„Solange wir mit einem Publikum zusammen hart rocken können, geht’s uns gut“ – Das Interview mit Drummer Andreas Schnitzer von Kissin‘ Dynamite“

Artist: Kissin‘ Dynamite

Herkunft: Reutlingen / Deutschland

Genre: Heavy Metal, Rock

Link: https://www.kissin-dynamite.de

Bandmitglieder:

Bass – Steffen Haile
Drums – Andreas Schnitzer
Guitars – Jim Müller
Guitars – Ande Braun
Vocals – Johannes Braun

Das ursprünglich für den 28.07.2018 auf dem Rengsdorfer Rockfestival geplante Interview mit Kissin‘ Dynamite konnte dort leider nicht stattfinden, was die Jungs und ich sehr schade fanden. Ist halt so, Shit happens! Nach ihrem Gig blieb nur noch kurz Zeit für ein Smalltalk. Dabei verabredeten wir dann, dass wir das Interview per Mail nachholen. Dies ist mittlerweile geschehen. Drummer Andy Schnitzler stand mir hierzu Rede und Antwort.

Time For Metal / Jürgen Simon

Freue mich mit euch ein Interview machen zu dürfen. Ihr seid ja eine ehemalige Schülerband. Sag doch bitte mal, wie das so war mit der Gründung 2006.

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Hallo, gerne! Vor 2006 waren wir zwei Bands. In einer waren u.a. Jim und ich, in der anderen u.a. Steffen, Hannes und Ande. Den ersten Kontakt hab damals ich zu Hannes aufgebaut, nachdem ich ihn in der Castingshow Star Search, die damals auf Sat 1 lief, gesehen hab. Die Band von Jim und mir hatte nämlich nie einen Sänger und als ich ihn da im TV AC/DC und G’n’R singen sah, war alles klar: Er musste es sein. Also haben wir beide Bands fusioniert, das Line-Up ausgemistet und uns einen Plattenvertrag bei EMI ergattert, um es kurz zu machen. So kam der Stein ins Rollen.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ihr habt nun schon 12 Jahre auf dem Buckel! Wie ist das zwischen den Anfängen und heute, wenn ihr da mal zurückschaut?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Es ist tatsächlich bizarr, dass seitdem wirklich schon 12 Jahre vergangen sind. Eigentlich kommt es mir nicht großartig anders vor als damals: Wir tun das, was uns am meisten Spaß macht: Konzerte geben. Natürlich haben wir uns seitdem einen Namen erspielt und die Marke Kissin‘ Dynamite etabliert und eine stabile Fanbase aufgebaut, die regelmäßig zu unseren Konzerten kommt. Und das macht uns natürlich sehr stolz! Zwischendrin haben wir auch viel herumexperimentiert, was wichtig war, um uns weiterzuentwickeln / uns selbst zu finden. Immerhin waren wir ja erst 17, als wir unseren ersten Plattenvertrag unterschrieben haben. Aber wie gesagt: Im Grunde geht’s darum, auf der Bühne eine Magic zu kreieren. Das ist das Wesentliche und wird es immer bleiben.

Time For Metal / Jürgen Simon

Euer Bandname kommt von einem AC/DC Song habe ich gelesen! Stimmt das? Wieso habt ihr diesen Bandnamen genommen?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Das stimmt. Mein Handy klingelte damals, während wir verzweifelt einen Bandnamen suchten. Und da ich schon immer großer AC/DC Fan war, hatte ich damals den gleichnamigen Song als Klingelton. Der Anruf, ich weiß nicht mal mehr von wem, kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Wir wussten, dass wir den Namen hatten. Ich finde ihn perfekt, denn erstens klingt er irgendwie gefährlich, verrucht und nach Rock’n’Roll. Außerdem beschreibt er, ähnlich wie Guns n’ Roses, das Weiche und das Harte, was sich in unserer Musik auch beides wiederfindet.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ihr werdet irgendwo zwischen Heavy Metal und Glam Metal eingeordnet. Wo seht ihr euch? Vlt. die deutschen Steel Panther?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Also Steel Panther sind ja ausdrücklich eine Persiflage der Glam Bands der 80er. Sie haben zwar echt gute Songs und sind auch sehr gute Musiker, aber es ist gleichzeitig auch ein Comedy Act. Es ist natürlich immer gut, sich nicht zu ernst zu nehmen, und das schätze ich auch an ihnen aber du kannst lange drauf warten, dass wir aufblasbare Dildos auf der Bühne haben und Sprüche über Sperma und Titten klopfen. Das können die besser 🙂 Musikalisch könnte man uns mit ihnen aber schon vergleichen. Wir haben erst diese Woche als Support von ihnen in Berlin gespielt und ich muss wieder sagen: Deren Musik macht einfach Spaß, so wie unsere. Good-Vibe-Big-Balled-Stadion-Rock oder so 🙂 Allerdings hab ich auch keine große Lust mehr, drüber nachzudenken, wie man das nun nennt, was Bands machen. Ich fühl einfach rein und entweder es gefällt mir oder nicht. Das ständige Etiketten geben führt zu nichts.

