Pain Of Salvation – In The Passing Light Of Day

“Schlicht und ergreifend ein Meisterwerk“

Artist: Pain Of Salvation

Herkunft: Eskilstuna, Schweden

Album: In The Passing Light Of Day

Spiellänge: 71:51 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 13.01.2017

Label: Inside Out Music

Link: https://www.facebook.com/Painofsalvation/

Produktion: Dugout Studio von Daniel Bergstrand (Co-Producer waren Daniel Gildenlöw und Ragnar Zolberg)

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – Daniel Gildenlöw
Gitarre und Gesang – Ragnar Zolberg
Bassgitarre und Gesang – Gustaf Hielm
Keyboard und Gesang – Daniel Karlsson
Schlagzeug und Gesang – Léo Margarit

Tracklist:

  1. On A Tuesday
  2. Tongue Of God
  3. Meaningless
  4. Silent Gold
  5. Full Throttle Tribe
  6. Reasons
  7. Angels Of Broken Things
  8. The Taming Of A Beast
  9. If This Is The End
  10. The Passing Light Of Day

 

Die echten und wahren Progger werden wahrscheinlich verächtlich die Nase rümpfen, aber tatsächlich sind die bereits im Jahr 1984 gegründeten Pain Of Salvation an mir mehr oder weniger unbemerkt vorbeigezogen. Das am 13.01.2017 über Inside Out Music erschienene Album In The Passing Light Of Day ist somit das erste, das ich von vorn bis hinten durchhöre, und es hat dann auch gleich mehrere Hördurchläufe gedauert, bevor ich mich an dieses Review gesetzt habe.

Dem Infozettel der Plattenfirma entnehme ich, dass es sich bei In The Passing Light Of Day um ein Konzeptalbum handelt. Daniel Gildenlöw erzählt hier die Geschichte einer Erkrankung, die ihn im Jahr 2014 lange Zeit ins Krankenhaus zwang und fast mit dem Tod geendet wäre. Er selbst sagt dazu “I came there with the first snow, and when I left it was almost summer. When I got out, I had to learn how to walk stairs. I did NOT, however, learn that I need to spend more time with my family. I did NOT learn that I should spend less time of my life worrying and stressing. I did NOT learn that life is precious and every second of it counts. No, I did not learn those things – simply because I already knew them by heart. We all do. Our priorities do not change in the face of death, they just intensify. We get reminded of them. Suddenly, painfully, honestly, we remember how to live.” Und weiter “What started off as an annoying infection has, in just hours, suddenly pivoted into the very real possibility of my actual dying.”

Normalerweise sind ja Konzeptalben nicht so mein Ding, aber mit dem Wissen dieses Hintergrundes macht das ganze Album von vorn bis hinten schlicht und ergreifend Sinn. Man kann die gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten während dieser langen Zeit mitempfinden, von der Diagnose über die erste Verwirrtheit, vom eifrigen Mitmachen bei allen Therapien über die Verzweiflung bei Rückschlägen, von der Wut auf alles und jeden über den Beistand der Familie und Freunde, von Zwiegesprächen mit Gott und sich selbst über die Gottergebenheit bis hin zur Heilung.

Das alles findet in den knapp 72 Minuten Spielzeit dann seinen musikalischen Weg. Im Großen und Ganzen würde ich das Album schon als Progressive Metal der härteren Sorte bezeichnen, und eingängig ist auch anders. Aber das wollen Pain Of Salvation wohl auch nicht sein, und es gibt dann doch neben den vielen gitarrenlastigen Parts und der Polyrhythmik, mit der Pain Of Salvation so wunderbar spielen, diese vielen ruhigen Momente, die einen mal kurz durchatmen und rekapitulieren lassen. Das ist auch dringend nötig, denn diese ständigen Wechsel in Tempo, Rhythmus und Intensität, mit der die Songs auf einen niederprasseln und immer einen kleinen Blick hinter den Vorhang erlauben, kann einen nicht unberührt lassen. Insbesondere der so wütende Ausbruch bei Reasons, der mich ansatzweise an eine ähnliche Passage auf dem Album Destrier von Agent Fresco erinnert, geht sehr tief.

Wer dann den zunächst sehr reduzierten Titeltrack In The Passing Light Of Day, mit dem das Album schließt, hören kann, ohne dass die Augen feucht werden, ist dann schon ziemlich hart im Nehmen. Spätestens, wenn der Song sich nach ungefähr der Hälfte der 15 Minuten Spielzeit zu voller Größe aufbäumt, kann man ob der Grandiosität und Virtuosität dieser Musik nur zum wiederholten Mal auf die Knie sinken.

Zu einem meiner Favoriten, dem Song Reasons, gibt es hier das Video:

Fazit: Wie schon geschrieben, ist dies das erste Album überhaupt, das ich von Pain Of Salvation höre. Beim ersten Mal habe ich zugegebenermaßen auch nach der Hälfte aufgegeben und mich anderen Reviews gewidmet. Aber in meinem Hirn rumorte bereits die ein oder andere Melodie aus Tongue Of God oder Silent Gold, und mittlerweile kann ich gar nicht anders, als die Höchstnote zu vergeben. Ob das Album auch so wirkt, wenn man das Konzept nicht kennt, kann ich nicht beurteilen. Pain Of Salvation haben hier aber ein grandioses Werk an Progressive Metal geschaffen, das sich jeder Fan des Genres gönnen sollte.

Anspieltipps: Man sollte sich diese Achterbahnfahrt der Gefühle in seiner Gänze gönnen, meine Favoriten sind allerdings definitiv Full Throttle Tribe und Reasons
Heike L.
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