Tristan Harders‘ Twilight Theatre – Drifting Into Insanity

Mit überzeugendem Solodebüt dem Wahnsinn entkommen

Artist: Tristan Harders‘ Twilight Theatre

Herkunft: Hamburg, Deutschland

Album: Drifting Into Insanity

Spiellänge: 48:59 Minuten

Genre: Power Metal, Melodic Metal

Release: 14.01.2022

Label: Pride & Joy Music

Link: https://www.facebook.com/tristanharderstwilighttheatre/

Bandmitglieder:

Gesang – Tristan Harders
Instrumente – Tristan Harders

Tracklist:

  1. Entrance
  2. The End
  3. Open The Gates
  4. Rise Against The Tyranny
  5. Halls Of Glory
  6. Interlude In G# Minor
  7. Quest Into The Mountains Of Steel
  8. When Fairytales Are Gone
  9. In The Realms Of Memories
  10. Back To Avalon
  11. Save Me From Insanity
  12. Between The Battles

Als Frontmann der deutschen Power Metal Formation Terra Atlantica hat sich Songwriter und Multiinstrumentalist Tristan Harders bereits überregional einen Namen gemacht. Zu seiner Interpretation des Chris De Burgh Songs The Mirror Of The Soul, die er mit Terra Atlantica 2020 veröffentlichte, konnte er nicht nur zahlreiche namhafte Gastmusiker gewinnen, auch von Chris De Burgh selbst erhielt Tristan Worte des Lobes. Ebenso darf seine Teilnahme am The Blind Guardian Imagination Song Contest durch das Erreichen der zweiten Runde und das durchweg positive Feedback von Blind Guardian als großer Erfolg gewertet werden. Mit seinem Soloprojekt Tristan Harders‘ Twilight Force möchte der Wahl-Hamburger seine Karriere nun weiter voranbringen. Dabei ist das Projekt eher aus der Not heraus geboren. Die pandemiebedingt wenigen Möglichkeiten zu gemeinsamen Proben mit seiner Band Terra Atlantica, und die rar gesäten Live-Auftritte verursachen in Tristan eine Leere, die ihn fast wahnsinnig gemacht hat. Zum Ausfüllen dieses künstlerischen Vakuums begann Tristan Songs aufzunehmen, die sich im Laufe der letzten Jahre angesammelt haben und bisher keine Verwendung fanden.

Foto: Simon Spinas

Das Solodebüt trägt den treffenden Titel Drifting Into Insanity. Ein Intro, ein Interlude und zehn Songs bringen eine Spiellänge von rund 50 Minuten auf den Silberling. Musikalisch ist das Album geprägt durch den Power Metal der frühen 2000er-Jahre und damit nah an dem Sound von Tristans Hauptband Terra Atlantica. Entrance führt den Hörer mit Fanfarenklängen in den Longplayer ein. Direkt der erste Song lässt Rückschlüsse auf die emotionale Lage zu, in der das Album entstand. Dieser berichtet von nichts Geringerem als dem Ende der Menschheit. The End prangert dabei die „Geld regiert die Welt“-Mentalität der Menschen an, die sich nachhaltig negativ auf unsere Umwelt auswirkt. Das zugehörige Lyrikvideo hat Tristan im heimischen Studio ebenfalls eigenhändig produziert. Auf den rasanten Start folgt ein geschmeidiges Midtempo-Stück. Der Gesang ist clean und zumeist in mittleren Tonlagen, dennoch zeigt Tristan auch in Open The Gates die hohe Dynamik seiner Stimme. Insbesondere die Tempowechsel sind gesanglich wie auch instrumental sehr gelungen. Weiter geht es mit Rise Against The Tyranny. Instrumental wird hier aus allen Rohren gefeuert, der eingängige Refrain und die gekonnt in Szene gesetzte Chöre machen diesen epischen Song zu einem kleinen Meisterwerk. In den Chören sind übrigens neben Tristan selbst auch Robin Kelka und Finn Harders zu hören. Ein Musikvideo ist bereits vorab zu Halls Of Glory erschienen. Die erzählte Geschichte wurde von Baererfilms GmbH aufwendig produziert und ist sicher einer der Höhepunkte von Drifting Into Insanity. Das instrumentale Interlude In G# Minor leitet anschließend in den zweiten Akt des Werkes über. Zum Mitgrölen laden die Refrains der folgenden beiden Songs Quest Into The Mountains Of Steel und When Fairytales Are Gone ein. Der erstgenannte Titel animiert dazu, sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen, um scheinbar unüberwindbare Hürden zu meistern. Der Song ist entsprechend kraftvoll und energiegeladen. Der Zweitgenannte schlägt in eine ähnliche Kerbe, es geht darum, den Glauben nicht zu verlieren. Die musikalische Umsetzung ist hier passenderweise etwas ruhiger und nachdenklicher. Beide Songs haben inhaltlich in meinen Augen quasi immer Saison, aber gerade zum Meistern der heutigen Zeit sind sie brandaktuell. Mit The Realms Of Memories folgt ein weiterer vielschichtiger Uptempo-Song. Das Schlagzeug dominiert zumeist, Highlights werden durch den geschickten Einsatz des Keyboards gesetzt. In Back To Avalon wird das Tempo etwas gedrosselt, die Chöre kommen erneut zum Einsatz und schaffen eine mystische Stimmung. Für Save Me From Insanity konnte Tristan internationale Gastmusiker gewinnen. Gesangliche Unterstützung kommt durch Tomi Fooler, den Frontmann der italienischen Power Metal Band Skeletoon. Außerdem steuert der Axtschwinger der dänischen Truppe Seven Thorns, Gabriel Tuxen, ein brillantes Solo bei. Ruhig, fast schon besinnlich oder besser versöhnlich schließt Between The Battles das durchweg gelungene Album ab.

Tristan Harders‘ Twilight Theatre – Drifting Into Insanity
Fazit
Mit Drifting Into Insanity ist es Tristan Harders gelungen, die aktuelle Stimmungslage einzufangen. Trotz seines teils gesellschaftskritischen Ansatzes und der düsteren Wahrnehmung der aktuellen Situation bleibt die Hoffnung auf bessere Tage immer hörbar. Das Werk ist nachdenklich und zugleich energiegeladen, voller Zuversicht und Aufbruchstimmung. Obwohl die Songs über einen langen Zeitraum entstanden sind, fügen sie sich in diesem Projekt ganz wunderbar zu einem starken Longplayer zusammen. Fans von Bands wie Twilight Force, Rhapsody Of Fire oder Avantasia kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten.

Anspieltipps: The End, When Fairytales Are Gone und Save Me From Insanity
Lars T.
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