Piratenstreich am 02.02.2019 in der MensaBar in Freiburg im Breisgau

Schwarzwaldpiraten begeistern beim Heimspiel!“

Event: Piratenstreich 2019

Bands: The Privateer, Saitenstreich, Inner Sanctum

Ort: MensaBar, Rempartstr.18, 79098 Freiburg im Breisgau

Datum: 02.02.2019

Kosten: 8,- € VVK, 10,- € AK

Besucher: ca. 160

Genres: Pirate Metal, Heavy Folk Metal, Powerfolk, Folk Rock, Melodic Death Metal

Veranstalter: The Privateer & Saitenstreich https://www.theprivateer.de https://www.saitenstreich.de

Link: https://www.facebook.com/events/773931216306212/

Setlists:


01. Selfmade Saviour
02. Machine Made God
03. Cadence Of A New World
04. Storm
05. Sons Of Perdition
06. Devil May Care
07. Until They Returned
08. Ikarus
09. Death In Fire


01. Mademoiselle Hannah
02. Tunesville
03. The Wraggle – Taggle Gypsies
04. Der Henker
05. Orange Blossom
06. Gema Woanders Hin
07. Fizz
08. Bourrees Brutal
09. Superfly
10. Auf Einem Arschloch Klebt Keine Flagge
11. AG


01. Intro
02. A Sequel From A Distant Visit
03. Gunpowder Magic
04. Dawn Of A Sailsman
05. Where Fables Are Made
06. Störtebeker
07. Draft Of The Strange
08. Ocean Of Green
09. In The Nought Of The Wind
10. For What Lurks In The Storm
11. The Island (Cape Breton Anthem)
12. Monolith

In der Freiburger MensaBar wird Kultur großgeschrieben, denn immer wieder werden hier Konzerte, Theater, Filmvorführungen, Partys und Fußballübertragungen organisiert. Von Zeit zu Zeit zieht es auch Freiburgs Headbanger in die Bar des Studierendenwerkes, da gelegentlich auch kleine, aber feine Metalkonzerte organisiert werden. Solch eine Gelegenheit gibt es auch heute wieder, denn nach einer erfolgreichen Kaperfahrt durch Auggen, segeln die Folk Metaller The Privateer und die Powerfolker Saitenstreich weiter unter gemeinsamer Flagge. Obwohl ich gerade erst eine Grippe hinter mir, und diese auch noch nicht ganz auskuriert habe, mache ich mich auf den Weg ins nahe gelegene Piratennest Freiburg. Als ich jedoch gegen 20:45 Uhr in der Rempartstraße ankomme, Ernüchterung, denn nur eine Handvoll Leute haben bisher ebenfalls den Weg hierher gefunden und es sieht so gar nicht nach erfolgreicher Kaperfahrt aus. Obwohl ich nicht wie abgesprochen auf der Gästeliste stehe, klappt der Einlass völlig problemlos.

