genre: Metalcore, Hardcore, Metal

Veranstalter: Bottom Row

Link: http://www.2018.knockdown-festival.de/

Im letzten Jahr musste das Knockdown Festival umziehen und kehrt in dieser Auflage zurück nach Hause, in die Schwarzwaldhalle, um dort die bereits dritte Ausgabe zu feiern. Wie in den letzten Jahren leitet dieses Festival, zusammen mit dem Heavy Metal Kollegen mit dem Titel Knock Out, das Ende des musikalischen Kalenderjahres ein. Das Indoor Event zählt in ganz Deutschland zum heißen Eisen und zieht Headbanger und Mosher aus der ganzen Republik nach Baden-Württemberg. Im Gegensatz zum großen Bruder ist es heute nicht ganz ausverkauft aber nach dem Jahr Abstinenz wirken die Besucher heiß darauf, die Schwarzwaldhalle gleich mit derben Breaks und harten Shouts bis in die Grundmauern zum Beben zu bringen.

Das Quartett Grizzly, Employed To Serve, Acres und Comrades dürfen am Anfang den Ton angeben. Letztere zelebrieren modernen Post Rock/Post Hardcore, den man im Jahre 2018 erwartet. Die Amerikaner haben im Oktober über Facedown Records ihr aktuelles Werk Lone/Grey herausgebracht und lassen sich auf der Bühne in Karlsruhe sehen. Der Abend ist lang und noch nicht alle Besucher anwesend, daher natürlich noch keine so große Party wie bei den letzten Acts. Trotzdem kann man die Klänge aus Nordamerika ruhig mal live erleben.
Gleiches Genre, nur deutlich weniger Kilometer Anreise haben die Jungs von Acres, die aus UK auf das europäische Festland springen. Ben Lumber zieht seine drei Kollegen förmlich mit und hinterlässt ebenfalls einen sachlichen aber bleibenden Eindruck. So viel kann man bereits jetzt sagen, Totalausfälle gibt es heute auf dem Knockdown nicht!
Nasty Hardcore – so lautet das Genre von Employed To Serve, die aus Woking stammen und von Spinefarm Records sowie der Universal Music Group betreut werden. Der Anspruch ist daher deutlich höher an die Künstler als an die Gruppen davor. Die Hürde wird jedoch wunderbar gemeistert und die ersten Partywütigen hauen auf den Putz. Für die erste Stärkung, was das leibliche Wohl angeht, muss man feststellen: Alles wurde angehoben, aber die Qualität eher nach unten geschraubt, das wohl einzige kleine Manko überhaupt!

Das erste Highlight folgt mit Grizzly, die ihr Album Polaroids aus dem Januar dabei haben. Alleine dieses Werk ist abartig grandios und wurde nicht ohne Grund bei uns mit voller Punktzahl ausgezeichnet. Das Review findet ihr direkt HIER! Vor ihrem heimischen Publikum drehen die local Heros wie vorher vermutet bis ans Limit auf. Die beiden Sänger Zig und Kev lassen keine Möglichkeit Heavy Pop Punk Duett anzustimmen. Nicht nur ihre zahlreichen Freunde in den Reihen fressen ihnen aus den Händen, auch alle anderen Anhänger bzw. gerade dazu gewonnenen Liebhaber.
Die zweiten Amerikaner Silent Planet verbreiten mit The Well, Panic Room oder Native Blood einen mächtigen Sound. Das Ende der zur kurzen Show, wie bei ihren Vorgängern Grizzly, bilden die beiden Hits Psychescape und Depths II. Festivals sind dafür da Altbewährtes zu erleben, Höhepunkte zu genießen und Neues zu erleben. Letzteres haben wir bereits ordentlich getan – so langsam geht es auf die Grade, um die Recken der Szene auf die Bretter zu bitten.
Bad Omens, ebenfalls aus den Staaten, spielen Art Rock bzw. Metal, wurden erst vor drei Jahren gegründet, gelten unter Kennern jedoch schon als Leckerbissen. Das spürt man ohne Abstriche, als Noah Sebastian, Nicholas Ruffilo, Joakim „Jolly“ Karlsson und Nick Folio beginnen, Karlsruhe unsicher zu machen. Mit dem Opener Hedonist und Feral schmilzt im Sekundentakt das Eis. Bad Omens brauchen nicht lange, um zu zünden: Exit Wounds, Broken Youth und Malice ebnen den Weg in eine glorreiche Schlacht. Mit Grizzly die Überraschung der Veranstaltung.
Den finalen Punkt setzt Glass Houses wie ein tiefer Messerstich. Woher Counterparts stammen, brauchen wir nicht erwähnen oder? Genau wie viele Formationen schipperten sie auch über den großen Teich nach Europa. Sänger Brendan Murphy wirkt wie das Gefolge ausgeruht und bis in die Haarspitzen motiviert das Dargebotene noch mal zu toppen. Das wiederum wird nicht leicht – Counterparts spielen trotzdem eine große Rolle, denn viele haben die elf Jahre alte Combo bereits dick und fett auf ihrer Liste markiert. Stranger, Witness und Swim Beneath My setzten klasse Duftnoten und die Extase in der Schwarzwaldhalle nimmt ihren Lauf. Schweiß strömt mit Skin, der spätestens mit Burn brennend in die Augäpfel rinnt. Last But Not Least The Disconnect, der noch mal alle Nacken brechen lässt.

