Marilyn Manson – Heaven Upside Down

“Gewohnt düster und dreckig, mit einigen Experimenten und nahe am Industrial dran“

Artist: Marilyn Manson

Herkunft: USA

Album: Heaven Upside Down

Spiellänge: 47:29 Minuten

Genre: Alternative Metal, Gothic Rock, Industrial Metal

Release: 06.10.2017

Label: Loma Vista Recordings

Link: http://www.lomavistarecordings.com/

Bandmitglieder:

Gesang –  Marilyn Manson
Gitarre – Paul Wiley (seit 2014)
Gitarre – Tyler Bates (2014–15, seit 2016)
Schlagzeug – Gil Sharone (seit 2013)

Tracklist:

1. Revelation #12
2. Tattooed In Reverse
3. WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE
4. SAY 10
5. KILL4ME
6. Saturnalia
7. JE$U$ CHRI$I$
8. Blood Honey
9. Heaven Upside Down
10.Threats Of Romance

23 Jahre und jetzt nun zehn veröffentlichte Alben: Über diese zwei stolzen Zahlen kann sich die amerikanische Band Marilyn Manson freuen, die mit ihrem zehnten Album Heaven Upside Down am 6. Oktober Jubiläum feierte. Der gleichnamige Frontmann Manson, welcher zugegebenermaßen in letzter Zeit vor allem durch fragwürdige Liveauftritte in der Presse Aufmerksamkeit fand, befindet sich mit seinen Bandmitgliedern diesen Monat auf Tour durch Deutschland. Doch kann die neue Platte auch nach all den Jahren Neues bereithalten?

Tourdaten Marilyn Manson Deutschland

16.11.2017 – Hamburg, Sporthalle 
 18.11.2017 – München, Zenith 
 20.11.2017 – Wien, Gasometer 
 25.11.2017 – Berlin, UFO 
 29.11.2017 – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle 

Man könnte das gewählte Cover des Albums für die eigentliche Grusel Band fast schon als normal und einfach bezeichnen – ein schwarz-weiß Porträt Mansons ist hier wohl ausreichend und vielleicht soll damit zum Jubiläum ja auch ein gewisses Statement gesetzt werden. Das Album hält jedenfalls, ganz passend natürlich, 10 Songs für die Zuhörer parat.

Als Opener dient Revelation #12. Vielleicht wäre es etwas zu übertrieben gewesen, aber Revelation#10 hätte hier durchaus ganz gut als Titel gepasst, quasi jedes Album als Offenbarung. Jedenfalls liefert Revelation #12 als Opener des Albums gleich ein ordentliches Tempo und der Gesang Mansons zeigt sich schnell als gewohnt dreckig, düster und hier auch mit so einer Energie dahinter – da hat man den Rockstar schon deutlich „unmotivierter“ am Ball erlebt. Fast schon spielerisch leicht werden hier elektronische Industrial Elemente mit dreckigem Gesang verbunden – das Ergebnis ist ein Track, der Spaß macht und der im Text eingebaute Countdown passt doch wie die Faust aufs Auge für einen Album-Opener. Für Neulinge des Manson Sound könnte Revelation#12 durchaus wie ein Sprung ins kalte Wasser wirken, schließlich versetzt der Track den Zuhörer doch direkt in diese typische Atmosphäre, die auf jedem Album (mal mehr oder weniger) Marilyn Manson ausmacht.

Der zweite Track Tattooed in Reverse nimmt sich eines kurzen Intros an, in welchem, so zumindest die subjektive Wahrnehmung, durchaus das vertraute Geräusch einer Tattoonadel zu hören ist. Der Song selbst nimmt ein wenig das Tempo heraus, spart jedoch nicht an Industrial Elementen – eine Tatsache, welche sich im Album durchweg durchsetzt. Tattooed in Reverse versteht es, die düstere, dreckige Atmosphäre in Mansons Stimme zu nutzen, nicht auf Tempo oder Härte zu gehen, sondern vielmehr mit der instrumentalen Seite und des Gesangs zu spielen. Hier und da elektronische Breakdowns, schleichende Parts, aufbauende Elemente in der zweiten Hälfte – Tattooed in Reverse scheint einem Rezept zu folgen. Dennoch wirkt der Song wie aus einem Fluss und dürfte vor allem Zuhörer überzeugen, die Fan der eher langsameren Songs der amerikanischen Band sind, denn insbesondere in diesen können diese Atmosphären auch ausgespielt werden.

