Parkway Drive + Support am 06.04.2017 in der Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

“Feuer und Flamme für Parkway Drive

Eventname: „Unbreakable Tour 2017“

Headliner: Parkway Drive (AUS)

Vorband: Stick To Your Guns (USA), Asking Alexandria (USA)

Ort: Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Datum: 06.04.2017

Kosten: 42,00 EUR zzgl. Gebühren

Genres: Metal, Metalcore, Post-HC, Melodic HC

Veranstalter: Kingstar Music/Avocado Booking

Link: https://www.facebook.com/events/1171590776232639/

Setlists:

01. Against Them All
02. Empty Heads
03. Universal Language
04. What Choice Did You Give Us?
05. Such Pain
06. Amber
07. We Still Believe
08. Nobody

01. Welcome
02. Dear Insanity
03. To the Stage
Interlude: Dedication
04. Someone, Somewhere
05. The Death of Me
06. Moving On
07. The Road
08. Run Free
09. A Prophecy
10. Not the American Average
11. The Final Episode (Let’s Change the Channel)
12. A Single Moment O Sincerity

01. Wild Eyes
02. Carrion
03. Dedicated
04. Vice Grip
05. Karma
06. Sleepwalker
07. Dark Days
08. Destroyer
09. Boneyards
10. Writings on the Wall
11. Idols and Anchors
12. Bulls on Parade
13. Swing
14. Crushed
15. Bottom Feeder

Am heutigen Donnerstag also kehren die australischen Byron Bay-Beachboys Parkway Drive endlich zurück nach Düsseldorf. Zuletzt durfte man sie 2013 bei der Vans Off The Wall Music Night im Stahlwerk in unserem feinen Städtchen am Rhein begrüßen – und die Entwicklung ihrer Bühnenshow war damals schon beeindruckend. Was sich heute verändern soll (und das ist immens), dazu später mehr. Als Support hat man sich die sympathischen Stick To Your Guns geholt, die gerade erst in Kenia im Rahmen einer Partnerschaft mit der Hardcore Help Foundation spielten und ihre aktuelle EP Better Ash Than Dust promoten. Als Dritte im Bunde wurden Asking Alexandria eingepackt, die eher durch Besetzungswirrungen als durch musikalische Glanzleistungen in den letzten Monaten auf sich aufmerksam machten, auch wenn das aktuelle Album The Black (mit Übergangssänger Denis Stoff) nicht so verkehrt ist. Lassen wir uns überraschen, wie diese doch recht unterschiedliche Mischung von den Gästen in der Mitsubishi Electric Halle angenommen wird.

Der Einlass startet etwas verspätet um kurz nach 18:00 Uhr und die Schlangen sind nicht ganz so lang wie erst vor zwei Wochen bei Korn. Nachdem ich die Halle betreten habe, wird auch schnell klar, weshalb: Viele Bereiche der Tribünen links und rechts wurden abgehangen und lediglich ganz vorne links und rechts sowie ganz hinten hinter dem Mischpult sind Sitzplätze verfügbar. Ob man sich verkalkuliert hat oder lediglich die ME-Halle die einzige Location in Düsseldorf war, die alle Voraussetzungen für die Pyro-Show Parkway Drives (Mist, verraten) erfüllt, man weiß es nicht.

Los geht’s kurz nach 19:00 Uhr mit Stick To Your Guns , die fröhlich das Intro mitsingend auf die Bühne marschieren und wer sie letztes Jahr als Support der Architects gesehen hat, weiß, dass sie es ernst meinen. Die Jungs aus Orange County geben ab Sekunde 1 Vollgas und nutzen die Bühne so gut es geht aus. Durch einige Sicherheitsabsperrungen, die später zum Tragen kommen werden ist die Distanz zum Publikum für die Band vermutlich etwas ungewohnt, was Jesse Barnett & Co. aber nichts auszumachen scheint.

Die Tour sei für sie keine normale Tour, sondern „insane“, verkündet Frontmann Jesse. Es sei eine Ehre, die Massen für Parkway Drive aufzuheizen – und das tun sie gut. Gitarrist Josh James springt wie ein pyrophober Hürdenläufer auf einem Teppich aus Chinaböllern durchs Set, Bassist Andrew Rose geht liebend gerne in den Metal-Spagat und auch Gitarrist Chris Rawson bewegt seine Haxen geschmeidig-sportlich übers Parkett.