Für noch fettere Augenblicke sorgen Stick To Your Guns, Caliban, Emil Bulls, Lionheart und Any Given Day. Vor allem das Durchschnittsalter ist im Vergleich zu vielen Veranstaltungen der harten Klänge relative niedrig. Core zieht somit wieder mehr junge Menschen an. Davon profitieren nicht nur Any Given Day, die 2012 mit dem Mix aus Metalcore und Djent-Band in Gelsenkirchen gegründet wurden. Während Königsblau ihr blaues Wunder erleben, haben Any Given Day keine Talfahrt anvisiert. Das dritte Studioalbum Everlasting liegt zwar schon zwei Jahre zurück, kann man aber trotzdem noch vorzeigen. Da bleibt die Frage: Wann gibt es endlich neuen Stoff? Das können wir hier und heute nicht klären, aber verkünden, dass Dennis Diehl weiß, wo der Hammer hängt. Das Interesse am Quintett ist nicht von der Hand zu weisen. Was viele gar nicht wussten, Everlasting ist bis auf Platz 14 der deutschen Albumcharts vorgedrungen. Das gesamte Set beinhaltet acht Knochenbrecher. Angefangen mit Savior führen die Deutschen den Pulk mit Endurance, Coward King und Ignite The Light ans Limit. Damit nicht genug – um ein höheres Level(s) zu erreichen, ist ihnen kein Weg zu weit. Die Bühne wird zum Tollhaus, während Hold Back The Time und Home Is Where The Heart Is gezockt werden. Leider war es dann schon mit Arise. Schade, denn die Deutschen sind live noch besser drauf, als auf einem Silberling. Live absolut zu empfehlen!

Oh holy Shit, hallte es durch vieler Munde, als Lionheart 2016 die Segel strichen. Lange währte diese Auszeit nicht, da war der Schrecken noch gar nicht verdaut, da ging es in Kalifornien erneut laut her. Hardcore, Metal und Punk – fertig ist die Laube. Das wäre wirklich billig, um Lionheart mit ihren fünf Alben und zwei EPs anzupreisen. Welcome To The West Coast II konnte zwar bei vielen nicht mehr überzeugen – was auf einer Stage zu tun ist, braucht man Rob Watson, Evan Krejci, Rob McCarthy, Travis Pacheco und Schlagzeuger Jay Scott nicht zu erzählen. Hail Mary und Vultures setzen feine Seitenhiebe. Im Nachhinein der wohl undankbarste Job, zwischen Any Given Day und Emil Bulls spielen zu dürfen. Es liegt immer im Auge des Betrachters, doch von den mit Punk Attitüde angehauchten Hardcore Banausen, hätte man mehr erwarten dürfen. Nun gut Keep Talkin‘, Trial By Fire und Love Don’t Live Here knallen trotzdem und haben ihren Charme.
Die Süddeutschen Emil Bulls stehen bei AFM Records unter Vertrag und haben seit 2001 mit Angel Delivery Service so manche gute Chartplatzierung eingeheimst. Die Fans warten daher nicht nur auf das aktuelle Material von Kill Your Demons, sondern aus allen Epochen der Alternativen Rocker mit dem Hang zum Nu-Metal und Hardcore. Der Titeltrack vom letzten Langeisen macht den Anfang, gefolgt von The Ninth Wave und The Most Evil Spell. Der Nervenkitzel ist schnell entfacht, das Bier schmeckt noch wunderbar und die Alternative verstrickten Salven peitschen frech in die nassen Haare. Sänger und Gitarrist Christoph „Christ“ von Freydorf nimmt das Zepter an sich und lässt es nur ungerne wieder los. Das wiederum ohnehin erst nach der Show – bei Stücken wie Hearteater, The Age Of Revolution oder When God Was Sleeping kann man ihn eh nicht bändigen. Ob auf Headliner Tour oder auf einem Festival draußen oder Indoor – Worlds Apart geht als Abschluss immer. Mit Emil Bulls kann man den nächsten Höhepunkt notieren, bevor es mit Stick To Your Guns und Caliban langsam zum Finale geht.

