Neal Morse – Jesus Christ The Exorcist – Live At Morsefest 2018

Bibelstunde einmal anders

Artist: Neal Morse

Herkunft: Nashville, Tennessee, USA

Album: Jesus Christ The Exorcist – Live At Morsefest 2018

Spiellänge: CD1 64:29 Minuten, CD2 55:27 Minuten

Genre: Progressive Rock

Release: 04.12.2020

Label: Frontiers Music

Link: https://www.nealmorse.com/

Bandmitglieder:

Gesang und Keyboard – Neal Morse
Gitarre – Paul Bielatowicz
Bassgitarre – Randy George
Keyboard – Bill Hubauer
Schlagzeug – Eric Gillette

Livebesetzung (Gesang):

Ted Leonard – Jesus
Talon David – Mary Magdalene
Nick D’Virgilio – Judas
Rick Florian – The Devil
Matt Smith – John The Baptist
Jake Livgren – Peter
John Schlitt – Caiaphas
Neal Morse – Pilate, Demon 1, Disciple 1
Mark Pogue – Israelite 1, The Madman of the Gadarenes, Pharisee 2
Wil Morse – Israelite 2, Demon 3, Pharisee 1
Gabe Klein – Demon 2, Pharisee 4
Gideon Klein – Demon 4
Julie Harrison – Servant Girl

Chor – Bill Gilliam, Lisa Gilliam, David Klein, Laurie Klein, Jerry Klein, Rosie Klein, Robin Hanloh, Martin Wilde, Joanie Howard, Kathy O’Keefe, Brant Pippin, Levi Pippin, Josh Turrentine, Trevor Larkin, Elizabeth Turrentine, Pamela George, Dominic D’Virgilio and Marie-Claire Toussaint
Chorleiter – Gideon Klein
Backgroundgesang – Amy Pippin, April Zachary, Debbie Bresee, Julie Harrison

Gastmusiker:

Perkussion und Keyboard – Wil Morse
Perkussion – Gabriel Klein
Violine 1 – Laura Epling
Violine 2 – Jake Tudor
Bratsche – Michael Lucarelli
Cello – Maggie Chafee
Kontrabass – Gideon Klein
Horn – Holly Smith
Posaune – David Cooper
Trompete – Dominique Caster
Saxophone und Flöte – Gabriel Collins

Tracklist:

  1. Introduction
  2. Overture
  3. Getaway
  4. Gather The People
  5. Jesus’ Baptism
  6. Jesus’ Temptation
  7. There Is A Highway
  8. The Woman Of Seven Devils
  9. Free At Last
  10. The Madman Of The Gadarenes
  11. Love Has Called My Name
  12. Better Weather
  13. The Keys To The Kingdom
  14. Get Behind Me Satan

  1. He Must Go To The Cross
  2. Jerusalem
  3. Hearts Full Of Holes
  4. The Last Supper
  5. Gethsemane
  6. Jesus Before The Council And Peter’s Denial
  7. Judas’ Death
  8. Jesus Before Pilate And The Crucifixion
  9. Mary At The Tomb
  10. The Greatest Love Of All
  11. Love Has Called My Name (Reprise)
  12. Morsefest 2018 End Credits

Es gibt Musiker, deren Tage mehr als 24 Stunde zu haben scheinen – Neal Morse gehört definitiv dazu. Allein eine Übersicht seiner musikalischen Werke würde den Rahmen dieses Reviews sprengen. Als Sänger, Multiinstrumentalist, Komponist und Texter drückte er Größen des Prog-Universums wie Spock’s Beard, Transatlantic, Ayreon und Flying Colors seinen Stempel auf. Auch Solo bringt es der Amerikaner unter eigenem Namen oder unter dem Banner The Neal Morse Band auf eine beachtliche Anzahl an Alben. So kann es passieren, dass selbst einem bekennenden Neal Morse Fan wie mir mal eine Veröffentlichung durch die Lappen geht. So geschehen mit dem 2019 erschienenen Progressive Rock Musical Jesus Christ The Exorcist. Morse veröffentlicht vor allem auf seinen Soloalben bekanntermaßen seit Jahren Songs mit christlicher Thematik und setzt dem Ganzen mit diesem Album die Krone auf. Über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden das Konzept und die Songs zur Rockoper. Inhaltlich umfasst das Werk die Geschichte von Jesus Christus im Neuen Testament. Entgegen meiner eigentlichen Vorliebe für den Hintergrund diverser Konzeptalben, möchte ich mich nicht näher zum Thema äußern. Ich lasse gerne jedem seinen Glauben, aber das ist nicht meine Baustelle. Nicht, dass man als „Kreuzumdrehender“ und „Tieropfernder“ Metalhead noch in Flammen aufgeht.

Kommen wir also zum Wesentlichen – der Musik und den Protagonisten. Im Gegensatz zu vielen seiner anderen Projekte steht Neal Morse bei diesem Album eher im Hintergrund. So beschränkt er sich auf vereinzelte Gesangspassagen und das Keyboardspielen. Hier können andere bekannte Musiker im Rampenlicht stehen. Alte Weggefährten wie Bill Hubauer am Keyboard oder Randy George am Bass unterstützten Morse bei der Aufführung. Da einige Musiker mit einer doppelten Portion Talent gesegnet sind, schwang der etatmäßige Gitarrist Eric Gillette dieses Mal die Drumsticks – mit einer unglaublichen Performance. Die Rollen am Mikro werden von einigen Ausnahmesänger besetzt wie z. B. Ted Leonard (Enchant, Spock’s Beard) als Jesus und Nick D’Virgilio (ex-Spock’s Beard, Big Big Train) als Judas. Trotz des Staraufgebots stellt eine lokale Sängerin aus Nashville an diesem Abend alle in den Schatten: Talon David liefert als Maria Magdalena eine herausragende Leistung. Aufgenommen wurde die Uraufführung beim Morsefest im Jahr 2018. Fans können sich das Livealbum als Blu-ray oder Doppel-CD inkl. DVD sichern.

