Rivers Of Nihil – Where Owls Know My Name Tour 2019 am 22.09.2019 im Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden

Technical Death Metal mit Saxophon in Perfektion

Eventname: Where Owls Know My Name Tour 2019

Bands: Rivers Of Nihil, Crown Initiate, MØL, Orbit Culture

Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 22.09.2019

Kosten: 20 € VVK, 25 € AK

Genre: Technical Death Metal, Progressive Death Metal, Melodic Death Metal, Blackgaze, Death Metal

Besucher: ca. 400 Besucher

Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden

Link: https://www.schlachthof-wiesbaden.de/programmdetails/items/rivers-of-nihil-2019.html

Setlisten:

Rivers Of Nihil

1. Rain Eater
2. Cancer / Moonspeak
3. The Silent Life
4. A Home
5. Old NothingPlay Video
6. Subtle Change (Including the Forest of Transition and Dissatisfaction Dance)
7. Terrestria III: Wither
8. Hollow
9. Death Is Real
10. Where Owls Know My Name
11. Capricorn / Agoratopia
12. Sand Baptism (Zugabe)

Black Crown Initiate

1. Great Mistake
2. Years In Frigid Light
3. Stench Of The Iron Age
4. Ghosts She Sends
5. Matriarch

MØL

1. Penumbra
2. Ligament
3. Virga
4. Jord
5. Bruma

Orbit Culture

1. Redfog
2. Su Of All
3. Nensha
4. Wings OfDragons
5. Saw

Heute Abend geht es erneut ins Kesselhaus nach Wiesbaden. Das Kesselhaus ist mittlerweile durch die vielen Stoneracts, die dort laufen, für mich zu der meistbesuchten Location geworden.

Stoner sind heute jedoch nicht angesagt. Rivers Of Nihil, die Technical Death Metal Band aus Reading (USA) sind heute im Kesselhaus. Für mich eine kleine Sensation! Rivers Of Nihil haben 2018 mit Where Owls Know My Name für mich eines der besten Alben dieses Jahres aufgelegt. Was habe ich mich einmal gefreut, als ich im Frühjahr mitbekommen habe, dass die Band über den großen Teich zu uns kommt. Auf der Where Owls Know My Name Tour sind nur vier Termine in Deutschland geplant. Für den heutigen Termin hier im Kesselhaus habe ich mich früh genug um die Akkreditierung gekümmert, denn ich könnte mir nicht verzeihen, wenn ich Rivers Of Nihil verpassen würde!

Mit im Schlepptau haben Rivers Of Nihil drei weitere Bands als Support. Zunächst denke ich: Ein bisschen viel für einen Sonntagabend, denn ich will ja eigentlich nur Rivers Of Nihil sehen. Im Nachhinein kann ich nur sagen, wieso habe ich die Supportbands vorher nicht auf dem Ticket gehabt!?

Also rechtzeitig mit Kumpel Josef nach Wiesbaden angereist, was wie immer problemlos geht. Rechtzeitig mit Doors Open angekommen und schon einmal am Merchstand umgesehen. So langsam trudeln die Leute ein, aber noch ist nicht davon auszugehen, dass es ziemlich voll wird. Ich würde mal sagen, gegen Ende hin ist es nahe an sold out!

Am Merchstand treffe ich bereits Adam Biggs, den Bassisten von Rivers Of Nihil und kann mich mit ihm in Ruhe unterhalten. Er erzählt mir, dass sie einen Live-Saxophonisten dabei haben. Klar Adam, das habe ich bereits auf eurer Facebookseite mitbekommen. Ich frage ihn, wie lange sie denn spielen werden. Die Antwort treibt mir Glänzen in die Augen, denn er antwortet: „Das komplette Where Owls Know My Name Album und zusätzlich noch 1 bis 2 Songs!“ Wow, jetzt bin ich schon ganz hippelig.

 

Es wird aber ja noch einige Zeit dauern, bis Rivers Of Nihil dran sind. Den Opener am heutigen Abend machen Orbit Culture. Orbit Culture sind eine vierköpfige Melodic Death Formation aus Eksjö (Schweden), die 2013 gegründet wurde. Ihre Diskografie zählt aktuell drei EPs und zwei LPs.