Titel Nummer Drei WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE, wurde schon vorab als Single veröffentlicht und wohl kein Song könnte mehr Marilyn Manson ausstrahlen als dieser Track. Aus instrumenteller Sicht bewegt er sich genau zwischen Revelation#12 und Tattoed in Reverese – nur im Chorus werden das Tempo und auch die Energie aufgenommen, die Verse zeigen sich ähnlich spielerisch, auch wenn hier etwas mit den Electro-Elementen gespart wird. Der Aufbau von WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE scheint wie eine Achterbahnfahrt, baut er sich doch immer zu einem Ekstasemoment auf und flacht dann wieder ab. Der Song erinnert stark an Atmosphären, welche Manson mit seinen Alben Holy Wood oder auch Antichrist Superstar schaffte – viele Fans der Band sehen diese als die wohl stärksten Platten an, womit die Begeisterung über WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE natürlich bereits im Vorfeld groß war. Der Song gehört auch definitiv zu den Stärksten des neuen Albums.

Der vierte Track SAY10, hier nun auch eine Anspielung auf das Jubiläum, sorgte zunächst vor allem für Aufsehen, da das dazu passende Musikvideo niemand geringeren als Jonny Depp als Gaststar beinhaltete – kurz nach der Veröffentlichung konnte damit also super gepunktet werden. Auch wenn SAY10 gar kein besonderes Marketing nötig hat, treibt dieser Song doch den Manson Vibe auf die Spitze, welcher von WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE bereits mehr als deutlich beim Zuhörer ankam. SAY10 ist dreckig, Gothic und könnte nicht besser altbekanntes mit Neuem verknüpfen. Hier stimmt jeder Bass, jede Verzerrung und das Ergebnis ist eine Hymne, die rockiger nicht sein könnte und hoffentlich bei keiner Liveshow fehlen wird. Höchstens textlich könnte man die recht einfache Hook Line „You say God and I say Satan“ als nicht sonderlich berauschend bezeichnen, dennoch trägt genau diese zu dem Hymnencharakter bei, welcher SAY10 besitzt. Das Album Heaven Upside Down sollte auch eigentlich erst denselben Titel tragen, am Ende entschied man sich aber dann doch für den vorletzten Track der Platte als Titeltrack.

KILL4ME führt den eher langsameren Trend von Heaven Upside Down ein ganzes Stück weiter und man könnte den Song eventuell auch als einen der Ruhigsten beschreiben. Auch wenn er mehr Fahrt aufnimmt, so scheint er sich doch fast schon zurückzuhalten, was umso ironischer mit dem Titel erscheint, hätte man sich hier einen weiteren Ausrasterssong vorstellen können. Vielleicht ist KILL4ME aber auch einfach eine kleine Pause oder halt der Liebessong des Albums – nicht weiter störend, aber halt nach SAY10 ein klarer Abfall, der doch recht überzeugenden Qualität, die Manson hier bisher geliefert hatte.

Mit Saturnalia liefern Marilyn Manson nicht nur den längsten Titel des Albums, sondern zeigen auch vor allem, was musikalisch so alles aus einem Song herauszuholen ist – bzw. was man musikalisch alles reinstecken kann. So vertreibt sich Saturnalia seine ersten Minuten mit einem instrumentalen Intro. Diese Gewichtung wird auch so schnell nicht aufgegeben, scheint doch der Gesang fast zweitrangig zu werden. Ein wenig wird dadurch das von KILL4ME ruhigere Tempo fortgesetzt, doch Saturnalia besitzt zum Glück eine Länge, welche für zwei Parts reicht, nimmt also zwischendrin immer mal wieder die Zügel etwas stärker in die Hand. Ganz so recht scheint sich der Song selbst jedoch nicht in eine gewisse Richtung einzugliedern und es fehlt trotz einer Länge von 7 Minuten, oder vielleicht genau deswegen, dann doch etwas an Tiefe, um wirklich in Erinnerung zu bleiben.

Zum Glück scheinen Marilyn Manson zumindest auf der aktuellen Platte zu wissen, was sie tun: Nach dem unschlagbaren SAY10 zuckt zunächst ein wenig Ernüchterung durch den eher belanglosen KILL4ME und dem teils verworrenen Saturnalia. Dann liefert die Gruppe mit JE$U$ CHRI$I$ zwar nicht unbedingt einen starken Song, zeigt sich aber sehr experimentierfreudig und kramt noch einmal tief in der Kiste der Vielseitigkeit, die Industrial innerhalb der Musik bietet. Manson nimmt dabei noch eine Schippe Attitüde auf, auch wenn der Song nicht ganz an die Stärksten herankommt, sticht er dennoch innerhalb der Platte hervor – dies sei aber natürlich auch dem Titel geschuldet.