Der Beginn verzögert sich etwas, da die Nebelmaschine den Dienst verweigert und irgendwie nicht das tut, was sie eigentlich soll. Irgendwann sind dann aber alle Probleme behoben und gegen 21.20 Uhr entern die Freiburger Melodic Death Metaller Inner Sanctum die Mensabühne, wobei sie zuvor von niemand Geringerem als Bambi Vega angesagt werden, der hier heute ein wenig durch das Programm führt. Genau genommen wurde die Band 2005 in Freiburg als Death Metal Projekt ins Leben gerufen, mittlerweile leben deren Bandmitglieder aber im gesamten südbadischen Raum verteilt. Dennoch sind sie hier in Freiburg natürlich bekannt und genießen einen gewissen Heimvorteil. Zu Beginn wird mit Selfmade Saviour älteres Material vom 2011er-Album Principle Leader unter das spärlich anwesende Freiburger Piratenvolk gehauen, und auch wenn nicht viel los ist, kommen einige vor die Bühne und gehen gleich gut mit. Die Band gibt alles und vor allem Frontmann Kolai schreit sich die Seele aus dem Leib, um die Freiburger wach zu rütteln und kann durchaus überzeugen. Der groovige Melodic Death geht gut ins Ohr und lässt nicht stillstehen und Songs wie z.B. Machine Made God oder Cadence Of A New World, vom noch aktuellen Album Metric Genesis, locken nach und nach Leute herein, sodass sich die MensaBar langsam füllt. Wobei Death Metal hier nur als grober Überbegriff stehen darf, denn Inner Sanctum orientieren sich stark am Viking Metal der Marke Amon Amarth, mischen den Sound jedoch mal mehr, mal weniger stark mit modernen und melodischen Einflüssen. Man geht wesentlich abwechslungsreicher als die typischen Viking Metalbands zur Sache und kann damit punkten. Auch die Saitenfraktion weiß auf ganzer Linie zu überzeugen und zaubert recht locker einen Haufen eingängiger, abwechslungsreicher Melodien und knackiger Riffs aus dem Ärmel. Besonders Bassist Eric Tobian ist hier im südbadischen Raum kein Unbekannter mehr, da er in einer ganzen Reihe von Bands aktiv und immer irgendwie präsent ist, sodass er am späteren Abend gleich noch einmal mit The Privateer zum Einsatz kommt. Das komplexe Storm stammt noch einmal von Principle Leader, das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf dem nach wie vor aktuellen Silberling aus 2016. Mit Death in Fire geht nach etwa 35 Minuten ein durchweg überzeugender, leider anfangs ungehörter, Gig zu Ende, der dann zum Ende hin mit steigender Publikumszahl aber doch noch die entsprechende Anerkennung bekommt und Lust auf mehr macht.

Mehr gibt es in dem Fall mit absolutem Kontrastprogramm. Wieder betritt Bambi Vega die Bühne, um die Freiburger Powerfolker auf seine witzige Art und Weise anzusagen. Das ehemalige Duo Saitenstreich, das vielen sicherlich von diversen Mittelaltermärkten am Oberrhein her ein Begriff ist, ist mittlerweile zu einer vierköpfigen Band angewachsen. Bevor es aber losgeht, muss erst einmal das Publikum vor die Bühne gelockt werden, sodass der lebenslustige Liedermacher Michael Schwiening die Leute gleich mal einen Schritt zurück und drei wieder vor gehen lässt, bis es vor der Bühne etwas kuscheliger wird. Musikalisch beginnt man dann mit dem instrumentalen Mademoiselle Hannah vom Fremdenfreunde-Album. Sofort kommt Bewegung in das bisher müde Freiburger Publikum und die ersten Mädels fangen wild an zu tanzen. Zuvor habe ich mir echt Gedanken gemacht, wie der Traditional Folk von Saitenstreich zu dem Melodic Death von Inner Sanctum und dem Folk Metal von The Privateer passen soll und ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass die international besetzte Band von den Freiburger Headbangern angenommen wird. Blödsinn, wie das ebenfalls instrumentale Tunesville zeigt, die Freiburger haben offensichtlich nur auf den Vierer gewartet und die kleine Geigengallierin Louise Gillman und Gitarrist Michael Schwiening mit seinen lockeren Sprüchen reißen alles mit. Offenbar sind einige extra für Saitenstreich gekommen und der Rest schaut gerne über den Tellerrand hinaus, denn vor der Bühne tanzen auch Langhaarige in Amon Amarth Shirt zu den folkigen Klängen. The Wraggle – Taggle Gypsies ist ein bekanntes, schottisches Stück aus dem 17. Jahrhundert und wird in englisch dargeboten. Die Songs wechseln zwischen ruhigen und tanzbaren Nummern und wo vorher Geige und Gitarre dominiert haben, spielt jetzt Aaron Goldsworth mit seinem Guitarron, einem mexikanischen Bassinstrument, eine gewichtige Rolle. Aber auch die Band schaut gerne über den Tellerrand hinaus, man wechselt nicht nur zwischen englischen und deutschen Texten und rein instrumentalen Folkhymnen, sondern in Orange Blossom kommen auch noch Country- und Bluegrasseinflüsse ins Spiel. Doch da das Leben nicht nur eine einzige Party ist, sondern in unserem Lande auch das eine oder andere gewaltig schief läuft, schreckt man auch vor ernsten Themen nicht zurück. Auf Einem Arschloch Klebt Keine Flagge vermittelt eine ernste Botschaft, mit der das offizielle Set dann auch zu Ende geht. Bevor man aber die Bühne verlässt, kündigt man schon an, dass man gleich zur Zugabe wieder da ist. Gesagt, getan, nach kaum drei Zugaberufen ist man wieder da und legt AG nach, bevor man für The Privateer ein perfekt aufgewärmtes Publikum zurücklässt.

