Prophets Of Rage + Support am 15.11.2017 in der Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

“Ein Abend mit den Wut-Propheten vom Zypressenberg

Eventname: „Prophets Of Rage EU 2017“

Künstler: Prophets Of Rage (USA)

Vorband: Blood Youth (Großbritannien)

Ort: Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

Datum: 15.11.2017

Kosten: 55,00 € zzgl. Gebühren

Genre: Crossover, Rap-Metal, Metalcore, Melodic Hardcore, HipHop

Veranstalter: Dirk Becker Entertainment

Linkhttps://www.facebook.com/events/117712998937368/

Setlists:

01. 24/7
02. Making Waves
03. Dead Space
04. Parasite
05. I Remember
06. Savanna
07. Closure
08. Failure
09. Reason to Stay

01. Prophets of Rage (Public Enemy)
02. Testify (Rage Against The Machine)
03. Take the Power Back (Rage Against The Machine)
04. Living on the 110
05. Hail to the Chief
06. Guerrilla Radio (Rage Against The Machine)
07. Legalize Me
08. Fight the Power (Public Enemy)
09. HipHop Medley mit DJ Lord, B-Real und Chuck D: Hand On The Pump / Can’t Truss It / Insane In The Brain / Bring The Noise / I Ain’t Goin‘ Out Like That / Welcome To The Terrordome / Jump Around
10. Sleep Now in the Fire (Rage Against The Machine)
11. Like A Stone (Audioslave, instrumental)
12. Know Your Enemy (Rage Against The Machine)
13. Bullet in the Head (Rage Against The Machine)
14. Hands Up
15. Unfuck The World
16. How I Could Just Kill a Man (Cypress Hill)
17. Bulls on Parade (Rage Against The Machine)
18. Killing in the Name (Rage Against The Machine)

Photos im Auftrag für Time For Metal: www.quintenquist.com

Die Mitsubishi Electric Halle zwischen Volksgarten und Südpark mausert sich immer mehr zur Spielstätte der angesagtesten Rock- und Metal-Acts dieser Tage und kehrt damit so langsam zu alten Qualitäten zurück, als hier noch die WDR Osterrocknacht die Besten der Besten rankarrte. Nachdem u. a. Parkway Drive hier dieses Jahr ein wahrhaftiges Feuerwerk zündeten, gibt es heute das nächste musikalische Schwergewicht, das das Idyll der Parks für ein paar Stunden aus den Fugen geraten lassen soll.

Die Prophets Of Rage, bekanntermaßen eine Art Supergroup aus den Rage Against The Machine-Musikern abzüglich Rapper Zack De La Rocha, ergänzt um Cypress Hills Rapper B-Real sowie Public Enemys Rapper Chuck D und DJ DJ Lord beehren die Halle in Oberbilk am heutigen Abend, im Gepäck als Support die britischen Durchstarter Blood Youth, die erst kürzlich mit Neck Deep auf Tour in Deutschland waren.

An der Halle eingetroffen bleiben die erwarteten Schlangen vor den Eingängen aus. Kurz überlegt, ja, doch, heute ist richtig. Also fix rein bei Nieselregen vor der Tür. In der Halle angekommen die Verwunderung: Die Oberränge sind abgehängt und der gesamte Raum wurde inkl. der rückseitigen Tribüne auf ca. die Hälfte der Fläche durch Vorhänge verkleinert – und das, obwohl man um die Promo eigentlich kaum herumkommen konnte. Nun gut, so ist’s intimer.

Um 20:00 geht’s dann los mit den britischen Blood Youth, dem eigentlichen Trio (zumindest laut Presseinfos zum aktuellen Album), das jetzt scheinbar fest um Bassist Matt Hollinson ergänzt wurde. Erst kürzlich spielten sie wie erwähnt in der Kölner Essigfabrik als Support für Neck Deep, also vor gänzlich anderem Publikum als heute Abend. Gut für die Bekanntheit, vielleicht etwas schwer für die eigene Platzierung. Wo sie in Köln vielleicht etwas zu hart für das Pop-Punk Line-Up des Abends waren, sind sie heute vielleicht zu „neu“ für die Fans, deren Interesse – gemessen an den getragenen Shirts – eher den Rock- und Metal-Acts der 90er und frühen 2000er gilt.

Blood Youth, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Ihr aktuelles Album Beyond Repair (Rude Records) ist dennoch definitiv lohnenswert und heute stellen sie das erneut live auf deutschem Boden unter Beweis. Sänger Kaya hält die Ansagen zwar kurz, teilt aber gerne mit, dass dies‘ die größte Stadiontour ihrer jungen Bandgeschichte sei. 2014 gegründet, eine EP und ein Album später steht die Band, die sich als „Hardcore-Kids who wanted to make music“ einstuft auf der Bühne der sonst 5.000 Personen fassenden Halle und eröffnet den Abend für die musikgeschichtsträchtigen Prophets Of Rage. Das muss man erstmal schaffen.