Wie oben erwähnt, ist mir die Studioversion entgangen und so starte ich gleich mit der vorliegenden Liveversion von Jesus Christ The Exorcist. Das ist auch gut so, denn in der Vergangenheit haben mir die Liveversionen der Morse-Songs stets am besten gefallen, z. B. auf dem fantastischen So Many Roads. Da man so ein Konzeptwerk besser am Stück hört, möchte ich mich auf einige Highlights der Scheibe beschränken. Mir liegt die Audioversion vor, deshalb gibt es keine Angaben zum Videomaterial. Das Album startet mit der Introduction, die Keyboards heulen auf, die Bläser unterstreichen den dramatischen Auftakt und dann hören wir erstmals die wunderbare Stimme von Ted Leonard als Jesus, untermalt von akustischen Gitarrenklängen. Jetzt schlägt die Stimmung in das progressive Overture um. Bass und Perkussion rücken in den Vordergrund – ein Einstand, wie man ihn von anderen Konzeptalben des Progressive Rock kennt. Kommen wir zum ersten Höhepunkt: Wer auch nur einen Funken Gefallen an Neal Morse Meisterwerken wie The Grand Experiment oder The Similitude Of A Dream findet, der steigt spätestens jetzt voll ein. Grandioser Morse-typischer Progressive Rock, unterstützt von feierlichem Backgroundgesang, wird hier geboten. Vom ruhigen Jesus‘ Baptism geht es weiter zu Jesus‘ Tempation. In dem zehnminütigen Song geht es eine Spur härter zur Sache und das Können der Instrumentalfraktion darf zur Schau gestellt werden. Ted Leonard darf im emotionalen Mittelteil seine Sangeskünste darbieten. There Is A Highway ist ein richtig cooler Rocker, der sehr viel positive Energie vermittelt und die dramatische Grundstimmung gekonnt auflockert.

Licht aus, Spot an: Der erste große Auftritt von Talon David als Maria Magdalena steht mit The Woman Of Seven Devils auf dem Programm. In coolster Blues-Manier, begleitet von Bläsern, groovt sich der heimliche Star des Abends durch den Song, bevor dieser in einem pompösen Finale mit genialen Gitarrensoli endet. Gleich in der anschließenden Ballade kann Ms. David die gefühlvolle Seite ihrer Stimme zeigen. Die herzzerreißende Performance quittiert Neal Morse mit einem: „Wow, look what the Lord has done!“ The Madman Of The Gadarenes ist eine tiefe Verbeugung vor Gentle Giant oder alten Spock’s Beard. Mit seinem mehrstimmigen Satzgesang und typischer Interaktion der Darsteller wie in einem Musical, ist der Song ein weiteres Highlight der Platte. Love Has Called My Name ist nichts als eine Blaupause der typischen Neal Morse Songs der letzten Jahre: Akustikgitarre, Refrain mit großen Chören und durch und durch positiven Vibes. Die Ballade The Keys To The Kingdom variiert ihren Sound mit dem Einsatz von Gospelchören und wechselt zwischen emotionalen Momenten und bombastischen Orchestereinsätzen. Damit ich nicht den ganzen Spannungsbogen zu digitalem Papier bringe, mache ich an dieser Stelle einen großen Sprung ans Ende des Konzerterlebnisses. Wer auch den Hauch einer sanften Stelle in seiner hohlen Blechbrust finden kann, der holt besser die Taschentücher für das grandiose Duett von Talon David und Ted Leonard in The Greatest Love Of All – ganz viel Liebe steckt in diesem Song. Nach einem Reprise von Love Has Called My Name lässt es sich Mastermind Neal Morse nicht nehmen, das komplette Aufgebot unter Applaus zu würdigen. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen Mr. Morse.

Neal Morse – Jesus Christ The Exorcist – Live At Morsefest 2018
Fazit
Musical, Rockoper und Progressive Rock – Neal Morse gehört zu jener seltenen Spezies, die im kleinen Finger mehr Kreativität haben, als manch ein begnadeter Musiker insgesamt. Dann hat er auch noch das Ohr für Nachwuchstalente wie Talon David – großartig. Mir sind die kritischen Töne zum Studioalbum der Geschichte von Jesus Christus nicht entgangen, zu pathetisch und teilweise zu belanglos sollen die Songs sein. Ich spreche hier ausschließlich von der Liveversion und lege sie jedem Kritiker zum Vergleich ans Herz. Selten gab es in den letzten Jahren ein Konzeptalbum, das so häufig den Weg in meine Anlage gefunden hat. Obwohl ich mit der Thematik nicht viel anfangen kann, gilt hier das musikalische Prädikat besonders wertvoll. Zwei Stunden vertontes Herzblut!

Anspieltipps: Gather The People, There Is A Highway, The Woman Of Seven Devils, The Madman Of The Gadarenes und The Greatest Love Of All
Florian W.
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