Stick To Your Guns, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Wiederkehrende Aufforderungen zum Circle Pit werden im Nu umgesetzt und auch Crowdsurfer sind zu früher Stunde gesichtet worden, die dann im Photograben ab- und aus dem Nichts wieder in der Menge auftauchen.  Alles in allem liefern die Jungs eine sehr solide Show ab und besonders Jesse zolle ich höchsten Respekt, der trotz sportlicher Höchstleistungen gesanglich immer überzeugen kann.

Und um die Spannung auf den gleich folgenden Bericht zum Parkway Drive-Auftritt weiter anzuheizen, gibt’s hier ein Instagram-Video von Stick To Your Guns-Drummer George Schmitz, der das Show-Set von Ben Gordon testen durfte. Erinnerungen an Joey Jordison (Ex-Slipknot) auf dem Bizarre Festival werden wach, der eine ähnliche Konstruktion bereits Anfang 2000 spielte.

Top 5 coolest things I will ever do in my life #styg #pwd #UnbreakableTour2017

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Um kurz vor 20:00 Uhr geht’s dann mit Asking Alexandria weiter. Der heimgekehrte Sohn Danny Worsnop betritt, versteckt unter einer Baseball-Cap und offensichtlich etwas schlanker als zu seinem Ausstieg aus der Band im Januar 2015 als Letzter geheimnisumwoben nach seinen vier Mitstreitern die Bühne und die Halle ist mittlerweile voll, soweit sich das von der Bühne aus sagen lässt. Drummer James Cassells scheint gut aufgewärmt zu sein, da er direkt zu Beginn halbnackt hinter’s Drumkit steigt. Die Gitarristen Ben und Cameron wirken zusammen mit Bassist Sam fast wie Drillinge – alle ähnlich groß, gleiche Kleidung und alle gelocktes, mittellanges dunkles Haar. Verrückt. Nun gut, es geht um Musik und nicht um optische Details.

Asking Alexandria, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Asking Alexandria, die einst als Teenie-Post-HC-Band öfter belächelt wurden, haben sich spätestens seit From Death To Destiny, das mit einer überragenden Vocal-Performance von Danny aufwarten kann in eine neue Liga gespielt. Und auch live weiß man, wie eine solide Metalshow auszusehen hat. Gitarrensolo-Posen, Moshen, Kontakt zu den Fans aufnehmen, animieren und mitreißen. Und auch wenn die Band als Warm-Up Act zu Parkway Drive nicht unbedingt den einfachsten Stand bei der Mehrheit der Fans zu haben scheint, so fügen sie sich gut ein ins Set des heutigen Abends.

Das Intro zu Moving On von eben erwähnter Platte singt Danny alleine, in den Händen ausnahmsweise heute Abend eine Gitarre, eine Telecaster. Und nicht nur hier zeigt sich, dass er neben Growls und Screams auch die souligen, cleanen Parts klar beherrscht, auch wenn er bei den höheren Tonlagen beim darauffolgenden The Road etwas eiert. Ich bin etwas irritiert, als mir auffällt, dass er ein Messer am Gürtel zu tragen scheint. Angst vor reninenten Fans oder doch nur ein Werkzeug, falls er sich mal ’nen Apfel schälen möchte?

Asking Alexandria, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Zum vorletzten Song The Final Episode bedankt man sich brav und wünscht eine gute Nacht. Drummer James animiert das Publikum vor dem finalen Breakdown nochmal zur Wall Of Death und Danny murmelt irgendetwas von „stuff that comes out of your penis“…okay?! Im Elektropart des Megahits der Band klatscht die Halle kollektiv den Beat mit und scheint damit die Energie für einen finalen Applaus verbrannt zu haben. Jener fällt nämlich etwas überraschend am Ende recht verhalten aus.

