Powerwolf – Call Of The Wild

Erstklassiger Fernsehgartenmetal mit Chartgarantie

Artist: Powerwolf

Herkunft: Saarbrücken, Deutschland

Album: Call Of The Wild

Spiellänge: 40:40 Minuten

Genre: Power Metal

Release: 16.07.2021

Label: Napalm Records

Link: http://www.powerwolf.net

Bandmitglieder:

Gesang – Attila Dorn
Gitarre – Matthew Greywolf
Gitarre – Charles Greywolf
Keyboard – Falk Maria Schlegel
Schlagzeug – Roel van Helden

Tracklist:

  1. Faster Than The Flame
  2. Beast Of Gévaudan
  3. Dancing With The Dead
  4. Varcolac
  5. Alive Or Undead
  6. Blood For Blood (Faoladh)
  7. Glaubenskraft
  8. Call Of The Wild
  9. Sermon Of Swords
  10. Undress To Confess
  11. Reverent Of Rats

Obwohl es die (geschminkten) Twisted Sister waren, die in den 80ern meine Liebe zum Heavy Metal erweckt haben, tue ich mich seit jeher bei angemalten und verkleideten Image-Bands schwer, sie für voll zu nehmen. Seien es Piraten, Pandas, Lederslips oder Ähnliches, das mutet mir seltsam an, mein Inneres wehrt sich und schreckt mich vor der Kontaktaufnahme deren Musik ab.
So erging es mir auch mit Powerwolf – trotz guter Kritiken und des guten Rufes ob ihrer Liveshows, sorgten Image, Verkleidung und zu vernehmender Kitschfaktor dafür, dass sich kein Interesse bei mir entwickelte. Dann jedoch durfte ich an einer der von der Band sogenannten „Messe“ teilnehmen. Naja, tatsächlich besuchte ich Ende Juli 2015 das Rock Fest in Barcelona, um die eingangs erwähnten Schwestern abzufeiern, in dessen Rahmen auch Powerwolf auftraten und sowohl meine Vorurteile und den Kitschfaktor, aber auch ihren Liveruf bestätigten. Die Band bot beste, leichte und eingängige Unterhaltung bei herrlichem Sonnenschein und leichter Bierschwere, sodass die Mucke ohne Umwege meinen Körper in Bewegung versetzte.
Kurz: Es machte Spaß und blieb trotz später einsetzender (Achtung: Euphemismus) starker Bierschwere in Erinnerung und ich wurde zum Käufer des Backkatalogs.

Fast genau sechs Jahre später veröffentlichen die Saarbrücker nun mit Call Of The Wild ihr achtes Studioalbum. Auf knapp 41 Minuten summieren sich die elf Songs, die exakt das bieten, was man von Powerwolf erwartet: orchestraler Bombast, sakrale Orgelklänge und Chöre, Tempo, Melodie, Power, tolle Gitarrensoli und grandioser Gesang von Fronter Attila Dorn.
„Dank“ meiner Sozialisation mit Speed- und Thrashmetal der späten 80er und Vorliebe für diese Gangart gefallen mit besonders die temporeichen Tracks bzw. Passagen. Ganz vorne steht da nicht nur in der Trackliste, sondern auch in meiner Gunst das mit geiler Double Bassdrum versehene Faster Than The Flame.
Dass es auch ruhiger und langsamer geht wird mit der Ballade Alive Or Undead unter Beweis gestellt, die in einem Höhepunkt aus fantastischem Gitarrensolo, Refrain und Piano-Outro gipfelt.
Stilistisches Neuland wird mit Blood For Blood und dessen Folkeinflüssen und Dudelsackeinsatz betreten.
Wie auch auf dem 2018er Release The Sacrament Of Sin gibt es wieder einen deutschsprachigen Song, dem musikalisch und textlich eindringlichen Glaubenskraft, definitiv ein Höhepunkt des Releases.
Genauso wie die bereits vorab ausgekoppelten Singles Beast Of Gévaudan (auch als französische Version digital und als Maxi erhältlich) und Dancing With The Dead bieten die weiteren Songs ebenfalls ausnahmslos Ohrwurmcharakter, wobei einzig Undress To Confess meines Erachtens lediglich nur gutes Niveau erreicht, dadurch etwas abfällt.

Powerwolf sind das Gegenteil vom komplex, progressiv, anspruchsvoll, schwer, auch wenn das Album kleine Schwenker hier und da andeutet. Sie sind leicht, beschwingt und eingängig. Alles wirkt vertraut, aber nicht abgekupfert, regt zum Luftschlagzeug spielen oder sonstigen vermeintlich rhythmischen Bewegungen an. Das mag Fernsehgarten- oder Kaufhausaufzugmusik nach dem Baukastenprinzip im Metalgewand sein oder despektierlich so bezeichnet werden und daher viele Szenegänger abschrecken oder gar anwidern. Mir bereitet es Spaß und der Aufstieg auf der Karriereleiter gibt dem Wolfsrudel recht.

Powerwolf – Call Of The Wild
Fazit
Call Of The Wild wird es den Vorgängern nachmachen und eine hohe Chartplatzierung erreichen. Ich prognostiziere, dass Powerwolf es Helloween gleichtun und als nächste deutsche Metalband verdientermaßen die Pole Position einnehmen werden.

Anspieltipps: Faster Than The Flame, Glaubenskraft und Beast Of Gévaudan
Steffen B.
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