Blood Youth, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Das Publikum ehrt die technisch solide Show der Vier über den Achtungsapplaus hinaus, vereinzelte Wortfragmente, um wen es sich denn auf der Bühne handeln würde nehme ich im Publikum auf. Hätten die Merch-Preise heute nicht mittleres bis teures Einheitsniveau, hätten Blood Youth sicher noch ein paar mehr Shirts und Platten in Düsseldorf lassen können. Nach acht Songs schicken Kaya und Co. noch ihren Hit Reason To Stay ins Rennen und überlassen dann dem Headliner die Bühne.

Kurz nach 21:00 Uhr verstummt dann die Pausenmusik und DJ Lord betritt die Bühne. In einer knappen halben Stunde schleift er die größten Hits aus Rock, Metal, Rap und HipHop durch sein Equipment, garniert mit diversen Scratch-Einlagen. Er lässt es sich auch nicht nehmen, die blinde Zustimmung des Publikums für Spaßansagen auszunutzen, bewahrt aber dann auch die Ernsthaftigkeit, indem er diverse Tracks den verstorbenen Musikern hinter den Kompositionen widmet.

Prophets Of Rage, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Nachdem das Publikum damit dann für die folgenden knapp 1,5 Stunden Crossover eingestimmt ist, kann’s auch losgehen. Tim, Tom, Brad, Chuck D und B-Real betreten die Bühne und positionieren sich demonstrativ auf der gesamten Bühne verteilt. Los geht’s interessanterweise nicht mit einem Song der aktuellen Platte, sondern mit dem namengebenden Public Enemy-Track Prophets Of Rage.  Die ersten Dämme brechen und Bierbecher fliegen durch den Saal. In den nächsten knapp 90 Minuten erleben wir einen Querschnitt aus nahezu allen Bands, in denen die Musiker bisher gespielt haben. Da sei z. B. Like A Stone von Audioslave zu erwähnen, jene Band, bei der Chris Cornell am Mikro stand und den sie ihm zu Ehren heute instrumental darbieten. Oder das HipHop-Medley von B-Real, Chuck D und DJ Lord, bei dem dann nach Klassikern wie Insane In The Brain sogar noch House Of Pains Jump Around den Abschluss bildet.

Prophets Of Rage, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Tom Morello erarbeitet sich neben seiner agilen und Fan orientieren Bühnenshow noch mit der Erwähnung, dass er zwei Jahre Deutsch in der Highschool hatte die Sympathien des Publikums, jedoch mit dem Hinweis „…and I remember Scheiße. Links, rechts, geradeaus.„. Politisch positioniert sich die Band wie erwartet sehr deutlich und Tom macht mit der Aussage auf der Rückseite seiner Gitarre keinen Hehl daraus, was er von der aktuellen Führung der USA hält.

Prophets Of Rage, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Auch dadurch angeheizt haben die Securities konstant damit zu tun, Crowdsurfer aus der Menge zu fischen, bevor sie in den Sicherheitsgraben knallen. Den Herren, die für die Sicherheit heute Abend sorgen würde ich auch gerne Regenschirme spendieren, denn die Anzahl an – gerne vollen – fliegenden Bierbechern ist schon auffällig hoch und überschreitet die Grenze der euphorischen Eskalation zum bewussten Danebenbenehmen unter Inkaufnahme, andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Applaus.

Prophets Of Rage, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Eine Zugabe wird es heute Abend nicht geben, was ich persönlich ganz sympathisch finde und ehrlicher als das gekünstelte Fernbleiben von der Bühne, um dann „überraschend“ vom Publikum zurückgerufen zu werden. Die Band teilt mit, dass sie zusammengefunden hat, weil wir aktuell in einer gefährliche Zeit leben würden. Deshalb würden sie als Abschluss des Abends auch den „most fucking dangerous song in the world“ spielen und jeder weiß, dass dies‘ nur Killing In The Name sein kann.

Prophets Of Rage, 15.11.2017 @ Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf, Photo: www.quintenquist.com

Musikalisch war der Abend perfekt. Alle Musiker haben – ob am Drumset, dem Bass, der Gitarre, den Plattentellern oder Mikros – wirklich überzeugen können und nichts verlernt. Ein wenig eigenartig mutete die Songauswahl für den ein oder anderen Gast im Publikum aber dann doch an. Ich habe sogar Personen beobachtet, die nach drei Songs enttäuscht die Halle verlassen haben. Der eine erwartet (zurecht) Prophets Of Rage, dem anderen ist Rage Against The Machine wichtig, unabhängig davon, dass der Name nicht auf dem Ticket steht, wieder andere konnten sich mit den HipHop-Parts anfreunden. Schade war, dass die wütenden Vocal-Parts der RATM-Songs einfach von Chuck D und B-Real stumm gelassen wurden oder vom Publikum übernommen werden sollten. Damit fehlte einfach die aggressive Komponente, die für mich die Klassiker ausmacht. Neben der politischen war die musikalische Mission einfach nicht ganz klar, was unausweichlich für ein bißchen Unmut sorgte. Ungeachtet der Unklarheiten und nicht erfüllten Erwartungen: Soviel geballte Musikgeschichte auf einer Bühne und das direkt vor der Haustüre ist schon etwas Besonderes.

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