Um kurz nach 21:00 Uhr kommt dann der Headliner auf die Bühne. Shouter Winston und seine Jungs aus dem australischen Byron Bay touren seit 10 Jahren immer wieder durch Deutschland und ich erinnere mich an meine erste Show von ihnen im Underground in Köln (es muss 2008 gewesen sein), als der Frontmann ungeachtet einer Grippe mit Vollgas durch’s Set gebrettert ist, sich aber für seine „schwache“ Stimme entschuldigte. Ja, ähm, genau. Damals schon beeindruckend und es sollte über die Jahre nur noch beeindruckender werden. Beim eingangs erwähnten Konzert im Stahlwerk gab es damals Metal-untypisch Konfetti- bzw. Luftschlangenkanonen und auch heute haben die Jungs einige Besonderheiten im Gepäck.

So geht es los mit einer bedingt verhaltenen Lichtshow, die sich im Laufe des Abends aber immer weiter steigern sollte. Als erste Besonderheit gibt’s einen satten Goldregen. Zu Dedicated dann werden die ersten Flammenwerfer gezündet und man merkt in den ersten Reihen deutlich die Hitze des Feuers. Spätestens JETZT beginnt die Metalshow.

Parkway Drive, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Zu Boneyards bittet Winston zum kollektiven Crowdsurfen. Mehr Menschen, als alle Crowdsurfer des gesamten bisherigen Abends zusammen möchte er auf den Köpfen und Händen der Gäste während dieses einen Songs sehen. Und auch ein Kompliment hat er für einen Gast, dem er die Medaille als „Best dressed man“ verleihen möchte, da dieser eine Krawatte trägt.

Bis zur 2007er Horizon spielt die Bands sich heute recht ausgeglichen quer durch die Diskographie, auch wenn der Fokus mit sechs Songs klar auf dem aktuellen Album IRE liegt, das man liebt oder hasst. Es gibt auch keine echte Zugabe, sondern ein Schlagzeugsolo von Krakenkönig Ben. Und das hat es zwar auch musikalisch in sich, gewinnt aber aufgrund seiner optischen Besonderheiten. Denn wie bereits angedeutet, sitzt er an einem rotierenden Kit, das sich um 360° drehen lässt. Und das spielt die Band jetzt voll aus. Der Arme/Gute wird nun wie eine Socke in der Waschmaschine im Schongang von links nach rechts nach links gedreht und auch auf dem Kopf stehend angehalten. Kleingeld sollte er jetzt besser nicht in den Taschen haben…

Parkway Drive, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Das ganze Prozedere muss nicht nur extrem belastend für die Konzentration sein, sondern auch eine physische Herausforderung, das Set mit derselben Dynamik und das auch noch während eines Solos zu bearbeiten, während sich der Körper dreht und die Hardware sich der Schwerkraft beugt.

Die Bandmitglieder steigen einzeln auf Hubpodeste und spielen ihre Parts in ca. 5-7 Metern Höhe stehend, symmetrisch angeordnet um das rotierende Drumkit. Was hier alles wie ein feuchter Bühnenbauer- und Lichttechniker-Traum klingt, passiert wirklich und stellt auch die Show von Korn vor zwei Wochen um Längen in den Schatten.

Parkway Drive, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Und auch wenn die Band nicht die längsten und ausführlichsten Zwischenansagen macht, so sind gerade die kleine Momente das Sympathische des Abends. Winston, der ja nun wirklich keine unauffällige Person ist, giggelt nach seinen eigenen Ansagen hin und wieder wie ein kleines Kind und auch wenn man mal akustisch bedingt nicht verstanden hat, was er wollte, so muss man doch mit ihm zusammen grinsen.

Deutschland sei ein extrem wichtiger Teil der Bandgeschichte und alle, die jemals eine Show besucht oder sie sonst wie unterstützt haben, haben ihren Teil dazu beigetragen, die Band und jedes einzelne Mitglied zu formen. Und wenn er sagt, dass Deutschland der tollste Ort sei, um auf Tour zu sein – so versichert er – meint er es wirklich ernst.

Parkway Drive, 06.04.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Um kurz vor 22:30 Uhr ist dann das ganz große Metal-Kino vorbei und auch wenn es keinen einzigen Song des Über-Albums Killing With A Smile gab, hat es an diesem Abend niemanden auf den Plätzen gehalten. Die Tribünen standen, das Publikum vor der Bühne glich durchweg einem menschlichen Eintopf und auf der Rollstuhltribüne wütete ein wilder Circle Pit. Ich verbeuge mich.

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