Die MensaBar ist zwar nicht ausverkauft, aber mittlerweile doch recht gut gefüllt. Offenbar hat sich rumgesprochen, dass der Schwarzwald weit mehr als gutes Bier und idyllische Landschaft zu bieten hat, nämlich handfeste Schwarzwaldpiraten. Angekündigt werden die Freiburger natürlich wieder von Bambi Vega, der sich extra stilecht in ein Piratenoutfit geworfen hat. Wer nun nach dem Powerfolk von Saitenstreich gemütliche Piratenfolklore mit eingebauter Schunkelautomatik erwartet, der soll schnell eines Besseren belehrt werden. Die badischen Freibeuter entern nach einem kurzen Intro zu A Sequel From A Distant Visit vom 2013er-Silberling Monolith voller Spielfreude die Bühne und segeln mit viel Rückenwind. Der Dreck in den Gesichtern zeugt offenbar noch davon, dass man neulich beim Metal Scar Benefiz Konzert in Sedel eine harte Schlacht geschlagen hat und sich bisher nicht regenerieren konnte. Die Ausnahme bildet natürlich Bassist Eric Tobian, der sich unerklärlicherweise in der letzten Stunde so eingesaut haben muss, denn zuvor bei Inner Sanctum sah er ja noch aus, wie aus dem Ei gepellt. Aber wir haben es hier ja mit einer echten Piratencrew zu tun und dazu gehören schließlich auch die passenden Outfits. Mit Gunpowder Magic wird dann sofort aus allen Kanonen geschossen und gleich einmal klar gemacht, dass heute keine Gefangenen gemacht werden. Der Song hat Hymnencharakter und kommt wohl noch um ein Vielfaches besser, wenn er in Wacken aus 50.000 Kehlen mitgegrölt wird. Für mich ist es der erste Auftritt nach den Veränderungen in der der Crew. Nachdem im letzten Jahr noch Kapitän Pablo Heist das Kommando fest in der Hand hielt, wird die Freibeutercrew nun von Jonas Piraterie in die Schlacht geführt, der heute erst seinen fünften Gig absolviert. Besonders in den aggressiven Passagen kann er den Songs gut seinen eigenen Stempel aufdrücken. Als weiteres Aushängeschild der Band darf getrost die hübsche Violistin Clara Held genannt werden, die mit ihrem Instrument immer wieder brilliert. Die Geigerin erklärt zum neuen Frontmann kurzerhand, er passt zu uns, er trägt kaputte Klamotten und hat Löcher in den Ohren, also wurde er angeheuert. Doch das ist heute nicht die einzige Veränderung, denn Drummer Kim Fritz ist heute nicht dabei und muss ersetzt werden. Die Arthur Miller Anspielung Dawn Of A Sailsman geht mit der epischen Stimmung tief unter die Haut. Kerniger, dramatischer Gesang und tolle Geigen- und Gitarrenmelodien sorgen für reichlich Bewegung in den ersten Reihen. Apropos Ex-Kapitän Heist, der steht beim Freiburg Heimspiel natürlich in der ersten Reihe und beobachtet genau, was die ehemaligen Kollegen da abliefern. Aber damit nicht genug, natürlich gibt es auch ein kurzes Duett zwischen altem und neuem Kapitän, welches laut bejubelt wird. Viel interessanter sind aber die Duette, die sich Jonas Piraterie und Clara Held sich auf der Bühne liefern, denn damit wird eine durchaus überzeugende Szenerie aufgebaut. In Where Fables Are Made treffen deftige Riffs auf schwermütige Violinenklänge, während das in deutsch gesungene Störtebeker als bisheriges Stimmungshighlight anzusehen ist. Leider zwingt mich meine noch nicht auskurierte Grippe, hier an dieser Stelle die weiße Flagge zu hissen und mich auf den Heimweg zu begeben. Mir geht es ziemlich dreckig und ich will einfach nur noch in die Horizontale.

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