Eventname: The Never Enough Tour
Headliner: Turnstile
Vorbands: High Vis, The Garden
Ort: Sporthalle, Hamburg
Datum: 09.11.2025
Kosten: 59,20 €
Genre: Hardcore, Alternative/Indie, Experimental Rock
Besucher: ca. 7000 Besucher
Veranstalter: Dreamhaus
Link: https://www.prk-dreamhaus.com/
Turnstile Setlist:
- Never Enough
- T.L.C. (Turnstile Love Connection)
- Endless
- I Care / Dull
- Don’t Play
- Real Thing
- Drop
- Light Design
- Come Back For More / Fazed Out
- Sunshower
- 7 12. Keep It Moving
- Pushing Me Away
- Fly Again
- Sole
- Seein‘ Stars
- Holiday
- Look Out For Me
- Mystery
- Blackout
- Birds
Wir machen uns auf den Weg zur Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg. Wie gewöhnlich findet bereits am Ausgang der S-Bahn-Station Lattenkamp die übliche Pilgerung statt, in der man sämtliche Getränke von nicht-offiziellen Verkäufern angeboten bekommt. Ich gehe mal das Risiko ein, die Spaßverderberin zu machen, und nutze die Möglichkeit, mich darüber zu beschweren, dass ich noch nie alkoholfreie Getränke angeboten bekommen habe. An einem Sonntagabend wäre ein koffeinhaltiges, zuckerfreies Getränk nicht schlecht gewesen.
Der Abend startet mit der britischen Band High Vis, die energetisch die Bühne betritt und gleich mit ihrem persönlichen Touch des Indie-/Alternativ-Genres die halb gefüllte Sporthalle animiert. Das Quartett fällt auf durch sein sehr punkiges Auftreten und seinen Klang. In deren Kompositionen finden Zuhörer jedoch viel mehr, ein Beispiel dafür ist Mind’s A Lie, das atmosphärischer ist als andere Lieder. Als Highlight bleibt für uns Altitude, ein Lied, welches alle Anwesenden in seinen Bann zieht, obwohl der Sound alles andere als hervorragend ist (wie man es von der Sporthalle gewohnt ist). Zwischendurch bedankt sich der Sänger bei den bereits angekommenen Besucher:innen und betont, wie nice es ist, als (anscheinend kleinere) Band, solche größere Venues spielen zu dürfen, und bedankt sich für diese Möglichkeit. Mit einem starken politischen Statement kann der Frontmann Graham Sayle viele Sympathiepunkte sammeln: Er fordert das Publikum auf, sich nicht von falscher Hetze manipulieren zu lassen, denn Migranten seien nicht das Problem, sondern Billionäre und „fucking Twats“, welche unsere und deren Herkunftsländer kaputtmachen. Trotz der relativen Kürze der Lieder, ist das Konzert von High Vis gelungen und weckt die Neugierde nach deren Musik in uns.
Das britische Duo The Garden betritt die Bühne zunächst vor der Hauptband Turnstile. Was nun geschieht, haben wir nicht kommen sehen. Zugegeben, sind wir an erster Stelle wegen Turnstile hier und wir bewegen uns auf dieser Seite des Bildschirms eher weniger in Indie-Sphären. Obwohl wir es immer wieder versuchen, bleibt die Auswahl der Bands, welche es in die persönliche Playlist schaffen, begrenzt. Einer der Gründe, warum der Abend so gut läuft und laufen wird, ist bereits klar und geht definitiv zurück auf den Auftritt von The Garden. Es ist schwer zu beschreiben, was das Duo macht, jedoch hört man im Stil viel klassischen Punk mit Noise- bzw. Drum & Bass-Einflüssen, manchmal sogar Surf-Rock, und viel mehr. Der Mix ist so verrückt, dass das Duo sich dazu gezwungen sieht, seinen eigenen Stil als „Vada Vada“ zu bezeichnen. Die Stimme ist nicht weniger interessant, der tiefe Clean-Gesang und seine Melodien erinnern zwischendurch an Alex Turner von The Artic Monkeys, die aber ihren Eigenstil beibehalten, und sind teilweise von Harsch-Vocals akzentuiert. Es ist uns bewusst, dass die Beschreibung eher wild klingt, und das ist es live auch, aber wir möchten euch an dieser Stelle vergewissern, dass das Ganze einfach Sinn ergibt und verdammt viel Spaß macht. Ein Grund dafür ist die Eingängigkeit der Kompositionen. So eine wilde Mischung als eingängig zum Funktionieren zu bringen, ist an sich eine Leistung. Selbstverständlich trägt auch die eindrucksvolle Live-Ausführung der Zwillinge Wyatt und Fletcher Shears zum Erfolg bei. Insgesamt sind The Garden eine der innovativsten und gleichzeitig eingängigsten (denn innovativ heißt nicht immer „massentauglich“) Bands, die wir seit langem erleben dürfen.
Der Name Turnstile sollte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Die Band ist bereits seit 2010 unterwegs, aber erst zwischen den Veröffentlichungen des dritten und vierten Albums gewannen sie immer mehr an Popularität weltweit. Dieses Jahr erschien ihr fünftes Album namens Never Enough, welches sich in den US-amerikanischen Top 10 Charts platzierte. Jetzt kommt die Zeit des Headliners und mit einem solch knallharten Anfang haben wir nicht gerechnet. Das Quintett legt gleich mit seinem Superhit Never Enough los. Während es übertrieben klingen mag, explodiert das Publikum wirklich im Tanz und Schrei. Man sieht nur, wie sich eine Menschenwelle bildet, die einen nach rechts und links zieht, und wer ein Getränk in der Hand hält und das nicht kommen sieht, hat hier verloren. Heute wird es unmöglich, stillzubleiben. Never Enough ist ein gutes Beispiel für die musikalische Entwicklung, die zum weltweiten Erfolg von Turnstile führt. Man erkennt die Hardcore-Wurzeln der Band, aber Melodien, Emotionalität und Atmosphären stehen heutzutage im Vordergrund. Das Muster zieht sich auch durch Songs wie I Care, wo sich die typischen Hardcore-Moves eher zum Tanzen entwickeln. Auch wenn ältere Lieder wie Holiday oder Glow Up ihren härteren Charme nicht verlieren und weiterhin sehr effektiv sind, kann man Folgendes feststellen: Die Energie steckt viel mehr in den neueren Kompositionen. Dies sollte klar sein, wenn die Diskokugel vom Dach runter Richtung Bühne gelassen wird, während das Intro für Seeing Stars im Hintergrund spielt, bis das Lied offiziell anfängt und sich das Publikum abermals in eine tanzende Masse verwandelt, welche die vollkommene Ekstase erreicht, als die Gitarre die melodische Fortführung des Gesangs übernimmt.
Am heutigen Abend beweisen Turnstile einmal mehr, dass sie an der Spitze des Genres angekommen sind. Die Band schafft es, wie kaum eine andere, das Publikum zum komplett losgelösten, emotionalen Ausbruch zu bringen. Wir können es kaum erwarten, was die Zukunft für das Quintett bereithält.



