Lvcifyre – The Broken Seal

Eine erschütternde Reise durch die Abgründe des menschlichen Geistes

Artist: Lvcifyre

Herkunft: England

Album: The Broken Seal

Spiellänge: 43:33 Minuten

Genre: Death Metal, Black Metal

Release: 10.09.2021

Label: NoEvDia (Europa) / Dark Descent Records (USA)

Link: https://lvcifyre.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – T.Kaos
Bassgitarre – Cvltvs
Schlagzeug – Menthor

Tracklist:

  1. Gods Await Us
  2. Tribe Of Khem
  3. Black Beneath The Sun
  4. Headless Rite
  5. The Broken Seal
  6. The Wolf Of The Great Dark
  7. The First Archon
  8. Blood Of Az
  9. Black Mass

Das Trio aus England ist bereits seit 2007 zusammen unterwegs. Die Musiker sind absolut fit an ihren Instrumenten und keine Unbekannten im weltweiten Metalzirkus. Hauptakteur T.Kaos war bei Sons Of Serpent tätig, Basser Cvltvs war bei Devilish Impression aktiv und Drummer Menthor zockt bei den kultigen Black Metallern von Enthroned. Bis dato hat die Band zwei Alben und zwei EPs am Start. Das letzte Album kam im Jahre 2014 heraus. Die Burschen haben sich also für das dritte Album gut Zeit gelassen.

God’s Await Us kommt mit einem kurzen, horrorlastigen Vorspann. Hallende Rückkopplungen und Beschwörungsklänge ertönen und dann geht das Gemetzel los. Hier gibt es gleich etwas auf die Glocke, aber man klingt schon ein wenig anders. Die Gitarre heult und das Songwriting macht zu Beginn einen chaotischen Eindruck. Der Gesang ist tief und aggressiv und teilweise clean, aber dann sehr dunkel und nur kurz. Bis zum Solo kämpft man sich so vorwärts. Nach dem Solo wird die Marschrichtung wieder aufgenommen. Es folgen ein Break und ein Basssolo und dann geht es weiter. Für den Zuhörer klart es sich ein wenig auf, aber dieses komplizierte Zusammenspiel bleibt. Es ist aber nicht so, dass man den roten Faden verliert, sondern dass es alles ein wenig nach Chaos und Zerstörung klingt und dieses wahrscheinlich auch gewollt ist. Alles ist durchdrungen von einer Atmosphäre kontrollierter Wut.

Auch Tribe Of Khem geht diesen Weg, ist meines Erachtens aber nicht so chaotisch wie der Opener. Aber auch dieser Song ist echt starker Tobak, der mit dem Nervensystem des Zuhörers spielt.

Vom Riffing her klingt Back Beneath The Sun ein wenig nach Morbid Angel. Dieser Song bietet eine geile Mischung aus Death und Black Metal an und kommt extrem böse rüber. Besonders dieser schon fast langsame Part mit kontrollierter, aber drückender Doublebass. Ansonsten wird natürlich geblastet was das Zeug hält und durch den chaotischen, aber nachvollziehbaren Songaufbau entsteht eine echt dunkle Atmosphäre. Ein Solo wird mit eingebaut und dann wird abartig schwarz gegroovt, ergänzt um eine kleine Melodie, um dann wieder alles niederzuknüppeln. Der langsame Teil wiederholt sich. Dieser ist echt geil, zumal die Stimme bösartig verändert wird. Kommt gut. Klingt dann schon beinahe wie eine Beschwörung und langsam lässt man dann ausklingen.

Und so drehen Lvcifyre ihre Kreise und bauen ein echt dunkles Szenario auf. Sicker Krams, sowohl musikalisch als auch textlich. Die Texte – manische, dämonologische Verse, die sich so lesen, wie das Album klingt – werden gebrüllt, gesungen, gestöhnt und geknurrt, zu gleichen Teilen mit Überzeugung und Besessenheit.

Dissonante Gitarren, verwirrendes Songwriting und eine abartige Atmosphäre prägen dieses Album. Musikalisch muss man das Ganze wohl als Blackened Death Metal bezeichnen. Aber auch hier entfernen sie sich ein wenig von anderen Bands. Teilweise klingt man hypnotisch und durcheinander, aber das ist pure Absicht. Man weiß nie, was als Nächstes passiert. Eine kranke Melodie oder ein groovender Death Metal Part? Wenn sie eins nicht sind, dann ist es vorhersehbar. Erwarte das Unerwartete. Wenn man Mucke für ein Ritual braucht, kann man dieses Album gut verwenden. Mir persönlich sind diese Sprünge in andere Dimensionen ein wenig zu viel.

Die Atmosphäre auf diesem Album ist wirklich beklemmend erstickend. Habe ich lange nicht mehr oder vielleicht auch noch nie so gehört. Dies liegt zum Teil auch an der Produktion, denn diese knallt ohne Ende. Richtig fett. Eine erschütternde Reise durch die Abgründe des menschlichen Geistes.

Lvcifyre – The Broken Seal
Fazit
Wer die anderen Alben von Lvcifyre kennt und mag, weiß, was ihn erwartet. Blackened Death Metal mit diabolischer Wut und kompletter Wildheit. Eine Atmosphäre, die einen erstickt. Kein Album für nebenbei. Kein Album für ein Feierabendbierchen. Bösartigkeit musikalisch vertont. An einigen Stellen ist mir das aber dann zu viel starker Tobak. Das muss aber jeder selber herausfinden.

Anspieltipps: The Broken Seal und The First Acheron
Michael E.
7.7
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8.5
7.7
Punkte
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