 

Die Band ist bisher hauptsächlich in Schweden aktiv, von daher haben wir im Vorfeld nicht unbedingt was von ihr mitbekommen. Die Schweden können das Publikum von der ersten Sekunde an mit ihrer erfrischenden Mischung aus brachialem Sound mit softeren Einschlägen mitnehmen. Obwohl recht brachial, geht es durchgehend enorm melodiös zu. Fronter Niklas Kaarlsson übernimmt neben der Gitarre auch beide Vocal-Arten. Das ist echt klasse, was die Jungs hier machen. Jetzt merkt man, wie kurz eine halbe Stunde sein kann, denn viel zu schnell ist diese vorbei und die kurze Setlist, auf der auch Songs von dem aktuellen Album Redfog stehen, abgearbeitet.

 

Von der Band möchte ich mir gerne einen Tonträger mitnehmen, aber leider haben sie keine dabei. Ich frage sie im Anschluss, wieso sie keine Tonträger dabei haben. Die Antwort ist schlichtweg simpel: „Haben wir vergessen.“ Echt schade.

Weiter geht es mit MØL. Die Dänen kommen aus Aarhus und sind dadurch, dass sie Blackgaze spielen, natürlich musikalisch etwas anders aufgestellt als der vorangegangene Act. Das Quintett kann ebenfalls von der ersten Minute an begeistern. Nach einem kleinen Line-Up Wechsel in 2016, das einen neuen Sänger und einen neuen Bassisten bescherte, haben sie 2018 ihren ersten Longplayer mit dem Titel Jord aufgenommen! Sänger Kim Song Sternkopf war vor seinem Einstieg bei MØL als Konzertfotograf tätig und fotografierte die Band bei ihrem ersten Konzert. Mein Gott, vielleicht fragen sie ja mich, wenn dieser aussteigen sollte!?

Naja, das will ich jetzt mal nicht hoffen, denn Kim Song Sternkopf liefert eine starke Nummer ab. MØL greifen in ihrer Musik die Brutalität des Black Metal auf und vermischen diese mit der Wärme des Shoegaze. Ihre Mucke ist irgendwie wie eine Verschmelzung zwischen harten Riffs und träumerischen Klangstrukturen. Die Songs zeigen teilweise sogar Ohrwurmcharakter, sind jedoch nie kalkulierbar und so extrem spannend. Bei den anwesenden Fans kommen MØL richtig gut an. Auch hier ist eine halbe Stunde leider viel zu kurz!

Weiter geht es mit Black Crown Initiate, die wie Rivers Of Nihil ebenfalls aus Reading kommen. Beide Bands sind befreundet. So ist zum Beispiel Andy Thomas beim Titeltrack des Albums Where Owls Know My Name von Rivers Of Nihil zu hören. Da bietet sich die Tour doch regelrecht an. Black Crown Initiate haben hier heute die Möglichkeit, die Fans mit ihrem Progressive Technical Death Metal für sich einzunehmen. Kumpel Josef tut sich am Anfang etwas schwer damit, aber mich haben die Jungs vom Erklingen der ersten Gitarrensaite an eingefangen.

 

Wow, wie geil ist das denn, was die Jungs aus Reading hier veranstalten! Bei Josef zündet es dann während des Gigs irgendwann auch. Black Crown Initiate mischen progressive Einflüsse, wie man sie etwa von Tool, Cynic, Mastodon oder Meshuggah kennt, mit fiesen, höllischen Death Metal Orgasmen. Und so ist ihr Gig dann auch außergewöhnlich geil. Wenn ich die jetzt nicht erlebt hätte, hätte ich wahrlich etwas verpasst.

 

Sehr beachtlich ist der Wechsel zwischen clean Gesang und super bösen Growls. Für die Growls zeichnet sich Fronter James Dorton, der unverwechselbar im Vordergrund steht und die Menge anheizt, verantwortlich. Für die Clean Vocals steht der bereits oben erwähnte Andy Thomas, der zudem vorzüglich die Gitarre beackert. Mit langem Rauschebart grinst er vor sich hin und man merkt, dass er unheimlich Spaß heute Abend hat. Die Songstrukturen sind sehr komplex und werden zum Teil äußerst brutal dargeboten. Dabei verliert man jedoch nie den Blick aufs Ganze und kommt auf den Punkt. Ganz großes Progressive Death Metal Kino am heutigen Abend.

