Stick To Your Guns + Support am 07.12.2017 im Backstage, München

Künstler: Stick To Your Guns

Vorband(s): Being As An Ocean, First Blood, Silent Planet

Ort: Backstage Werk, München

Datum: 07.12.2017

Kosten: 29, 95 € VVK, Abendkasse 33 €

Genre: Hardcore, Melodic Hardcore, Metalcore

Veranstalter: Backstage Concerts GmbH

Für mich persönlich und auch für viele Fans des vielseitigen Core Genres gehörten die neuen Alben von Stick To Your Guns mit True View und Being As An Ocean mit Waiting For Morning To Come zu zwei der besten Releases des Jahres. So war die Freude natürlich umso größer, als bekannt wurde, dass beide Bands zusammen mit Silent Planet und auch First Blood auf Tour durch Europa ziehen würden. Diese Tour führte alle vier Bands am 7. Dezember 2017 in das Backstage Werk nach München. Man begab sich also mit guter Laune Richtung Backstage. In voller Erwartung warten kurz vor Einlass bereits so einige Fans im doch eher kalten Wetter. Da ist es doch eine schöne Sache, dass sich das Backstage entscheidet, den Einlass ein wenig vorzuziehen. Hauptsache ins Warme!

Das Backstage Werk füllt sich nur sehr langsam, auch wenn es an diesem Abend noch den Ausverkauf schafft. Der Opener des Abends hat also erst mal die Aufgabe, die Meute auf sich aufmerksam zu machen, was aber für Silent Planet gar keine Mühe darstellt. Kurz stellt man sich vor und schon beginnt ein kleines Set, welches musikalisch ab der ersten Sekunde zu überzeugen weiß. Silent Planet präsentieren recht melodischen Metalcore, der auch teilweise ähnlichen Sprachgesang gebraucht wie es bei Being As An Ocean der Fall ist. Die Jungs aus Kalifornien werden auch häufig als christliche Metalcore Band bezeichnet, was vor allem an ihren sehr thematischen Songs liegt, welche sich mit Geschichte, Religion und Lebensfragen beschäftigen. Auch wenn das Publikum noch etwas verhalten zu sein scheint, so existieren ganz offensichtlich bereits einige Fans in der Menge, die die Texte mitschreien und dabei auch sehr gerne gemeinsam mit Frontmann Garrett ins Mikrofon. Silent Planet könnte sich durchaus zu einer sehr beliebten Band entwickeln in den kommenden Monaten oder Jahren – das musikalische Potenzial ist auf jeden Fall bereits jetzt auf einem Spitzenniveau. Kleiner Tipp: Unbedingt das Video zu Panic Room ansehen – diese Band weiß ihre Themen in Szene zu setzen.

Die Umbaupause zeigt sich nicht von langer Dauer, man sollte diese allerdings nutzen, sich in Sicherheit zu bringen, falls man sich nicht in eine wilde Schlacht begeben möchte – oder man versucht halt das Getümmel um einen herum einfach zu akzeptieren. Denn First Blood ist eine Hardcore Band, wie sie im Buche steht, und lässt Silent Planet wie kalter Kaffee wirken. Kaum starten die Jungs aus San Francisco, gibt es, vor allem für die männlichen Fans, kein Halten mehr. Für besonderes Gelächter sorgt dabei noch ein über 2 Meter großer Mensch, der sich natürlich trotz seiner extremen Beinlänge genauso bewegen möchte wie alle anderen – dabei muss man halt so einige Tritte verteilen. Ja, First Blood sind ein Garant für eine Schlacht. Ihre Bühnenpräsenz steht der einer Headliner Band in nichts nach und auch ihre Songs zeigen sich von Stärke, aber auch von witziger und durchdachter Betitelung: Ein Album Rules mit Songs wie Rules of Conviction, Rules of Live, These Are The Rules und Fuck The Rules nicht zu vergessen (und ja, es gibt noch mehr). Die Titel sind dabei aber auch Nebensache, First Blood hauen drauf und der Raum macht dabei mit. Live dürfen die Jungs da gerne öfter vorbeischauen – und mit öfter meine ich am besten noch die nächsten Monate.