Als Co-Headliner fungieren Caliban, die über Century Media Records im April Elements veröffentlicht haben. Nicht nur diese Scheibe ist absolute Sahne, auch die Vorgänger sorgen für zufriedene Gesichter der Metalcore Fanatiker. Das Jahr ist für die Deutschen auch Mitte Dezember noch lange nicht vorbei, bis Weihnachten stehen noch diverse Auftritte an. Erstmals dreht Dein R3.ich und Walk Alone am Verstärker die teilweise düsteren Klänge aus der Anlage. Die Risikobereitschaft mit Elements eine nächste Entwicklung zu nehmen, wurde ihnen von den Fans nicht krummgenommen. Vielmehr werden die Hände zu Intoxicated oder Ich Blute Für Dich in die Höhe gerissen. Trotzdem bleibt das Set breit und das neue Material dominiert nicht das Gesamtbild. We Are The Many steht schnell auf der Agenda neben den später auf Zerstörungskurs segelnden This Is War und Davy Jones. Der Wahnsinn an den Gitarren hat zwei Namen: Denis Schmidt und Marc Görtz, die polarisieren – Gleiches gilt für Frontmann Andreas Dörner, der mit Marc Claiban als Urgestein führt. Die diversen Schläge auf die Fresse sind noch nicht genug? Kein Problem – Before Later Becomes Never setzt den nächsten Kinnhaken, bevor es für Caliban Richtung Prag geht. Zufrieden dürften alle Parteien den Abend quotieren und am zufriedensten dürfte die Formation selber die Power ihrer Anhänger aufgesogen haben! Ein langer Tag ist endlich vorbei. Nicht, dass wir Stick To Your Guns nicht sehen wollen, aber die müden alten Knochen wollen langsam nicht mehr. Auf in die letzte Schlacht mit Hardcore Punk aus Amerika. Der Kontinent hat heute mit unseren zahlreichen deutschen Recken durch den verschwitzten Abend geführt. Spätestens mit Disobedient und True View konnten die fünf Künstler in Europa ihren Durchbruch feiern. Doch sie zählen schon länger mit zu den größten Veteranen einer ganzen Gilde. 15 Jahre weiter und diverse Kollegen verschlissen hat Jesse Barnett seit 2008, man ignoriert den Wechsel an der zweiten Gitarre, die Traumkonstruktion gefunden. Würdig, mit vielen Stücken versehen, geht es krachend in Karlsruhe zu Ende. Feuer frei, What Choice Did You Give Us? fährt in eure ausgeleierten Gelenke. We Still Believe legt nicht nur nach, nein es brennt lichterloh und es gibt kein zurück mehr. Against Them All – noch Fragen im Moshpit? Ein Abriss, den man nicht zwingend erwarten musste, schließlich wurde viel Kraft schon verschossen. Seit dem frühen Nachmittag gibt es keine Zeit zu verschnaufen, höchstens in der Umbaupause. Leere Köpfe oder Empty Heads darf man nach der Tortur erwarten. Noch ist trotzdem nicht Schluss vor allem nicht mit Lustig. Unermüdlich dreht der Reißwolf Through The Chain Link und The Reach For Me: „Forgiveness Of Self“ verarbeiten euch zu Hackfleisch. Fast nostalgisch, jeder schöne Abend hat ein Ende! Nothing You Can Do To Me und Doomed By You dürfen nicht fehlen, wenn Stick To Your Guns langsam für den Arschtritt gen Heimat sorgen. Daumen hoch: Auch nach einem Jahr Pause haben alle nicht verlernt, was es heißt, wenn aus Schweiß Blut wird und Hardcore nicht nur Musik, sondern eine Lebenseinstellung ist. Wir hoffen auf eine Wiederholung im nächsten Jahr – auch gerne in der Schwarzwaldhalle.

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