Stone Temple Pilots und Walking Papers am 27.06.2019 im Z7 in Pratteln

Ein wahrlich heißer Konzertabend

Headliner: Stone Temple Pilots

Vorgruppe: Walking Papers

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr.7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 27.06.2019

Kosten: 47,00 € VVK

Genre: Rock, Alternative Rock, Blues Rock, Hardrock

Besucher: ca. 500

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/2198339927057520/

Setlisten:

Walking Papers:
01. Trophy Wives
02. How It Feels (The Missionary Position Cover)
03. I Belong To You
04. Your Secret`s Safe With Me
05. I`ll Stick Around
06. King Hooker
07. Every Man For Himself (The Missionary Position Cover)
08. Capital T.
09. Leave Me In The Dark

Stone Temple Pilots:
01. Wicked Garden
02. Crackerman
03. Vasoline
04. Silvergun Superman
05. Big Bang Baby
06. Glide
07. Big Empty
08. Plush (Semi Akustik Version)
09. Pruno
10. Down
11. Meadow
12. Interstate Love Song
13. Roll Me Under
14. Trippin` On A Hole In A Paper Heart
15. Dead And Bloated (Zugabe)
16. Sex Type Thing (Zugabe)

Nachdem die Kalifornier Stone Temple Pilots neulich drei Deutschlandkonzerte in Berlin, Köln und Frankfurt gespielt haben, steht die Band heute Abend für ihr einziges Schweizkonzert in Pratteln auf der Bühne. Im Fahrwasser der großen Grunge Bands wie Nirvana, Alice In Chains, Soundgarden und Pearl Jam gelang den Jungs um Frontmann und Sänger Scott Weiland direkt mit ihrem Debütalbum Core im Jahr 1992 der Durchbruch. Zwischen 1992 und 2003 war die Band eine echte Konstante und veröffentlichte weitere vier erfolgreiche Alben, dann löste man sich auf. 2008 fand man wieder zusammen und veröffentlichte das ebenfalls erfolgreiche selbst betitelte Album. 2013 wurde Scott Weiland von der Band wegen Unzuverlässigkeit verklagt und aus der Band gekickt und Linkin Parks Chester Bennington übernahm für kurze Zeit das Mikro. Im November 2015 verließ Bennington die Band wieder und der legendäre Ex-Frontmann Scott Weiland wurde im Monat darauf kurz vor einem Auftritt tot im Tourbus aufgefunden. Erst im Jahr 2017, Chester Bennington verstarb zwischenzeitlich ebenfalls, fand man nach Castings in Jeffrey Adam Gutt einen neuen Frontmann, trat unter Stone Temple Pilots Reborn erstmals wieder auf und veröffentlichte 2018 ein weiteres selbst betiteltes Album. Die Band hat bewegte Jahre hinter sich, eines hat sich aber nicht geändert, die Konzerte sind ein Muss für jeden Liebhaber guter Gitarrenmusik.

Dennoch haben sich nur etwa hundert Fans vor den Toren des Z7 versammelt, als ich kurz vor Türöffnung dort ankomme. Bei den momentanen Temperaturen ziehen offenbar selbst Liebhaber guter Rockmusik Baggerseen, Kühlräume und ähnliche Orte vor. Im Inneren der alten Lagerhalle ist es, obwohl die Tore weit offen stehen, kuschelig warm, aber bei 38 Grad Tageshöchsttemperatur war das wohl auch nicht anders zu erwarten. Kühle Getränke schaffen kurzzeitig Abhilfe, doch die sind fast so schnell wieder ausgeschwitzt wie zuvor getrunken.

Dennoch trauen sich nach und nach immer mehr Fans vor die Tür und letztlich stehen vielleicht 300 vor der Bühne, auf der relativ pünktlich um 20:00 Uhr die Walking Papers mit Trophy Wives in ihr Set einsteigen. Obwohl bei der Gründung im Jahr 2012 illustre Typen wie Duff McKagan von Guns n’ Roses und Barrett Martin von den Screaming Trees zum Line-Up gehörten, ist die Band aus Seattle/Washington in unseren Breitengraden weitestgehend unbekannt. Beide sind natürlich heute nicht mehr dabei und das aktuelle Line-Up besteht aus Jeff Angell (Vocals/Guitar), Tristan Hart Pierce (Guitar), Dan Spalding (Bass), Benjamin Anderson (Keyboard/Vocals), Will Andrews (Drums) und Gregor Lothian (Saxophone). Als Erstes fällt natürlich Bassist Dan Spalding ins Auge, der mit einem Kontrabass bewaffnet ist und als nächstes Gregor Lothian am Saxophon, denn beides sind ja nicht die ganz typischen Bluesinstrumente. Sofort danach richtet sich aber jegliches Augenmerk auf Sänger Angell, der mit seiner locker sympathischen Art sofort im Mittelpunkt steht. Der Mann entpuppt sich nicht unbedingt als Rampensau, doch aber als guter Entertainer, der sowohl stimmlich als auch mit seiner Bühnenpräsenz überzeugen kann. Der Sound bewegt sich zwischen feinsten Blues Rock und gradlinigem Hardrock, ohne aber altbacken zu wirken. Die Songs sind zeitlos, hätten wahrscheinlich vor zwanzig Jahren genauso funktioniert wie heute, oder auch noch in zwanzig Jahren. Rumorende Basslinien, kraftstrozende Gitarrenriffs und krächzende Keyboards treffen auf den lässigen Gesang von Angell. Die Stimmung vor der Bühne ist gut, das Publikum tanzt und geht gut mit, auch wenn hier offenbar niemand so textsicher ist, um mitzusingen. Aber wenn Gitarrist Hart Pierce eins seiner Soli von Stapel lässt, oder Frontmann Angell sein Mikro gekonnt herumschwingt, kocht die Stimmung hoch und es wird lautstark gegrölt und applaudiert. Obwohl man selbst zwei eigene Alben am Start hat, greift man dennoch mit How It Feels und Every Man For Himself auf Stücke der The Missionary Position zurück, einer weiteren Band von Angell und Anderson. Alles in allem, ein gelungener Auftakt an einen wahrlich heißen Konzertabend.