Nach dieser Schlacht ist der Krieg allerdings noch nicht gewonnen – aber zumindest bekommen die Zuschauer eine kleine Pause mit der Melodic Hardcore Band Being As An Ocean. Muss man die Jungs noch vorstellen? Es gibt wohl keine Band, die stärker in die Szene, so zumindest in Deutschland, gehört als Being As An Ocean und auch kaum eine Band, die mehr akzeptiert, geliebt und geschätzt wird. Ich persönlich habe noch nie jemanden hören sagen, er könnte mit der Musik nichts anfangen. Sie gehören zu den Bands, die ein hohes Ansehen genießen, den schönsten Merch haben und niemanden kalt lassen – ihr neues Album Waiting For Morning To Come zeigt erneut ihr Genie, wenn es zu melodischen Strukturen kommt und emotionale Atmosphären, die sich live noch einmal steigern. Frontmann und Shouter Joel sucht dabei auch die Nähe des Publikums, springt auf die Meute, um sich tragen zu lassen oder stellt sich mit Mikro mitten in den Pit – Grenzen kennt diese Band nicht und genauso gehört sich das. Die Fans scheinen jedenfalls alle überglücklich über den Auftritt, schreien sich alle Texte aus dem Leib und springen, was nur geht. Being As An Ocean ist wohl auch die einzige Band, der man einen höheren Anteil an elektronischen Einflüssen in neuer Musik gar nicht übel nehmen kann. Wer die neue Platte noch nicht gehört hat, sollte das dringend noch nachholen – und zwar sofort!

Und auch die Umbaupause zu Stick To Your Guns zeigt sich nicht von allzu langer Dauer. Die Band gehört neben Bands wie Architects wohl zu den Beliebtesten des Hardcore/Metalcore Genres, was man am vollen Raum bemerken kann und auch an dem vielen Merchandise, den man bereits an den Leuten sieht. Die Jungs aus Kalifornien sind eigentlich aus der deutschen Konzertlandschaft kaum noch wegzudenken und so beginnt ab der ersten Sekunde die zweite, weitaus wildere Schlacht des Abends, bei der auch keiner mehr stillstehen kann, selbst wenn man denn nun möchte.

Stick To Your Guns starten mit 3 Feet From Peace und Married To The Noise erst einmal mit dem neuen Album, bevor auch Klassiker wie What Choice Did You Give Us? oder auch Such Pain sich in das bunte Set einmischen. Den Fans ist das wohl grad recht, hier wird nicht zwischen neu und alt unterschieden, auch wenn die Menge doch etwas mehr zu den älteren Songs tobt. Die neue Platte True View präsentierte zwar wahrlich keinen weichen oder sanften Sound, geht aber dennoch ein paar Schritte zurück, wenn es zum Hau drauf! Charakter kommt und konzentriert sich scheinbar mehr auf Strukturen und textliche Arbeit – für mich ist True View dennoch bzw. genau deswegen ein Album, welches die Band selbst für mich noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt und wirklich zu 100% überzeugen konnte.

Frontmann Jesse nimmt sich natürlich auch die Zeit, wie es sich für Hardcore eben gehört, über Missstände, Probleme und auch die Szene selbst zu reden, womit die Inhalte der Songs auch noch einmal widergespiegelt werden. Der wohl einzige Wermutstropfen ist das etwas gekürzte Set aufgrund einer Infektion Jesses, doch auch hier zeigen Stick To Your Guns wieder, was sie zu einer der besten Bands der heutigen Zeit macht – statt die restlichen Termine abzusagen, tut man eben, was man kann, um den Fans alles zu geben, was man hat. Eine Leistung, die jede Band diesen Abend erfüllt hat und kein Zuschauer geht hier ohne Schweiß und Schmerz nach Hause, aber dafür auch garantiert nicht unglücklich! Ein Hardcore/Metalcore Package, das man sich am Jahresende nicht entgehen lassen sollte.

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