Time For Metal / Jürgen Simon

Kommen wir mal zum neuen Album Ecstasy. Das ist bereits euer 6. Studioalbum (zusätzlich gab es noch ein Livealbum). Einstieg in den deutschen Charts auf Platz 7. Habt ihr das erwartet? Wie fühlt man sich, wenn man in den Top Ten ist? Hat das eine Bedeutung für euch?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Man hofft natürlich immer, dass das, was man macht, Erfolg hat, obwohl man es nicht geschrieben haben sollte, damit es Erfolg hat, sondern, weil es einem selber gefällt. Denn reiner Erfolg ist nichts wert. Oder sogar: Erfolg mit etwas, was man selbst nicht gut findet, ist die Hölle. Und wir haben nun ein Album geschrieben, mit dem wir schon vor der Veröffentlichung wirklich sehr glücklich waren, und haben nun durch die Top Ten Platzierung auch noch die Bestätigung bekommen, dass wir nicht die Einzigen sind. Und das ist wirklich schön, da können wir dankbar sein! Dazu, ob wir Platz 7 erwartet haben: Generation Goodbye chartete auf 14, also war durchaus der Gedanke an eine mögliche Top Ten da, klar 🙂

Time For Metal / Jürgen Simon

Das neue Album ist bei Sony erschienen. Da hat sich also wohl der Wechsel gelohnt!? Wird ein Album bei einem großen Label anders promotet?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Obwohl sich die gesamte Musikindustrie in einer schwierigen Zeit befindet, haben die Majors trotzdem immer noch die größeren Mittel, um einfach mehr zu machen. Die Art und Weise, wie promotet wird, ist aber eigentlich nicht anders als bei Indies: online, Magazine, Plakatierungen, etc. Und neben den finanziellen Mitteln ist Folgendes einfach am wichtigsten: Je mehr die Leute, die mit einem zusammenarbeiten, für einen brennen, desto mehr Gas geben sie und desto kreativere Ideen kommen auch dabei heraus. Wir waren z.B. jetzt die erste Band, die auf einer Wurst promotet wurde 🙂

Time For Metal / Jürgen Simon

In meinem Review zum Album habe ich geschrieben, dass ihr euch mit eurer Musik irgendwo zwischen Bon Jovi und Guns n’ Roses befindet. Seht ihr euch selbst da auch angesiedelt? Ich finde, dass Ecstasy eine eingängige, leicht poppige Scheibe ist, die mit ihren Songs alles bedient, was dem Genre zugeordnet wird. Damit kann man Charterfolge erreichen (in eurem Fall ist das auch geschehen). War das eine Zielsetzung bei der Produktion des Albums?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Nein. Es ist einfach so, dass Guns n’ Roses, Maiden, AC/DC, die Scorpions, Aerosmith und Bon Jovi, um mal einige zu nennen, von Kind an unsere Einflüsse waren und wir dieses Lebensgefühl, das man damit verbindet, mit der Muttermilch aufgesogen haben. Was auf Ecstasy zu hören ist, ist aus diesen Einflüssen entstanden. Wie gesagt, dass wir auch 2018 noch einen tollen Charterfolg damit gelandet haben, ist natürlich der Hammer und freut uns sehr. Und wir hoffen, dass es noch lange offene Ohren / Herzen für dieses Lebensgefühl, das wir mit unserer Musik transportieren, geben wird.

Time For Metal / Jürgen Simon

Weiter habe ich in dem Review geschrieben: „Dieser Fakt (sehr eingängige, leicht poppige Scheibe) und die Tatsache, dass sie demnächst auf eine groß angelegte Tour mit Powerwolf gehen werden, wird dazu beitragen, dass das Album bei den Fans gut ankommt und wahrscheinlich Charterfolge dazukommen werden“. Bin ich da ein Hellseher!?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Ich weiß nicht, ob die Tour etwas mit dem Charterfolg zu tun hat. Ich denke, das hängt nur von der Platte ab. Aber natürlich werden wir auf der Powerwolf Tour davon einiges zum Besten geben und somit mehr Leute auf die Platte aufmerksam machen können.

Time For Metal / Jürgen Simon

Zudem wird die Tour im Herbst mit Powerwolf euch wohl einen weiteren Kick geben. Wird das euch noch mal ein Stück weiterbringen? Die Kombination finde ich ganz gut. Da wird es doch bestimmt volle Häuser geben, oder?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Na ich hoffe doch 🙂 Das Coole ist, dass wir auch viel im Ausland spielen werden. Und da Powerwolf momentan sehr, sehr erfolgreich sind, werden wir in den Genuss kommen, wie du sagst, vor vollen Häusern spielen zu dürfen. Wir bekommen also die Möglichkeit, im Ausland, wo uns noch weniger Leute kennen, vor sehr vielen Leuten zu spielen und diese hoffentlich zu neuen Fans zu machen. Die Kombination finde ich auch super, denn auch deren Musik macht einfach Spaß, ist aber nicht genau das Gleiche, wie wir machen. Somit hat das Publikum zwar bei beiden Bands etwas, was ihnen gefallen könnte, aber auch genug Abwechslung.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ich habe euch das letzte Mal in Rengsdorf auf dem Rockfestival spielen sehen. Mit eurer unheimlichen Power und Spielfreude seid ihr beim Publikum sehr gut angekommen. Rengsdorf ist eines der ältesten Open Air Festivals in Deutschland. Es unterscheidet sich natürlich gewaltig von anderen großen Open Airs. Ich würde Rengsdorf mal als klein aber fein bezeichnen. Was bedeutet das für euch, auf solch einem Festival zu spielen?

Kissin‘ Dynamite / Andy Schnitzler

Danke! Oh, das wusste ich gar nicht. Ich werte kleinere Festivals gar nicht als weniger gut oder so. Meistens spielen wir dann z.B. später, also auch länger, als bei großen Festivals. Außerdem kann die Atmosphäre dort meist intimer sein, sodass der Gig vielleicht sogar noch intensiver ist, als er bei ganz großen Sachen sein kann. In Rengsdorf speziell hat mir vor allem die idyllische Waldatmosphäre gefallen. Da gibt’s bei den kleineren Festivals durchaus Perlen, was die Location angeht. Aber wie auch immer: Solange wir mit einem Publikum zusammen hart rocken können, geht’s uns gut 🙂

  

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