Mit weitaus mehr Ernsthaftigkeit und weitaus weniger Attitüde zeigt sich Blood Honey, der sich allein dadurch aus dem Album komplett etwas hervorhebt. Zusammen mit JE$U$ CHRI$I$, Saturnalia und KILL4ME scheint die zweite Hälfte von Heaven Upside Down ein wenig in eine andere Richtung zu gehen, als die erste Hälfte hat vermuten lassen, war diese doch besonders vom typischen Manson-Stil geprägt. Während dies bei KILL4ME für etwas Missfallen sorgte, passt es für Blood Honey überraschend gut und unterstützt die musikalische Vielfalt, welche die Band ganz offensichtlich bemüht war, in die Platte zu zaubern. Insbesondere die zweite Hälfte weiß durch ihre Gitarrenparts zu überzeugen. Eventuell hätte sich eine andere Anordnung der Songs noch mehr gelohnt, so scheinen doch deutlich zwei Phasen in Heaven Upside Down vorzuliegen.

Der vorletzte Track und damit auch gleich der Titeltrack Heaven Upside Down, kommt vor allem im Vergleich zu den Vorgängern wieder etwas flotter an und scheint einem letzten Erwachen zu ähneln. Dennoch passt der Song zur musikalischen Richtung, welche Marilyn Manson in der zweiten Hälfte des Albums eingegangen sind und wohl auch einhalten werden – Heaven Upside Down zeigt sich dabei komplett ohne den düsteren Industrial Metal, lediglich Mansons Stimme verrät hier noch den Künstler hinter dem Song. Durchaus ein solider Rocksong, jedoch nicht unbedingt das, was Marilyn Manson am besten können. Damit zeigt sich der Titeltrack am Ende eher schwächer. Vielleicht wäre da SAY10 doch der bessere Name für das Album gewesen.

Mit dem letzten Song Threats Of Romance ändern Marilyn Manson das Konzept der zweiten Hälfte nicht noch einmal und machen dabei auch nicht den Fehler noch einmal aufbauen zu wollen, was bereits aufgegeben wurde. Hier konzentriert sich die Band also auch eher auf ihre rockige Seite, geht es eher ruhiger ohne große Experimente an. Threats Of Romance reiht sich als Song von seiner Art her wahrlich gut in Heaven Upside Down ein, präsentiert noch einmal Mansons kernige Stimme und rundet die zweite Hälfte solide ab.

Fazit: Ein Jubiläum ist stets ein Grund zur Freude. Mit 10 Alben kann man wahrlich von einem großen Jubiläum für die amerikanische Band Marilyn Manson sprechen. Mit Heaven Upside Down liefern sie also ein Album, welches einen wichtigen Schritt für die Band und natürlich in erster Linie für Manson selbst darstellt. Und mit SAY10 ist da durchaus ein Song dabei, welcher als Klassiker in die Geschichte der Band eingehen könnte und das hoffentlich auch wird. Insgesamt zeigt sich die erste Hälfte des Albums unglaublich stark und könnte den bekannten Manson Vibe nicht besser ausstrahlen - gewohnt düster und dreckig, mit einigen Experimenten und nahe am Industrial dran. Der Schnitt, für den sich die Gruppe entschieden hat, ist nicht unbedingt ein schlechter, hier kommt es auf die subjektive Wahrnehmung an: Auch die zweite Hälfte, die sich ruhiger verhält und eher an Alternative Rock erinnert, weiß zu überzeugen, wenn auch eben auf ganz anderer Ebene als die ersten Songs der Platte. Und auch wenn wenige Stellen enttäuschen und man sich vielleicht mit einem großen "Manson is back!" noch zurückhalten würde, so machen Marilyn Manson Laune, liefern einen schönen, düsteren Sound, dessen Attitüde einfach zum Frontmann selbst passt wie die Faust aufs Auge und dabei auch definitiv Vorfreude auf die kommenden Konzerte liefert - Attitüde seitens Mansons gehört halt auch live zum Rahmenprogramm.

Anspieltipps: SAY10, Revelation#12, Blood Honey
Anabel S.
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