Stillers Tod – Jupiter

Ob Max Frisch mit Stillers Tod zufrieden gewesen wäre?

Artist: Stillers Tod

Herkunft: Konstanz, Deutschland

Album: Jupiter

Genre: Avantgard Black Metal

Spiellänge: 52:29 Minuten

Release: 04.09.2020

Label: Schattenpfade

Link: https://www.facebook.com/StillersTod

Bandmitglieder:

Gesang, Texte, Komposition – Kargáist

Tracklist

  1. Angstbeißer
  2. Erlkönig
  3. Rosmarin
  4. Metamorphosen
  5. Die Himmelskörpersymphonie Part I: Zricha
  6. Die Himmelskörpersymphonie Part II: Mutter Sonne
  7. Die Himmelskörpersymphonie Part III: Zrichat Yare‘ach
  8. Die Himmelskörpersymphonie Part IV: Vater Mond

Am 04.09.2020 erscheint das neue Album Jupiter der Konstanzer Black Metal Band Stillers Tod. Jupiter erscheint beim Label Schattenpfade als CD (Digipack im DVD-Format, limitiert auf 100 handnummerierte Exemplare, mit 20-seitigem Booklet) und als Vinyl-LP in einer Auflage von 250 Stück (handnummeriert).

Stillers Tod, nach der Novelle von Max Frisch benannt, benötigten seit der Planung 2014 für dieses Album eine Menge Zeit bis zur endgültigen Veröffentlichung.

Hinter der 2009 gegründeten Band, die neben dem Debütalbum Katharsis noch eine Split (Die Leeren Kinder mit Seelenschnitt) und eine EP (Vorboten Abraxas) vorzuweisen hat, steht Kargáist, der für den Gesang und die Kompositionen zuständig ist.

Um das neue Werk Jupiter zu bewerkstelligen, scharrte Kargáist eine neue Gruppe aus Musikern und Tontechnikern um sich.

Entstanden ist mit Jupiter ein opulentes Werk, dessen Herzstück die Himmelskörpersymphonie ist. In der auf vier Teilen verteilten Himmelskörpersymphonie wird hinterfragt, wie sich kulturell bedingte Geschlechterbilder als unterbewusste Archetypen verfestigen und was das für die Überwindung von Konflikten bedeutet. Schwierig, oder? Ja, es ist dann auch echt schwierig, sich mit diesem Album zurechtzufinden.

Auf Jupiter werden einige genrefremde Elemente wie Klassik oder auch der Fado verarbeitet, aus meiner Sicht manchmal auch etwas verwurstelt. Man bleibt sehr meldodieverbunden. Bei allem Opulenten und auch Dramatischen muss man aufpassen, dass es nicht kitschig wird. Das wird es leider dann doch hier und dort. Das beste Beispiel des Kitschigen ist der auch schon vorher von so vielen Bands bearbeitete Erlkönig. Da wirkt einiges sehr gekünstelt. Sorry, diesen Erlkönig kann ich nun wirklich nicht Ernst nehmen, das ist dann doch eher ein Froschkönig.

Vielleicht hätte Kargáist die Himmelskörpersymphonie alleine als EP veröffentlichen sollen. Das wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall stimmiger gewesen. Natürlich werden sich auch bei Himmelskörpersymphonie die Black Metal Geister scheiden. Ist das überhaupt noch Black Metal!? OK, einige Black Metal Anleihen sind schon noch vorhanden, ansonsten ist es wohl nur noch ein Theater/Schauspiel verschiedener Elemente. Beim Klargesang muss man sich hinterfragen, ob man dieses Schauspiel/Theater als Black Metaller überhaupt noch will. Engelschöre und symphonische Klänge treffen auf Black Metal. Ok, kann man machen, muss man aber nicht (oh je jetzt bin ich auch noch bei der Lidl-Werbung angelangt – hoffen wir, dass das Album da demnächst nicht bei den Sonderangeboten liegt).

Mutter Sonne hört sich nach Nightmare Before Christmas in der Black Metal Version an. Zumindest bei den Streichern hat man da einiges abgekupfert. Jack Skellington ist hier allgegenwärtig, bevor Herr Witt mit dem Goldenen Reiter vorbei kommt. Sorry, dem güldenen Black Metal Horseman. Oh man, was passiert hier!?

Kammermusikklänge am Klavier beenden den Vater Mond in klassischer Manier. Jetzt verschlägt es mir dann doch die Sprache.

Stillers Tod – Jupiter
Fazit
Das passiert mir eigentlich selten, dass mich eine Platte so ratlos zurücklässt. Ich weiß eigentlich überhaupt nicht, was da mit Jupiter passiert. Ich erwarte (Avantgarde) Black Metal und finde ein Sammelsurium an irgendetwas vor. Durch die Art und Weise, was hier passiert, wird Jupiter irgendwie zu einer Zirkusnummer. Natürlich hat Jupiter auch einige tolle Passagen, aber das verwursteln verschiedener Genres schmälert das Erlebnis doch um einiges. Bei einem Aufsatz würde man wohl Thema verfehlt sagen und das, obwohl man sich echt angestrengt hat. 

Anspieltipps: Metamorphosen, Die Himmelskörpersymphonie Part II: Mutter Sonne und Die Himmelskörpersymphonie Part IV: Vater Mond
Juergen S.
3.5
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3.5
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