Während der Umbaupause begeben sich dann doch noch einige Leute mehr hinein in den Saunabereich, sodass letztendlich etwa 500 Leute ungeduldig auf die Stone Temple Pilots warten. Die große Grungezeit ist längst vorbei und so ist das Publikum mittlerweile auch etwas in die Jahre gekommen. Dann ist es so weit, zum Intro von Trippin`On A Hole In A Paper Heart betreten die Musiker die Bühne und werden direkt laut bejubelt. Viele der Anwesenden kennen ganz sicher noch das Gründungs Line-Up aus der Hochphase der San Diego Jungs, doch davon ist heute nur noch Bassist Robert Emile DeLeo dabei, der die Fähnchen bis heute hochhält. Das derzeitige Line-Up besteht aus Frontmann und Sänger Jeff Gutt, Gitarrist Dean DeLeo, Bassist Robert Emile DeLeo und Eric Kretz hinter der Schießbude. Der Einstieg erfolgt dann mit Wicked Garden und dem anschließenden Crackerman vom Erstling Core, der sich völlig zu Recht über acht Millionen Mal verkaufte. Das Publikum, von dem viele noch alte Tour-Shirts tragen, ist sichtlich begeistert und feiert die Kracher aus der Frühphase trotz der enormen Temperaturen. Es ist extrem heiß in der Konzertfabrik, aber warum Jeff Gutt und Bassist DeLeo eine Sonnenbrille tragen, wird mir irgendwie nicht so ganz klar. Klar sind dagegen die Ansagen wie z.B. „We`ll play the Hits and the B-Sides, the good Songs and the bad ones“. Man hat tief in der Vergangenheit gekramt und will auf dieser Tour Material spielen, welches bisher nicht so oft oder noch gar nicht live gespielt wurde, um den Leuten die Chance zu geben, auch diese Songs einmal live zu hören. Gesagt, getan, mit Vasoline und Silvergun Superman folgen zwei Songs aus der 1994er Purple Phase und die Spielfreude der Jungs transportiert die Klassiker problemlos in die heutige Zeit. Rein stimmlich erinnert Jeff Gutt sogar ein wenig an Scott Weiland und macht auch von der Bühnenperformance her einen guten Job. Er passt zu den Songs der Stone Temple Pilots und hebt sich doch auf seine ganz eigene Weise ab. Die Reise geht quer durch die musikalische Vergangenheit, Big Bang Baby vertritt Tiny Music …, und Glide entspringt dem Album No.4, bevor es mit Big Empty wieder zurück in die Purple Phase geht. Nach der anfänglichen Euphorie geht dem Publikum dann aber etwas die Luft aus, was sicherlich auf die Hitze zurückzuführen ist, denn die Leistung auf der Bühne stimmt. Aber auch an der Band geht der Auftritt natürlich nicht spurlos vorbei, der Schweiß fließt in Strömen und so ist es an der Zeit, einen Gang zurückzuschalten. Den großen Hit Plush gibt es deshalb in einer instrumental sehr abgespeckten Gänsehaut-Akustik-Version dargeboten, welche von den Fans dann aber wieder ganz groß abgefeiert wird. Das Publikum kennt den Text und weiß, was zu tun ist. Mit Pruno und Down wird dann das Gaspedal aber wieder durchgetreten, bevor es mit dem straighten Meadow einen ersten Song vom noch aktuellen Album Stone Temple Pilots auf die Ohren gibt. Dann geht es Schlag auf Schlag, mit Interstate Love Song explodiert die Stimmung noch einmal förmlich und auch Roll Me Under wird aus etlichen Kehlen lauthals mitgegrölt, bevor mit Trippin`On A Hole In A Paper Heart, mit dem heute auch alles begonnen hat, das eigentliche Set zu Ende geht. Und auch der Zugabenblock endet, wie das Konzert begonnen hat, mit zwei Core Songs in Form vom Dead And Bloated und Sex Type Thing. Die Konzertfabrik gibt zum Schluss noch einmal alles und die Fans sind nun vereint, die Alt-Rocker von damals und die Neu-Fans, die zur Hochphase der Band noch gar nicht geboren waren. Mit knapp 80 Minuten ist der Gig vielleicht etwas kurz geraten, aber dennoch sind nur glückliche Gesichter zu sehen, die nun zufrieden in die laue Sommernacht entlassen werden.

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