 

Jetzt hätte ich beinahe gesagt: Jetzt kommen endlich Rivers Of Nihil. Das stimmt zum einen, aber das endlich bezieht sich dabei nur auf Rivers Of Nihil, denn die vorangegangenen Bands und gerade auch die direkt vorangegangenen Black Crown Initiate waren heute einfach nur sehr geil!

Kaum eine andere Death Metal Band ist so vielseitig und virtuos wie Rivers Of Nihil. Das dritte Studioalbum Where Owls Know My Name steckt voller Überraschungen und hat mich absolut begeistert. Und das gibt es heute in voller Länge. Ich kann es immer noch kaum fassen. Zudem haben sie mit Zach am Saxophon einen für das Death Metal Metier außergewöhnlichen Liveact dabei.

 

Jetzt kommt eine sensationelle Performance, die mit dem Song Rain Eater vom Album The Conscious Seed Of Light (2013) beginnt. Danach folgt das komplette!!! Where Owls Know My Name Album. Ich bin jetzt noch geflasht, dies live erleben zu lassen. Die Band ist in einer großartigen Verfassung. Technisch versiert und voll da!

Frontmann und Sänger Jake Dieffenbach hat eine wahnsinnige Energie, stampf über die Bühne und rotzt die Growls einfach nur genial und passend raus. Die Fans sind aus dem Häuschen. Zach steht mit dem Saxophon im Anschlag etwas rechts neben der Bühne und hält sich für seine Einsätze bereit, während er selbst mit dem ganzen Körper im Klang der Musik mitgeht. Wenn seine Einsätze erforderlich sind, erscheint er auf der Bühne und gibt diesem Death Metal Konzert etwas ganz Eigenes und Besonderes. Ist sein Part wieder zu Ende, verschwindet er sofort wieder neben die Bühne. Gegen Ende des Gigs bemerke ich, wie er die Band auf Video auf seinem Handy aufnimmt, dies direkt wieder einsteckt, sobald er wieder dran ist!

 

Auf geschickte Art und Weise vermischen Rivers Of Nihil verschiedene Musikrichtungen in ihrem Death Metal, die diesem eigentlich fremd sind. Wir gehen zusammen mit der Band auf eine Death Metal Reise mit Jazz, elektronische Musik, Folk und Alternative. Alle Stilelemente werden so eingefügt, dass sie nicht störend wirken, sondern ein perfektes Gesamtwerk bilden. Mal brachial und dann wieder sanft. Ich kann mir sogar vorstellen, dass hier Progressive Rocker auf ihre Kosten kommen.

 

Als vorletzter Song dann der Titeltrack Where Owls Know My Name. Und da ist dann auch als Gastsänger, genauso wie auf dem Album, Andy Thomas von Black Crown Initiate dabei. Traumhaft, wie Andy Thomas diesen Track mit weicher Stimme einleitet. Dies natürlich nur, bis, wie nicht anders zu erwarten, Jake heftig hinein growlt und das Zepter übernimmt. Einfach nur genial, ich hoffe, ich wiederhole mich in meiner Überschwänglichkeit nicht!

Danach folgt mit Capricorn / Agoratopia der letzte Song des Albums. Rivers Of Nihil lassen sich nicht lumpen und geben als Zugabe noch Sand Baptism vom Album Monarchy (2015). Danach fällt leider der Hammer und es ist Schluss! Nicht nur was für Eulen – auch andere Vögel werden den Namen dieser Band demnächst zwitschern!!! Ich gehe mal davon aus, dass Rivers Of Nihil demnächst voll durchstarten werden!

 

Wir bleiben noch ein wenig, denn die Jungs müssen mir noch das Album signieren, was sie gerne machen. Noch ein kurzer Small Talk mit ihnen und den anderen Bands, dann geht es zurück nach Hause, denn wir müssen morgen arbeiten.

Fazit:
Wir haben hier in Wiesbaden im Kesselhaus einen Death Metal Abend der besonderen und etwas anderen Art erlebt. Nicht nur Rivers Of Nihil haben mit ihrem Technical Death Metal mit anderen Stileinflüssen hier überzeugt. Auch die anderen drei Bands Crown Initiate, MØL und Orbit Culture waren außergewöhnlich. So bleibt mir nur, mich bei alle, vier Bands für diesen geilen Abend zu bedanken, und hoffe, sie doch irgendwann wiederzusehen!

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